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Aufklärung von Kindern: Antworten auf typische Kinderfragen

Aufklärung von Kindern: Antworten auf typische Kinderfragen

Wie kommen die Babys in den Bauch? Und wieder raus? Was ist fi**en?
So manche Frage bringt uns Eltern gehörig ins Schwitzen …
Wie und wann sage ich ES meinem Kind? Wie soll ich auf solche Fragen antworten?
Die richtigen Worte bei der Aufklärung zu finden, ist alles andere als leicht. Die Sexualpädagogin Gabriele Rothuber gibt in diesem Gastbeitrag konkrete Tipps zur Aufklärung von Kindern und mögliche Antworten auf typische Kinderfragen:

Aktiv sein in der Aufklärung

Oft werden wir mit der Frage konfrontiert, ob es reicht, den Kindern die Fragen zu beantworten, die sie stellen? Ja, natürlich sollen wir ihnen ihre Fragen beantworten. Doch was ist mit den Kindern, die keine Fragen stellen?

Man weiß, dass Kinder sich Antworten „zusammenreimen“, wenn sie keine erhalten. Und Fragen zu ihrem Entstehen interessieren alle Kinder bereits im Kindergarten. Einige artikulieren sie, andere erfinden Antworten (Anmerkung von Mutti: Diese Antwort hat mein Kind erfunden), andere Kinder sind allgemein introvertierter und fragen weniger. Wieder andere haben ältere Geschwister, schnappen Ausdrücke auf, kennen jedoch die Zusammenhänge nicht.

Vergleichen wir Aufklärung mit Verkehrserziehung, so wird eines deutlich: Wir erklären Kindern, was es mit den grünen und roten Lichtern an der Ampel auf sich hat – und zwar nicht erst, wenn sie den Schulweg alleine zurücklegen werden. Und Verkehrserziehung ist aufbauend: es werden Fakten in der Schule dazukommen, das Wissen wird erweitert, wenn die Fahrrad-, später die Moped- und schließlich die Führerscheinprüfung ansteht. Und die Sexualerziehung sollte ebenfalls begleiten, auf vorhandenem Wissen aufbauen und offen für Fragen sein.

Kinder aufklären: Ab wann?

Man weiß aus der psychosexuellen Entwicklung, dass die Fragen der Kinder zum Themenkreis der Sexualität ab etwa drei Jahren beginnen. Und zwar interessieren sie sich meist zuerst für die Unterschiede zwischen Buben und Mädchen. Mit ca. vier Jahren kommt die Frage auf „Woher kommen die Babys?“ – da reicht die Antwort: „Aus dem Bauch der Mama.“ Mit ca. fünf Jahren wollen sie wissen, wo die rauskommen und mit etwa sechs Jahren wie sie reingekommen sind.

Übrigens: Man kann nicht nicht Sexualerziehung betreiben und sie ist immer auch Wertevermittlung: ein Nichtreagieren, Übersehen, Verdrängen des Sexuellen hat Konsequenzen für die Einstellung und das Verhalten der Kinder. Wie und ob auf Kinderfragen, die Sexualität betreffend, reagiert wird, überträgt Werte und Wertigkeiten an die Kinder. Es ist hilfreich, sich eine „Sprache“ für diese Fragen anzueignen.

Kinderfragen beantworten

Wenn eine Frage Sie überrascht, bleiben Sie authentisch: Etwa: „Meine Mama hat mit mir nie über sowas geredet. Das ist auch nicht so einfach für mich, aber ich probier es.“ Oder: „Eine spannende Frage! Ich weiß nur noch nicht genau, wie ich sie dir beantworten werden. Reden wir morgen weiter.“ Das heißt: raus mit dem Tempo – und dann von sich aus wieder auf das Kind zugehen. Sonst gehört man zu den Erwachsenen, die man zwar fragen kann, aber von denen man keine Antworten bekommt. Und dann suchen die Kinder sich die Antworten woanders: bei großen Geschwistern, Jugendlichen und viel zu schnell im Netz.

Ein Grundprinzip des Fragenbeantwortens soll folgende Herangehensweise verdeutlichen: Wenn Ihr Kind Sie fragt: „Wo wohnt der Löwe“ – werden Sie punktgenau antworten: „In der Savanne / in Afrika / im Zoo“. Sie werden kaum hochwissenschaftlich antworten: „Der Löwe gehört zur Gruppe der Großkaztzen, der lateinische Ausdruck ist Leo, die Weibchen erreichen ein Stockmaß von 40 cm, die Männchen von 60 …”. Sondern Sie antworten punktgenau.
Viele Erwachsene werden bei Fragen um die Sexualität jedoch wissenschaftlich – vielleicht in der Hoffnung, das Kind würde es dann eh gleich nicht mehr interessieren. Oder es kommt Stress auf: „Warum will sie/er das jetzt wissen? Wer hat das gesagt? Ist sie/er noch viel zu jung?“ Ganz egal – wenn die Frage da ist, muss sie beantwortete werden, sie kommt sonst nie wieder.

Aufklärung ist wichtig!

Aufklärung ist ein immens wichtiger Baustein in der Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch: Kinder, die es gewöhnt sind, über die „Sonnenseiten“ der Sexualität zu reden, werden mit den Schattenseiten eher zu den Eltern kommen. Aufgeklärte Kinder haben Namen für alle Körperteile (Kosenamen sind ok, fachlich richtigen steht aber nichts im Wege und die sind nicht peinlich und verstehen alle) und sie wissen, wo Sex „hingehört“: nämlich zu großen Jugendlichen oder Erwachsenen, wenn die sich lieb haben und es beide wollen.

Und wenn Kinder lachen oder sich bei dem Thema ekeln: völlig normal und altersadäquat! Bestärken Sie sie darin: „Das kann man sich in deinem Alter gar nicht vorstellen, das darf auch niemand mit einem Kind machen!“ Somit haben sie „Prävention gemacht“, ohne Kinder zu ängstigen.

Prävention ist ein sehr wichtiges Thema! Siehe auch: Missbrauch vorbeugen: Das können Eltern tun | Interview + Buchtipps

Aufklärung kann man lernen

Halten Sie kurz inne und fragen Sie sich: „Wann wurde ich von wem wie aufgeklärt?“
Danach beantworten Sie folgende Frage: „War es so toll, dass ich es mit meinen Kindern genauso machen würde?“
Wenn Ihre Antwort JA ist, gratuliere ich herzlich. Das können nicht viele Menschen von sich behaupten.
Wenn NEIN: man kann „das“ lernen!
Voilà:

Aufklärung:
Fragen von Klein- und Volksschulkindern und mögliche Antworten

Dazu sei vermerkt: Ich arbeite seit über 10 Jahren in der sexuellen Bildung – vor allem mit Volksschulkindern. Diese Fragen – und hunderte mehr – stellen Kinder, wenn sie eine wertschätzende, offene Atmosphäre vorfinden. Auch und besonders die, von denen uns Eltern am Elternabend sagen: „Meine(n) interessiert das noch überhaupt nicht!“. Das sind dann oftmals Kinder, die vielleicht einmal eine (vielleicht gar nicht so explizite) Frage stellen und merken mussten: Ups, das geht ja gar nicht! Also lieber die Antworten woanders holen.

Frage: Was ist der Unterschied zwischen Buben und Mädchen?

Antwort ab 3 Jahren: „Mädchen haben eine Scheide, Buben einen Penis.“

Natürlich haben auch alle anderen Wörter, wie sie etwa im Elternhaus Verwendung finden, ihre Berechtigung. Wichtig ist, dass Kinder allgemeingültige Ausdrücke für all ihre Körperteile bekommen – so werden „richtige“ Ausdrücke übernommen und fließen in die Alltagssprache ein.

In den darauffolgenden Jahren (etwa ab 4) wird das Thema „wo komm ich her?“ interessant. Bei Kindern, die ein Geschwisterchen bekommen, wird dies auch früher aktuell. Größeren Kindern kann man auch die Veränderungen in der Pubertät erklären. Und dass die meisten Kinder als Buben oder Mädchen geboren werden, manche ein „bisschen dazwischen“ (intergeschlechtliche Kinder).

Frage: „Wo kommen die Babys her?“

Antwort: „Aus dem Bauch von der Mama.“

Dies ist für ein Kind im 4. Lebensjahr eine ausreichende Antwort. Wenn nicht, wird das Kind ohnehin weiterfragen.

Frage: „Wo kommen die Babys raus?“

Antwort: „Aus der Scheide der Mama.“

Oft möchten Kinder dieses „Loch“, aus dem sie auf die Welt kamen, gerne sehen. Hier ist es natürlich jeder Mutter selbst überlassen, wie detailreich sie diese Frage beantworten möchte. Im Kindergarten kann ein Buch helfen, das die weiblichen Geschlechtsorgane abbildet. Auch die Frage: „Tut das weh?“ ist zu erwarten. Hier kann ohne Weiteres bejaht werden. „Doch ist man dann so glücklich, dass das gar nicht mehr wichtig ist.“

Und dann die Frage, die Kinder ab etwa fünf oder sechs Jahren brennend interessiert:

Frage: „Wie kommen die Babies in den Bauch?“

Antwort: „Wenn ein Mann und eine Frau (Papa und Mama) sich ganz lieb haben, dann wollen sie ganz eng kuscheln und sich streicheln. Und das engste, wie man miteinander kuscheln kann, ist, wenn die Scheide den Penis aufnimmt. Und wenn es am Allerschönsten ist, kommt aus dem Penis der Samen vom Mann in die Scheide der Frau. Dann kann ein Baby wachsen.“

Man kann den männlichen Orgasmus auch mit einem Feuerwerk vergleichen, das den Höhepunkt einer Party anzeigt. Größere Kinder werden sich wahrscheinlich dafür interessieren, dass nun Eizelle und Samenzelle aufeinander treffen, wo diese herkommen, wieviele wir davon haben etc.

Viele Kinder reagieren, indem sie das eklig finden. Hier ist ein guter Zeitpunkt, die Prävention ganz beiläufig anzusprechen: „Genau, Kinder können sich das meist nicht vorstellen, dass das was Schönes ist. Aber wenn zwei größere Jugendliche oder zwei Erwachsene das wollen, ist das etwas sehr Schönes. Mit Kindern darf man das aber nicht machen.“

Frage: „Was ist Sex?“

Antwort: Hier ist der jeweils individuelle Begriff zu definieren: was bedeutet / inkludiert Sex für mich? Handelt es sich hierbei um den Geschlechtsakt – siehe Antwort oben. Umfasst „Sex“ mehr, kann man küssen, streicheln, verwöhnen etc. mit einbringen.

Frage: „Was ist ficken?“

Sexualisierte Sprache und was tun damit?

Antwort: „Ficken ist ein anderer Ausdruck für Liebe machen.“

Spätestens wenn umgangssprachliche Wörter für Sexualität im Alltag von Kindern angesprochen werden, ist es an der Zeit, sich klare Regeln auszumachen. Was ist in Ordnung? Was wollen wir gar nicht? Wortregeln sind in jeder Familie, in den Peers der Jugendlichen, in Institutionen unterschiedlich, müssen immer wieder neu artikuliert und eingefordert werden. Sprechen Erwachsene das Wort „ficken“ aus, erklären es und sagen dazu, dass sie das Wort aus dem oder dem Grund nicht mögen und lieber ein anderes hätten, wird dem Wort die Brisanz genommen. Höre ich als Kind aber von im Gesicht hochroten Erwachsenen: „Da sagt man nicht!“ – tja, dann hat das Wörtchen schon eine große Macht.

Frage: „Was ist die Regel?“

Antwort: „Die Regel ist Blut, das einmal im Monat bei erwachsenen Frauen oder jugendlichen Mädchen aus der Scheide kommt. In der Gebärmutter (mit Bildern untermauern) wird immer ein schöner Platz für ein Baby vorbereitet. Und wenn kein Baby wächst, wird das Bettchen nicht gebraucht und geht als besonders wertvolles Blut durch die Scheide aus dem Körper. Damit das Bettchen immer frisch ist, wird dann wieder ein neues hergerichtet.“

Wichtig ist die Betonung, dass es sich hierbei um keine Wunde handelt – kleine Kinder assoziieren Blut mit Verletzung. Kommt die Frage: „Tut das weh?“ hinterher, ist es für einen positiven Zugang zur Menstruation notwendig, nicht von etwaigen persönlichen Beschwerden zu erzählen, sondern allgemeiner zu reagieren: „Viele Mädchen / Frauen haben keine Beschwerden. Man kann aber ein wenig Bauchziehen haben und sich dann mit einer Wärmeflasche helfen.“

Ab und an haben wir 9-jährige Mädchen in den Klassen, die bereits die Regel haben. Zwischen 9 und 16 ist alles völlig normal.

Frage: „Was ist ein Tampon?“

(Ein sehr ominöses, weißes Teil für viele Kinder!)

Antwort: „Das ist zusammengepresste Watte, die in die Scheide geschoben wird, damit das Blut, das bei der Regel kommt, nicht in die Unterhose tropft.“

Zu Bedenken gilt es, auch hier nicht das Wort „verschmutzt“ zu verwenden.

Frage: „Was ist ein Kondom?“

Antwort: „Ein Kondom besteht aus Gummi, den sich der Mann über den Penis ziehen kann, wenn er beim Sex keine Babys machen möchte. Es hilft auch, damit man sich beim Sex nicht mit Krankheiten anstecken kann.“

Immer wieder werden Kondome auf Schulhöfen oder in Parks gefunden und von kleineren Kindern aus Neugier aufgehoben. Seien wir uns darüber bewusst, dass weggeworfene Kondome Krankheitserreger enthalten können! Kondome sind nach wie vor das einzige Verhütungsmittel, das vor Krankheiten schützt – und Kinder wissen ja auch, dass man auch krank werden kann, wenn man sich anniest.

Frage: „Was ist schwul?“

Antwort: „Wenn zwei Männer sich so lieb haben wie Mama und Papa.“

Größere Kinder werden eventuell weiterfragen, ob die dann auch Sex haben: „Wenn zwei Männer miteinander kuscheln, kann es sein, dass der Penis in den Popo rutscht.“
Kinder nehmen diese Antwort im allgemeinen ähnlich auf, wie die Erklärung von heterosexuellem Geschlechtsverkehr: sie finden das Ganze enorm eklig!

Frage: Was ist lesbisch?“

Antwort: „Wenn zwei Frauen ineinander verliebt sind / sich so lieben wie Mama und Papa“.

Und wenn wer wissen will, wie die Sex machen (ja, diese Frage stellen Volksschulkinder): „Die können auch miteinander schmusen, sich streicheln, überall küssen, nackt kuscheln ….“.

Frage: „Was ist ein feuchter Traum?“

Antwort: „Wenn ein Junge zum Mann wird, beginnen in den Hoden Samenzellen zu wachsen, die in den Nebenhoden gelagert werden. Und wenn diese „Lagerhallen“ voll sind, kann es sein, dass sie in der Nacht aus der Penisspitze rauskommen. Das nennt man Samenerguss.“ Um ehrlich zu sein: meist kommt diese Frage eher so: „Die Mädchen bekommen also die Regel und wissen, dass sie in der Pubertät sind – und wir Buben?“

Mädchen werden meist recht gut vor der ersten Regel über die Regel aufgeklärt – die meisten Burschen wissen nicht, was passiert, wenn sie den ersten Samenerguss haben. Viele denken, sie hätten wieder ins Bett gemacht. Diese Peinlichkeit kann man ihnen ersparen.

Was Wichtiges zum Schluss:

Je früher Sie in der Familie beginnen, das Thema Sexualität als ganz normales Thema anzusprechen, desto leichter werden Sie es haben und desto länger werden Ihre Kinder mit Fragen zu Ihnen kommen. Lassen Sie die Volksschulzeit nicht ungenützt verstreichen, um hier eine gute Basis zu legen. Später wird es „peinlich“ oder krampfig und spätestens mit Schulwechsel erziehen das Internet und die Peers mehr mit als Sie.


Buchtipps für Eltern

Buchtipps für Kinder

Achtung: immer zuerst durchblättern, ob es zu Ihnen und Ihren Werten passt!


Mädchenfragebücher / Jungsfragebücher: immer beide kaufen!


Über die Autorin:

Mag.a Gabriele Rothuber ist Sexualberaterin, Systemische Traumaberaterin und -Pädagogin. Sie ist Geschäftsführerin und Dipl. Sexualpädagogin beim Verein Selbstbewusst in Salzburg. www.selbstbewusst.at


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Muttis Nähkästchen

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter (aka. Rabenmutter). Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. oh ja, da musste ich auch schon so einiges gerade biegen, als ein Freund (Erzieher) seinem Sohn erklärte, dass sein Bruder aus der Bauchnabelöffnung kommt. Der war ganz geschockt und meine Tochter stand rätselnd daneben, weil ich es ihr richtig erklärt hatte – davor…

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