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Geburtsmonat und Essverhalten: Fataler Einfluss wissenschaftlich bestätigt

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Geburtsmonat und Essverhalten: Fataler Einfluss wissenschaftlich bestätigt

Ist es Zufall, dass manche Kinder in der Klasse öfter zu Softdrinks greifen, seltener frühstücken oder häufiger mit ihrem Gewicht kämpfen? Eine internationale Studie zeigt: Der Geburtsmonat kann mehr beeinflussen, als viele denken. Warum gerade die Jüngsten eines Jahrgangs beim Essverhalten benachteiligt sind und was ihr als Familie konkret tun könnt, erfahrt ihr hier.

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Geburtsmonat und Essverhalten: Fataler Einfluss wissenschaftlich bestätigt


Wenn wenige Monate einen Unterschied machen

In jeder Schulklasse liegen oft bis zu zwölf Monate Altersunterschied zwischen den ältesten und den jüngsten Schüler*innen. Was im Erwachsenenalter kaum ins Gewicht fällt, kann in Kindheit und Jugend enorme Auswirkungen haben. Denn ein Jahr bedeutet in dieser Lebensphase einen deutlichen Unterschied in Entwicklung, Selbstregulation und sozialer Reife.

Eine aktuelle Studie von Dr. Sven Hartmann von der Universität Trier gemeinsam mit Kolleg:innen aus Tschechien und Italien zeigt nun, dass dieser sogenannte relative Altersunterschied auch das Essverhalten prägt. Analysiert wurden Daten von rund 600.000 Jugendlichen im Alter von 10 bis 17 Jahren aus 30 europäischen Ländern. Die Ergebnisse wurden 2026 in der Fachzeitschrift Economics of Education Review veröffentlicht.

Das zentrale Ergebnis: Die Jüngsten innerhalb einer Klasse ernähren sich im Durchschnitt ungesünder als ihre älteren Mitschüler:innen.


Mehr Übergewicht, mehr Softdrinks, weniger Gemüse

Die Studie zeigt klare Zusammenhänge. Jugendliche, die innerhalb ihres Jahrgangs zu den Jüngsten gehören, haben ein höheres Risiko für Übergewicht. Konkret liegt die Wahrscheinlichkeit, objektiv übergewichtig zu sein, bei ihnen um rund zwei Prozentpunkte höher als bei den Ältesten der Klasse . Was zunächst gering klingt, ist statistisch bedeutsam. Das durchschnittliche Übergewichtsrisiko in der Gesamtstichprobe lag bei 13,9 Prozent.

Besonders auffällig: Jungen sind stärker betroffen als Mädchen.

Doch es geht nicht nur um das Gewicht. Die jüngeren Jugendlichen

  • trinken häufiger Softdrinks
  • essen öfter Süßigkeiten
  • greifen seltener zu Obst und Gemüse
  • lassen häufiger das Frühstück an Schultagen aus
  • geben öfter an, eine Diät zu machen

Das Muster ist eindeutig: Relativ jüngere Schüler:innen zeigen insgesamt weniger ausgewogene Ernährungsgewohnheiten.


Warum trifft es ausgerechnet die Jüngsten?

Der Zusammenhang zwischen relativem Alter und Wohlbefinden ist in der Forschung bereits länger bekannt. Jüngere eines Jahrgangs haben im Durchschnitt schlechtere Noten, werden häufiger mit ADHS diagnostiziert, treiben seltener Sport und berichten öfter von mentalen Problemen.

Die Autor:innen der Studie konnten zeigen, dass der Einfluss des Geburtsmonats auf das Essverhalten auch dann bestehen bleibt, wenn andere Faktoren wie Familienstruktur oder sozioökonomischer Status statistisch berücksichtigt werden . Es geht also nicht darum, dass bestimmte Familien häufiger jüngere Kinder im Jahrgang haben.

Als mögliche Erklärungen werden mehrere Mechanismen diskutiert. Jüngere Schüler:innen stehen häufiger unter sozialem Druck. Sie vergleichen sich mit älteren, körperlich weiter entwickelten Mitschüler:innen. Gerade in der Pubertät können solche Unterschiede stark ins Gewicht fallen. Wer sich körperlich unterlegen fühlt oder schulisch weniger erfolgreich ist, greift möglicherweise eher zu ungesunden Lebensgewohnheiten.

Auch psychische Belastungen könnten eine Rolle spielen. Wenn Selbstwert und Zugehörigkeitsgefühl leiden, kann Essen zur Kompensation werden. Gleichzeitig fehlt möglicherweise noch die gleiche Selbstregulation wie bei älteren Jugendlichen.

Ein weiterer Hinweis ergibt sich beim Frühstück. Relativ jüngere Schüler:innen lassen an Schultagen häufiger die erste Mahlzeit ausfallen, nicht aber am Wochenende. Die Forschenden vermuten, dass jüngere Kinder eventuell länger schlafen möchten und aus Zeitgründen auf das Frühstück verzichten.


Schulessen als möglicher Schutzfaktor

Besonders spannend für Familien ist ein weiteres Ergebnis: In Ländern mit flächendeckenden Schulmahlzeiten fallen die negativen Effekte des relativen Alters schwächer aus.

Das bedeutet: Wenn alle Kinder regelmäßig ein ausgewogenes Essen in der Schule erhalten, gleichen sich Unterschiede teilweise aus. Die institutionelle Struktur wirkt stabilisierend. Gesunde Mahlzeiten werden nicht nur zur individuellen Entscheidung, sondern zum festen Bestandteil des Alltags.

Die Studie wertet dies als Argument für ein stärker ausgebautes Schulessensangebot und diskutiert sogar spätere Schulanfangszeiten als möglichen Ansatz, um das Frühstücksproblem zu entschärfen.


Das können Eltern tun

Vielleicht erkennt ihr euer eigenes Kind in manchen Punkten wieder. Gerade wenn euer Sohn oder eure Tochter zu den Jüngsten der Klasse gehört, lohnt sich ein genauer Blick auf Routinen und Gewohnheiten.

Wichtig ist dabei: Der Geburtsmonat bestimmt nicht das Schicksal eures Kindes. Die Studie zeigt statistische Zusammenhänge, keine unveränderlichen Lebensläufe.

Trotzdem könnt ihr als Eltern einiges tun:

  • Regelmäßige Mahlzeiten:
    Achtet bewusst auf regelmäßige Mahlzeiten, besonders auf ein entspanntes Frühstück. Wenn die Zeit morgens knapp ist, können vorbereitete Optionen am Vorabend helfen. Ein kleines Frühstück ist besser als keines.
  • Über Körperwahrnehmung sprechen:
    Sprecht offen über Körperwahrnehmung. Gerade jüngere Kinder im Jahrgang vergleichen sich häufig mit weiter entwickelten Mitschüler:innen. Ein realistisches und wertschätzendes Körperbild ist ein wichtiger Schutzfaktor.
  • Stress und sozialer Druck:
    Beobachtet, ob Stress oder sozialer Druck eine Rolle spielen. Manchmal steckt hinter häufigem Naschen oder Diäten der Wunsch nach Anerkennung oder Zugehörigkeit.
  • Mit Lehrkräften austauschen:
    Und nicht zuletzt: Bleibt im Austausch mit Lehrkräften. Sensibilität für sogenannte relative Alterseffekte kann helfen, Kinder nicht vorschnell zu beurteilen.

Ein unsichtbarer Faktor mit großer Wirkung

Der Geburtsmonat ist nichts, was ihr beeinflussen könnt. Aber das Wissen darüber kann helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen.

Die Trierer Studie zeigt eindrucksvoll, dass schon wenige Monate Altersunterschied im Klassenverband Auswirkungen auf Gesundheit und Essverhalten haben können. Besonders betroffen sind jüngere Jungen, aber grundsätzlich gilt das Muster für viele Kinder. Vielleicht lohnt es sich also, beim nächsten Elternabend oder in Gesprächen über Schulentwicklung auch über dieses Thema zu sprechen. Denn manchmal sind es unscheinbare Faktoren, die langfristig große Wirkung entfalten. Und manchmal hilft schon ein wenig mehr Verständnis dafür, warum euer Kind so reagiert, wie es reagiert.

Quelle: Luca Fumarco, Sven A. Hartmann, Francesco Principe (2026). Influence of within-class age differences on adolescents’ eating behaviors. In: Economics of Education Review, Volume 110, 2026, 102756, ISSN 0272-7757, https://doi.org/10.1016/j.econedurev.2025.102756.


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Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter. Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

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