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Liebe Autismus-Mutter! #megamamas

Liebe Autismus-Mutter! #megamamas

Autismus bei Kindern ist eine riesengroße Aufgabe für Mütter.
Dieser Brief ist für alle von Autismus in der Familie betroffenen Mütter da draußen – von einer Autisten-Mutter zur anderen. An alle #megamamas da draußen!

— Warum ihr von mir Käse zum Muttertag serviert bekommt, fragt ihr euch? Lies nach: —

 

Liebe Autismus-Mutter! *)

Ich sehe deine Bemühungen und verstehe deine Sorgen. Du hattest harte Momente in den letzten Wochen und Monaten. Einige Tage klappen gut, andere weniger (um es harmlos auszudrücken …)

Ein Kind im Autismus-Spektrum zu haben, ist eine Herausforderung. Viele andere Eltern verstehen das nicht. Sie schütteln den Kopf, verdrehen die Augen, machen dir so manchen stummen Vorwurf. Aber ich möchte dich heute an ein paar Dinge erinnern:

Du bist oft inkognito.

Deinem Kind sieht man seine Besonderheit nicht an. Reaktionen wie diese sind keine Seltenheit: “Waaas? Dein Kind ist ein Asperger? Das wäre mir nicht aufgefallen.” Oder auch: “Ich glaube das nicht, dass dein Kind autistisch ist.” Das hat Vorteile, weil das Kind nicht mit Vorurteilen konfrontiert ist.

Aber wehe, wehe, wenn das Kind seine Besonderheit zeigt – und wenn, dann meist heftig. Dann zeigen sich die Nachteile: Denn Nachsicht und Rücksicht sind oft Mangelware. Nicht selten ist auch der Weg bis zur Diagnose ein harter und langer. Und bis dahin hast du – und hat auch deine Umwelt – meist intensiv an dir und deiner Erziehungskunst gezweifelt.

Du bist eine Heldin!

Du investierst viel Zeit, viele Nerven und auch viel Geld, erreichst aber dadurch auch eine Menge. Du bist die Löwin, die ihr Junges beschützt und für seine Rechte eintritt. Du bist eine wichtige Konstante im Leben deines Kindes. Du gibst deinem Kind Kraft und Rückhalt. Du bist der sichere Hafen, in den das Kind flüchten kann. Durch dich erfährt das Kind bedingungslose Liebe. Mit dieser Rückversicherung kann das Kind lernen, Veränderungen zu akzeptieren. Du bist der Fels in seiner Brandung.

Du bist ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, um dein Kind zu unterstützen. Allein, dass du diesen Artikel liest, ist der Beweis. Du bist eine Heldin!

Weiteres Lesefutter findest du hier: Hilfreiche Bücher für Asperger-Eltern

Du bist stark!

Kinder sind allgemein eine Herausforderung. Kinder aus dem autistischen Spektrum noch ein bisschen mehr. Da gibt es dieses Sprichwort, dass wir nur jene Aufgaben im Leben bekämen, die wir auch tragen können. Manche Mütter behinderter Kinder können diesen Satz nicht mehr hören. Ich finde ihn aber tröstlich. Und vor allem wahr.
Ich bin stark.
Du bist stark.
Wir sind starke Mütter!



Auf den Käse (und nicht nur auf die Löcher) schauen

Unsere Gesellschaft blickt gerne und intensiv auf Defizite. Und diese sollen doch bitte gefälligst und am besten sofort ausgemerzt und beseitigt werden. Das ist, als würden wir beim Käse nur die Löcher vermessen. Aber was tut das mit unserem Gemüt, wenn wir immer nur mit dem Mangel konfrontiert sind? Na? Das Jammertal ruft …
Wir haben systematisch verlernt, das Vorhandene wertzuschätzen. Manchmal können wir es nicht nur nicht wertschätzen, wir sehen es oft gar nicht mehr! Aber da sind nicht nur Löcher, da ist jede Menge schmackhafter Käse rundherum!

Blick doch mal ein paar Jahre zurück und du wirst erkennen, dass schon ein gutes Stück des Weges geschafft ist. Dass schon viele positive Wendungen passiert sind, dass schon viele Veränderungen gemacht wurden. Beglückwünsche dich doch bitte für alles Erreichte.
Nicht nur heute, sondern immer wieder!

Die Wahrheit ist: Dein Weg geht da durch.
Du hast aber die Wahl, ob du lächelnd oder jammernd gehst.

Und es ist doch so: Guter Käse HAT Löcher.

Jedes Kind hat eine Aufgabe

Du hast durch dein Kind schon jede Menge gelernt – es hat Auswirkungen auf dich und deine Umwelt. Und diese Auswirkungen sind nicht nur “störend” oder “herausfordernd” oder “behandlungswürdig”. Zu allererst hab ich gelernt, dass mit Kindern kaum etwas planbar ist, dass ich flexibel bleiben muss. Dass ich Dinge so annehmen muss, wie sie kommen. Mit dem nötigen Gleichmut (bitte nicht verwechseln mit Gleichgültigkeit!) geht es sich eben leichter durch’s Leben. Ein autistisches Kind verstärkt diese Lektionen im Eltern-Leben. Und sie bringen auch jede Menge Ressourcen mit. Vielleicht braucht die kommende Welt genau solche Menschen mit ausgeprägten analytischen Fähigkeiten.

Du bist nicht allein!

Viele Mütter gehen durch sehr ähnliche Situationen, viele “kämpfen” jedoch für sich allein. Aber gemeinsam sind wir stärker. Jeder Erfolg, jeder Tipp und jeder Hinweis kann auch andere weiterbringen. Daher: Vernetzt euch! Lernt voneinander. Schließ dich einer Eltern-Initiative an. Lies Erfahrungsberichte.
Und ganz wichtig: Klopft euch selbst UND gegenseitig auf die Schulter! Feiert Erfolge, anerkennt eure Bemühungen!



Ich tu das heute auch: Ich mache das mit meinem Sohn verdammt gut.

Wir sind Helden!

 

Apropos Selbstlob:

Ich habe vor einigen Tagen zu einer Blogparade aufgerufen und andere Mütter gebeten, sich anlässlich des heutigen Muttertags mal kräftig selbst auf die Schultern zu klopfen und sich selbst und andere Mütter wertzuschätzen. Tja, Selbstlob und Anerkennung anderer Mütter scheint recht wenig im Fokus unserer Gesellschaft zu stehen. Ich will nicht sagen, dass ich mit dem Thema baden gegangen bin, denn ein paar Mütter haben mitgemacht:

Lest doch mal bei diesen Blogger-Müttern rein!

 

*) Autismus-Väter sind natürlich mitgemeint ;-)
Ja, ja, das ist frech, ich weiß – und würdigt die Leistung der Papa nur unzureichend. Aber sonst sind wir Frauchen auch immer nur mitgemeint. Wir können damit umgehen – ich hoffe, ihr auch.

 

In diesem Sinne: Schönen Muttertag!

Beitragsbild: kropekk_pl, Pixabay CCO

 


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Muttis Nähkästchen

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter (aka. Rabenmutter). Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

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