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Die Rush-Hour des Lebens: Mama in der Vereinbarkeitsfalle

Die Rush-Hour des Lebens: Mama in der Vereinbarkeitsfalle

Die Rush Hour des Lebens erleben wir angeblich zwischen dem 30. Und 45. Lebensjahr. Die berufliche Dynamik nimmt Fahrt auf, hinzu kommt die Familienphase. Und als wäre das noch nicht genug, gesellt sich auch noch jede Menge Komplexität des modernen Lebens dazu.

In der Tat! Es ist Rush-Hour.
Und ist steh mitten drin im Stau …
Aus dem Tagebuch einer immer mal wieder überforderten Frau, Mutter und Kollegin:

Wir sollen, wir müssen, wir wollen:

Uns liebevoll um den Nachwuchs kümmern.
Die Kinder optimal fördern. Vorlesen und spielen.
Nur bedingt fremdbetreuen lassen.
Immer da sein, immer ansprechbar sein. Fragen beantworten.
Früh aufstehen, Pausenbrote schmieren.
Bei den Hausaufgaben helfen. Das Lernen schmackhaft machen.
Hinbringen, abholen, Trouble shooting.
Gespräche mit Pädagoginnen und Pädagogen führen.
Mitteilungen lesen, Zettel unterschreiben.

Gleichzeitig sollten wir beruflich vorankommen, nur nicht den Anschluss verpassen.
Am besten Vollzeit arbeiten (sonst verarmen wir in der Pension und Teilzeit ist ein böser Fallstrick).
Meetings, Budget, Mitarbeitergespräche.
Task 1, Task 2, Task 3 … Stress, Stress, Stress.
Netzwerken ist sowieso das Gebot der Stunde.

Dazu kommt: Den Haushalt am Laufen halten:
Putzen, einkaufen, was koche ich heute nur?

Und Sport soll ich auch noch machen – wir wollen doch nicht auf unseren Körper vergessen.

Vereinbarkeitsfalle:
Das Hindernis lautet: Der Tag hat nur 24 Stunden

Da kommt der Aufruf der Rabenmutti gerade recht: Mit ihrer M1Tag-Blogparade fragt sie in die Runde der bloggenden Working Moms: Was macht ihr eigentlich den ganzen Tag?
Das:

So sieht mein durchschnittlicher Tagesablauf aus:

06:00 Uhr

Der Wecker läutet. Viel zu früh – so wie immer. Der Große (11) muss raus. Aufstehn, Kleidung herrichten, Kind erneut aufwecken – er ist wieder eingeschlafen. Jausenbrot schmieren, Kind ermahnen, dass es schon 06:20 Uhr ist …

06:30 Uhr

Der Große ist bei der Tür draußen, rennt zum Zug. Ich hoffe, er hat alles dabei … Jetzt gibt es erst mal Frühstück mit den anderen zwei Männern. Der Kleine muss erst um 07:30 Uhr in die Schule, denn die Schule ist gleich hinter’m Haus. Bis dahin wird also Kaffee getrunken, geredet, das Chaos vom Vortag beseitigt.

07:30 Uhr

Der Kleine ist auch raus. Jetzt ab ins Auto und zur Arbeit … äh … in den Stau.
Tja, um diese Zeit dauert die Fahrt doppelt so lang als sonst.
Aber ich hab keine Wahl.
Wenigstens fahre ich neuerdings ein Hybrid-Auto – das fährt im Stau elektrisch. Das Gewissen ist beruhigt.

08:15 – 08:30 Uhr

Je nach Verkehrslage bin ich im Büro. Ich arbeite 30 Stunden pro Woche in leitender Funktion. Bereichsmeetings, wer macht was. Anfragen vom Chef, Sonderwünsche. Presseanfragen – jetzt muss es schnell gehen. Die Website muss gepflegt werden. Ein neues Intranet muss her. Der nächste Newsletter muss in Druck gehen. DRINGEND!

12:30 Uhr

Waaaaas?!? Ist schon wieder Mittag? Ich frag unter den Kollegen, ob jemand mit mir essen geht. Oder ob wir uns was Schnelles in der Küche kochen.



13:00 Uhr

Zurück an den Schreibtisch. Anrufe in Abwesenheit. Freigaben einholen, Freigaben geben. Rechnungen unterschreiben. Pressetexte schreiben. Netzwerk pflegen. Corporate Blogging. Nächste Tasks im Team besprechen. Ein Abendtermin? Wer kann da hin? Wir haben schließlich fast alle Kinder.

16:00 Uhr

Oh Gott!?! Es ist schon wieder 16:00 Uhr!
Ich muss heim. Der Kleine ist schon am Weg nach Hause. Gott sei Dank hat er einen Schlüssel.
Was hab ich heute eigentlich den ganzen lieben langen Tag gemacht? Für die Zeitaufzeichnung ist jetzt keine Zeit mehr.
Rein ins Auto, das Kind wartet.

16:30 Uhr

Darf ich Tablet spielen?
Erstmal: Hallo, junger Herr! Wie war dein Tag?
Gut. Darf ich spielen?
Hast du alle Hausaufgaben erledigt?
Gibt es etwas, das ich unterschreiben muss? Nein. Sicher nicht? Ja. Ich schau mal in deine Schultasche. Musst du nicht! Und was ist das? Oooopsie, hab ich vergessen …
Haben wir noch Brot fürs Abendessen? Ich muss noch einkaufen gehen. Brot ist alle.
Lieber würde ich jetzt mal die Füße hochlegen.
Pfew, schon wieder eine Rechnung in der Post. Hab doch grad eben erst online gebankt …
Oh Mist, im Keller stinkt’s. Die Katze hat danebengemacht. Und die andere Katze hat aus Protest auf die Couch gepinkelt. Vielen Dank auch.
Das ist unfair! Das kann UNMÖGLICH eine halbe Stunde gewesen sein!!! (Kind tobt, weil seine Tablet-Spielzeit zu Ende ist. Wie gut, dass die App automatisch abdreht. Ich klopfe mir insgeheim auf die Schulter. Gute Investition.)

17:30 Uhr

Der Große kommt heim.
Hallo! Wie war dein Tag.Schlecht.
Ja, eh. Und sonst so?
Darf ich spielen?
Hast du alles erledigt?
Der Kleine hat Hunger und beginnt seinen heimlich angelegten Süßkram-Vorrat zu plündern.
Warte! Erst essen wir was Ordentliches.
Ich richte das Abendessen. Helft bitte mit! Haaaallloooo?!? Mithelfen! (Kinder stellen sich taub.) Du stellst jedem einen Teller hin. Du kümmerst dich um die Getränke.
Wann kommt Papa? Keine Ahnung.

18:30 Uhr

Dürfen wir fernsehen?
Okay … Warte! Erst den Tisch abräumen.
Der Gatte kommt heim.
Habt ihr schon gegessen? Ja, sicher. Sonst hätten sie 2kg Schokolade verdrückt.
Ach die Rechnungen muss ich noch zahlen …Und außerdem brennt mir da ein Thema unter den Nägeln, das sollte ich noch schnell verbloggen …
Und dieses eine Buch wollte ich noch lesen.

20:00 Uhr



Macht euch bitte fertig für’s Bett.
Ja, inklusive Waschen – so wie immer.

20:30 Uhr

Die Jungs sind im Bett. Lesen noch. Hören Radio. Oder so.
Geschafft! So wie ich.
Ach ja, die Rechnung sollte ich noch zahlen …
Und wenn der Computer schon mal läuft, schau ich noch kurz bei meinem Blog vorbei …
Der Mann nörgelt: Schon wieder schaust du in dein Kastl rein …
Ja, eh. Ich komme gleich. Bin eh schon müde.
Jungs! Licht aus!
Ach, Schlaf, mein lieber Freund …

Das war ein stinknormaler Tag ohne besondere Vorkommnisse.

Aber wehe, wehe, wenn Sand im Getriebe ist … ein Kind ist krank.
Ist Oma da? Nein? Mist. Wer bleibt daheim?
Oder gar Mutti selbst ist krank. Das darf nicht sein. Oder der Mann. Au weia!
Die Schule ruft an. Mein besonderes Kind hat seine Besonderheit zum Besten gegeben.
Wir haben wieder mal eine Unterschrift versemmelt. Mist.
Ach, diese Rechnung hab ich noch übersehen.

Die Komplexität des modernen Lebens schlägt zu:

Auch alle Dinge, die wir besitzen brauchen Aufmerksamkeit.
Das Auto muss zum TÜV (auf österreichisch: das Pickerl machen).
Der Geschirrspüler streikt. Das Klo rinnt. Der Abfluss ist verstopft. Die Glühbirne kaputt.
Die Versicherung ändert die Rahmenbedingungen.
Welchen Handy-Tarif soll ich wählen?
Gibt es vielleicht einen günstigeren Stromanbieter?
Ach schon wieder eine Rechnung in der Post …

Immer mal wieder einer dieser Tage. Manchmal möchte ich kündigen …

…ähm …

Was? Burnout? Nicht dein Ernst, oder?
Ach, ein Bandscheibenvorfall. Jetzt wirst du schön langsam alt … Ergibt: Juhu! Zwei neue Termine pro Woche: Physiotherapie. Irgendwie geht’s noch rein in den Kalender.

Die Zeit zwischen 30 und 45 ist doch bekanntlicherweise die Rush Hour des Lebens.
Aber, hey! Ich bin doch schon 40! Juhu! Noch fünf Jahre und ich hab’s hinter mir. Alles. Geschafft!

Geschafft. Gute Nacht!
Die Hoffnung stirbt zuletzt … ;-)

Unter’m Strich muss ich aber zugeben: ES LÄUFT!
Keine Ahnung, wie ich das schaffe. (Sind wir Eltern Helden? Wir sind Helden!)

Und bevor ich wegschnarche:

Wie sieht euer Tag so aus?
Wie bekommt ihr das alles auf die Reihe?


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Muttis Nähkästchen

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter (aka. Rabenmutter). Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Wow, da wird mir richtig schwindlig beim Lesen ? Letztes Jahr hab ich mich auch so gefühlt… da hab ich neben den kleinen Kindern wieder zu arbeiten begonnen und noch dazu in jeder freien Minute gebloggt – den Haushalt halb ich gar nicht mehr wirklich versucht im Griff zu haben.
    Es hat mir nicht gut getan, dieser Stress – sowohl körperlich als auch psychisch. Ich bin so froh über unsere momentane einjährige Reise-Auszeit, bei der ich mich wieder aufs Wesentliche konzentrieren kann. Und ich weiß auch ganz sicher, dass ich nächstes Jahr nicht mehr in dieses Chaos springen werde. Dann lieber mit Weniger auskommen…
    Danke Birgit für diesen offenen Bericht… es geht sicher sehr vielen Mamas so und es ist wirklich ein Wunder, zu was wir tagtäglich fähig sind!
    Alles Liebe, Martina

  2. Hach ja, … und sonst so? :D
    Ist hier genauso! Nur dass ich an 2 Tagen immerhin HomeOffice machen kann und es da dann etwas relaxter ist.
    LG, Tina

  3. Du sprichst mir so aus der Seele, ich weiß oft auch nicht wie sich das alles ausgehen soll. Ich übe seit Jahren meine persönlichen Belastungs-Grenzen rechtzeitig zu erkennen und danach zu handeln – es funktioniert mal besser mal schlechter. Und mein neueses Learning ist – es ist ok, mal eine Woche runter zu schalten, bevor man zusammen bricht: bei mir schaut das so aus, dass ich meine Kinder mal eine Woche 2 Stunden später aus dem Kindergarten hole (die machen da zum Glück mit) und mal in RUHE meine ganzen Sachen erledige und vielleicht (on top) noch was für mich dazu tue. So eine Woche fühlt sich dann fast wie Urlaub an ;-)

  4. Noch 5 Jahre … Oh manno … Zach! Bin gespannt was danach kommt! ;-)

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