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Diabetes bei Kindern: Interview mit einer betroffenen Mutter

Diabetes bei Kindern: Interview mit einer betroffenen Mutter

Kathi ist Bloggerin und Betroffene: Sie ist Mutter eines Kindes mit Diabetes. Das Thema Diabetes liegt ihr sehr am Herzen. Zum einen, weil ihre Tochter direkt betroffen ist. Zum anderen weil leider immer mehr Kinder an dieser Krankheit erkranken. Und weil es wichtig ist, die Eltern aufzuklären.



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Ich habe Sie zum Interview gebeten.
Hier erzählt sie über die Wichtigkeit, Diabetes zeitgerecht zu erkennen, welche Herausforderungen ein Kind mit Diabetes mit sich bringt und wo es Hilfe gibt.
Denn: Jedes Kind kann betroffen sein! 

Wie habt ihr erkannt, dass eure Tochter Diabetes hat?

Unsere Tochter zeigte die typischen Symptome. Sehr viel Durst (bei Tag und in der Nacht); Sie musste sehr viel auf die Toilette. Fast alle 30 Minuten und hat in kürzester Zeit sehr viel abgenommen.

Wie alt war sie da?

5 Jahre. Gerade im letzten Kindergartenjahr.

Gibt es typische Anzeichen, an denen man Diabetes bei Kindern erkennen kann?

Neben den drei schon oben genannten Symptomen (viel Trinken, häufiges Wasserlassen, Gewichtsabnahme) sind noch folgende Dinge typisch: Azetongeruch (Kind riecht nach Nagellack aus dem Mund), Müdigkeit, Schlappheit, Schwindel, Bauchschmerzen.

Warum ist es wichtig, Diabetes TYP 1 zu erkennen?

Es ist wichtig die Symptome schnell zu erkennen. Die Kinder können sonst innerhalb von ein paar Tagen ins diabetische Koma fallen. Und dann ist es oft ein Spiel um Leben und Tod.
Leider kennen auch nicht alle Kinderärzte die Symptome und schicken die Kinder mit der “Diagnose” “Ist halt mal so eine Phase; Seien Sie froh, dass ihr Kind trinkt” oder Blasenentzündung wieder nach Hause. Sobald Eltern bemerken, dass Ihre Kinder immer lethargischer werden, ist der Weg in die Notaufnahme unverzichtbar.
Die Kinder benötigen so schnell wie möglich Insulin. Da ihr Körper ohne die Zugabe nicht überleben kann.

Kannst du sagen, warum Diabetes so plötzlich auftritt?

Keiner weiß woher der Diabetes Typ 1 so plötzlich bei Kindern auftritt. Von den ersten Symptomen bis zur Diagnose geht es meist sehr schnell, da der Körper leider erst die ersten Anzeichen zeigt, wenn es schon zu spät ist. Wenn er nur noch eine sehr geringe Eigenproduktion an Insulin aus den Betazellen hat. Unsere Kinder haben, warum auch immer, Antikörper entwickelt, die die Betazellen zerstören.

Kann jedes Kind Diabetes bekommen?

Ja, jedes Kind kann Diabetes Typ 1 bekommen. Auch ohne irgendeine Vorerkrankung in der Familie. Wie bei uns, vor unserer Tochter hatte noch nie ein Familienmitglied Typ 1 Diabetes. Es kann alle Kinder treffen. Es hat nichts mit sozialem Status oder ähnlichem zu tun. Wir kennen Kinder aus allen Gesellschaftsschichten, wie es so schön heißt.

Oder ist das genetisch vordefiniert?

Es kann sein, dass es eine genetische Komponente gibt.

Warum erkranken immer mehr Kinder? Gibt es da Erkenntnisse oder Spekulationen? Was glaubst du?

Ich kann es wirklich nicht sagen, warum so viele Kinder an Diabetes Typ 1 erkranken. Derzeit gibt es eine jährliche Steigerungsrate von 5-7 Prozent bei Kindern im Vorschulalter. Und die Kinder werden bei der Diagnose immer jünger. Selbst Kinder im Alter von 12 Monaten erkranken leider schon daran. Spekuationen gibt es viele. Ich möchte da gar nicht so darauf eingehen, weil vieles wirklich nicht fundiert ist, sondern nur Spekulation.
Diabetes bei Kindern Blog Erfahrungsbericht

Was sind die besonderen Herausforderungen im Leben mit einem Diabetes-Kind?

Die Herausforderung ist der tägliche Kampf um gute Blutzuckerwerte. Was bei Kindern äußerst schwierig sein kann. Viel zu viele unterschiedliche Dinge wirken sich auf den Blutzucker unserer Kinder aus: Sport, Computerspiele, Essen, Aufregung usw. Wir müssen schauen, dass wir ihn immer im normalen Bereich halten. Was natürlich nicht immer möglich ist.
Wir pieksen hierzu unsere Kinder bis zu 15x am Tag und in der Nacht in ihre kleinen Finger, um den Blutzucker zu kontrollieren. Ja, auch in der Nacht. Seit fast 4 Jahren stehen wir mind. 1x auf. Was ganz schön an die Substanz gehen kann. An manchen Tagen schlafe ich schon im stehen ein.

Was wirft euch aus der Bahn, was ist hilfreich?

Aus der Bahn werfen uns vor allem zu hohe Blutzuckerwerte. Wenn man bedenkt dass ein Wert von 100 mg/dl normal ist, so kann man sich vorstellen, wie es uns geht, wenn er plötzlich bei 350 mg/dl ist. Jetzt heißt es sofort handeln. Ist das Insulin schlecht geworden? Ist der Katheter der Insulinpumpe verstopft? Haben wir das Insulin für das Essen vergessen? Wir müssen alle möglichen Faktoren bendenken und handeln.
Beispiel: Vor dem Essen muss unsere Tochter ihren Blutzucker messen. Das Abendessen ist fertig, alle haben Hunger. DOch der Blutzucker zeigt jetzt 350 mg/dl an. Das bedeutet für uns, dass das Essen wieder zurück auf den Herd kommt. Wir erstmal Korrekturinsulin abgeben und warten bis der Blutzucker wieder annähernd normal wird. Essen können wir erst dann. Nicht immer einfach für ein Kind, dass zu verstehen-

Hilfreich?
Der Austausch mit anderen Eltern ist enorm hilfreich. Ich kann nur allen ELtern raten sich mit gleichgesinnten zu treffen und auszutausche. Ohne geht man irgendwann kaputt.

Diabetes bei Kindern: Wo gibt es Hilfe für Betroffene?

In manchen Orten gibt es Selbsthilfegruppen. Aber auch im Internet z.b. bei Facebook gibt es viele Elterngruppen, in denen man sich austauschen kann.
Mehr Hilfe gibt es leider nicht wirklich für die Familien.

Wo gibt es aus deiner Sicht Verbesserungspotenzial – in der Gesellschaft, im Gesundheitssystem …?

Wo fange ich hier an :-)
Zum einen fängt das schon bei der Diagnose an. Dass endlich alle Kinderärzte die Kinder schnellstmöglich diagnostizieren.
Es gibt keine Regelungen für Schulen und Kindergärten. Sehr oft werden Kinder nach der Diagnose aus der Kiga oder der Kita geschmissen. Weil die Erzieher die Verantwortung für diese Kinder nicht übernehmen möchten. Hier gibt es keine klaren gesetzlichen Regelungen.
In den Schulen sieht es leider nicht besser aus. Unsere Kinder sind oftmals nur geduldet und die Lehrer halten sich in Hilfestellungen sehr zurück.
Was zur Folge hat, dass viele Mütter ihre Berufstätigkeit aufgeben müssen. Gerade für Alleinerziehende kann diese Situation in Kindergarten und Schule Harz 4 bedeuten.
Wir kämpfen täglich mit den Krankenkassen um neue Hilfsmittel wie Insulinpumpen, Blutzuckersensoren für unsere Kinder.



Und ganz wichtig: Aufklärung!

Typ 1 Diabetes hat nichts, aber auch gar nichts, mit Süßigkeiten, Übergewicht, Bewegungsmangel etc. zu tun!
Es ist eine Autoimmunerkrankung!!!!
Kein Kind kann etwas für die Diagnose und ebenso wenig die Eltern.

Kathy Diabetes BlogMeine Interviewpartnerin: Kathy.
Lebt mit ihrer Familie in Bayern und bloggt über ihr Familienleben mit der Diabetes Typ 1 Erkrankung ihrer Tochter.
Meine Tochter erkrankte im Alter von 5 Jahren plötzlich an Diabetes Typ 1. Eine Krankheit, die wir vorher nicht kannten und die uns erst einmal den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Wir mussten sehr viel lernen und fühlten uns manchmal einfach nur überfordert.
Ich hatte so viele Fragen, die mir nicht wirklich einer beantworten konnte. Wie stemmen andere Familien ihr neues Leben mit der Krankheit? Aus diesen Fragen ist dann die Idee zu unserem Blog entstanden. Wir wollten anderen betroffenen Familien zeigen, wie wir mit der Krankheit leben. Wir wollen ihnen zeigen, dass es weitergeht. Anders, aber es geht weiter. Es ist nicht immer einfach, doch wir machen das Beste draus.

Beitragsbild: CC0/Pixabay;
Bilder im Beitrag: Kathy/kinder-mit-typ1-diabetes.de

Muttis Nähkästchen

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter. Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

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