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Corona-positiv: Ein Erfahrungsbericht

Corona-positiv: Ein Erfahrungsbericht

Seit beinahe einem Jahr verfolgt uns nun das Thema Corona und trotzdem war es immer weit weg. Vor zwei Wochen hat sich das geändert: Corona-positiv. Wie es uns damit ergangen ist:

Corona polarisiert. Ein Teil der Bevölkerung hat panische Angst, weil Vorerkrankungen oder das Alter einen in die Risikogruppe zwängen. Der andere Teil verharmlost diese Krankheit als Schnupfen und lehnt jegliche Maßnahmen ab.

Ich persönlich befand mich zwischendrin. Natürlich fallen die Maßnahmen schwer. Homeschooling neben Home-Office und dem ganz normalen Wahnsinn machen das Mamaleben nicht unbedingt einfacher. Dennoch wollte ich mir diese Krankheit, die die ganze Welt in Schach hält, nicht unbedingt ins Haus holen. Wir haben uns so gut wie möglich distanziert und die Kinder gingen nur in die Betreuung, wenn es beruflich sein musste. Leider war schon das zu viel.


Corona-positiv

Corona-Positiv: Die Diagnose

Pünktlich zu meinem Geburtstag kam die Schreckensmeldung aus dem Kindergarten. Einige Kinder und Eltern wurden positiv getestet. Man solle genau auf Symptome achten. Sofort bin ich mit meiner Kindergartenmaus zur Apotheke gedüst und habe uns zwei Schnelltests besorgt. Bei beiden Tests erschien nach wenigen Sekunden der Kontrollstreifen. Mehr passierte nicht. Ich war wahnsinnig erleichtert und froh, dass wir noch einmal davon gekommen sind. Nach ca. 5 Minuten erschien am Test meiner Tochter ein blasser zweiter Streifen. Der Schock war groß: Corona-positiv.

Natürlich wollte ich das sofort abklären lassen und habe 1450 angerufen. 15 Minuten später hatten wir unseren Termin im Drive-In. Der PCR-Test war schrecklich für die kleine Maus. Sie hat fürchterlich geweint – den Schock und Schmerz aber Gott sei Dank schon nach wenigen Sekunden wieder verdaut.

Von da an begann das bange Warten. Stündlich habe ich den Code eingescannt und gehofft, dass der Schnelltest falsch war. Mein Mann hat uns zwei Tage vorher nicht gesehen, also hat er sich sofort weiterhin von uns separiert. Die vier Kinder und ich haben uns sofort in Quarantäne begeben. Am nächsten Morgen kam die offizielle Nachricht: Corona-positiv!


Entscheidungen und Quarantäne

Nun war es also offiziell. Es folgten viele Telefonate. Ein Teil des Kindergartens wurde geschlossen und die zuständige Behörde stellte uns unter Quarantäne. Jedes nicht positiv-getestete Familienmitglied bekam 14 Tage Quarantäne; positiv Getestete 10 Tage. Bei Kindern unter 10 Jahren darf man sich entscheiden, ob man einen PCR-Test durchführen lassen will oder ob man die längere Quarantäne in Kauf nimmt. Für Zweiteres habe ich mich entschieden. Lieber vier Tage länger zuhause als dieser – für Kinder doch sehr unangenehme – Test.

Ich musste am Tag 5 nach der Testung des Kindergartenmädchens zum PCR-Test. In der Zwischenzeit haben wir alle Familienmitglieder per Schnelltest positiv getestet. Auch mein Mann kam nach 3 Tagen Exil wieder nachhause. Auch er war Corona-positiv und ließ das auch mittels PCR-Test bestätigen. Nur ich war nach Tagen noch immer negativ bei jedem Schnelltest und dachte schon ich wäre immun.


Corona-positiv: Die Symptome

Den Kindern ging es wunderbar. Wir waren guter Dinge. Nur die Jüngste hatte etwas Fieber – das wars. Vielleicht ist Corona ja doch nur das Schreckgespenst, das nicht schlimmer als ein Schnupfen ist?


Freitag Mittag: Das Homeschooling, das wir auch in der Quarantäne bewältigt hatten, war erledigt. Zwei Stunden später war mein Termin für den PCR-Test. Ich stand in der Küche und begann das Mittagessen vorzubereiten. Von einer Sekunde auf die andere sah ich nur noch Sternchen und mir taten die Augen wahnsinnig weh. Mein Sichtfeld war auch einen kleinen Kreis in der Mitte eingeschränkt. Lesen wäre unmöglich gewesen. Wenige Minuten später begann meine rechte Körperhälfte zu kribbeln und wurde teilweise richtig taub. Ich dachte an einen Schlaganfall und machte die bekannten Selbsttests (Zunge rausstrecken, Sprechen, Finger an die Nase). Das alles hat funktioniert – das Sprechen fiel aber etwas schwerer.




Natürlich war nun nicht mehr daran zu denken selbst mit dem Auto zu fahren. Meine Familie musste mich also begleiten. Eine Stunde später waren wir wieder zuhause und wieder hatte ich einen richtigen Schub an Symptomen. Innerhalb 30 Minuten kletterte mein Fieber auf 39,5 und ich hatte Schmerzen im ganzen Körper. Meine Augen brannten, jeder Knochen schmerzte und durch das hohe Fieber war ich wie weggetreten. Ich konnte nicht mehr aufstehen und lag wie gelähmt stundenlang im Bett.


Das Schlimmste in diesen Stunden war die Angst. Was wenn sich die Symptome in dieser Geschwindigkeit weiter verschlimmern? Wie lange würde ich noch atmen können? Würde ich vielleicht bald an einer Maschine hängen oder vielleicht sogar sterben? Die Schreckensbilder aus Italien kamen mir in den Geist. Todesfälle auch bei jungen Menschen. Was würde mit meinen Kindern passieren? Ich darf noch nicht sterben! Ich muss das schaffen! Bange Stunden!


Doch der Höhepunkt war erreicht. Am nächsten Tag stieg das Fieber nicht mehr über 38,2 und es ging langsam bergauf. Leider wirklich sehr langsam, aber die Hoffnung wieder vollständig zu genesen, war wieder da!


Corona-positiv: Der Weg der Besserung

Die nächsten Tage waren mühsam. In Wellen ging es auf und ab mit meinem Gesundheitszustand. Ein Tag war gut – ich spürte wie langsam wieder Energie in meinen Körper zurückkehrte. Der nächste Tag brachte wieder Verschlechterung und ich konnte nie lange auf den Beinen sein. Neu dazu kamen Schnupfen, Husten und Probleme bei der Atmung. Besorgniserregend waren aber weiterhin meine neurologischen Probleme. Es war unmöglich länger vor einem Bildschirm zu sitzen. Schon eine kurze Mail war eine große Herausforderung. Wieder Ängste: Was sollte ich bloß beruflich machen, wenn ich nicht mehr vor einem PC sitzen kann?


Am 6. Tag kamen schreckliche Kopfschmerzen dazu. Vergleichbar mit einer Stirnhöhlenentzündung. Bücken oder schnelles Bewegen führten zu extremen Schmerzen. Es war zum Verzweifeln – kaum war ein Symptom beseitigt, kam ein Neues hinzu.


Corona-positiv: Ein Resümee

Noch heute – 13 Tage nach meiner positiven Testung und Beginn der Symptome – habe ich täglich Kopfschmerzen und es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht ein Schmerzmittel einnehmen muss. Ich bin noch immer schnell schlapp und muss mich zu meinem normalen Alltag mit 4 Kindern aufraffen. Bildschirmarbeit fällt mir noch immer schwer. Sorgen bereitet mir die Atmung. Meine Lunge ist eindeutig noch “beleidigt”. Abends fällt mir das Atmen schwer. Es fühlt sich an als läge ein großer Stein in meiner Lunge.


Das Schlimmste war und ist für mich die Angst. Zuerst die Angst vielleicht an dieser Krankheit zu sterben. Jetzt die Angst vor Langzeitschäden. Niemand weiß, welche Folgeerscheinungen wir in vielen, vielen Jahren von dieser Krankheit tragen. Es bleibt nur die Hoffnung, dass alles gut gehen wird.


Fakt ist aber: Corona ist kein Schnupfen. Tagtäglich spüre ich noch die Auswirkungen dieser fiesen Krankheit, die nicht umsonst die ganze Welt in Schach hält. Fakt ist auch: Die Diagnose Corona-positiv wünsche ich niemandem. Hoffen wir, dass Impfungen und andere Maßnahmen bald ihre Wirkung zeigen und wir wieder optimistisch in die Zukunft blicken können.


Corona-positiv

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Christine

Christine, chaotische Mama von 4 Kids berichtet hier als Co-Bloggerin vom Leben zwischen Babybrei und Vorpubertät! Der Social-Media Name "Die lauten Nachbarn" ist hier täglich Programm. Folgt uns gerne auch auf Instagram und Facebook!

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Danke für deine Offenheit und diesen authentischen Bericht!

  2. Vielen Dank für deine offene Darstellung. Auch, dass du, obwohl es mit Sicherheit sehr anstrengend war, dir die Mühe gemacht hast, den Bericht schon zu verfassen. Unsere Tochter geht seit 11,5 Monaten nicht mehr in den Kindergarten, weil wir eine Ansteckung um jeden Preis für meinen Mann verhindern müssen. Und uns hilft so ein ehrlicher Bericht, dass wir weiter durchhalten, weil eben niemand sagen kann, welche Folgen die Erkrankung hat.
    Natürlich machen wir uns Gedanken um die Sozialkompetenz, auch was ihr alles an schönen Erlebnissen, Eindrücken und Lernerfahrungen genommen wird, dass sie die Kindergartenzeit nicht mitmachen kann, aber ein Aufwachsen ohne Papa im schlimmsten Fall wäre das nicht wert in unseren Augen.
    Ich wünsche euch Kraft, Ruhe und Unterstützung, dass ihr alle wieder vollkommen gesund werdet!

  3. Vielen Dank für diesen Bericht. Mein Sohn lebt in einer Wohngruppe und wollte eigentlich diese Ferien nachhause kommen. Stattdessen musste die Einrichtung geschlossen und er in Zimmerquarantäne gepackt werden, weil mehrere Kinder (u.a. ein Klassenkamerad hinter ihm) positiv getestet wurden. Wir hatten Glück – außer 14 unglaublich langweiligen Tagen sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen. Da in unserem Haushalt 4 Personen in die Risikogruppe fallen, habe ich nahezu alle Kontakte nach draußen eingestellt. Hoffentlich werden wir geimpft, bevor es uns erwischt. Liebe Christine, was du beschreibst ist furchtbar und ich wünsche dir sehr für dich und deine Familie, dass du wieder vollständig gesund wirst und keine Langzeitschäden davonträgst.

  4. Ich finde es zwar sehr tragisch, dass sie einen doch recht schweren Verlauf hatten. Bin froh, dass es ihnen wieder einigermaßen gut geht. Allerdings finde ich es schade, dass es nur ein sehr einseitiger und doch angstverbreitender Artikel ist. Nicht jeder erkrankt so schwer und trägt solche starken Symptome davon. Es wäre auch schön gewesen den Verlauf der restlichen positiven Familienmitglied zu erfahren. Ich wünsche weiterhin alles Gute und gute Besserung.

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