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Fehlgeburt: Was sich jetzt bei der Abklärung ändert

Fehlgeburt: Was sich jetzt bei der Abklärung ändert

Wiederholte Fehlgeburten belasten nicht nur körperlich, sondern oft auch psychisch enorm. Eine aktualisierte medizinische Leitlinie soll betroffenen Frauen und Paaren nun mehr Orientierung geben. Eine wichtige Aussage darin: Eine weiterführende Abklärung kann unter Umständen früher sinnvoll sein, als viele denken.

Eine Fehlgeburt ist für viele Frauen und Paare eine tiefgreifende Erfahrung. Geschieht sie mehrmals, kommen zur Trauer häufig Unsicherheit und viele Fragen hinzu: Warum passiert das? Sollte etwas untersucht werden? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Und ab wann ist eine umfassendere Diagnostik überhaupt sinnvoll?

Genau hier setzt die im Jahr 2026 aktualisierte S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie von Frauen mit wiederholten Spontanaborten“ an. Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) wurden die bisherigen Empfehlungen umfassend aktualisiert.

Die Leitlinie soll einen einheitlichen Rahmen für eine strukturierte, evidenzbasierte und zugleich individuell ausgerichtete Betreuung schaffen. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Untersuchungen vorzunehmen. Vielmehr sollen Frauen und Paare gezielt jene Diagnostik und Therapie erhalten, die in ihrer persönlichen Situation sinnvoll ist.


Nach zwei Fehlgeburten: Was sich jetzt bei der Abklärung ändert


Abklärung kann bereits nach zwei Fehlgeburten sinnvoll sein

Eine der für betroffene Paare besonders wichtigen Aussagen betrifft den Zeitpunkt der weiterführenden Diagnostik: Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO spricht man bei drei oder mehr Fehlgeburten vor der 20. Schwangerschaftswoche von wiederholten Spontanaborten. Die aktualisierte Leitlinie stellt allerdings klar, dass eine umfassendere Abklärung bereits nach zwei Fehlgeburten sinnvoll sein kann.

Das bedeutet nicht, dass nach zwei Fehlgeburten automatisch ein bestimmtes Untersuchungsprogramm durchgeführt werden muss. Die Entscheidung soll vielmehr individuell erfolgen. Dabei spielen laut Leitlinie neben der genauen Vorgeschichte der Fehlgeburten und Schwangerschaften insbesondere das Alter der Frau sowie die reproduktionsmedizinische Gesamtsituation des Paares eine Rolle. Ziel ist es, mögliche relevante Ursachen sinnvoll abzuklären und gleichzeitig Untersuchungen zu vermeiden, die in der jeweiligen Situation keinen zusätzlichen Nutzen bringen.

Prof. Bettina Toth, DGGG-Leitlinienkoordinatorin, bringt diesen Ansatz so auf den Punkt: „Nach wiederholten Fehlgeburten brauchen Paare vor allem Klarheit und eine verlässliche medizinische Orientierung. Die neue Leitlinie unterstützt Ärztinnen und Ärzte dabei, die Diagnostik gezielt auf die individuelle Situation abzustimmen und gleichzeitig unnötige Untersuchungen und Behandlungen zu vermeiden“.


Wiederholte Fehlgeburten sind nicht nur „Frauensache“

Ein weiterer wichtiger Punkt der aktualisierten Leitlinie: Bei der Suche nach möglichen Ursachen soll nicht ausschließlich die Frau betrachtet werden. Denn die Gründe für wiederholte Spontanaborte können sehr unterschiedlich sein. Berücksichtigt werden unter anderem genetische und anatomische Faktoren, endokrinologische Erkrankungen, das Antiphospholipid-Syndrom, Lebensstilfaktoren und psychische Belastungen.

In der aktualisierten Fassung rücken darüber hinaus männliche Faktoren stärker in den Fokus: Auch beim Mann können beispielsweise bestimmte Veränderungen der Samenqualität oder der Spermien-DNA für die individuelle Abklärung relevant sein.

Damit unterstreicht die Leitlinie einen entscheidenden Gedanken: Wenn ein Paar wiederholt Fehlgeburten erlebt, sollte die Ursachenforschung nicht automatisch ausschließlich bei der Frau ansetzen. Je nach individueller Situation kann es sinnvoll sein, beide Partner in die Diagnostik einzubeziehen.


Auch das Abortmaterial kann Hinweise auf die Ursache geben

Eine wichtige Rolle bei der Diagnostik kann außerdem die genetische Untersuchung des Abortmaterials spielen. Wenn aus vorherigen Fehlgeburten keine entsprechenden Befunde vorliegen, soll laut Leitlinie eine zytogenetische Untersuchung erfolgen.

Die Ergebnisse können dabei helfen, die weitere Diagnostik gezielter zu planen. Wird beispielsweise eine Chromosomenveränderung festgestellt, kann dieser Befund für die nächsten diagnostischen Schritte relevant sein. Auch hier folgt die Leitlinie damit dem Grundprinzip, Untersuchungen möglichst zielgerichtet einzusetzen.


Nicht jede angebotene Behandlung ist auch sinnvoll

Wer nach mehreren Fehlgeburten verzweifelt nach einer Erklärung oder einer Möglichkeit sucht, eine weitere Fehlgeburt zu verhindern, kann auf verschiedenste Therapieangebote stoßen. Die aktualisierte Leitlinie setzt deshalb einen deutlichen Schwerpunkt auf ursachenbezogene Behandlungen. Nicht jede Therapie, die bei wiederholten Fehlgeburten angeboten wird, ist wissenschaftlich ausreichend belegt.

Ein Beispiel ist Heparin. Eine generelle Behandlung mit Heparin ist bei Frauen mit wiederholten Spontanaborten ohne nachgewiesene Thrombophilie nicht angezeigt.

Auch für Acetylsalicylsäure, kurz ASS, allein oder gemeinsam mit Heparin konnte laut Presseinformation bei ungeklärten wiederholten Spontanaborten kein signifikanter Vorteil hinsichtlich der Lebendgeburtenrate gezeigt werden.

Die zentrale Botschaft lautet deshalb: Therapeutische Maßnahmen sollten dann gezielt zum Einsatz kommen, wenn eine entsprechende Diagnose gestellt wurde und eine medizinische Indikation vorliegt. Das kann für betroffene Paare durchaus bedeutsam sein. Nach mehreren Fehlgeburten ist der Wunsch verständlicherweise groß, etwas unternehmen zu können. Die Leitlinie soll Ärztinnen und Ärzte jedoch dabei unterstützen, zwischen sinnvoller, ursachenbezogener Therapie und nicht ausreichend belegten Behandlungen zu unterscheiden.


Die psychische Belastung gehört zur Versorgung dazu

Wiederholte Fehlgeburten betreffen nicht nur den Körper. Ängste und psychische Belastungen können erheblich sein. Deshalb stellt die aktualisierte Leitlinie ausdrücklich auch die seelische Situation der Frauen und Paare in den Mittelpunkt. Eine gute medizinische Betreuung sollte diese Belastungen ernst nehmen. Wenn es notwendig ist, können psychosomatische oder psychotherapeutische Unterstützungsangebote einbezogen werden.

Damit wird deutlich: Eine umfassende Betreuung endet nicht bei Bluttests, Ultraschall oder genetischen Untersuchungen. Auch die psychische Situation der Betroffenen gehört zur Versorgung dazu.


Warum bei wiederholten Fehlgeburten verschiedene Fachrichtungen gefragt sein können

Die möglichen Ursachen wiederholter Spontanaborte sind vielfältig. Entsprechend kann auch die Betreuung mehrere medizinische Fachrichtungen einbeziehen. Neben Gynäkologie und Reproduktionsmedizin können je nach Situation unter anderem Humangenetik, Urologie und Andrologie, Endokrinologie, Innere Medizin, Dermatologie, Sexualmedizin und Psychosomatik beteiligt sein.

Welche Fachrichtungen tatsächlich notwendig sind, hängt von der individuellen Situation und den erhobenen Befunden ab. Gerade dieser interdisziplinäre Ansatz passt zum Grundgedanken der Leitlinie: Nicht jede Frau und nicht jedes Paar benötigt dieselben Untersuchungen und Behandlungen.


Was bedeutet eigentlich „wiederholter Spontanabort“?

In der Presseinformation zur Leitlinie werden auch die wichtigsten Begriffe definiert:

  • Fehlgeburt: Eine Fehlgeburt bezeichnet demnach den Verlust einer Schwangerschaft vom Beginn der Befruchtung bis zur 24. Schwangerschaftswoche, wenn der Fetus weniger als 500 Gramm wiegt.
  • Wiederholter Spontanabort: Die WHO definiert drei oder mehr Fehlgeburten vor der 20. Schwangerschaftswoche als wiederholten Spontanabort, abgekürzt WSA.
  • Primäre und sekundäre wiederholte Spontanaborte: Darüber hinaus unterscheidet man zwischen primären und sekundären wiederholten Spontanaborten. Von einem primären wiederholten Spontanabort spricht man, wenn zuvor noch keine Lebendgeburt stattgefunden hat. Hat bereits eine Lebendgeburt stattgefunden, handelt es sich dagegen um einen sekundären wiederholten Spontanabort.

Diese Definitionen ändern nichts daran, dass laut der aktualisierten Leitlinie eine weiterführende Diagnostik im individuellen Fall bereits nach zwei Fehlgeburten sinnvoll sein kann.


Was die neue Leitlinie für betroffene Paare bedeutet

Die aktualisierte S2k-Leitlinie verspricht keine einfache Erklärung für jede Fehlgeburt und auch keine Therapie, die für alle Betroffenen gleichermaßen geeignet wäre. Genau das entspricht der komplexen Ausgangslage: Die möglichen Ursachen sind vielfältig und die wissenschaftliche Datenlage ist laut DGGG in vielen Bereichen heterogen.

Stattdessen soll die Leitlinie dabei helfen, strukturiert vorzugehen: Nach wiederholten Fehlgeburten kann eine gezielte Abklärung möglicher Ursachen erfolgen. Dabei werden sowohl die Frau als auch der Mann berücksichtigt. Vorhandene diagnostische Hinweise, einschließlich möglicher genetischer Befunde aus dem Abortmaterial, können die weitere Vorgehensweise beeinflussen. Gleichzeitig sollen unnötige Untersuchungen und nicht ausreichend begründete Therapien vermieden werden.

Und auch etwas anderes wird klar benannt: Die psychische Belastung, die mit wiederholten Fehlgeburten verbunden sein kann, darf in der medizinischen Betreuung nicht ausgeblendet werden.


Wichtig zu wissen: Eine Leitlinie ist keine verbindliche Vorschrift

Die aktualisierte Fassung der S2k-Leitlinie ersetzt die vorherige Version aus dem Jahr 2022. Sie ist laut Presseinformation vom 1. Juni 2026 bis zum 31. Mai 2031 gültig.

Leitlinien sind dabei Handlungsempfehlungen für die medizinische Versorgung. Sie sind rechtlich nicht bindend und haben weder eine haftungsbegründende noch eine haftungsbefreiende Wirkung. Welche Diagnostik und welche Behandlung im konkreten Fall angemessen sind, muss deshalb immer anhand der individuellen Situation beurteilt werden.

Gerade bei einem so komplexen und emotional belastenden Thema ist dieser individuelle Blick entscheidend. Die aktualisierte Leitlinie liefert Ärztinnen und Ärzten dafür einen Rahmen und betroffenen Frauen und Paaren hoffentlich vor allem eines: mehr Orientierung in einer Situation, die häufig von sehr viel Unsicherheit geprägt ist.


Quellen:
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG): „Neue Handlungsempfehlungen zur Diagnostik und Therapie von Frauen mit wiederholten Fehlgeburten“. Presseinformation via idw, August 2026.
AWMF-Leitlinienregister: „Diagnostik und Therapie von Frauen mit wiederholten Spontanaborten“. S2k-Leitlinie, AWMF-Registernummer 015-050. Federführung: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG). Aktualisierte Fassung 2026, gültig vom 1. Juni 2026 bis 31. Mai 2031. AWMF-Leitlinie 015-050



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Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter. Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

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