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Hilfe, mein Kind macht Probleme in der Schule! Von Beratungslehrern und Schulpsychologen

732189_mommy_gets_boredMein 7-jähriges Kind ist kein einfaches. Davon weiß ich ein Lied zu singen – und die Lehrer/-innen in der ersten Schulstufe leider auch. Mein Kind ist ein guter Schüler, stört aber den Unterricht erheblich und macht fast jede Zusammenarbeit zur Herausforderung. Aber: Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg. Der Rat einer betroffenen Mutter:

Unser Kind ist “anders” – das war mir schon lange klar. Und es setzte seine “Karriere” in der Schule fort: Verweigert die Zusammenarbeit, stört den Unterricht, schaut gelangweilt in die Luft, schreibt Frechheiten ins Heft (und das in der ersten Schulstufe! Hilfe! Also, von mir hat er das nicht …), kann sich nicht in die Klassengemeinschaft integrieren und, und, und. An der kognitiven Leistung mangelt es nicht – das Kind ist blitzgescheit. Und wenn er Lust hat, dann zeigt er das auch. Vor allem der soziale Faktor ist DIE Herausforderung.

Mein ganz persönlicher Rat als betroffene Mutter: Nehmt alle Hilfe an, die ihr kriegen könnt!

Die Beratungslehrerin

Schon beim allerersten Elternsprechtag bat mich die Lehrerin, zu erlauben, dass mein Sohn zur Beratungslehrerin gehen darf. Da stellte sich der erste Kloß im Hals ein: Was ist ein/-e Beratungslehrer/-in? Was macht ein/-e Beratungslehrer/-in? (Ein paar Hintergründe zu den recht vielschichtigen Aufgaben von Beratungslehrer/-innen findet ihr z.B. hier.) Ich habe eingewilligt – schließlich sollte man alle Hilfen nutzen, wenn es die Chance bietet, dass es weiterhilft. Und dass es überhaupt so ein Angebot gibt, finde ich klasse.

Also weiter in der Geschichte: Die Beratungslehrerin hat sich in den folgenden Wochen ein Bild von meinem Sohn gemacht und schlug die Testung auf Hochbegabung und Asperger-Autismus vor. Na, bumm … Aber wie immer: Wenn’s uns irgendwie weiterhilft …

Hilfe, die Psychologin kommt!

Was passiert, wenn die Psychologin des Landesschulrats zu Hilfe gerufen wird? Wird das Kind mit dubios klingenden Diagnosen überhäuft, wird es pathologisiert? Was haben wir nur falsch gemacht? Und wird die Psychologin ihren Finger in diese Wunde legen? Die Befürchtungen ließen sich nicht verbergen.

Aber – es kam ganz anders: Die Psychologin hat unser Kind getestet und bei einen zweiten Termin einen ganzen Tag im Schulalltag beobachtet. Im Anschluss an jeden dieser Termine traf die ganze Runde – Klassenlehrerin, Direktorin, Beratungslehrerin, beide Elternteile und die Psychologin – zu einem Gespräch zusammen. Und: Die Psychologin war Goldes wert! Sie pathologisierte unser Kind in keiner Weise, sondern nahm es mit seinen Besonderheiten und speziellen Bedürfnissen wahr – und vermittelte diese liebevolle Herangehensweise auch den übrigen Beteiligten – Lehrern wie Eltern.
Ich würde sogar so weit gehen: Sie ist/war der Advokat unseres Kindes und hat uns allen geholfen, ihn in seiner Eigenart zu nehmen wie er ist. Danke, Frau L.!

Den Fragebogen zu Asperger-Autismus haben wir nach langem hin und her ebenfalls ausgefüllt – schließlich liegt uns auch das direkte Umfeld immer wieder mit diversen “Laien-Diagnosen” in den Ohren. Die können wir jetzt getrost beruhigen: Nein, unser Kind ist kein Asperger – wir haben ihn testen lassen. Er hat zwar seine Eigenheiten, aber die liegen absolut unterhalb des so genannten Cut-off-Wertes.
(Nachtag 2014: Nach einer langen Odyssee haben wir seit Dezember 2014 nun Gewissheit: Er ist doch ein Asperger-Autist. Wir sind heilfroh über diese Gewissheit, denn endlich arbeiten wir in die richtige Richtung und verstehen, warum sich unser Kind so verhält. Weitere Informationen dazu unter dem Tag Autismus.)

Ergotherapie

Die nächsten Schritte beinhalten eine Ergotherapie – denn, wie es die Therapeutin ausdrückte:

Nur, wer sich selbst gut spürt, kann sich in eine Gemeinschaft integrieren.

Was kostet das?

Gleich nach der Austestung fragte unser Sohn:

Müssen wir dafür etwas bezahlen? Denn die anderen Kinder in meiner Klasse dürfen das nicht machen.

So weit hat uns für die Beratungslehrerin und die Betreuung der Psychologin (inkl. Testung) noch keine Rechnung ereilt – da wird wohl auch nix mehr kommen, da es von der Schule angeregt und initiiert wurde.

Ganz anders natürlich bei der Ergotherapie: Das setzte einen Hürdenlauf in Gang – zur Kinderärztin zwecks Verordnung (natürlich nicht ohne Termin), zum Chefarzt zwecks Genehmigung (dankenswerterweise per Fax), zur Ergotherapeutin zwecks Therapieplan, zurück zum Chefarzt … Alles dafür, dass die Kasse dann schlappe 50 Prozent rückerstattet. Aber, immerhin …



Literatur

Dieses Buch hat uns die Psychologin empfohlen: Hochbegabte Kinder klug begleiten: Ein Handbuch für Eltern

Foto: S Braswell, sxc

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Muttis Nähkästchen

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter (aka. Rabenmutter). Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

Dieser Beitrag hat 12 Kommentare

  1. Doch, ja, hat geholfen. Er bekommt jetzt anspruchsvollere Aufgaben in der Schule (Freiarbeit). Und die Ergotherapie liebt er heiß (und ich meine, dass es dadurch besser wird …). Aber freilich: ausgestanden ist die Sache noch lange nicht …

  2. Hört sich nach unseren Erfahrungen an… :-/ als ob Du von unserem Sohnemann schreibst… Wenn auf dem Display schon die Nummer der Schule erschein *ARGH*!!! ;-)
    Naja, wir sind nun schon aus der Grundschule raus und in der 5. und haben aktuell auch noch etwas Hürdenlauf… sind allerdings erprobt und selbstsicherer und bestimmter geworden ;-)
    Ach ja, die lieben Kleinen :-*

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