Darf ich in der Schwangerschaft noch Rad fahren? Ab wann kann mein Baby im Anhänger oder Lastenrad mitkommen? Und welche Transportlösung passt am besten zu unserem Familienalltag? Viele Eltern sind unsicher, obwohl Radfahren oft länger und früher möglich ist, als sie vermuten. Dieser Überblick zeigt, worauf es bei Sicherheit, Komfort und Auswahl wirklich ankommt.
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Radfahren bringt Bewegung in den Alltag, hält Familien mobil und lässt sich häufig gut mit Einkäufen, Arbeitswegen oder Fahrten zur Betreuung verbinden. Trotzdem verzichten werdende Eltern und junge Familien nicht selten darauf. Sie fragen sich, ob Erschütterungen dem Baby schaden, ob die Abgasbelastung im Anhänger besonders hoch ist oder ob ein Säugling überhaupt schon mitfahren darf.
Im Rahmen der Regensburger Radlwochen 2026 griffen die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg, die Stadt Regensburg und Fahrrad & Familie e.V. das Thema deshalb in einem Workshop für Hebammenstudierende auf. Neben wissenschaftlichen Grundlagen standen praktische Erfahrungen im Mittelpunkt. Die Studierenden testeten Fahrräder, Anhänger, Kindersitze und Lastenräder. Mit einem umgeschnallten Schwangerschaftsbauch probierten sie außerdem aus, wie sich Gleichgewicht, Sitzhaltung und Fahrgefühl verändern.
Inhaltsverzeichnis
- Radfahren in der Schwangerschaft: Bewegung statt Schonung
- Radfahren in der Schwangerschaft: So wird das Fahrrad mit wachsendem Bauch bequemer
- Ab wann darf ein Baby mitfahren?
- Sicher radeln mit Baby und Kleinkind: Anhänger, Lastenrad oder Kindersitz?
- Kinder mit dem Rad transportieren: Helm auf oder nicht?
- Abgase und Unfallrisiko: Was die bisherigen Erkenntnisse zeigen
- Radfahren in der Schwangerschaft und mit Baby: Diese Mythen lassen sich entkräften
- Radfahren in der Schwangerschaft und mit Baby: Die wichtigsten Do’s and Don’ts
- Anhänger, Lastenrad oder Kindersitz: Vor- und Nachteile im Vergleich

Radfahren in der Schwangerschaft: Bewegung statt Schonung
Die Vorstellung, Schwangere müssten sich grundsätzlich schonen, ist überholt. Bei einer gesunden, unkomplizierten Schwangerschaft kann moderate Bewegung die Gesundheit fördern, Beschwerden reduzieren und dabei helfen, beweglich zu bleiben. Radfahren schont die Gelenke, entlastet den Beckenboden und kann gerade gegen Ende der Schwangerschaft angenehmer sein als längeres Gehen.
Verena Stengel, Leiterin des Masterstudiengangs Hebammenwissenschaft der OTH Regensburg, erklärt:
„Bewegung fördert während einer gesunden Schwangerschaft langfristig die Gesundheit von Mutter und Kind und wirkt sogar Schwangerschaftskomplikationen entgegen. Radfahren ist dabei eine gute Möglichkeit, sich in der Schwangerschaft und auch nach der Geburt zu bewegen. Gleichzeitig hilft es, mobil zu bleiben.“
Bei einer unkomplizierten Schwangerschaft ist Radfahren grundsätzlich bis zum Ende möglich, sofern du dich wohlfühlst und die Belastung moderat bleibt. Eine einfache Orientierung bietet der sogenannte Sprechtest: Kannst du dich während der Fahrt problemlos unterhalten, ist die Belastung in der Regel nicht zu hoch.
Entscheidend ist dennoch das persönliche Körpergefühl. Fahre ruhig, beobachte dein Gleichgewicht und passe Tempo sowie Strecke an deine Tagesform an. Sobald Beschwerden auftreten oder medizinische Gründe gegen Sport sprechen, solltest du die Situation mit deiner betreuenden Fachperson besprechen.

Radfahren in der Schwangerschaft: So wird das Fahrrad mit wachsendem Bauch bequemer
Mit zunehmendem Bauchumfang verändert sich die Sitzposition. Eine aufrechtere Haltung schafft Platz und kann Hände, Rücken und Gesäß entlasten. Dafür lässt sich der Lenker höher einstellen. Auch ein etwas tieferer und leicht nach vorn geneigter Sattel kann den Komfort verbessern.
Ein tiefer Einstieg erleichtert das Auf- und Absteigen, besonders dann, wenn Beweglichkeit und Gleichgewicht eingeschränkt sind. Elektrische Unterstützung kann ebenfalls sinnvoll sein. Sie hilft dabei, Steigungen oder längere Wege zu bewältigen, ohne dass du dich überanstrengst.
Beim Anhalten solltest du besonders aufmerksam sein, denn das veränderte Körpergewicht kann sich auf die Balance auswirken. Wähle möglichst ruhige Strecken, plane ausreichend Zeit ein und vermeide Situationen, in denen du hektisch anfahren oder abrupt bremsen musst.
Ab wann darf ein Baby mitfahren?
Ein gesetzliches Mindestalter für die Mitnahme auf dem Fahrrad gibt es in Deutschland nicht. Entscheidend sind das geeignete Transportsystem, die Entwicklung des Kindes und die Angaben des jeweiligen Herstellers.
Babys, die noch nicht selbstständig sitzen können, müssen nahezu liegend transportiert werden. Dafür kommen spezielle Babyschalen oder Babysitze in Form einer Hängematte infrage, die für bestimmte Fahrradanhänger oder Lastenräder zugelassen sind. Einige Hersteller nennen ein Mindestalter von einem oder drei Monaten. Viele Hebammen empfehlen, Babys etwa ab einem Alter von sechs Wochen mitzunehmen, wenn die Nackenmuskulatur bereits etwas entwickelt ist.
Diese Orientierung ersetzt jedoch weder die Herstellerangaben noch die individuelle Einschätzung. Gewicht, Körpergröße, Muskelspannung und gesundheitliche Voraussetzungen können sich von Kind zu Kind unterscheiden. Prüfe deshalb immer, für welches Alter und Gewicht das jeweilige System freigegeben ist.
Hannah Eberhardt, Referentin und Mitglied von Fahrrad & Familie e.V., beschreibt ein zentrales Problem:
„Viele Eltern verzichten aus Unsicherheit aufs Radfahren – nicht, weil es wissenschaftliche Belege dafür gibt. Wenn Hebammen diese Fragen fundiert beantworten können, gibt das Familien Sicherheit im Alltag.“

Gemeinsam mit einem Mitarbeiter von Feine Räder informierten sich Hebammenstudierende über den sicheren Transport von Säuglingen im Lastenfahrrad. (c) OTH Regensburg/Simone Zenner
Sicher radeln mit Baby und Kleinkind:
Anhänger, Lastenrad oder Kindersitz?
Fahrradanhänger: flexibel und besonders gut für Babys geeignet

Ein Fahrradanhänger wird mit Deichsel und Kupplung hinter dem Fahrrad befestigt. Er passt in der Regel an viele unterschiedliche Fahrräder und beeinflusst das Fahrgefühl des ziehenden Rads vergleichsweise wenig. Über einen Rückspiegel kannst du die Kinder während der Fahrt im Blick behalten.
Viele Modelle lassen sich mit einem oder zwei Babysitzen ausstatten. Dadurch eignet sich ein Zweisitzer beispielsweise auch für Zwillinge. Für Babys ist eine Federung wichtig, die bereits auf ein geringes Körpergewicht reagiert. Sie reduziert Stöße und entlastet den noch schwachen Rücken.
Sobald das Kind sicher selbstständig sitzt, meist ungefähr ab neun bis zwölf Monaten, kann es aufrecht im Anhänger Platz nehmen. Sitzverkleinernde Polster unterstützen kleinere Kinder. Manche Modelle bieten eine verstellbare Rückenlehne, die praktisch sein kann, wenn ein Kind während der Fahrt einschläft.
Anhänger lassen sich häufig zu einem Kinderwagen umbauen. Mit Buggyrädern eignen sie sich für den Alltag, mit einem größeren Vorderrad teilweise auch zum Joggen oder für unebene Wege. Das macht sie besonders flexibel: Du kannst den Anhänger beispielsweise an der Betreuungseinrichtung stehen lassen, ihn an ein anderes vorbereitetes Fahrrad koppeln oder abgekoppelt in Bus und Bahn mitnehmen.
Beim Kauf solltest du Breite, Gewicht und Faltmaß beachten. Ein schmaler Anhänger passt leichter durch Türen, an Supermarktkassen vorbei und in öffentliche Verkehrsmittel. Gleichzeitig brauchen die Kinder ausreichend Platz. Bei Zweisitzern liegt die maximale Zuladung häufig bei etwa 45 Kilogramm, wobei immer die Herstellerangabe zählt.
Da der Anhänger keine eigene Betriebsbremse besitzt, bremsen die Fahrradbremsen das gesamte Gespann. Sie müssen deshalb regelmäßig geprüft und sorgfältig gewartet werden. Sinnvoll sind außerdem ein stabiler Rahmen, ein zuverlässiges Gurtsystem, Rücklicht, Sonnenschutz, Regenschutz und ein gut sichtbarer Sicherheitswimpel.
Lastenrad: viel Platz für Kinder und Einkäufe

Lastenräder verbinden Personen- und Warentransport. Je nach Bauart können meist zwei bis vier, bei einzelnen Dreiradmodellen sogar bis zu sechs Kinder mitfahren. Für jeden Platz muss ein geeigneter Sitz mit Gurt vorhanden sein. Die Kinder dürfen während der Fahrt niemals unangeschnallt oder unbeaufsichtigt im Lastenrad sitzen.
Für Babys kommen modellabhängig Hängematten oder Babyschalen infrage. Eine Federung oder ein gefederter Sitz ist dabei besonders wichtig. Nicht jedes Lastenrad ist konstruktiv für die Babymitnahme geeignet. Außerdem benötigt eine Babyschale viel Raum und kann mehr als einen Sitzplatz belegen.
Vor dem Kauf solltest du verschiedene Bauarten testen. Ein Long John besitzt zwei Räder und eine Transportbox vor der fahrenden Person. Es fährt sich vergleichsweise flott und agil, erfordert anfangs aber etwas Übung. Ein dreirädriges Lastenrad steht beim Anhalten und beim Ein- oder Aussteigen besonders stabil. In Kurven muss es jedoch langsam gefahren werden, sofern es keine Neigetechnik besitzt.
Ein Longtail ähnelt einem normalen Fahrrad mit verlängertem Gepäckträger. Es eignet sich vor allem für größere Kinder. Jüngere Kinder fahren dort in geeigneten Kindersitzen mit, ältere können je nach Modell innerhalb einer umlaufenden Reling sitzen. Eine Babymitnahme ist beim Longtail nach Angaben der Broschüre nicht möglich.
Lastenräder bieten eine hohe Zuladung. Je nach Modell sind ungefähr 70 Kilogramm möglich, bei Longtails teilweise 90 bis 100 Kilogramm. Elektrische Unterstützung erleichtert Fahrten mit mehreren Kindern, schwerem Gepäck oder Steigungen.
Vor der Entscheidung solltest du allerdings den Abstellplatz prüfen. Lastenräder benötigen meist einen großen, möglichst ebenerdig erreichbaren Stellplatz. In viele Aufzüge passen sie nicht. Auch die Mitnahme im Zug ist eingeschränkt: In ICE und IC sind Lastenräder nicht erlaubt, im Regionalverkehr hängt die Beförderung von Region und Verkehrsunternehmen ab. Kompaktlastenräder werden teilweise toleriert.
Kindersitz: kompakt für kurze Alltagswege

Ein Kindersitz eignet sich erst, wenn das Kind sicher selbstständig sitzen kann. Modelle hinter dem Sattel sind meist für ein Körpergewicht von 9 bis 22 Kilogramm zugelassen. Vorn montierte Sitze schaffen mehr Nähe und erleichtern Gespräche, sind jedoch häufig nur bis 15 Kilogramm zugelassen und passen nicht an jedes Fahrrad.
Das Gurtsystem muss zuverlässig halten. Eine Fußsicherung verhindert, dass die Füße in die Speichen geraten. Ein stabiler Zweibein- oder Hinterbauständer hilft beim sicheren Ein- und Aussteigen. Trotzdem darf ein Kind niemals unbeaufsichtigt im Sitz bleiben, da ein beladenes Fahrrad leichter kippen kann.
Praktisch sind zusätzliche Halterungen an mehreren Fahrrädern. So kann derselbe Sitz flexibel genutzt werden. Abhängig von der Rahmenform lassen sich an einem Fahrrad sogar zwei Sitze montieren, einer vorn und einer hinten.
Ein hinterer Kindersitz belegt normalerweise den Gepäckträger. Für Einkäufe können ein Frontkorb, ein Frontgepäckträger oder ein verlängerter Gepäckträger mit Platz für seitliche Taschen helfen. Schläft das Kind häufig ein, ist eine nach hinten neigbare Sitzposition vorteilhaft.
Eine individuelle Beratung im Fachhandel ist wichtig, weil nicht jeder Sitz zu jedem Rahmen und Gepäckträger passt. Nimm das Fahrrad, an dem der Sitz verwendet werden soll, am besten zur Beratung mit.
Vor dem Kauf unbedingt testen
Prospekte und technische Daten helfen bei einer ersten Auswahl, ersetzen aber keine Probefahrt. Das gilt besonders für Lastenräder, deren Lenk- und Kurvenverhalten sich deutlich unterscheiden kann. Auch beim Anhänger lohnt ein Test: Passt er durch die Haustür? Lässt er sich zusammenklappen? Reagiert die Federung auf das Gewicht des Babys? Funktioniert der Umbau zum Kinderwagen ohne komplizierte Handgriffe?
Achte dabei nicht nur auf das Fahrgefühl. Prüfe auch den Stellplatz, die üblichen Strecken, die Zahl der Kinder, den benötigten Stauraum und mögliche Fahrten mit Bus oder Bahn. Ein günstiger Kindersitz kann für kurze Wege vollkommen ausreichen. Ein Anhänger bietet mehr Wetterschutz und Flexibilität. Das Lastenrad spielt seine Vorteile aus, wenn regelmäßig mehrere Kinder und viel Gepäck mitfahren.
Gebrauchtkäufe können die Kosten senken. Lass dir nach Möglichkeit den Kaufbeleg zeigen, um Alter und Herkunft zu prüfen. Kontrolliere Rahmen, Gurte, Kupplung, Bremsen und sicherheitsrelevante Bauteile sorgfältig. Förderprogramme von Städten, Gemeinden oder Bundesländern sowie Leasing über die beschäftigende Organisation können Lastenräder ebenfalls erschwinglicher machen.
Was ist gesetzlich zu beachten?
Bis zum siebten Geburtstag dürfen Kinder in Deutschland im Fahrradanhänger oder Kindersitz mitgenommen werden. Gewicht, Größe und Nutzung werden jedoch durch die Freigaben der Hersteller begrenzt.
Nicht erlaubt ist das Radfahren mit einem Baby im Tragetuch oder in einer Tragehilfe. Ein solches System bietet bei einem Sturz keinen ausreichenden Schutz und gilt nicht als besonderer Sitz im Sinne der Straßenverkehrsordnung. Der in der Broschüre zitierte Fachanwalt für Verkehrsrecht Jörg Lünsmann erklärt:
„Tragetuch oder Tragehilfe sind kein ‚besonderer Sitz’, wie in der Straßenverkehrsordnung für den Kindertransport gefordert. Im Falle eines Unfalls stellt sich die Frage, ob das Baby ähnliche Verletzungen erlitten hätte, wenn es ordnungsgemäß mitgenommen worden wäre. Ist dies nicht der Fall, können die Eltern wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt werden.“
Kinder mit dem Rad transportieren: Helm auf oder nicht?
In Deutschland besteht keine allgemeine Fahrradhelmpflicht. (Anmerkung: in anderen Ländern hingegen schon!) Für Kinder auf dem oder im Fahrrad ist ein Helm dennoch ein sinnvoller zusätzlicher Schutz. Das gilt auch im Lastenrad und grundsätzlich im Anhänger, obwohl dessen Rahmen bereits eine schützende Konstruktion bildet.
Der Helm muss waagerecht sitzen und bis wenige Zentimeter über die Augenbrauen reichen. Das Verstellrad am Hinterkopf passt die Weite an. Der Kinnriemen sollte so eingestellt sein, dass ungefähr ein Daumen oder zwei Finger zwischen Kinn und Verschluss passen. Und nicht jeder Fahrradhelm ist gleich gut: hier haben wir für euch die Ergebnisse eines Vergleichstests von Kinder-Fahrradhelmen zusammengefasst.
Wichtig ist eine Ausnahme: Solange Babys liegend in einer Hängematte oder Babyschale mitfahren, sollen sie keinen Fahrradhelm tragen. Der Helm kann die Halswirbelsäule in eine unnatürliche Position bringen. Für Babys, die noch nicht selbstständig sitzen können, werden außerdem keine geeigneten Fahrradhelme angeboten. Die kleinsten Modelle beginnen ungefähr bei einem Kopfumfang von 45 Zentimetern.
Eine Studentin fasste diese Erkenntnis nach dem Regensburger Workshop so zusammen:
„Gut zu wissen ist auch, dass Babys in Transporthängematten keinen Fahrradhelm tragen sollen.“
Nach einem Unfall darf ein Helm nicht weiterverwendet werden, selbst wenn außen keine Beschädigung zu erkennen ist.
Abgase und Unfallrisiko: Was die bisherigen Erkenntnisse zeigen
Eltern sorgen sich häufig, weil die Atemwege eines Kindes im Anhänger näher am Boden liegen. Eine pauschale Aussage, dass Kinder dort grundsätzlich höheren Schadstoffwerten ausgesetzt sind, lässt sich jedoch nicht treffen. Im Auto können sich Abgase ebenfalls im Innenraum anreichern, etwa im Stau oder beim Warten an Ampeln.
Die Broschüre verweist auf Untersuchungen der Universität Heidelberg, nach denen die Abgasbelastung auf dem Fahrrad tendenziell geringer sein kann als im Auto. Unabhängig vom Verkehrsmittel lohnt sich eine ruhige Routenwahl. Wege durch Parks, Wohngebiete oder Nebenstraßen sind meist leiser, entspannter und weniger stark vom Autoverkehr geprägt.
Auch schwere Verletzungen mitgenommener Kinder sind nach den bisher genannten Unfallstatistiken extrem selten. Die Broschüre verweist auf eine Untersuchung der Unfallforschung der Versicherer, laut der lediglich 0,1 Prozent aller Fahrradunfälle mitgenommene Kinder betreffen und diese fast immer nur leicht verletzt werden. Entscheidend bleiben ein geeignetes, korrekt montiertes Transportsystem und eine umsichtige Fahrweise.
Radfahren in der Schwangerschaft und mit Baby:
Diese Mythen lassen sich entkräften
- „Schwangere sollten sich möglichst schonen.“
Bei einer gesunden Schwangerschaft ist moderate Bewegung grundsätzlich förderlich. Radfahren kann die Gelenke schonen, den Beckenboden entlasten und zur Mobilität beitragen. - „Radfahren ist nur in den ersten Schwangerschaftsmonaten möglich.“
Bei einer unkomplizierten Schwangerschaft kann es bis zum Ende möglich sein, solange Belastung, Gleichgewicht und Wohlbefinden stimmen. - „Babys dürfen grundsätzlich erst ab einem bestimmten gesetzlichen Mindestalter mitfahren.“
Ein gesetzliches Mindestalter gibt es nicht. Maßgeblich sind Entwicklung, geeignetes Zubehör und Herstellerangaben. - „Ein Baby braucht auch liegend immer einen Fahrradhelm.“
In einer Babyschale oder Hängematte soll kein Helm getragen werden, da dieser die Halswirbelsäule ungünstig belasten kann. - „Im Fahrradanhänger ist die Schadstoffbelastung automatisch höher als im Auto.“
Dafür gibt es keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege. Auch im Auto können sich Abgase anreichern. - „Kindertransport mit dem Fahrrad führt häufig zu schweren Verletzungen.“
Die in der Broschüre genannten Statistiken zeigen, dass schwere Verletzungen bei mitgenommenen Kindern extrem selten sind.
Radfahren in der Schwangerschaft und mit Baby:
Die wichtigsten Do’s and Don’ts
Do’s
- Herstellerangaben zu Alter, Gewicht, Montage und Zubehör beachten.
- Anhänger, Kindersitz oder Lastenrad vor dem Kauf praktisch testen.
- Kinder immer korrekt anschnallen.
- Bei Babymitnahme auf eine geeignete Liegeposition und wirksame Federung achten.
- Bremsen, Kupplung, Gurte und Beleuchtung regelmäßig kontrollieren.
- Möglichst ruhige und verkehrsarme Routen wählen.
- Für Kindersitze und Lastenräder einen stabilen Stand beim Ein- und Aussteigen sicherstellen.
- Den Helm korrekt einstellen und nach einem Unfall austauschen.
Don’ts
- Nie mit einem Baby im Tragetuch oder in einer Tragehilfe Fahrrad fahren.
- Ein Kind niemals unbeaufsichtigt im Kindersitz oder Lastenrad sitzen lassen.
- Babys in einer liegenden Transporthängematte keinen Fahrradhelm aufsetzen.
- Zuladungsgrenzen und Alters- oder Gewichtsvorgaben nicht überschreiten.
- Anhänger nicht mit schlecht gewarteten oder unzureichenden Fahrradbremsen ziehen.
- Ein Transportsystem nicht ohne Prüfung der Kompatibilität montieren.
- Beim Lastenradkauf nicht allein nach Preis oder Optik entscheiden.
Anhänger, Lastenrad oder Kindersitz: Vor- und Nachteile im Vergleich
Fahrradanhänger
- Vorteile: Er eignet sich besonders gut für Babys, bietet Federung und Wetterschutz und kann häufig als Kinderwagen genutzt werden. Viele Modelle lassen sich falten, an verschiedenen Fahrrädern verwenden und im Regionalverkehr transportieren. Außerdem bleibt das Fahrverhalten des Fahrrads weitgehend vertraut.
- Nachteile: Das Gespann wird länger, und die Fahrradbremsen müssen zusätzliches Gewicht abbremsen. Breite Modelle sind in Geschäften, Aufzügen oder Verkehrsmitteln unhandlich. Gespräche und direkter Körperkontakt sind während der Fahrt eingeschränkt.
Lastenrad
- Vorteile: Je nach Modell fahren mehrere Kinder und umfangreiches Gepäck mit. Gespräche sind gut möglich, und das Rad ist ohne Ankuppeln direkt fahrbereit. Elektrische Unterstützung erleichtert schwere Lasten. Dreiräder bieten beim Anhalten einen besonders stabilen Stand.
- Nachteile: Anschaffung und Zubehör sind vergleichsweise teuer. Das Rad benötigt viel Abstellfläche, passt häufig nicht in Aufzüge und lässt sich nur eingeschränkt in Zügen mitnehmen. Das Fahrverhalten muss geübt werden. Nicht jedes Modell ist für Babys geeignet.
Kindersitz
- Vorteile: Er ist günstig, platzsparend und schnell einsatzbereit. Mit mehreren Halterungen kann derselbe Sitz an verschiedenen Fahrrädern genutzt werden. Gespräche und Nähe zum Kind sind möglich.
- Nachteile: Das Kind muss bereits sicher sitzen können. Die Mitnahmekapazität und der Wetterschutz sind begrenzt. Ein hinterer Sitz belegt meist den Gepäckträger. Beim Ein- und Aussteigen besteht Kippgefahr, weshalb ein stabiler Fahrradständer besonders wichtig ist.
Weitere wissenschaftlich fundierte Informationen und die Broschüre zum Download findest du bei Radfahren mit Baby.
Quellen:
- Fahrrad & Familie e.V. (Hrsg.): Radfahren. Schwangerschaft, Baby- und Kleinkindzeit. 3., vollständig überarbeitete Auflage. Autorinnen: Anna Gering und Hannah Eberhardt. Bearbeitung: Manuel Falkenberg, Karen Rike Greiderer und Hannes Wöhrle. Heidelberg, Juni 2024. Download der Broschüre: https://www.radfahren-mit-baby.de/download_bestellung
- Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg, Stabsstelle Kommunikation, Simone Zenner: Radfahren in der Schwangerschaft und mit Baby: Hebammen sollen künftig fundiert beraten. Presseinformation zu den Regensburger Radlwochen 2026 und dem Workshop für Hebammenstudierende: https://idw-online.de/de/news874372
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