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Wenn Mutti ausbrennt

Wenn Mutti ausbrennt

In der Firma hetze ich von einem Strategiemeeting ins nächste, während das, was ich eigentlich machen sollte, geduldig liegen bleibt und auf mich wartet.

Seit Tagen startet mein Tag mit einer Schmerztablette, weil im Kopf eine Hammerschmiede auf Hochtouren läuft.

Ich gönne mir keinen Krankenstand, weil ich doch so viel zu tun habe – und was ich nicht erledige, nimmt mir ja doch kein anderer ab.

Zwischen Tür und Angel labern mir die unterschiedlichsten Leute die unterschiedlichsten Dinge an die Backe und fordern Ideen, Entscheidungen, Ergebnisse …

Wem wird der Kopf gewaschen, wenn im Team etwas schief gelaufen ist?

Wer kriegt die Anrufe von der Schule oder vom Hort, das Kind doch bitte möglichst sofort abzuholen, da es nicht tragbar ist?

Wer pilgert mit eben diesem Kind zu Therapien und Diagnosezentren?

Wer kommt abends als erste heim und kann sich dann mit nicht gemachten Hausaufgaben herumschlagen?

Wer backt für das Buffet beim Elternsprechtag Kuchen?

Und wer kann sich ebendort dann die ganzen Horrorgeschichten rund um die nicht erbrachten Leistungen anhören?



Und, ach ja, der Kühlschrank ist ja auch noch leer.

Wer kommuniziert beinahe täglich mit der Lehrerin und kann sich anhören, was alles nicht funktioniert hat.

Neben der Waschmaschine türmt sich die Dreckwäsche, und niemanden zwickt’s.

Im Badezimmer hängt seit Tagen die längst getrocknete Wäsche, aber nur ich scheine sie zu bemerken.

Ebendort sind diverse Hosen von den Bewohnern abgefallen und alle steigen behutsam darüber hinweg. Dass der Wäscheabwurf mit Direktzustellung zur Waschmaschine nur einen Meter entfernt ist, habe scheinbar nur ich in den letzten 8 Jahren herausgefunden.

Wenn’s bei den Jungs – dem großen und den kleinen – im Magen knurrt, dann wandern alle Blicke auf mich: Was essen wir heute?

Und wenn sich mal einer selbst zum Kühlschrank verirrt, dann ausschließlich für sich selbst.

Der 6-jährige fragt etwa alle 5 Minuten, was er tun könnte. Dazwischen klagt er, ihm sei sooooo faaaaaad …


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Wer ist scheinbar die einzige Rettung in höchster Not, wenn ein Familienmitglied ein Wehwehchen plagt?

Und zu allem Überfluss hat sich das autistische Kind dazu entschieden, das geplante Wellness-Wochenende zu zweit nach Strich und Faden durch einwandfreie Verweigerungstaktik zu vereiteln.

… vielleicht sollte ich einfach mal den Stift fallen lassen und mir ein Schild umhängen:

OUT OF ORDER!

Weil: Mein Körper und meine Lebenskraft signalisieren mir mehr als deutlich, dass ich kräftemäßig über meine Verhältnisse lebe.

Zur Ehrenrettung von Herrn Vater: Freilich, bei vielen der oben genannten Aktivitäten ist er auch zugegen, so war er z.B. beim Elternsprechtag mit. Er hat meine Überforderung erkannt und kommt öfter mal früher von der Arbeit nach Hause und nimmt ausgewählte Arzttermine mit dem Kind wahr. Er trägt zweifelsohne die Last mit (und brennt auch immer heller).

Und:

Vielen Dank an Oma und Opa! Das vereitelte Wellness-Wochenende haben wir vergangenes Wochenende nachgeholt – und in allen Zügen genossen. Und wieder Kraft geschöpft.



Nur die negativen Rückmeldungen aus Schule und Hort sind verlässlich wie eh und je wieder eingekehrt …
Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ich auch schon wieder da … habt ihr auch so gut geschlafen, na dann ist ja alles klar …

Und einkaufen war auch noch niemand!

Bitte schenkt mir Zuspruch …

Illustration: geralt, Pixabay


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Muttis Nähkästchen

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter. Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Ich wünsche Dir ganz viel Kraft! Und den Mut, deinen Stift wirklich mal fallen zu lassen :-)!

    LG
    Petra

  2. Mamis leisten Überirdisches und manchmal müssen wir dran denken, dass wir auch nur Menschen sind. Das Phänomen, dass offenbar nur Mütter Wäscheberge und Co. sehen kenne ich nur zu gut… Hör auf deinen Körper – leichter gesagt als gesagt als getan bei uns Business-Mamis, die sowohl Job als auch Familie perfekt managen wollen, ich weiß. Aber niemand stellt so hohe Ansprüche an uns wie wir selbst!
    Ich schick dir viel Kraft und denk fest an dich!

  3. Ich lese seit Jahren deinen Blog und möchte ihn weiter lesen! Denk an Dich und kümmere Dich um Dich.

    Mir tun ganz eindeutig einfach Tage, an denen ich gaaaanz allein Zuhause bin. Schaufele Dir so einen Tag am WE frei.

    Wir, Mütter, müssen uns selbst wichtig nehmen. Und uns !regelmäßig!, immer, unaufhörlich was Gutes tun!

    LG Julia

  4. Ach, Mutti, ich fühle manchmal dasselbe. Wenn es zu Hause so aussieht wie in einem Männer-WG (obwohl ich glaube, die echten Männer-WGs sind doch netter), 10 unterschiedliche Fahrzeuge vor dem Haus schief geparkt sind, keiner den Tisch abräumt und die schwarzen T-Shirts immer im weissen Wäschekorb landen – denn der beinahe-Aspergersohn hat da doch etwas weisses gesehen … An solchen Tagen ist mir manchmal zum Heulen zumute. Wenn noch etwas Kraft da ist, dann sage ich, dass Mama heute streikt, der Papa soll bitte sich um das Abendessen kümmern und Kinder bitte leise sein. Bei uns funktioniert das, eine chronische Herzmuskelentzündung ist manchmal ganz praktisch (es gibt ganz gute Tage, wo ich einfach keine Kraft habe – meine Männer haben gelernt, dass es wirklich schlimm werden kann).
    Also – streiken sollst Du, liebe Mutti. Saubere Wäsche wird nicht schlecht. Dreckwäsche – ich weiss zwar nicht, wie es bei Euch so ist, aber ich habe ein Zweikorb-System und mittlerweile kann auch unser beinahe-Asperger seine Dreckwäsche selbst sortieren. Drei Wäschebehälter – hell, dunkel und komisch (wie Wolle, Seide, Anoraks usw, das Spezialbehandlung braucht) – wären noch besser. Staub schreit nicht, wem es stört, kann selbst den Staubsauger rausholen. Und Männer können auch sehr gut einkaufen. Meiner bringt dann auch viel mehr Schokolade mit als geplant, aber andererseits ist das ja gut …

  5. Meine beste Freundin hat schon mehrmals gestreikt. Einmal hat sie nicht mehr gekocht für längere Zeit, will immer am Essen herumgenörgelt worden war, ein anderes Mal auch der Wäsche wegen. Beide Male waren effektiv und haben Besserung gebracht.
    Mir ist es sowieso ein Rätsel, wie man arbeiten gehen kann, wenn man mehrere Kinder hat. Ich fühle mich so schon ab und zu am Anschlag. Ich wüsste nicht, wo ich in meinem Tag noch eine Berufstätigkeit unterbringen könnte. Daher chapeau und ich drücke dich virtuell mal ganz fest.

  6. Danke, ihr seid so lieb! Euer Zuspruch hilft mir echt weiter. Ich hab heute mal meine Wäsche einfach zu den anderen herumliegenden Drecksachen dazugeschmissen. Mal sehen, ob – und wenn ja, wann – es irgendjemanden kratzt …
    Und ich persönlich MUSS arbeiten gehen – ich brauche das. Nicht des Geldes wegen (obwohl es natürlich toll ist, zwei Einkommen zur Verfügung zu haben), sondern für meine Psychohygiene. Ich arbeite gerne (30 Std./Woche), ich mache meine Sache gut und ich brauche den Austausch mit Erwachsenen. Aber grad im Herbst ist es meist SEHR “dicht” und dazu kommt nocht die momentane Akutphase in der Schule …

  7. Liebe Mutti,

    auch ich lese deinen Blog viel und gern, daher hat mich dieser Artikel und dein “Hilferuf” sehr beschäftigt. Normalerweise lasse ich die Kommentarfunktion auch eher aus – aber hier will ich was schreiben.

    Auch wenn meine Situation anders ist, kann ich mir doch sehr gut vorstellen, wie du dich fühlst und wie anstrengend es momentan für dich ist. Mensch, du Arme. Mach mal kurz die Augen zu, denn hiiiiiiiiiier kommt virtuell ein bisschen Kraft von mir.
    Und da ich das Gefühl habe das du eine Frau der Tat bist, hier nochmal was für die praktische Seite ;) Schau doch mal bei Rewe auf die Internetseite, ob es da nicht einen Lieferservice für euer Gebiet gibt. Die bringen dir deine Einkäufe nämlich auch nach Hause. Das spart vielleicht ein bisschen Zeit und Nerven. Dinge die man regelmäßig benötigt, kann man sich auch bei Amazon im Abo bestellen. Das geht insbesondere bei Drogerie-Artikeln ganz gut. Da ich nicht weiß ob ihr eine Putzfee habt oder du das ganz alleine wuppst hier nochmal ein weitere Anregung: bei Helpling.de kann man sich adhoc eine Putzfee ordern, die regelmäßig oder bei Bedarf unterstützt. Das ist etwas was wir in unregelmäßigen Abständen nutzen und wirklich sehr weiterempfehlen können.

    Also, fühl dich (auch unbekannterweise) ganz herzlich umarmt. Ich hoffe, dass du an den nahenden Weihnachtstagen ein bisschen Kraft tanken kannst!

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