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Barfußlaufen: So profitieren Kinderfüße

Bildquelle: Depositphotos

Barfußlaufen: So profitieren Kinderfüße

Schuhe aus und los: Wenn Kinder über Wiesen, Sand oder Waldboden laufen, erleben sie nicht nur den Sommer mit allen Sinnen. Ganz nebenbei fördern sie die natürliche Entwicklung ihrer Füße. Warum Barfußlaufen so hilfreich ist, wann Schuhe trotzdem wichtig sind und bei welchen Anzeichen ihr ärztlichen Rat einholen solltet.


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Barfußlaufen: So profitieren Kinderfüße


Barfuß durch den Sommer

Viele Kinder ziehen ihre Schuhe aus, sobald sie eine Wiese, einen Sandstrand oder einen weichen Waldboden entdecken. Was sich nach unbeschwerter Sommerfreude anfühlt, kann zugleich einen wichtigen Beitrag zur Fußgesundheit leisten.

Beim Barfußlaufen müssen sich die Füße immer wieder an neue Untergründe anpassen. Muskeln werden aktiviert, das Gleichgewicht wird gefordert und die vielen Sinneszellen an den Fußsohlen nehmen unterschiedliche Reize wahr. Dadurch lernen Kinder, ihre Bewegungen an den jeweiligen Boden anzupassen.

Gerade in den ersten Lebensjahren ist diese Bewegung besonders wertvoll. Die Strukturen der Füße sind noch weich und flexibel. Muskeln, Sehnen und Bänder entwickeln sich erst schrittweise und reagieren auf Belastungen sowie unterschiedliche Bewegungsreize.


Flache Füße sind bei Kleinkindern meist ganz normal

Viele Eltern sind zunächst verunsichert, wenn die Füße ihres Kindes flach wirken. In den meisten Fällen besteht dafür jedoch kein Grund zur Sorge. Fast alle Kleinkinder haben anfangs ein abgeflachtes Fußgewölbe.

„Fast alle Kleinkinder starten mit eher flachen Füßen, das ist völlig normal. Erst durch Bewegung und unterschiedliche Reize bildet sich das Fußgewölbe nach und nach aus. Barfußlaufen auf wechselnden Untergründen aktiviert die Muskulatur und unterstützt diese Entwicklung“, sagt Dr. Jörn Dohle, stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU).

Das zunächst flache Erscheinungsbild wird als kindlicher Knick-Senkfuß bezeichnet. Dabei kippt die Ferse leicht nach innen. Gleichzeitig ist das Längsgewölbe noch nicht vollständig ausgeprägt, weshalb der gesamte Fuß flacher aussieht.

Medizinisch handelt es sich um eine dreidimensionale Veränderung des Fußes, die in den ersten Lebensjahren in der Regel zur normalen Entwicklung gehört. Der Fuß wächst nicht einfach nur, sondern verändert auch seine Form. Bewegung, Muskelkraft und alltägliche Belastungen unterstützen diesen Prozess.


Wie sich das Fußgewölbe entwickelt

Das Fußgewölbe entsteht nicht von einem Tag auf den anderen. Es bildet sich über viele Jahre hinweg aus. Während dieser Zeit gewinnen Muskeln, Sehnen und Bänder zunehmend an Stabilität.

Prof. Dr. Stefan Rammelt, Vorsitzender der DGOU-Sektion Deutsche Assoziation für Fuß und Sprunggelenk (DAF), erklärt:

„Erst im Laufe der Kindheit und im Jugendalter bildet sich das Fußgewölbe vollständig aus. Es übernimmt später eine zentrale Funktion: Es wirkt wie ein Stoßdämpfer, verteilt das Körpergewicht gleichmäßig und sorgt für Stabilität und Balance beim Gehen und Laufen“.

Ein gesund entwickeltes Fußgewölbe hilft dem Körper also, Belastungen abzufedern. Beim Laufen, Springen und Klettern verteilt es das Körpergewicht und stabilisiert die Bewegungen. Damit erfüllt es eine wichtige Aufgabe für den gesamten Bewegungsapparat.

Eltern müssen die Entwicklung jedoch nicht durch besondere Übungen erzwingen. Viel wichtiger ist es, Kindern ausreichend Raum für natürliche Bewegung zu geben.


Unterschiedliche Untergründe setzen wertvolle Reize

Ein glatter Boden fordert die Füße weniger als eine unebene Wiese oder ein weicher Sandweg. Deshalb profitieren Kinder besonders von wechselnden Untergründen.

Auf Sand sinken die Füße leicht ein und müssen mehr Kraft aufbringen. Kies oder Waldboden regen die Wahrnehmung an, während eine Wiese zu unterschiedlich langen und vorsichtigen Schritten einlädt. Dadurch entstehen vielfältige Bewegungsreize, die die Muskulatur aktivieren.

Ihr könnt diese Erfahrungen ganz unkompliziert in den Alltag integrieren. Im Garten, im Park, am Strand oder auf geeigneten Naturwegen finden sich viele Möglichkeiten. Es geht dabei nicht um ein festes Trainingsprogramm. Entscheidend ist, dass sich Kinder frei bewegen, ausprobieren und ihren eigenen Bewegungsimpulsen folgen können.

Laufen, springen und klettern stärken nicht nur die Füße. Auch Koordination, Gleichgewicht und Körpergefühl werden dabei gefordert.


So unterstützt ihr gesunde Kinderfüße

Lasst eure Kinder möglichst häufig barfuß laufen, sofern die Umgebung sicher ist. Besonders geeignet sind Wiesen, Sand, Kies oder Waldboden. Durch die unterschiedlichen Oberflächen erhalten die Füße abwechslungsreiche Reize.

Fördert außerdem viel Bewegung im Alltag. Kinder sollten Gelegenheit haben, zu laufen, zu springen und zu klettern. Diese Aktivitäten beanspruchen verschiedene Muskelgruppen und helfen den Füßen, allmählich stabiler zu werden.

Schuhe sind vor allem dann sinnvoll, wenn sie Schutz bieten müssen. Das gilt beispielsweise bei Kälte, auf ungeeigneten Böden oder an Orten mit Verletzungsgefahr. Achtet beim Schuhkauf auf weiche, flexible Modelle und ausreichend Platz für die Zehen. Schuhe sollten die natürliche Bewegung möglichst wenig einschränken.

Beobachtet zugleich, wie sich euer Kind bewegt. Schmerzen oder ein deutlich auffälliges Gangbild solltet ihr ärztlich abklären lassen.


Barfuß laufen für Kinder: Sicherheit geht vor

So gesund Barfußlaufen sein kann, nicht jeder Ort ist dafür geeignet. Prüft deshalb vorher, ob der Untergrund sicher ist! Scherben, spitze Steine oder andere scharfkantige Gegenstände können Verletzungen verursachen. Vorsicht ist auch bei stark erhitzten Oberflächen geboten. Asphalt, Steinplatten oder Sand können sich in der Sonne so stark aufheizen, dass empfindliche Kinderfüße Verbrennungen erleiden. Am besten fühlt ihr die Temperatur des Bodens selbst, bevor euer Kind die Schuhe auszieht. Auch öffentliche Wege, unbekannte Wiesen oder stark frequentierte Flächen solltet ihr genauer ansehen.

Barfuß laufen soll Freude machen und die Entwicklung unterstützen. Ein geeigneter und sicherer Untergrund gehört deshalb immer dazu.


Kindlicher Knick-Senkfuß: Wann ein ärztlicher Blick sinnvoll ist

Die S2k-Leitlinie „Kindlicher Knick-Senkfuß“ der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie zeigt, dass nur ein kleiner Teil der Kinder Beschwerden entwickelt. Schmerzen treten demnach bei weniger als zwei Prozent auf.

Trotzdem solltet ihr bestimmte Anzeichen ernst nehmen. Eine orthopädisch-unfallchirurgische Abklärung ist sinnvoll, wenn euer Kind über Schmerzen klagt, der Fuß steif wirkt oder das Kind nur ungern läuft. Auch ein auffälliges Gangbild kann ein Grund sein, ärztlichen Rat einzuholen.

Prof. Dr. Anna K. Hell, federführende Autorin und Koordinatorin der Leitlinie, weist außerdem auf mögliche Risikofaktoren hin: „Dabei spielen auch Risikofaktoren eine Rolle: Übergewicht kann die Entwicklung eines Knick-Senkfußes begünstigen, der sich nicht von selbst reguliert. Auch muskuläre Schwächen oder bestimmte Grunderkrankungen können Einfluss nehmen“.

Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen einem häufigen, flexiblen Knick-Senkfuß und einer seltenen, starren Form. Ein flexibler Knick-Senkfuß gehört meist zur normalen Entwicklung. Die starre Form kann dagegen auf strukturelle oder neurologische Ursachen hinweisen und sollte ärztlich untersucht werden.


Einlagen sind nur selten notwendig

Ein flacher Kinderfuß muss nicht automatisch behandelt werden. In der großen Mehrheit der Fälle reguliert sich die Fußform im Laufe der Entwicklung von selbst.

Einlagen oder andere spezielle Maßnahmen sind deshalb nur dann sinnvoll, wenn tatsächlich Beschwerden vorliegen. Ein Fuß, der flach aussieht, aber beweglich ist und keine Schmerzen verursacht, benötigt in der Regel keine Therapie.

Stattdessen profitieren Kinder von natürlicher Bewegung, passenden Schuhen und ausreichend Möglichkeiten zum Barfußlaufen. Ein vorsorglicher Einsatz von Einlagen ohne Beschwerden ist nach den vorliegenden Informationen nicht notwendig.

Eltern dürfen die Entwicklung also zunächst aufmerksam und gelassen begleiten. Der kindliche Fuß braucht vor allem Zeit, Bewegung und vielfältige Reize.


Schuhe sollten schützen, nicht einengen

Auch wenn Barfußlaufen viele Vorteile bietet, gehören Schuhe selbstverständlich zum Alltag. Sie schützen vor Kälte, Hitze, Nässe und Verletzungen. Entscheidend ist jedoch, dass sie gut passen.

Kinderfüße brauchen ausreichend Platz, damit sich die Zehen bewegen können. Zu enge oder starre Schuhe können natürliche Bewegungsabläufe einschränken. Flexible Sohlen ermöglichen es dem Fuß dagegen, besser abzurollen und den Untergrund wahrzunehmen.

Prüft regelmäßig, ob die Schuhe noch passen. Kinderfüße wachsen und verändern sich, sodass ein Modell, das vor einigen Wochen bequem war, inzwischen zu klein sein kann.

Wann immer die Umgebung es erlaubt, dürfen die Schuhe auch einmal ausgezogen werden. Auf diese Weise wechseln sich Schutz und natürliche Bewegungsfreiheit sinnvoll ab.


Der Sommer bietet die besten Voraussetzungen

Die warmen Monate machen es besonders leicht, gesunde Bewegung in den Familienalltag einzubauen. Kinder können draußen laufen, klettern, springen und verschiedene Untergründe erkunden.

Dabei braucht es weder besondere Geräte noch aufwendige Übungen. Eine Wiese, ein Sandweg oder ein sicherer Platz im Garten reichen bereits aus. Kinder trainieren ihre Füße meist ganz von selbst, wenn sie genügend Bewegungsfreiheit erhalten.

Für die meisten Kinder ist der Knick-Senkfuß ein vorübergehendes Entwicklungsphänomen. Schmerzen und behandlungsbedürftige Verläufe sind selten. Solange sich euer Kind gern bewegt, keine Beschwerden hat und der Fuß flexibel bleibt, könnt ihr die Entwicklung in der Regel entspannt begleiten.

Lasst eure Kinder deshalb ruhig öfter die Schuhe ausziehen! Der Sommer schenkt ihnen zahlreiche Gelegenheiten, ihre Umwelt mit den Füßen zu entdecken und dabei ganz nebenbei ihre Fußmuskulatur zu stärken.


Weitere Informationen

Weitere Informationen zur Fußgesundheit und zur orthopädisch-unfallchirurgischen Versorgung findet ihr bei der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie unter www.dgou.de.

Quellen: idw-online.de; Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V.: Kindlicher Knick-Senkfuß. S2k-Leitlinie, Version 4.0, gültig bis 01.06.2027. Verfügbar im AWMF-Leitlinienregister.


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