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Figurwahn vorbeugen: Vorsicht beim Spielzeugkauf!

Figurwahn vorbeugen: Vorsicht beim Spielzeugkauf!

Wie können wir Kinder und Jugendliche dabei unterstützen, eine gesunde Beziehung zu ihrem Körper und zum Essen aufzubauen? Und das in einer Welt, in der Figur und Aussehen vermeintlich alles zählen und Essstörungen weitverbreitet sind?
Körperbild und Spielzeug: Auch das Spielzeug spielt eine wichtige Rolle, wie diese Leseprobe aus dem aktuelle Buch Du bist gut so, wie du bist! zeigt.

Vorsicht! Haarsträubende und extrem ernüchternde Fakten!

Die Autorin Dr. Catherine Senécal zeigt in ihrem Buch Du bist gut so, wie du bist!: So befreien Sie Ihr Kind vom Figurwahn. Rollenklischees abbauen – Individualität stärken – Essstörungen vorbeugen haarsträubenden Details, mit welchen Rollenklischees unsere Kinder von heute konfrontiert sind. Durch einen achtsamen Blick auf die Realität können wir Eltern jedoch gegensteuern und damit Klischees abbauen und zweifelhaften Körperbildern vorbeugen. Wir Eltern können mithelfen, unsere Kinder von diesem ungesunden Figurwahn zu befreien. Wir können mithelfen, das eigene Aussehen wertzuschätzen!

Das Buch wendet sich an Eltern und Fachleute, liefert wichtige Fakten und setzt sich eingehend mit vorherrschenden Rollenklischees, Schönheitsidealen und gesellschaftlichen Normen auseinander. Fundiert, anschaulich und leicht verständlich, konkrete Tipps inklusive.

Und ja, auch die Wahl des Spielzeugs hat einen Einfluss auf das Körperbild unserer Kinder. Darum: Vorsicht beim Spielzeug-Kauf!

Körperbild und Spielzeug: Figurwahn und Rollenklischees vorbeugen

Leseprobe mit freundlicher Genehmigung des mankau-Verlags:

Spielsachen … nicht immer harmlos

Von klein auf verinnerlichen Kinder sowohl die Erwartungen, welche die Gesellschaft an Jungen und Mädchen hat, als auch die Bedeutung, dem Körperbild zu entsprechen, das vom Umfeld favorisiert wird. Diese Erwartungen werden unter anderem durch die Spielsachen vermittelt, mit denen wir unsere Kinder spielen lassen.

Körperbild und Spielzeug bei Mädchen

Im Rahmen einer englischen Studie wurden 162 Mädchen im Alter von fünf bis acht Jahren einige Minuten lang mit dem Bild einer Barbie® konfrontiert, und zwar im Rahmen einer Geschichte, in der sie Kleider einkaufen geht. Nach dieser Konfrontation hatten die Mädchen eine negativere Wahrnehmung ihres Körpers und wollten schlanker sein. Bei den Jüngsten der Gruppe, den Fünf- bis Sechsjährigen, führte die Konfrontation mit dem Bild der Barbie® dazu, einen schlankeren Körper zu idealisieren, was zu einem negativen Einfluss auf das Körperbild führen könnte. Dieses Phänomen wurde nicht bei der Gruppe Mädchen beobachtet, welche die gleiche Geschichte hörten, aber mit einer rundlicheren Puppe (der Puppe Emme), und auch nicht bei der Kontrollgruppe, der ein neutrales Bild gezeigt wurde.

Es ist leicht zu verstehen, warum die Barbie®-Puppe diesen Effekt auf junge Mädchen hat. Würde man ihre Maße auf einen echten Menschen übertragen, wäre dieser ungefähr 175 Zentimeter groß und 50 Kilogramm schwer. Das entspricht einem BMI von 16,2. Zur Orientierung sei gesagt, dass bei einer Person die Diagnose Magersucht gestellt werden kann, wenn der BMI 17,5 beträgt, und wenn die anderen Diagnosekriterien ebenfalls erfüllt sind.

Eine andere Studie mit fünf- bis siebenjährigen Mädchen weißer Hautfarbe in Pennsylvania in den Vereinigten Staaten hat einen Zusammenhang zwischen dem Gewicht und dem Selbstbild aufgezeigt. Das Selbstbild ist global und umschließt sowohl die Selbstachtung als auch die Zufriedenheit mit dem Aussehen und den verschiedenen Aspekten des Selbst (den körperlichen, sozialen und geistigen Aspekt). Nun hat sich herausgestellt, dass übergewichtige Mädchen ein negativeres Selbstbild hatten. Diese Studie erinnert uns daran, wie schwer es für ein Kind ist, übergewichtig zu sein und trotzdem eine positive Sicht auf sich zu haben.

Um körperliche Unterschiede aufzuzeigen, wurde in den USA und dann auch in Kanada die Gliederpuppe Lammily® auf den Markt gebracht. Dieses Modell hat realistischere Körperformen. Lammily® wurde nach den typischen Körperformen einer jungen, weißhäutigen Frau von 19 Jahren entworfen. Diese Puppe entspricht zwar nicht dem Durchschnitt der erwachsenen Frauen, ist aber immerhin eine erste Veränderung!

Körperbild und Spielzeug bei Jungen

Allgemein wird immer noch davon ausgegangen, Jungen seien nicht anfällig für den sozialen Druck in Bezug auf das körperliche Erscheinungsbild. Dabei hat eine US-amerikanische Studie mit 287 überwiegend weißhäutigen Jungen von elf bis 15 Jahren die verschiedenen Elemente aufgezeigt, die den Wunsch nach einem muskulären Körper beeinflussen. Die in den Medien verbreiteten Bilder von Männlichkeit wurden als entscheidende Elemente identifiziert, um das Körperbild der Jungen beeinflussen zu können.

Das bedeutet, dass nicht die Jungen das größte Risiko haben, die kleiner als der Altersdurchschnitt sind, sondern vielmehr die, welche typisch männlichen Körpermerkmalen und dem sozialen Vergleich den Vorrang geben oder die von den Medien beeinflusst werden. Folglich würden Jungen dem Risiko ausgesetzt, unzufrieden mit dem eigenen Körper zu sein, wenn man sie den Darstellungen muskulöser Männerkörper in den Medien und anderen vergleichbaren Bildern aussetzt.

Damit sind auch Jungen nicht sicher vor unrealistischen Darstellungen erwachsener Männerkörper. Auch für sie beginnt die Gefahr früh mit typisch männlichen Spielfiguren wie Superhelden. Diese Idole wurden im Laufe der Zeit mit immer mehr Muskeln ausgestattet, und das könnte auch auf Jungen Druck hinsichtlich der idealen Körpermaße ausüben.

Körperbild und Spielsachen: Worauf Eltern achten sollten

Neben den Körperformen sollte man bei Puppen und Spielfiguren auch auf die Tätigkeiten achtgeben, zu denen mit einem stereotypen Spielzeug ermuntert wird.

Was macht man mit einer Barbie® oder einer Puppe, die als Prinzessin gekleidet ist? Man zieht sie an, bürstet ihnen die Haare, schmückt sie. Was macht man mit einer Superheldenfigur? Man lässt sie ein Abenteuer erleben, springen, fliegen, gegen die Bösen kämpfen! Was wird einem Mädchen also nahegelegt, wenn man ihm eine Puppe schenkt? Der Körper eines Mädchens dient dazu, dekoriert zu werden. Legt man den Schwerpunkt darauf, was wir mit unserem Körper machen können, wie laufen oder klettern, hat man bereits einen Schritt getan, um sich aus der Falle der stereotypischen Körperbilder zu befreien.

Ein Phänomen, das alle Kulturen durchzieht

Stereotype in Bezug auf die Rolle des Mannes und der Frau bestehen nach wie vor in den meisten Kulturen dieser Welt. Sie spiegeln die Werte einer jeden Gesellschaft wider. Jede Kultur entwickelt sich in ihrem eigenen Rhythmus, weshalb in manchen Ländern Männer immer noch sehr schief angesehen werden, wenn sie sich beispielsweise in der Öffentlichkeit um ein Baby kümmern. In anderen Ländern sind die Unterschiede zwischen Männern und Frauen eher auf beruflicher Ebene spürbar.

Verschiedene Länder mit konservativen Gesellschaften können auch die Botschaft aussenden, dass der Platz der Frau immer noch im Haus sei, bei den Kindern und in der Küche. Diese Rollenbilder werden den Kindern schnell übermittelt und haben Einfluss auf Selbstachtung und Körperbild.

Einer Studie aus den Neunzigerjahren zufolge, die in 30 Ländern durchgeführt wurde, werden die verschiedenen Geschlechter weltweit mit folgenden Adjektiven in Verbindung gebracht:

FRAUEN

  • sentimental
  • unterwürfig
  • abergläubisch

MÄNNER

  • stark, dominant,
  • energisch, unabhängig
  • abenteuerlustig

Global gesehen gelten Männer als kräftig und Frauen als schwach.

Leider war Spielzeug noch nie so stereotyp wie heute.

Mir fehlen die Worte, wenn ich Kaufhäuser betrete, in denen Spielzeug nach Geschlecht getrennt verkauft wird. In den Siebzigerjahren war das mit dem Erstarken des Feminismus nicht der Fall. Dieses Auseinanderdriften der Geschlechter lenkt die Erwachsenen zu den »richtigen« Spielsachen.

Bei den für Mädchen bestimmten Dingen handelt es sich leider vorrangig um Beauty-Accessoires, Kinderküchen, Puppenwagen und Haushaltsartikel (das geht bis zum Miniaturstaubsauger in Rosa!). Wir sind weit entfernt von den Baukästen, die man in der Abteilung »Spielzeug für Jungen« findet. Sie können die Feinmotorik und den räumlichen Orientierungssinn fördern. Sogar Legosteine in Rosa, die für Mädchen bestimmt sind, zielen eher auf Rollenspiele ab, als aufs Bauen. Rollenspiele dienen durch die Gespräche, die Kinder dabei den dargestellten Persönlichkeiten in den Mund legen, hauptsächlich der sprachlichen Entwicklung.

Das Gleiche gilt für Puppen. Vor fünfzig Jahren stellten sie hauptsächlich Mütter in traditionellen Rollen dar. Inzwischen handelt es sich meist um Prinzessinnen. Dieser Spielzeugtyp unterstützt Mädchen weder dabei, nicht traditionelle Berufe in Betracht zu ziehen, noch, sich in ihren künftigen Rollen als gleichberechtigt neben den Männern zu sehen.

Eine neuere Studie zeigt, wie stark das angebotene Spielzeug die Berufswahl von Mädchen beeinflusst. Eine Gruppe von vier- bis siebenjährigen Mädchen wurde gebeten, fünf Minuten mit einer Kartoffelkopf-Puppe zu spielen (»Mr. Potato Head«), eine andere Gruppe Gleichaltriger bekam dagegen eine Barbie®. Anschließend wurden den beiden Gruppen Fotos zehn verschiedener Berufe gezeigt. Die Mädchen wurden gefragt, welche dieser Berufe ihnen in Zukunft offen stünden und welche den Jungen. Die Gruppe der Mädchen, die mit der Barbie®-Puppe gespielt hatten, erklärte, dass die Jungen mehr Berufe als sie ausüben könnten, vor allem diejenigen, die traditionell den Männern vorbehalten waren. Die Mädchen dagegen, die mit »Mr. Potato Head« gespielt hatten, konnten sich genauso viele Berufe wie Jungen vorstellen, auch wenn es sich nicht um traditionell weibliche Berufe handelte. Diese Entdeckung sagt viel aus über die Rolle des Spielzeugs bei der Objektivierung der Frauen und seines Einflusses auf die beruflichen Ambitionen der Mädchen. Barbie® bringt Mädchen leider nicht bei, dass ihnen in der Zukunft alles offensteht!

Was tun?

Ein Kind wird in der Regel immer danach trachten, seinen Eltern und seinen Spielkameraden zu gefallen. Daher wird Ihr Kind sich für die Spielsachen interessieren, die Sie ihm zur Verfügung stellen und mit denen seine älteren Geschwister spielen. Sie sind ein Modell für das Kind.

Einige Beispiele für nicht klischeebehaftete Spielsachen:

  • Bauklötze in neutralen Farben
  • Kuscheltiere in neutralen Farben
  • Bälle in neutralen Farben
  • Transportmittel in neutralen Farben
  • Knete, Buntstifte, Farben
  • Dinosaurier oder Tierfiguren
  • Gesellschaftsspiele und Wissensspiele etc.

Manche Eltern erklärten mir nach reiflicher Überlegung, dass sie befürchteten, ihr Kind entwickle homosexuelle Neigungen, wenn sich beispielsweise der kleine Junge als Prinzessin verkleide oder das kleine Mädchen mit Werkzeug spiele. Seit mehr als dreißig Jahren haben zahlreiche Studien gezeigt, dass biologische und genetische Faktoren eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der sexuellen Orientierung eines Menschen spielen. Bis heute hat meines Wissens keine Studie gezeigt, dass der Kontakt mit untypischem Spielzeug Grund dafür wäre, sich zu einem Menschen gleichen Geschlechts hingezogen zu fühlen.

Es versteht sich, dass wir nicht alle Spielsachen kontrollieren können, mit denen unser Kind in Kontakt kommt. In der Kindertagesstätte oder anlässlich von Besuchen bei Freunden und Familie wird es nicht immer möglich sein, den Kurs zu ändern. Allerdings können wir als Eltern unserem Kind das Spielzeug erklären, das wir ihm zur Verfügung stellen, und dadurch seine Wirkung schwächen. Ich rate Ihnen, mit Ihrem Kind zu sprechen, um seinen kritischen Blick auf Figuren zu schulen, die einen unrealistischen Körper haben.

Körperbild und Spielzeug: Praxistipp

Schulen Sie den Blick Ihres Kindes auf die Modelle von Körperbildern, die ihm präsentiert werden, indem Sie folgende Fragen zu Hilfe nehmen:

  • »Kennst du in unserer Familie jemanden, der einen Körper wie diese Puppe/Figur hat? Warum, deiner Meinung nach?«
  • »Welche Opfer muss jemand wohl erbringen, damit sein Körper so aussieht? Glaubst du, dass dann im Leben noch viel Zeit zum Spielen ist?«
  • »Brauchen die Menschen, die du am meisten liebst, wie Oma oder Papa, einen perfekten Körper, damit du sie lieb hast?«

(c) Du bist gut so, wie du bist!: So befreien Sie Ihr Kind vom Figurwahn. mankau-Verlag
Mit freundlicher Genehmigung durch den Verlag.

Körperbild und Spielzeug: Fazit

Tatsächlich! Als ich (geboren 1976) ein Kind bzw. eine Jugendliche war, war ROSA ein NO-GO! Auf Babyfotos trug ich blau, rot, orange, braun oder so – aber NIEMALS rosa. Ich kann mich auch nicht erinnern, jemals derartig “gegendertes” Spielzeug besessen zu haben. Eine Ausnahme ist vielleicht die Kirschblüten-Barbie – für die ich meine Eltern laaaaaange bearbeiten (und letztendlich auch die Hälfte davon selbst zahlen) musste … (Aber vielleicht liegt es daran, dass ich nicht Prinzessin sondern einfach nur durchschnittliche Mutter/Hausfrau/Angestellte/Selbständige geworden bin …)

Angeregt durch diese Leseprobe habe ich recherchiert: Die Actionfiguren von Batman wurden in den vergangenen Jahren EXTREM muskulöser als zu Beginn. Im Buch ist auch ein Vergleich abgebildet. Leider durfte ich das Bild hier aus rechtlichen Gründen nicht publizieren. Aber schaut doch mal hier:

Oder seht euch auch mal die typische Jungs- und Mädchenkleidung an! Klamotten für Mädchen sind prinzipiell kürzer und enger geschnitten. Und die Aufschriften sind teilweise haarsträubend auf die “dekorative Rolle” von Mädchen getrimmt! Oder würdet ihr ein Shirt mit der Aufschrift “Cutie” einem Jungen anziehen?

Ergo: Buch lesen, Stirn runzeln und bewusster umgehen mit dem ganzen Wahnsinn, der da Tag für Tag auf unsere Kinder einprasselt. Auf dass sie ein gesundes Körpergefühl entwickeln!

Mehr zur Puppe Lammily:

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