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Zocken ist nicht gleich Zocken: Was Eltern über Gaming wirklich wissen müssen

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Zocken ist nicht gleich Zocken: Was Eltern über Gaming wirklich wissen müssen

Viele Familien kennen die Diskussion: Wie viel Gaming ist noch okay, wann wird es zu viel, und was macht das eigentlich mit Konzentration, Denken und Schule? Eine neue Studie der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems zeigt: Die Antwort ist weniger einfach, als viele hoffen. Denn offenbar kommt es nicht nur darauf an, WIE LANGE Jugendliche spielen, sondern vor allem darauf, WIE und WAS sie spielen.


Zocken ist nicht gleich zocken: Was Eltern über Gaming wirklich wissen müssen


Wenn Gaming zum Familienthema wird

„Nur noch diese Runde.“ Viele Familien kennen diesen Satz. Manchmal bleibt es tatsächlich bei einer Runde, manchmal werden daraus Stunden. Schnell steht dann die Frage im Raum: Machen Computerspiele unkonzentriert, schlechter in der Schule oder vielleicht sogar „dumm“?

Eine neue Studie der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems gibt darauf eine differenzierte Antwort: Intensives Computerspielen muss kognitive Fähigkeiten nicht automatisch mindern. Entscheidend ist weniger die reine Dauer, sondern ob Gaming kontrolliert bleibt oder ob es in Richtung problematisches Spielverhalten geht.

Mehr zur Grundsatzfrage findest du auch im Beitrag Machen Computerspiele dumm?


Die Stoppuhr allein reicht nicht

An der Untersuchung unter der Leitung von David Willinger nahmen 3.854 Jugendliche zwischen zwölf und 16 Jahren teil. Sie verbrachten im Schnitt rund 99 Minuten pro Tag mit Videospielen. Manche spielten deutlich weniger, andere mehrere Stunden täglich.

Die Forschenden unterschieden dabei zwischen zwei Dingen: der reinen Spielzeit und einer möglichen Internet-Gaming-Störung, kurz IGD. Diese beschreibt nicht einfach viel Spielen, sondern ein Muster mit Kontrollverlust, starkem Verlangen und Weiterspielen trotz negativer Folgen.

David Willinger erklärt dazu:

„Die reine Spielzeit greift als alleiniges Maß zu kurz. Ein Teenager, der viele Stunden konzentriert ein komplexes Strategiespiel spielt, agiert völlig anders als jemand, der trotz negativer Folgen nicht mehr mit dem Spielen aufhören kann. Unsere Studie zeigt, warum die Forschung diese Nutzungsmuster klarer voneinander unterscheiden muss.“

Für Familien heißt das: Minuten zählen kann sinnvoll sein, aber es beantwortet nicht alles. Wichtiger ist auch, ob dein Kind gut aufhören kann, ob Schlaf und Schule stabil bleiben und ob Gaming neben anderen Interessen Platz hat.


Was die Studie herausgefunden hat

Die Jugendlichen absolvierten Tests zu logischem Denken, visuell-räumlichen Fähigkeiten, verbalen und numerischen Kompetenzen sowie Langzeitgedächtnis. Zusätzlich wurden Spielzeit, bevorzugte Genres, Lieblingsspiele und Anzeichen einer Internet-Gaming-Störung (Internet Gaming Disorder – IGD) erhoben.

Das Ergebnis: Höhere IGD-Werte hingen mit schlechteren Leistungen in allen untersuchten kognitiven Bereichen zusammen. Die reine Spielzeit zeigte dagegen, wenn andere Faktoren berücksichtigt wurden, in einigen Bereichen sogar kleine positive Zusammenhänge, etwa bei visuell-räumlichen Fähigkeiten, logischem Denken und Gedächtnis.

Das beweist nicht, dass viel Spielen klüger macht. Die Studie zeigt aber klar: Langes Gaming und problematisches Gaming sind nicht dasselbe.


Es kommt auch auf das Spiel an

Nicht jedes Game fordert Jugendliche auf die gleiche Weise. Strategie- und Rollenspiele verlangen oft Planung, Orientierung, Entscheidungen und vorausschauendes Denken. Andere Spiele setzen stärker auf schnelle Reaktionen, Wettbewerb oder dauernde Belohnungsreize.

In der Studie standen Strategie- und Rollenspiele eher mit besseren Werten beim Schlussfolgern und bei verbalen Fähigkeiten in Verbindung. Shooter waren dagegen deutlich stärker mit höheren IGD-Werten verbunden. Auch einzelne Spiele unterschieden sich. In der Studie heißt es:

„Actionspiele wie Fortnite, Roblox oder Brawl Stars zeigten die höchsten Zusammenhänge mit IGD“.

Für eine bewusste Auswahl kann der Beitrag Gewaltfreie Computerspiele für Kinder und Jugendliche hilfreich sein.


Begeisterung oder Kontrollverlust?

Viele Jugendliche vertiefen sich intensiv in Hobbys. Das kann Sport sein, Musik, Lesen oder Gaming. Intensive Begeisterung ist nicht automatisch problematisch. Kritisch wird es, wenn dein Kind nicht mehr aufhören kann, Absprachen regelmäßig bricht oder andere Lebensbereiche verdrängt.

Achte deshalb nicht nur darauf, wie lange gespielt wird. Beobachte auch, was rundherum passiert: Schläft dein Kind genug? Kommt es noch gern zum Essen? Treffen mit Freundinnen und Freunden, Schule und Bewegung sollten nicht dauerhaft unter dem Spielen leiden. Auch starke Gereiztheit beim Ausschalten oder heimliches Spielen können Warnsignale sein.

Wenn Gaming bereits zur großen Belastung geworden ist, bietet der Erfahrungsbericht Therapie von Computerspielsucht: Wie eine Familie den Entzug schaffte eine vertiefende Perspektive.


Was Familien konkret tun können

Statt Gaming pauschal zu verteufeln, lohnt sich ein genauer Blick. Frag dein Kind, was es spielt, warum es dieses Spiel mag und mit wem es online unterwegs ist. Solche Gespräche zeigen oft mehr als reine Kontrolle.

Gleichzeitig brauchen Kinder und Jugendliche klare Regeln. Vereinbart, wann gespielt werden darf, was vorher erledigt sein muss und wann Bildschirme aus bleiben, besonders vor dem Schlafengehen. Hilfreich ist, Regeln gemeinsam festzuhalten. Für Ferienzeiten kann ein schriftlicher Rahmen Orientierung geben, wie im Beitrag Ferienvertrag: So klappt es mit Medien, Lernen und Freizeit beschrieben.

Wichtig ist: Regeln wirken besser, wenn sie nachvollziehbar sind. Ein pauschales „weil ich es sage“ führt oft zu Widerstand. Ein gemeinsames „damit du ausgeschlafen bist, Schule nicht leidet und noch Zeit für anderes bleibt“ macht den Sinn greifbarer.


Was die Studie NICHT sagt

Die Studie beweist nicht, dass bestimmte Spiele kognitive Fähigkeiten verbessern. Da sie als Querschnittsstudie angelegt ist, zeigt sie Zusammenhänge, aber keine eindeutige Ursache-Wirkungs-Richtung. Es kann auch sein, dass Jugendliche mit bestimmten Fähigkeiten eher zu bestimmten Spielen greifen.

Außerdem wurde die Spielzeit per Selbstauskunft erhoben. Faktoren wie Schlafqualität, psychische Belastungen oder sozioökonomischer Hintergrund könnten ebenfalls eine Rolle spielen. Genau deshalb ist ein vorsichtiger, differenzierter Blick wichtig.


Fazit: Nicht jedes lange Spiel ist ein Problem

Die neue Studie zeigt: Computerspielen ist weder grundsätzlich schlecht noch automatisch förderlich. Entscheidend ist, wie gespielt wird, welche Spiele im Vordergrund stehen und ob Jugendliche ihr Verhalten noch gut steuern können.

Für euren Familienalltag bedeutet das: Schau nicht nur auf die Uhr. Achte auf Kontrolle, Schlaf, Stimmung, Schule, Freundschaften und Vielfalt im Alltag. Dann wird aus der Gaming-Debatte weniger Streit und mehr gemeinsames Hinschauen.

Quelle: Willinger, David; Wunderl, Sabine; Stieger, Stefan: The tug-of-war between engagement and dysregulation: A comprehensive analysis of cognition and internet gaming disorder in adolescents. In: Computers in Human Behavior, Band 182, 2026, Artikel 109025. Elsevier. DOI: https://doi.org/10.1016/j.chb.2026.109025.


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