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Mutterschaft = Schluss mit lustig? #regrettingmotherhood

Mutterschaft = Schluss mit lustig? #regrettingmotherhood

Albtraum Mutterschaft – mit dem Hashtag #regrettingmotherhood wird seit einigen Tagen eine israelische Studie diskutiert: Auf die Frage “Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie dann noch einmal Mutter werden, mit dem Wissen, das Sie heute haben?” antworteten 23 von 28 befragten Frauen mit NEIN.
Ist das ein ungehöriger Tabu-Bruch? Ein Hinweis auf unsere verderbte Gesellschaft? Ein Grund, Sorgenfalten auf der Stirn zu kultivieren?

Ja, auch ich sehne mich manchmal nach dieser Unabhängigkeit, als ich noch kein logistisches Meisterwerk rund um Großeltern, Kinderbetreuung und Job vollbringen musste, um mal gepflegt auf ein Gläschen Wein zu gehen, geschweige denn an einer Wochenend-Veranstaltung teilzunehmen …

Auch frag ich mich manchmal, was ich alles getan habe, als ich noch keine Kinder hatte. Es muss mir sicherlich fürchterlich fad gewesen sein …
Aber der realistische Blick in die Vergangenheit sagt mir: Nein, mir war nicht fad, es war nur anders. Andere Sorgen, andere Herausforderungen.

Kinder machen nicht glücklich!

Kinder sind nicht dafür da, uns glücklicher zu machen.
Aber: Sie sind perfekte Lehrmeister!
Und:

Hätte ich keine Kinder, würde ich mich nach ihnen verzehren!

Und das ist, glaub ich, die Krux an der ganzen Geschichte: Wir wollen oft Dinge, die wir eben gerade nicht haben können. Wer Schnittlauchlocken hat, wünscht sich Wellen; wer gekräuseltes Haar hat, wünscht sich nichts sehnlicher als glattes Haar … Und so ist es nicht selten auch bei Müttern/Nicht-Müttern. Wir laufen dem Glück hinterher, wie der Esel der vorgehaltenen Karotte. Ich muss erst dies und jenes erreichen, damit ich überhaupt glücklich sein kann.

Glück ist in unserer Gesellschaft Pflicht. Denn: wer nicht glücklich ist, hat von vorne herein versagt. Und unglückliche Mütter sind sowieso ein Tabu – sowas darf es ganz einfach nicht geben!

Fazit: Die Diskussion ist wichtig

… aber nicht ganz richtig. Die Wissenschaftlerin in mir bemängelt, dass die Studie in Form von Tiefeninterviews mit 28 biologischen Müttern aus Israel nicht repräsentativ ist. (Ja, ich hab die Studie wirklich gelesen.)

Die Diskussion ist meines Erachtens einseitig:
Es geht nicht nur um Mütter – sie sind hier nur Symptomträgerinnen. Ich meine, es geht vielmehr um ein gesamtgesellschaftliches Phänomen: wir haben die Demut verloren, das Annehmen, was ist. Wir können oft die Schönheit des gegenwärtigen Moments nicht wahrnehmen und uns darüber freuen – denn es ginge immer noch schneller, höher, weiter … besser. Wir zweifeln ständig, das Optimum in unserem Leben erreicht zu haben – denn es ginge immer noch, ja genau, schneller, höher, weiter … besser. Außerdem:

Wenn das Wörtchen “wenn” nicht wär’, wär’ das Leben halb so schwer!

Ich liebe meine Kinder. Aber ich liebe es auch nicht immer, Mutter zu sein. Vor allem habe ich mir die Mutterschaft bei weitem nicht so herausfordern vorgestellt, wie es eben jetzt ist. Ich erlebe glückliche UND unglückliche Momente. Manchmal könnte ich die Kinder auf den Mond schießen, dann wieder endlos knuddeln und busseln.
Meine Kinder sind perfekte Lehrmeister: sie halten mir ständig den Spiegel vor – das kann sehr schmerzhaft sein, aber wer sich traut vorurteilsfrei hin zu schauen, kann eine Menge lernen. Für sich selbst.

Ich bin nicht immer glücklich in meiner Rolle. Auch ich sehne mich des öfteren nach Unabhängigkeit. Und manchmal wächst mir alles heillos über den Kopf. Aber:
Ich bereue es NICHT, Mutter zu sein!

Interessantes Detail am Rande: 10 % Kinder im Autismus- bzw. ADHS-Spektrum

Interessante Nebengeschichte, die in keiner Diskussion bisher als erwähnenswert erachtet wurde: Fünf der insgesamt 50 Kinder dieser 23 “regretting mothers” – also 10 Prozent – hatten Special Needs aus dem Autismus- bzw. ADHS-Spektrums. Als ebenfalls betroffene Mutter finde ich diesen Anteil enorm hoch. Vielleicht wäre diese Diskussion wichtiger:



  • Warum gibt es neuerdings so viele autistische Kinder? Die Zahlen steigen ja angeblich signifikant!
  • Wie geht es Müttern mit Special Needs-Kindern im Vergleich zu Müttern von “normalen” Kindern?

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Muttis Nähkästchen

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter. Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Ohja, ich finde auch, das Problem ist, dass wir das Annehmen einer Situation verlernt haben… Ich habe mal bei TED einen Vortrag gesehen, dessen Aussage war, wer die Wahl hat ist unglücklicher. Und wir haben heute viele Wahlmöglichkeiten, die in uns nicht das Gefühl von Freiheit auslösen, sondern in ihrer Fülle eher das Mist-Ich-verpass-Was-Gefühl… Dazu passt auch Dein erwähnter Spruch “wenn das Wörtchen wenn nicht wär…”
    Liebe Grüße

  2. Danke! Endlich ein Artikel, der das Thema ins (für mich) rechte Licht rückt. Ich finde zusätzlich, dass das Wort”bereuen”auch sehr subjektiv ist. Wann bereue ich es, Mutter zu sein? Nach nur einem anstrengenden Tag oder vielen Jahren? Das wird jede Mutter anders beantworten, weil für die eine ist bereuen nich so stark emotional besetzt wie für eine andere Mutter. Lg Petra

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