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Linkshänder erkennen: Tipps für Eltern

Linkshänder erkennen: Tipps für Eltern

Wie erkennt man einen Linkshänder?
Und was, wenn sich Eltern nicht sicher sind?
Wie wird Linkshändigkeit richtig getestet?
Denn: eine – absichtliche oder unabsichtliche – Umschulung hat ernste Konsequenzen für das Kind.
Experten-Tipps für Eltern:

Bist du Rechtshänder und hast schon einmal mit einer speziellen Schere für Linkshänder zu schneiden versucht?
Nein?
Dann solltest du das als Rechtshänder UNBEDINGT einmal versuchen. Ich verspreche dir: Es ist augenöffnend!

Ich lebe mit einem Linkshänder – mein Mann meistert sein Leben mit links.
… also, wenn es die Umstände erlauben …
Lange habe ich ihn schräg beäugt, warum er sich bei so manchen Handgriffen im Haushalt so tollpatschig anstellt. Ein Mann eben … oder? (Sorry, Schatz! Ich war mir der Herausforderungen eines Linkshänders in einer Rechtshänderwelt echt nicht bewusst!) Und dann hat er sich eine Linkshänderschere gekauft. Und ich hab versucht, damit zu schneiden … Es war ein Fiasko! Ich habe das tatsächlich komplett unterschätzt, was scheinbar so simples Scheiden mit der Schere für einen Linkshänder bedeutet. Ich ziehe den Hut vor dir! Denn unsere Welt ist eine Rechtshänderwelt mit allerlei kleinen Stolpersteinchen für Linkshänder, die es in sich haben.

Und darum ist es gerade für Eltern wichtig, die Händigkeit eines Kindes richtig zu erkennen und das Kind dementsprechend zu fördern!
Denn Linkshänder sind gar nicht so selten: etwa 22 Prozent der Bevölkerung sind Linkshänder – wenn man die Umgeschulten mitzählt.

Linke Hand: Linkshänder erkennen, woran man Linkshändigkeit erkennt

Das Buch Linkshändige Kinder richtig fördern bietet einen guten Überblick über die Thematik – unter anderem, wie man Linkshänder erkennen kann:



Linkshänder erkennen

Die professionelle Abklärung der Händigkeit muss alles berücksichtigen, was Auswirkungen auf den Handgebrauch eines Menschen haben kann. Nicht mehr und nicht weniger. Eltern und Pädagogen können sich über gezielte Beobachtungen orientieren, ob fachlicher Rat eingeholt werden sollte.

Wie Linkshändigkeit getestet wird

Bei den meisten Kindern ist es nicht schwer, Linkshändigkeit früh zu erkennen. Oft weisen schon die ersten spontanen Greifbewegungen darauf hin und später, wenn das Kind beginnt, mit der linken Hand selbstständig zu essen und mit Spielzeug zu hantieren, wird die Veranlagung immer deutlicher. In solchen Fällen ist keine Händigkeitsuntersuchung notwendig.

Schwieriger wird es, wenn lange Zeit wechselnder Handgebrauch vorliegt und zu Hause und im Kindergarten Unsicherheiten über den richtigen Umgang damit bestehen. Heutzutage sind verschiedenste Tests frei verfügbar. So wie sie beispielsweise versprechen, im Schnellverfahren zuverlässig den Intelligenzquotienten zu berechnen, lassen sich auch entsprechende ‚Händigkeitstests‘ finden. Davor wird ausdrücklich gewarnt, denn eine seriöse Händigkeitsuntersuchung kann nur von einem Fachmann durchgeführt und ausgewertet werden.

Denn neben der ausführlichen Beobachtung der Handbevorzugung bei verschiedensten Tätigkeiten müssen mögliche Ursachen des wechselnden Handgebrauchs untersucht und im Ergebnis berücksichtigt werden: neurophysiologische Irritationen, der motorische Entwicklungsstand des Kindes, Störungen der Händigkeitsentwicklung durch die Umwelt oder das Modell- und Nachahmungsverhalten des linkshändigen Kindes. Auch die Frage nach Linkshändern in der Familie sollte als genetischer Aspekt der Händigkeit nicht fehlen.

Vor Schnelltests wird ausdrücklich gewarnt.

Bei der Händigkeitsuntersuchung spielen viele Faktoren eine Rolle. Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen weisen aufgrund der Beeinflussbarkeit des natürlichen Handgebrauchs darauf hin, dass die mechanische Anwendung normierter Testmethoden, die im Sinne der klassischen Testtheorie entwickelt wurden, bei manchen Kindern unweigerlich zu Fehlern führen.

Gerade die oft verwendeten Papier-Bleistift-Tests messen bei zum Malen bzw. Schreiben umgeschulten Linkshändern genau die Tätigkeit, die manipuliert wurde. Auch ist die ausschließliche Erfassung der Händigkeit auf der Basis relativer Geschicklichkeitsleistung nicht unproblematisch, da sich Linkshänder oft gezwungen sehen, Fertigkeiten mit der rechten Hand zu erlernen.



Es gibt auch rechtsfüßige Linkshänder

Von der Bevorzugung eines Fußes (Füßigkeit) kann nicht in jedem Fall auf die Händigkeit eines Menschen geschlossen werden, da der Fuß in der Regel wesentlich weniger feinmotorisch bedeutsame Bewegungen ausführen muss als die Hand. Zudem wirken sich die gerade bei jüngeren Kindern nicht seltenen Gleichgewichtsprobleme bei der Bestimmung der Füßigkeit verfälschend aus. Daher kann es sein, dass entgegen den Erwartungen beim Fußballspielen das dominante Bein zur Stabilisierung benutzt wird und der nicht-dominante Fuß den Ball kickt.

Äugigkeit und Ohrigkeit sind unabhängig von der Händigkeit

Noch weniger Übereinstimmung besteht offensichtlich zwischen der Bevorzugung eines Auges (Äugigkeit) und eines Ohres (Ohrigkeit) mit der Händigkeit. Das früher geltende Konzept der durchgehenden ‚Seitigkeit‘ eines Menschen, das besagt, dass ein Linkshänder auch das linke Auge, das linke Ohr und den linken Fuß vorzieht, wird heute nicht mehr vertreten (dies gilt natürlich ebenso umgekehrt für Rechtshänder). Folglich können Abweichungen davon, die gekreuzte Dominanz, auch nicht mehr als Zeichen einer fehlerhaften Entwicklung gedeutet werden.

Linkshändigkeit erkennen:
Kriterien zur Beobachtung des Kindes

Um Eltern und Pädagogen Hinweise zu geben, bei welchen Tätigkeiten ein Kind mit instabilem Handgebrauch im Rahmen eines kurzen Vortests beobachtet werden kann, werden in der nachfolgenden Aufstellung besonders geeignete Beobachtungsmöglichkeiten aufgeführt:

Vortest

Achten Sie bei der Durchführung darauf, dass das Material stets auf Höhe der Körpermitte des Kindes platziert ist. Weiterhin soll das Kind möglichst nicht wissen, was genau Sie beobachten wollen:

  • Blumen gießen (kleine Kanne)
  • Zähne putzen (sich mit Gesten vormachen lassen)
  • Kreiseln
  • Perlen aus einem Gefäß holen und wieder in dieses einsammeln
  • Perlen auf einen senkrecht befestigten dünnen Draht stecken
  • Streichhölzer zählen
  • Streichhölzer in die Schachtel zurücklegen

 

Bleistift-Papier-Tests sind nicht geeignet



Ganz bewusst sind Papier-Bleistift-Tests wie z. B. das Malen mit beiden Händen nicht aufgeführt, da genau diese Tätigkeit von linkshändigen Kindern gerne mit rechts probiert wird und bei entsprechender Übung der nicht-dominanten Hand äußerst irreführend sein können. Es werden spontane Tätigkeiten beobachtet, die großes Geschick und feinmotorische Bewegungen erfordern. Denn diese sind am stärksten lateralisiert und weisen deshalb oft auf die angeborene Händigkeit hin.

Dieser Vortest kann eine gründliche Händigkeitsuntersuchung natürlich nicht ersetzen, jedoch eine Entscheidungshilfe sein, ob die Kontaktaufnahme mit entsprechenden Fachleuten empfehlenswert ist.

Wird durch verschiedene Beobachtungen deutlich, dass eine Händigkeitsuntersuchung notwendig ist, sollte man sich an einen entsprechenden Fachmann wenden. Händigkeitsexperten gibt es in verschiedensten Berufsgruppen, wichtig ist die Weiterbildung auf dem Gebiet der Händigkeitstestung. Bis heute gibt es kein Studium und keine Berufsausbildung, die diesen Bereich ausreichend tiefgehend vermittelt. Häufig finden sich Fachleute unter Psychologen, Pädagogen und Therapeuten, die mit motorischen Erkrankungen und Defiziten befassen.

Tipp: Beobachten Sie die Handbevorzugung Ihres Kindes bei spontanen Tätigkeiten. Wenn Sie wegen der Händigkeit unsicher sind, vertrauen Sie sich einem Händigkeitsspezialisten an. Unter www.linkshaender­beratung.de finden Sie eine Adressenliste.

 

© Ernst Reinhardt, GmbH & Co KG, Verlag, München – mit freundlicher Genehmigung des Verlages.


 

Mehr Informationen zu:

  • Linkshändigkeit aus wissenschaftlicher Sicht
  • Entwicklung der Händigkeit
  • Preis der Anpassung
  • typische Herausforderungen für Linkshänder in einer Rechtshänder-orientierten Welt
  • praktische Tipps zur Unterstützung von Linkshändern im Alltag, im Kindergarten und der Schule

findet ihr in diesem Buch: Linkshändige Kinder richtig fördern (Ernst Reinhardt, GmbH & Co KG, Verlag, München). Bei der Buch-Vorstellung auf der Website des Verlages findet ihr ein weiteres Kapitel aus dem Buch als Leseprobe. Dort bekommt ihr dann auch einen perfekten Eindruck von der sehr ansprechenden und leserfreundlichen Gestaltung des Buches.


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Photo by bady qb on Unsplash

Das Buch und die Leseprobe wurde vom Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt.
Herzlichen Dank für die Unterstützung!



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Muttis Nähkästchen

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter (aka. Rabenmutter). Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

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