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Fieber bei Kindern – was tun? Wie messen und ab wann senken?

Fieber bei Kindern – was tun? Wie messen und ab wann senken?

Fieber ist keine Krankheit, sondern ein Symptom – ein durchaus positives sogar. Bis zu einem gewissen Grad sollte man Kinder fiebern lassen, denn es heizt Viren und Bakterien ordentlich ein und hilft beim Gesundwerden.
Tipps von der Stiftung Kindergesundheit zu Fieber bei Kindern: Ab wann das Fieber gesenkt werden sollte, was es beim Fiebermessen zu beachten gibt und ab wann der Arzt angesagt ist.


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Voraussichtliche Lesedauer: 9 Minuten


Was ist Fieber?

Über die Bedeutung des Fiebers bei Kindern gehen die Ansichten von Ärzten, Ärztinnen und Eltern manchmal stark auseinander. Während Medizinerinnen und Mediziner in den letzten Jahrzehnten die heilsame Wirkung des Fiebers in der Bekämpfung von Bakterien und Viren schätzen gelernt haben, sind viele Eltern nach wie vor überzeugt, gestiegene Temperaturen bei ihrem Kind sofort und energisch bekämpfen zu müssen.

Doch ein vorschneller Einsatz von fiebersenkenden Medikamenten kann dem Kind mehr schaden als nutzen, betont die Stiftung Kindergesundheit in ihrer aktuellen Stellungnahme vom 15.05.2024: Fieber ist lediglich ein Symptom der beginnenden Erkrankung, ein Warnzeichen, das jedoch für sich allein genommen nicht gefährlich ist.

Eine bewährte Faustregel von erfahrenen Kinder- und Jugendärzt:innen lautet deshalb:

Die Krankheit behandeln, nicht das Thermometer!


Ab welcher Temperatur ist es Fieber bei Kindern?

Deutlich erhöhte Temperaturen sind der häufigste Grund für die Vorstellung von Kindern in der Kinder- oder Hausarztpraxis. Doch wann spricht man tatsächlich von Fieber? Je nach Tageszeit kann die Körpertemperatur schwanken, so ist diese z.B. abends meist etwas höher als morgens.

  • 36,5°C bis 37,5°C: normale Körpertemperatur eines gesunden Kindes
  • 37,6°C bis 38,4°C: erhöhte Temperatur
  • Ab 38,5°C: Fieber
  • Ab 39°C: hohes Fieber

Achtung: Bei Neugeborenen/jungen Säuglingen (0 bis 3 Monate) spricht man ab 38,0°C von Fieber!

Auch die Höhe des Fiebers sagt nicht unbedingt aus, wie krank das Kind wirklich ist. Manche fiebern schon bei leichten Infekten sehr hoch, andere selbst bei schweren Erkrankungen nur mäßig. Generell spricht man bei Kindern erst ab 38,3 Grad von Fieber.


Wie Fieber messen und welches Fieberthermometer?

Fühlt sich das Kind heiß an und erscheint es krank, so sollte die Körpertemperatur gemessen werden.

Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt Folgendes:

  1. Digitalthermometer im Po: Fieber wird am besten im Po/After (rektal) mit einem digitalen Thermometer durchgeführt. Dabei sollten Eltern auf einen vorsichtigen Umgang mit dem Thermometer achten, damit die Messung schmerzfrei erfolgt.
  2. Infrarotthermometer im Ohr: Ohrthermometer messen per Infrarot in wenigen Sekunden die Körpertemperatur im Innenohr. Dies erfordert eine gewissenhafte Handhabung, um Fehlermeldungen oder Verfälschungen durch z.B. Ohrenschmalz zu verhindern. Da das menschliche Ohr einen geknickten Gehörgang hat, passiert es schnell, dass man die Temperatur im Gehörgang und nicht am weiter innen liegenden Trommelfell misst. Es ist also wichtig, dass Eltern dieses Thermometer sehr genau einsetzen.
  3. Stirnthermometer: Auf eine Messung mit Stirnthermometern sollte verzichtet werden, da diese nicht sehr genau und zuverlässig sind. Bei Stirn- oder Schläfenthermometern wird die Bluttemperatur in der Schläfen-Arterie ermittelt. Es ist daher wichtig zu wissen, wo genau sich die Arterie beim jeweiligen Kind befindet.

Unterschiedliche Messungen ergeben unterschiedliche Messergebnisse

Die rektal (im Po) gemessene Temperatur ist meist um 0,4 Grad höher als oral (sublingual, im Mund) oder in der Achselhöhle (axillar) gemessen.

Wer billig kauft, kauft teuer …

Generell rate ich bei derartigen Thermometern zu Qualität. Wir haben ein günstiges gekauft – und es lässt uns regelmäßig im Stich. Von meiner Nachbarin hab ich mir daher dieses Thermometer ausgeborgt – und das werde ich mir jetzt auch zulegen: Braun Thermoscan


Fieber steigert die Immunkräfte des Körpers

Die Notwendigkeit der Fieberbekämpfung mit Medikamenten wird von vielen Eltern als selbstverständlich vorausgesetzt. Diese weit verbreitete Annahme führt jedoch laut Stiftung Kindergesundheit häufig zu einer unverhältnismäßigen oder sogar schädlichen Anwendung von fiebersenkenden Medikamenten.

Fieber ist jedoch ein wichtiges Mittel des Organismus, sich selbst zu heilen! Es treibt die Immunkräfte zu Hochleistungen an, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Vor allem gegen Virus-Infektionen ist Fieber besonders wirksam. Die Ausbreitung zahlreicher Viren wird bei Temperaturen über 38,5 Grad deutlich gebremst. Da Kinder noch für viele Viren anfällig sind, gegen die Erwachsene längst eine Immunität entwickelt haben, setzt ihr Körper das Abwehrmittel Fieber häufig ein.

Eine Chance für die Selbstheilung

„Bei harmlosen Beschwerden wie leicht erhöhten Temperaturen sollten Eltern nicht sofort zu Fieberzäpfchen, Säften oder Tropfen greifen, sondern der Selbstheilung des kindlichen Organismus eine Chance geben und auch bewährte Hausmittel wie Wadenwickel oder ein Abkühlbad erwägen.“

Kinder- und Jugendarzt Prof. Dr. Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der in München ansässigen Stiftung Kindergesundheit.

Ab wann Fieber senken?

Bei Kindern, die trotz erhöhter Temperatur munter sind und normal essen und trinken, müssen noch keine Maßnahmen ergriffen werden. Steigt die Temperatur aber über 38,5 Grad an, kann der Allgemeinzustand eines Kindes beeinträchtigt werden: Es fühlt sich schlecht, hat Muskel- und Gliederschmerzen, ist appetitlos und quengelig.

„Wenn ein Kind so offensichtlich leidet, ist es sinnvoll, das Fieber zu senken!“

Kinder- und Jugendarzt Prof. Dr. Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der in München ansässigen Stiftung Kindergesundheit.


Deshalb gilt: Solange sich das Kind nicht zu krank fühlt und auch sonst einen guten Allgemeineindruck macht, muss man gegen das Fieber nicht angehen. Nicht das Fieber macht das Kind krank, sondern der Erreger, der hinter der Infektion oder der Entzündung steckt. Die Suche nach der Ursache des Fiebers ist wichtiger als seine Senkung.

Kleine Kinder ertragen hohe Temperaturen überdies in aller Regel viel besser als Jugendliche oder Erwachsene. Selbst hohes Fieber über 40 Grad macht ihnen oft nichts aus. Nur dann, wenn das Kind durch das Fieber leidet, unruhig und quengelig ist, Trinken und Essen verweigert, nicht schlafen kann, verwirrt ist oder wenn es schon einmal einen Fieberkrampf hatte, sind Gegenmaßnahmen nötig.

Für Neugeborene und Säuglinge gilt dies selbstverständlich nicht. Sie sollten immer von einer Kinderärztin oder einem Kinderarzt untersucht werden.


Vorsicht bei Fiebermedikamenten für Kinder!

Obwohl Medikamente zur Fiebersenkung zu den am häufigsten angewandten Arzneimitteln der Welt gehören und auch in Deutschland schon lange ohne Rezept erhältlich sind, sollten Eltern sich wegen ihrer möglichen Nebenwirkungen zu ihrem Einsatz bei Kindern ärztlich beraten lassen, unterstreicht die Stiftung Kindergesundheit.

Gründe für eine vorsichtige und gezielte Verwendung sind:

  • Am häufigsten wurde bisher die Substanz Paracetamol eingesetzt, vorzugsweise in Form von Zäpfchen. Wird sie zu lange oder zu häufig mit insgesamt zu hoher Dosis angewendet, besteht die Gefahr von schweren Leberschäden. Aktuelle Studien weisen zudem auf die Möglichkeit nachteiliger Wirkungen auf Funktionen und Strukturen des Gehirns und die Entwicklung einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) hin.
    Siehe dazu auch:
  • In der Wirksamkeit gegen Fieber ist die Substanz Ibuprofen dem Paracetamol gleichwertig und zur gleichzeitigen Linderung von Schmerzen sogar besser geeignet. Sie hat sich so auch bei der Behandlung von Mittelohrentzündungen bewährt. Mögliche Nebenwirkungen sind jedoch Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung sowie Blutungen in Magen und Darm. Auch Störungen der Nierenfunktionen sind möglich.
  • Acetylsalizylsäure („Aspirin“), sollte wegen des sehr seltenen, aber gefährlichen Risikos eines „Reye-Syndroms“ (mit der Gefahr einer schweren Leber- und Gehirnschädigung) bei Kindern unter zwölf Jahren nicht verwendet werden.

Siehe auch: Vorsicht bei Kindermedikamenten! Empfehlungen der Stiftung Kindergesundheit


Welche Hausmittel helfen am besten?

Generell hilft bei Fieber bei Kindern: Entspannung, ruhige Beschäftigung, Schlaf; drinnen bleiben und viel trinken!

Kinder mit Fieber brauchen viel Flüssigkeit, um das durch Schwitzen verlorene Wasser zu ersetzen. Solange das Kind zu Beginn des Fieberanstiegs fröstelt, sollten die Eltern – am besten mit einer Wolldecke oder einer Wärmflasche – für Erwärmung sorgen. Abkühlungsmaßnahmen empfehlen sich erst dann, wenn sich nicht nur Gesicht und Stirn, sondern auch die Beine und der übrige Körper des Kindes warm anfühlen.


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Die meisten Kinder baden gern, deshalb empfinden sie ein fiebersenkendes Abkühlungsbad als angenehm. Die ebenfalls bewährten Wadenwickel müssen nicht kalt sein: Es reicht völlig, wenn der Temperaturunterschied zehn Grad beträgt. Verwendet man zimmerwarmes (22 Grad) oder sogar bis zu 30 Grad warmes Wasser, vermeidet man überdies das Erschrecken des Kindes.

Auch das Abwaschen des nackten Körpers mit lauwarmem oder kühlem Wasser wird von vielen Kindern als angenehm empfunden. Eine „Erkältung“ ist dabei nicht zu befürchten: Die Ursachen des Fiebers sind nicht die Temperaturen, sondern die Krankheitserreger.

Was ihr sonst noch bei Fieber tun könnt, hab ich hier zusammengefasst: Das hilft bei Fieber. Plus: Wissenswertes zu Paracetamol und mögliche Alternativen dazu


Wann mit Fieber bei Kindern zum Arzt?

Kinder haben oft Fieber. Menschen, die ansonsten keine gesundheitlichen Probleme haben, können bei Fieber 48 Stunden abwarten. Gerade Mütter haben schon oft beobachtet: Dramatisch anmutendes Fieber, kann schon nach wenigen Stunden wieder wie weggeblasen sein. Ein absolut geschwächtes Kind ist oft bald wieder quietschfidel.

Wann soll im Zusammenhang mit Fieber bei Kindern trotzdem ärztlicher Rat eingeholt werden?

  • Wenn ein Neugeborenes/junger Säugling (0 bis 3 Monate) eine Temperatur von 38°C und mehr hat bzw. bereits bei einer geringeren Körpertemperatur, wenn das Baby nicht trinkt, schlapp ist und/oder Hautveränderungen auftreten
  • Fieber bei Kindern unter zwei Jahren: Wenn das Fieber länger als einen Tag andauert
  • Fieber bei Kindern über zwei Jahren: Wenn das Fieber länger als drei Tage andauert
  • Wenn das Fieber trotz fiebersenkender Mittel nicht sinkt
  • Wenn weitere Krankheitssymptome wie z.B. Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Berührungsempfindlichkeit, Hautausschlag, „Nackensteife“, Teilnahmslosigkeit o.ä. auftreten
  • Wenn Ihr Kind trotz fiebersenkender Maßnahmen immer noch deutlich beeinträchtigt ist
  • Wenn das Kind bei Fieber nicht trinken will
  • Wenn die Eltern unsicher sind und nicht genau wissen, was Ihrem Kind fehlt

Quelle: Stiftung Kindergesundheit, 15.5.2024


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Birgit

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter. Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

Dieser Beitrag hat 9 Kommentare

  1. hmm, wir haben das letztgenannte teil. ich finde es ist ein bisschen ueberbewertet und habe das gefuehl, dass man dieselbe quali fuer weniger knete bekommen sollte. wir messen meistens 3 x und nehmen dann den mittelwert od. den messwert, der uns am besten gefaellt ;)

    1. Da stellt sich nur die Frage, ob es am Thermometer selbst liegt oder an der Messmethode, die eben ihre Tücken hat (siehe oben).
      Wir haben so ein No-Name-Teil zum Messen an der Stirn oder im Ohr. Da bekommt man ebenfalls bei jeder Messung einen anderen Wert. Die wahre Tragik ist aber, dass dieses No-Name-Teil regelmäßig und in kürzesten Abständen die Batterie leersaugt – sprich: jede Messung neue Batterie. Ergibt: Billiges Thermometer, teure Handhabe.
      Ärztin und Hebamme waren sich übrigens einig: Messen im Po mit einem stinknormalen Digitalthermometer ist die bevorzugte Methode. Aber dann wird bei meinen Kindern das Messen zur Herausforderung …

  2. haben auch das Braun Thermoscan…seit beinahe 4 Jahren haben wir noch nicht einmal die Batterien wechseln müssen. Man muss halt leicht am oberen Ohrrand ziehen beim Messen, damit der Gehörgang gerade ist. Bin sehr zufrieden damit!

    LG

  3. Übrigens: Strengeres Fiebersenken bei Fieberkrämpfen ist out – der Krampfanfall (meist ja harmlos) wird durch den Fieberanstieg ausgelöst. Fiebersenken kommt damit meist spät. Der Rest: vielen Dank :-) spart mir vielleicht den ein oder anderen ‘Notfallpatient’ wegen Fieber :-)

  4. Danke, Herr Doktor für die Information. Nur wie soll man jetzt reagieren, wenn das Kind Krämpfe bekommt? Wie unterscheidet man einen harmlosen Krampf von einem nicht harmlosen?

  5. Also wir haben es am Anfang auch mit dem guten alten Fieberthermometer rektal probiert. Bei unserem lebhaften Bub war das aber kein Spaß eher Gefährlich! Haben uns dann auch für ein Ohrthermometer von Braun entschieden, ist bedeutend entspannter für alle Beteiligten.

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