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Kinder sollten bei Trauerfeiern unbedingt dabei sein! Interview mit einer Trauerrednerin

Kinder sollten bei Trauerfeiern unbedingt dabei sein! Interview mit einer Trauerrednerin

Was hilft Eltern dabei, den Verlust eines Kindes zu bewältigen? Soll man Kinder mit zur Beerdigung nehmen? Was leistet eine Trauerrednerin?
Antonia Uli Kreis ist Trauer-, Sterbe- und Lebensbegleiterin und die erste und einzige weibliche Trauerrednerin Salzburgs. Im Interview erzählt sie, wie sie zu ihrem Beruf gekommen ist und wie sie Trauernden helfen kann. Außerdem verrät sie wie es ist, Begleiterin zu sein, wenn ein Kind zu Grabe getragen wird.


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Interview mit einer Trauerbegleiterin: Kinder unbedingt mitnehmen zum Begräbnis


Wie kommt frau auf die Idee, das Thema Tod zum Beruf zu machen?

Gar nicht. Das Thema hat mich gefunden. Ich habe eine enge Freundin, eine Mutter mit Kindern im ähnlichen Alter wie meine Kinder, in schwerer Krankheit bis zum Tod begleitet. Mit ihr bin ich durch alle Hochs und Tiefs, jedes Hoffen und Bangen gegangen. Dann gab es auch noch einen Trauerfall in der eigenen Familie. Mehrere Menschen haben mich angesprochen, dass ich prädestiniert wäre für eine derartige Tätigkeit. Anfangs konnte ich damit nichts anfangen: Ich bin doch lebensbejahend tägig – was soll ich da am Friedhof? Nach etwa einen Dreivierteljahr hab ich dann doch eine Hospiz-Ausbildung begonnen – nur für mich selbst, ganz ohne berufliches Interesse. Ich wollte einfach beim nächsten Mal nicht mehr so „kalt erwischt“ werden.

Was darf ich mir unter der Hospiz-Ausbildung vorstellen?

Das ist eine Ausbildung, die zur ehrenamtlichen Mitarbeit in einem Hospiz befähigt. Sie dauerte etwa ein halbes Jahr und beinhaltet u.a. die Aufarbeitung der eigenen Trauerbiographie, Selbsterfahrung, Sterbephasen, Grundlagen der Begleitung und ein Praktikum in einer Pflegeeinrichtung und in einem Hospiz. In weiterführenden Ausbildungen zur Trauerbegleitung habe ich mich noch intensiver lehren lassen in Hinblick auf  die Trauerphasen, Methodik, Kinder- und Familienbegleitung und Krisenintervention.

Wie bist du dann Trauerrednerin geworden?

Im Zuge der Ausbildung kam ich ins Gespräch mit einem Bestattungsunternehmen, das von drei Frauen geführt wird. Das ist durchaus ungewöhnlich in dieser Branche. Bisher gab es in und um Salzburg keine einzige weibliche Trauerrednerin. Der Gedanke fiel auf fruchtbaren Boden, die Zeit dafür war wohl reif. gibt. Also luden sie mich ein, eine Testrede zu halten. Schon einen Tag später hatte ich den ersten Auftrag. Ich wurde also ziemlich ins kalte Wasser geschuppst.

Du bietest als Trauer-, Sterbe- und Lebensbegleiterin mehr als nur dir Rede am Grab. Was beinhaltet dein Hilfeangebot?

„Coach“ bedeutet Kutscher – und genau das will ich sein. Ich begleite und trage Menschen ein Stück – auch auf dem letzten Lebensweg. Alles vor dem letzten finalen Moment ist für mich Lebensbegleitung: ich helfe, Lebensräume zu erschließen, Qualität und Selbständigkeit zu erhalten und so noch möglichst viel Leben vor dem Tod zu schenken. Die Familie ist immer Teil des Systems und wird miteinbezogen. Hier spielt auch meine ursprüngliche Berufsausbildung hinein: ich habe Gesundheitspädagogik studiert und Ausbildungen in den Bereichen Erlebnispädagogik und positive Psychologie gemacht, mich intensiv mit der Salutogenese beschäftigt.

Wer beauftragt eine Trauerrednerin?


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Speziell konfessionslose Personen brauchen einen „Zeremonienmeister“, der die Trauerfeier leitet. Nur ganz wenige Betroffene trauen (und muten) sich das in einer derartigen Ausnahmesituation selbst zu. Manchmal begleite ich auch konfessionelle Beerdigungen oder Verabschiedungen gemeinsam mit einem Glaubensvertreter, meist einem Geistlichen. Aber es gibt auch – zum Glück nicht oft – Pfarrer, die eine gemeinsame Feier kategorisch ablehnen.

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Du machst das jetzt seit etwa fünf Jahren. Hat sich da eine gewisse Routine eingestellt?

Nein. Jede Begleitung, jede Rede ist immer wieder eine Herausforderung. Jede Familie braucht etwas anderes – gemeinsam entwickeln wir einen angemessene Rahmen. Durch eine gute, individuell zugeschnittene Rede kann viel ausgesprochen und dadurch befriedet werden. Das hat einen unglaublichen Wert für die Trauerzeit danach! Wer sich dem stellt, kann meist schneller wieder ins Leben zurück finden. Gerade im Vorbereitungsgespräch sind die Trauernden sehr offen und ehrlich. Es liegt dann an mir zu wählen, was ich bei der Trauerfeier dann tatsächlich sage. Ich bin bemüht einfühlsam und wertfrei, doch ehrlich zu sein – das ist oft eine Gratwanderung und eine große Verantwortung, denn eine Trauerfeier lässt sich nicht reinszenieren: der Verstorbene ist unwiederbringlich das letzte Mal physisch anwesend. Das herzliche Feedback zeigt mir, dass mir das anscheinend gut gelingt.

Gibt es ein No-go für dich bei Trauerfeiern?

Ja! Als Trauerrednerin darf ich auf keinen Fall bei der Trauerfeier heulen. Wenn mich ein Trauerfall sehr beschäftigt, muss ich mir vorher Ventile suchen – da kann es schon sein, dass ich davor immer wieder weine wie ein Schlosshund. Nur bei der Trauerfeier selbst muss ich stark sein. Denn ich bin die Stimme und die Stärke für die Angehörigen, die sie selbst nicht haben.

Trauerrednerin Antonia

Hast du auch schon einmal die Beerdigung eines Kindes begleitet?

Ja, nach etwa einem Jahr als Trauerrednerin habe ich erstmals die Eltern eines verstorbenen, drei Monate alten Babys begleitet. Seither war ich immer wieder bei Beerdigungen, Verabschiedungen oder anderen Trauerritualen von Sternenkindern, Babys, Kindern und Jugendlichen. Der Tod von Kindern ist immer heftig und tragisch – das sind berührende Geschichten. Dadurch entsteht oft auch eine intensive Bindung zu den Familien.

Was hilft Eltern, die Trauer über den Verlust des eigenen Kindes besser zu verkraften?

Es wäre nur zu verständlich, wenn der unvorstellbar große Schmerz auch die Beziehung der Eltern beeinträchtigt. Auf jeden Fall hilft, wenn beide Elternteile miteinander gut und behutsam umgehen, in Kontakt und im Gespräch über ihr Fühlen bleiben. Dann sind sie eine wertvolle Stütze füreinander.

Gibt es Todesfälle bei Kindern, die besonders schlimm sind?

Jeder Tod eines Kindes ist tragisch – ganz egal wann und wie alt das Kind ist oder ob es schon vor der Geburt verstorben ist. Als ganz besonders herausfordernd erlebe ich, wenn es ein plötzlicher, unerwarteter Tod ist – wie etwa plötzlicher Kindstod, ein Unfall oder Suizid.

Wenn es einen Trauerfall in der Familie gibt, stehen Eltern vor der Entscheidung: Kinder mit zur Trauerfeier nehmen – oder sie besser vor dieser Ausnahme-Situation schützen. Was rätst du den Eltern?

Ganz klar: Unbedingt mitnehmen! Ich spreche mich immer dafür aus, dass Kinder bei Trauerfeiern dabei sein sollten. Es gibt schließlich im Leben immer wieder Abschiede – wir können unsere Kinder nicht vor allem Ungemach schützen. Es bedeutet Mut, sich dem zu stellen was ist – für die Eltern und auch für die Kinder. Das hilft den Kindern, im späteren Leben ebenfalls mutig zu sein, sich allen Gefühlen zu öffnen. Den guten und den weniger angenehmen, die jedes Leben auch mit sich bringt.. Und es erleichtert den Abschied und die das Durchleben der Trauerphasen.

Sollen Eltern vor ihren Kindern weinen oder sollen sie besser stark sein?

Bitte zeigt Emotionen und weint! Das ist wichtig! Seid authentisch und lasst eure Kinder sehen und spüren, wie ihr euch fühlt. So dürfen Kinder von uns Eltern das Hinfühlen und Empathie lernen Traurig sein ist in Ordnung und wichtig! Auch das ist eine wichtige Ressource für das Leben der Kinder und hilft bei der Entwicklung einer gesunden Seelengrundlage und auch Frustrationstoleranz.

Du hast selbst drei Kinder. Wie gehen sie mit dem Thema Tod um?

Eigentlich ganz ähnlich wie andere Kinder auch. Mein Jüngster hat mich gebeten: „Bitte versprich mir, dass du nicht vor mir stirbst!“ Da muss ich ehrlich bleiben, denn sowas kann ich nicht versprechen! Gerade weil ich durch den täglich Kontakt mit dem Tod weiß, dass mit ihm immer zu rechnen ist, egal ob alt oder jung. Aber ich kann es ein wenig beeinflussen. Und darum lautete meine Antwort: „Ich verspreche dir, dass ich alles in meiner Macht stehende tue, damit ich ganz lange deine Mama bleibe. Ich bin nichts lieber als deine Mutter!“

Danke für das Gespräch!

antonia-k_trauerrednerin

Ich wünsche es niemandem, aber sollte jemand von euch von einem Trauerfall betroffen sein, dann lege ich euch Antonia wärmstens ans Herz:

Ihr findet Antonia Kreis unter

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