Seit Generationen hält sich hartnäckig der Glaube: Bei Vollmond kommen mehr Babys zur Welt. Hebammen erzählen davon, Eltern scherzen darüber, und in vielen Kulturen ist der Mond ein Symbol für Fruchtbarkeit und Geburt. Aber stimmt das wirklich – oder ist es nur ein schöner Mythos? Was eine neue Studie über den Einfluss des Mondes auf Geburten verrät.
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Eine neue Studie aus Österreich hat diese Frage ganz genau untersucht. Die Forschenden um Dr. Karin Windsperger von der MedUni Wien wollten wissen, ob der Mond – genauer gesagt seine verschiedenen Phasen – tatsächlich einen Einfluss auf die Geburt haben:
- Kommen bei Vollmond wirklich mehr Babys?
- Dauern Geburten bei Neumond länger?
- Und wirkt sich das Mondlicht vielleicht sogar auf die Gesundheit der Neugeborenen aus?
Inhaltsverzeichnis

Der Ursprung des Mythos
Der Zusammenhang zwischen Mond und Geburt ist tief in unserer Kultur verwurzelt. Schon in antiken Kulturen galt der Mond als Symbol für Fruchtbarkeit, Weiblichkeit und Zyklen. Schließlich dauert ein Mondzyklus rund 29,5 Tage – fast so lang wie der durchschnittliche Menstruationszyklus.
Kein Wunder also, dass man vermutete: Wenn der Mond Ebbe und Flut beeinflusst, könnte er auch auf das Fruchtwasser und den Geburtsbeginn wirken.
Was hat die Studie untersucht?
Für ihre Untersuchung nutzten die Forschenden der MedUni Wien, der UMIT University for Health Sciences, Medical Informatics and Technology, und der Tirol Kliniken Daten aus der österreichischen Geburtsregistrierung – also aus echten Krankenhausdaten. Insgesamt wurden fast 463.000 Geburten ausgewertet, ein beeindruckend großer Datensatz.
Um die Frage möglichst genau zu beantworten, wurde Folgendes berücksichtigt:
- Nur spontane Geburten zählten – also keine Kaiserschnitte oder eingeleiteten Geburten.
- Die Geburten wurden in Tag (06:00–20:59 Uhr) und Nacht (21:00–05:59 Uhr) eingeteilt.
- Die Mondphasen wurden astronomisch berechnet: Vollmond, Neumond und andere Phasen – jeweils inklusive zwei Tage davor und danach.
Damit konnten die Forschenden untersuchen, ob Unterschiede wirklich mit dem Mondlicht in der Nacht zusammenhängen – oder ob es nur Zufall ist.
Die zentralen Ergebnisse der Studie
#1 Mehr Geburten bei Vollmond?
Nein.
Es zeigte sich kein Anstieg der Geburtenrate bei Vollmond – weder tagsüber noch nachts. Die Geburten verteilten sich völlig gleichmäßig über alle Mondphasen hinweg.
Das bedeutet: Auch wenn der Kreißsaal bei Vollmond mal besonders voll ist, liegt das vermutlich eher am Zufall – oder an anderen Faktoren (zum Beispiel Wochenenden, Feiertagen oder Wetterumschwüngen).
#2 Dauern Geburten bei bestimmten Mondphasen länger?
Im Durchschnitt: Nein.
Die meisten Geburten dauerten rund 5 bis 6 Stunden – unabhängig vom Mond.
Aber: Bei Nachtgeburten fiel den Forschenden ein kleiner Trend auf: Die längsten Geburten dauerten in manchen Fällen etwas länger – rund 70 Stunden bei „anderen Phasen“ im Vergleich zu 62 Stunden bei Neumond.
Das klingt spannend, war aber statistisch nicht eindeutig. Es könnte also Zufall sein, vielleicht aber auch ein Hinweis darauf, dass das Mondlicht einen winzigen Einfluss auf den Tag-Nacht-Rhythmus hat.
#3 Die Wirkung des Mondes auf die Gesundheit der Babys
Auch hier: Keine Unterschiede.
Weder der Apgar-Wert (ein Maß für die Vitalität des Neugeborenen) noch der pH-Wert im Nabelschnurblut zeigten Unterschiede zwischen den Mondphasen.
Das heißt: Egal, ob Vollmond oder Neumond – Babys starten gleich gut ins Leben.
Was bewirkt der Mond?
Wissenschaftlich gesehen gibt es zwei denkbare Mechanismen:
- Licht:
In Vollmondnächten ist es deutlich heller – etwa 0,25 Lux. Das ist sehr wenig, aber messbar. Licht beeinflusst den zirkadianen Rhythmus und das Hormon Melatonin, das wiederum die Wehentätigkeit beeinflussen könnte. - Gravitation:
Manche vermuten, dass die Anziehungskraft des Mondes – wie bei den Gezeiten – auch auf den menschlichen Körper wirkt. Dafür gibt es bisher aber keine Beweise.
Ein großes Problem für solche Untersuchungen ist die Lichtverschmutzung: In Städten ist es ohnehin so hell, dass das Mondlicht kaum noch eine Rolle spielt.
Was sind die Grenzen der Studie?
- Kein direkter Lichtmesswert:
Die Studie konnte nicht erfassen, wie viel Licht eine Frau tatsächlich während der Nacht ausgesetzt war. - Nur Österreich:
Ergebnisse könnten in anderen Ländern (mit anderem Klima, mit anderen Lichtverhältnissen) anders aussehen. - Korrelation ≠ Kausalität:
Auch wenn Unterschiede gefunden würden, heißt das noch nicht, dass der Mond sie verursacht.
Was bedeutet das nun für werdende Eltern?
Kurz gesagt:
Ihr müsst euch keine Sorgen machen, ob euer Baby bei Vollmond, Neumond oder Halbmond kommt.
Der Zeitpunkt hängt von vielen Dingen ab – aber nicht vom Mond.
Und doch:
Der Gedanke, dass der Mond mit seiner stillen Präsenz über den Geburten wacht, hat etwas Tröstliches. Vielleicht ist er weniger ein biologischer, sondern ein symbolischer Begleiter – ein Licht, das uns seit Jahrtausenden durch die Nacht begleitet.
Warum sich der Eindruck trotzdem hält
Viele Hebammen und Geburtshelfer*innen berichten aus Erfahrung, dass „bei Vollmond mehr los ist“. Das kann an einem psychologischen Effekt liegen – einer sogenannten selektiven Wahrnehmung.
Wenn eine besonders arbeitsreiche Schicht zufällig mit Vollmond zusammenfällt, bleibt das stärker im Gedächtnis. Ruhige Vollmondnächte dagegen vergisst man leichter. So entsteht der Eindruck eines Musters, wo statistisch keines existiert.
Fazit
Die neue Studie von Windsperger et al. (2025) zeigt: Der Mond hat wahrscheinlich keinen messbaren Einfluss auf Geburtenrate, Geburtsdauer oder die Gesundheit von Neugeborenen.
Die romantische Vorstellung, dass Babys bevorzugt bei Vollmond geboren werden, ist schön – aber wissenschaftlich nicht belegt. Geburten folgen eher den biologischen und hormonellen Rhythmen der Mutter als den Phasen des Mondes.
Trotzdem bleibt der Vollmond ein Symbol für Neuanfang, Wandel und Lebenszyklen – und vielleicht ist genau das der Grund, warum wir ihm so gerne besondere Kräfte zuschreiben.
Kurz gesagt:
- Mythos: Der Mond bringt Babys zur Welt.
- Fakt: Kein statistischer Zusammenhang.
- Wahrheit: Der Mond fasziniert uns – ganz egal, was die Daten sagen.
Quelle: K. Windsperger, T. Dorittke, D. A. Muin, et al., “ The Impact of Lunar Phases During Day and Night Cycles on Perinatal Outcomes: A Nationwide Cohort Study,” Birth (2025): 1–9, https://doi.org/10.1111/birt.70013.
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