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Vom Loslassen: Dürfen Eltern die Zeit genießen, wenn das Kind nicht da ist?

Vom Loslassen: Dürfen Eltern die Zeit genießen, wenn das Kind nicht da ist?

Die Kinder sind auf Klassenfahrt – drei Tage, zwei Nächte.
Und da reagieren die Eltern sehr unterschiedlich – SEHR, SEHR unterschiedlich! Viele vergehen fast vor Sorge – wir nicht. Sind wir Rabeneltern, weil wir KEINE tägliche Berichterstattung brauchen??? Sind wir Rabeneltern, weil wir die vorübergehende Abwesenheit des Kindes sogar genießen?



Zwischenruf in eigener Sache:

JUHU! Es gibt hier am Blog etwas zu GEWINNEN!

Was tun, damit das Hirnkastl in den Ferien nicht einrostet? Ich hätte da eine Idee ... Und für euch gibt es obendrein auch etwas zu gewinnen!
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Die Kinder sind keine Kleinkinder mehr. Sie gehen in die vierte Klasse, sind etwa zehn Jahre alt.
Und Vati und ich finden:

No News are Good News!

Denn: Die Kinder sind in guten Händen – sehr guten Händen sogar. Und wenn es etwas gibt, das wir wissen müssten, dann werden wir es erfahren.

Aber seit der Abfahrt steht die Eltern-WhatsApp-Gruppe nicht mehr still. Es werden laufend News und Bilder geteilt, die offensichtlich von der Lehrerin an die Elternvertreterin gehen. Jetzt können alle beruhigt schlafen gehen …

Auf mich wirkt das eher befremdlich.
Sind wir Rabeneltern?

Und noch schlimmer: Ich genieße es sogar, mal nur ein Kind daheim zu haben.
(Und ich glaub, das daheim gebliebene Kind genießt es auch …)
Also Rabeneltern?
Dürfen wir das?



Handyverbot – ein No-go?

Andere Baustelle: Auch das ältere Kind fuhr mit dem Gymnasium dereinst ein paar Tage weg. Große Unruhe entstand, weil das Gymnasium darum gebeten hatte, dass Handys & Co. daheim bleiben sollten. Wie um Himmels Willen sollen wir dann mit dem Fortpflanz in Kontakt treten?!? Wichtiges Detail: Auch hier waren es nur drei Tage, zwei Nächte … Es entstand in der Eltern-WhatsApp-Gruppe (ja, auch für diese Klasse existiert sowas selbstverständlich) die Idee, ob man den Klassenvorstand vorübergehend in diese Gruppe einladen solle, damit er uns täglich berichterstatten möge …
Really?

Siehe oben: Würde es etwas geben, das wir wissen müssten, würden wir es sowieso erfahren.
Und bis dahin genießen wir die kinderfreie Zeit. Und das Kind die elternfreie Zeit.
Macht uns das zu Rabeneltern?

Vom Loslassen: Dürfen Eltern die Zeit genießen, wenn das Kind nicht da ist?

Als das Handy doch mal mitfahren durfte…

Und dann war da noch der einwöchige Skikurs im Gymnasium. Die Kinder – mittlerweile alle etwa zwölf Jahre alt – durften ausnahmsweise doch das Handy mitnehmen. EIN FIASKO! Täglich meldete das Kind, wie Scheiße alles wäre. Die kinderfreie Zeit (bzw. eigentlich Ein-Kind-Zeit) war ungenießbar. Er war sehr wütend, ging aber nicht ans Telefon, sondern kotzte sich nur per WhatsApp kräftig aus. Ständig waren wir am Mut zu sprechen, beschwichtigen und vermitteln. Bis wir ein SMS an den Lehrer geschickt haben und fragten, ob er mal mit unserem Sohn sprechen könnte. Dann war die Sache erledigt.

Nicht falsch verstehen – natürlich wären wir ohne mit der Wimper zu zucken ins Auto gesprungen, um unser Kind abzuholen, wenn die Situation wirklich eskaliert wäre. Ist sie aber nicht – nie. Hätte es das Kind wirklich dort nicht weiter ausgehalten, dann hätten wir es in jedem Fall erfahren – auch wenn er sein eigenes Handy gar nicht dabei gehabt hätte. Aber so hat er den Kommunikationskanal genutzt, um uns jedes negative Detail an den Bildschirm zu kleben. Hätte er nämlich kein Handy gehabt, hätte er die Zeit vermutlich anders genutzt – mit lesen oder etwas mit den anderen unternehmen. Aber so konnte er sich wunderbar in sein eigenes Elend whatsappen – und uns gleich mit.

Macht uns das zu Rabeneltern?
Weil wir ihm einen Skikurs zugemutet haben?
Weil wir ihn ermuntert haben durchzuhalten statt ihn umgehend abzuholen?



Im Nachhinein gesehen, war es ein großartiges Erlebnis für das Kind. Und er ist stolz, dass er durchgehalten hat.


So. Die WhatsApp-Gruppe hat mittlerweile 45 neue Einträge produziert.
In einer Stunde kommen die Kinder retour. Ich fahre jetzt voller Vorfreude heim und werde ihn in die Arme schließen.

P.S.: Der Klassenvorstand aus Fall Nr. 2 wurde übrigens nicht in die WhatsApp-Gruppe eingeladen. Es hat auch niemand sonst berichterstattet. Der Großteil der anderen Eltern war Gott sei Dank der selben Meinung wie wir und hat das abgelehnt. Das Fazit war: No news are good news – und die Kinder sind in den besten Händen.

Was sind eure Erfahrungen zu diesem Thema?
Seid ihr anderer Meinung?


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Muttis Nähkästchen

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter (aka. Rabenmutter). Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

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