64 Prozent. Diese Zahl ist kein abstrakter Wert, sondern beschreibt die Lebensrealität unserer Kinder. Eine neue Jugendstudie zeigt, wie alltäglich digitale Gewalt geworden ist und warum Eltern jetzt genauer hinschauen müssen. Wachrüttelnde Zahlen aus einer aktuellen Jugendstudie, was das mit Deepfakes, dem Fall Collien Fernandes und antifeministischen Trends im Netz zu tun hat und wie Eltern jetzt reagieren müssen, lest ihr hier.
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- Zwei von drei Kindern betroffen! Was Eltern jetzt über Deepfakes und digitale Gewalt wissen müssen
- 8 Wahrheiten, die Teenager über das Liebemachen wissen sollten
- Später, bewusster, sicherer: aktuelle Zahlen über Jugendsexualität
- Explizite Manipulation von Bildern mit der KI „Grok“: Was Familien jetzt wissen müssen
- Heimlich betäubt: Studie + Tipps zu K.O.-Tropfen & Drink Spiking
- Erste Liebe: Wie sollen wir als Eltern damit umgehen
- Die erste Periode: Zykluswissen für Mädchen und Eltern
- Let’s talk about Sex: das Liebesleben von Müttern
DANKE!
Inhaltsverzeichnis
- Zwei von drei Kindern betroffen!
- Digitale Gewalt passiert oft mitten im Freundeskreis
- Der Fall Collien Fernandes zeigt die neue Dimension
- Was digitale Gewalt mit antifeministischen Trends zu tun hat
- Warum dein Kind vielleicht nichts erzählt
- Prävention vor digitaler Gewalt beginnt zu Hause: Was Eltern tun können
- Konkrete Tipps für Eltern von Jungen
- Konkrete Tipps für Eltern von Mädchen
- Hilfe holen ist kein Zeichen von Schwäche
- Fazit: Wegschauen ist keine Option mehr
- Informationen zur Studie

Zwei von drei Kindern betroffen!
Die aktuelle Sonderauswertung der 10. Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit macht deutlich, wie groß das Problem ist:
64 Prozent der 5.855 befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben bereits sexualisierte Gewalt ohne Körperkontakt erlebt.
Das bedeutet: Fast zwei von drei jungen Menschen!
Die Studie beschreibt sehr klar, was hinter diesen Zahlen steckt. Dazu gehören etwa das gezielte Anbahnen sexueller Kontakte mit Minderjährigen im Internet (Cybergrooming), sexualisierte Beleidigungen oder das ungefragte Zusenden sexueller Inhalte. Fast jede vierte Person (24 %) hat sexualisierte Gewalt durch den Einsatz von intimem Bild- und Videomaterial (z. B. Nacktaufnahmen/ pornografische Aufnahmen) erfahren, insbesondere dadurch, dass sie intime Fotos bzw. Videos gegen ihren Willen erhalten haben oder das Zusenden von ihnen verlangt wurde. Davon sind eher Mädchen und Frauen betroffen als Jungen und Männer.
Zusätzlich berichten 29 Prozent von sexualisierter Gewalt mit Körperkontakt. Zu den Formen mit Körperkontakt zählen ungewollte bzw. erzwungene körperliche Berührungen oder sexuelle Handlungen. Besonders alarmierend ist dabei, dass hier junge Frauen doppelt so häufig betroffen sind wie junge Männer.
Die Autor:innen der Studie fassen es so zusammen:
„Viele junge Menschen erleben sexualisierte Gewalt unter Gleichaltrigen, online genauso wie offline.“
Digitale Gewalt passiert oft mitten im Freundeskreis
Ein Punkt aus der Studie ist besonders wichtig für Eltern: Sexualisierte Gewalt findet häufig unter Gleichaltrigen statt.
45 Prozent der übergriffigen Personen sind selbst Jugendliche, und in 31 Prozent der Fälle passiert Gewalt im Beisein oder mit Wissen anderer.
Das bedeutet: Kinder sind nicht nur potenziell betroffen. Sie können auch selbst Grenzen überschreiten oder als Mitwissende danebenstehen. Die Studie beschreibt dafür den Begriff „Bystander“. Also Jugendliche, die dabei sind, zusehen oder später davon erfahren. Das verändert die Perspektive komplett. Es geht nicht nur um Täter:innen und Betroffene. Es geht um ganze soziale Gruppen.
Digitale Gewalt ist längst Alltag
Ein besonders erschreckender Wert: 24 Prozent der jungen Menschen haben sexualisierte Gewalt über intime Bilder oder Videos erlebt. Also zum Beispiel: unerwünschte Nacktbilder, Druck, solche Bilder zu verschicken oder Weiterleitung ohne Einwilligung.
Gerade hier zeigt sich, wie eng digitale und reale Gewalt inzwischen zusammenhängen. Und genau hier wird der Bezug zum aktuellen Fall Collien Fernandes deutlich.
Der Fall Collien Fernandes zeigt die neue Dimension
Im Fall Collien Fernandes geht es um digitale sexualisierte Gewalt durch manipulierte Inhalte und Fake-Darstellungen. Das ist kein Einzelfall, sondern Teil einer Entwicklung: Deepfakes und KI-generierte Inhalte machen es immer einfacher, Menschen ohne ihr Wissen in sexualisierte Kontexte zu setzen. Was früher ein Foto war, das weitergeschickt wurde, kann heute ein komplett künstlich erzeugtes Video sein.
- Für Jugendliche bedeutet das: Die Kontrolle über das eigene Bild im Netz wird immer fragiler.
- Und für Eltern bedeutet es: Die Risiken sind schwerer zu erkennen als früher.
Was digitale Gewalt mit antifeministischen Trends zu tun hat
Wenn du unseren Artikel kennst, weißt du, dass problematische Inhalte oft in bestimmten Online-Kulturen entstehen: Antifeminismus im Netz: So werden Teenager online beeinflusst – Tipps für Eltern! In solchen digitalen Räumen werden Frauen und Mädchen abgewertet, sexualisiert oder gezielt angegriffen.
Das kann dazu führen, dass Jugendliche:
- Grenzüberschreitungen verharmlosen
- sexualisierte Inhalte als „normal“ wahrnehmen
- Gewalt sogar als Unterhaltung konsumieren
Digitale sexualisierte Gewalt ist deshalb nicht nur ein technisches Problem. Es ist auch ein gesellschaftliches.
Warum dein Kind vielleicht nichts erzählt
Die Studie zeigt: 69 Prozent der Betroffenen sprechen mit jemandem über ihre erste Gewalterfahrung.
Aber: 51 Prozent wenden sich an Freundinnen und Freunde und nur 33 Prozent an die Eltern.
Das heißt nicht, dass du unwichtig bist. Im Gegenteil. Aber dein Kind braucht das Gefühl, dass es zu dir kommen kann, ohne Angst vor Konsequenzen.
Prävention vor digitaler Gewalt beginnt zu Hause: Was Eltern tun können
Die Befunde belegen, dass das Jugendalter eine Phase erhöhten Risikos für sexualisierte Gewalt (unter Gleichaltrigen) ist und Beobachtende und Mitwissende sowohl vor, während als auch nach Situationen sexualisierter Gewalt eine wichtige Rolle spielen. Maßnahmen zur Prävention von sexualisierter Gewalt sollten daher sowohl die Perspektive der Betroffenen, der Bedrängenden als auch derjenigen Jugendlichen, die bei Übergriffen dabei sind oder davon erfahren, berücksichtigen.
Die Studienautor:innen betonen, wie wichtig Bildung ist: „Dafür brauchen junge Menschen sexuelle Bildung in Schule und Elternhaus sowie kompetente Ansprechpersonen in ihrem direkten Lebensumfeld.“
Genau hier kommst du ins Spiel. Du kannst deinem Kind helfen, Grenzen zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen und anderen beizustehen.
Denn eines zeigt die Studie ganz deutlich: Jugendliche sind nicht nur Betroffene. Sie sind Teil des Systems.
Und genau deshalb können sie auch Teil der Lösung sein.
Deshalb ist es wichtig, dass sie lernen, Übergriffe zu erkennen und klar zu benennen. Gleichzeitig müssen wir sie darin bestärken, in riskanten Situationen sich und andere zu schützen sowie Betroffenen zur Seite zu stehen.
Sprich früh über digitale Grenzen
Kinder müssen verstehen, dass auch digitale Inhalte real sind.
Erkläre: Ein weitergeleitetes Bild kann genauso verletzend sein wie ein Übergriff im echten Leben.
Thematisiere Gruppendynamiken
Da viele Übergriffe im Beisein anderer passieren, ist es wichtig, über Mitverantwortung zu sprechen. Frag dein Kind: Was würdest du tun, wenn du so etwas mitbekommst?
Das stärkt Handlungskompetenz.
Mach dich mit der digitalen Welt vertraut
Du musst kein Technikprofi sein, aber du solltest wissen, welche Apps dein Kind nutzt, wie Inhalte geteilt werden und welche Risiken es gibt. So kannst du realistisch begleiten.
Schaffe klare Regeln für Bilder
Ein einfacher Grundsatz hilft oft schon: Keine intimen Inhalte verschicken. Keine Inhalte ohne Zustimmung weiterleiten.
Das gilt für alle Kinder, unabhängig vom Geschlecht.
Achte auf Veränderungen
Rückzug, Scham oder plötzliche Unsicherheit im Umgang mit dem Handy können Hinweise sein.
Dann ist es wichtig, ruhig und offen zu reagieren.
Konkrete Tipps für Eltern von Jungen
Die Studie zeigt klar: 71 Prozent der übergriffigen Personen sind männlich. Deshalb ist es wichtig, Jungen nicht nur zu schützen, sondern auch in Verantwortung zu nehmen.
Für Eltern von Jungen ist es besonders wichtig, früh über Verantwortung, Grenzen und Einwilligung zu sprechen. Jungen sollten verstehen, dass digitale Handlungen reale Auswirkungen haben. Erkläre klar, dass das Weiterleiten von Bildern, auch im Freundeskreis, Gewalt sein kann. Sprich mit deinem Sohn darüber, wie Gruppendruck funktioniert und warum es Mut erfordert, nicht mitzumachen. Stärke seine Empathie, indem du gemeinsam reflektierst, wie sich Betroffene fühlen. Wichtig ist auch, alternative Männlichkeitsbilder zu vermitteln, die nicht auf Dominanz oder Abwertung basieren, gerade im Kontext von problematischen Online-Communities, wie wir sie auch im Beitrag zu antifeministischen Trends beschrieben haben.
Siehe auch: Wahre Werte: 25 Dinge, die ich meinen Söhnen vermitteln möchte
Konkrete Tipps für Eltern von Mädchen
Für Eltern von Mädchen geht es darum, Selbstbewusstsein und Handlungssicherheit zu stärken, ohne ihnen die Verantwortung für Übergriffe zuzuschieben. Vermittle deiner Tochter, dass sie niemals schuld ist, wenn Grenzen überschritten werden, auch nicht beim Versenden von Bildern. Sprecht offen über Drucksituationen, etwa wenn jemand intime Fotos verlangt. Übe mit ihr konkrete Reaktionen, wie Nein sagen, Blockieren oder Hilfe holen. Gleichzeitig ist es wichtig, ihr zu zeigen, dass sie Unterstützung bekommt, egal was passiert ist. So entsteht ein sicherer Raum, in dem sie sich anvertrauen kann, bevor sich belastende Situationen zuspitzen.
Hilfe holen ist kein Zeichen von Schwäche
Falls du unsicher bist oder dein Kind betroffen ist: Das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch ist anonym und kostenlos erreichbar unter: 0800 22 55 530 (Deutschland)
Weitere Informationen und Fortbildungen findest du hier: https://www.fortbildungsnetz-sg.de
Fazit: Wegschauen ist keine Option mehr
Die Zahlen sind eindeutig: Digitale sexualisierte Gewalt gehört für viele Kinder und Jugendliche zum Alltag. Der Fall Collien Fernandes macht sichtbar, wie schnell sich diese Gewalt weiterentwickelt. Und die Studie zeigt, wie verbreitet sie bereits ist.
Was jetzt zählt, ist nicht perfekte Kontrolle. Was zählt, ist Begleitung, Haltung und Gespräch!
Lasst uns Teil der Lösung sein! Indem wir hinschauen und nicht wegschauen. Und indem wir unsere Jugendlichen mit diesem Thema nicht alleine lassen!
Informationen zur Studie
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, ehemals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, BZgA) führt regelmäßig die repräsentative Wiederholungsbefragung „Jugendsexualität“ durch. Die aktuelle Studie ist die zehnte Befragungswelle und schließt methodisch an die Vorgängerstudien von 1980 bis 2019 an. Datengrundlage sind 5.855 bundesweit geführte Interviews. Der Erhebungszeitraum lag zwischen Februar und Juli 2025. Befragt wurden 3.514 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren und 2.341 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren. Für die Studie werden seit 1998 auch Daten zu Erfahrungen sexualisierter Gewalt erhoben.
Quelle: Dinger, L., Schäfer-Pels, A. & Scharmanski, S. Sexualisierte Gewalterfahrungen, Bystander-Perspektiven und Disclosure junger Menschen – Ergebnisse aus der 10. Welle der Jugendsexualitätsstudie. Bundesgesundheitsbl (2026). https://doi.org/10.1007/s00103-026-04212-y
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DANKE!
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- 8 Wahrheiten, die Teenager über das Liebemachen wissen sollten
- Wahre Werte: 25 Dinge, die ich meinen Söhnen vermitteln möchte
Siehe auch:
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