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Hochbegabung erkennen – und was dann?

Hochbegabung erkennen – und was dann?

Nun ist es fix: Unser 7-jähriger ist ein “sehr kluges Kind”. Er wurde auf Anregung der Schule auf Hochbegabung getestet. In der Schule tut er sich nicht durch vorbildliches Verhalten oder Wissen hervor – eher im Gegenteil: er fällt im Klassenverband unangenehm auf.
Was ist Hochbegabung, welche Hinweise gibt es in der Entwicklung, wie hat die Verwandtschaft reagiert. Und vor allem: Wie geht es jetzt weiter?



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Schon seit längerer Zeit existiert die Vermutung – mir war auch schon lange klar, dass mein Kind “anders” ist. Nur hatte ich da meine Zweifel, was die Testung anbelangt. Auf jeden Fall vermeiden wollte ich, dass eigene Wünsche und Überzeugungen auf das Kind projiziert werden. Jetzt schlug aber die Institution Schule den Test vor und hat ihn mit unserem Einverständnis auch durchgeführt.

Die Testung hat ergeben: Er ist zwar nicht “hochbegabt” (davon spricht man ab einem IQ von 130), aber knapp dran – also deutlich über dem Durchschnitt und auch deutlich über dem Normbereich. Die Psychologin bezeichnete ihn als “sehr klug”. Und damit beginnt die Herausforderung …

Hinweise in der Entwicklung

  • Unser Kind hat schon früh sprechen gelernt und drückte sich schon bald in korrekter Satzstellung und mit reichem Wortschatz aus (sprach mit 2 Jahren deutlich besser als das um ein Jahr ältere Nachbarskind).
  • Er kannte mit 1,5 Jahren alle gängigen Automarken und alle Buchstaben.
  • Hatte immer Spezialinteressen: Von den Automarken über Labyrinthe und Stadtplanung bis hin zu Flaggen und Geographie.

Hochbegabung erkennen und testen - und wie geht es dann weiter?

Verhalten in der Schule

Unser Sohn geht in die erste Klasse und verhält sich laut Lehrerin wie folgt:

  • unangepasst, eigenbrötlerisch; macht nicht mit und stört
  • Schwierigkeiten mit “unlogischen”, emotionalen Inhalten
  • trödelt in der Freiarbeit lange herum; erst wenn die Lehrerin das nahen des Unterrichtsendes ihm gegenüber anspricht, kommt er in die Gänge und erledigt alle Aufgaben (für die andere Kinder eine Stunde brauchen) binnen 5 Minuten – und zwar richtig!

In dem online verfügbaren Dokument “Hochbegabung – Information für Lehrer” (hier: begabtenzentrum.at) wurde ich – obwohl es sich nicht an die Zielgruppe Eltern richtet – fündig. Ich erkannte unsere Situation wieder, inklusive der Reaktion der Verwandtschaft. Besonders ein sehr plakativer Vergleich hat mich getroffen:

„Diesen Kindern kleine Stückchen an Information zu geben (Anm.: wie im herkömmlichen Lehrplan vorgesehen) ist, als ob man einen Elefanten mit einem Grashalm nach dem anderen füttert – er wird verhungern, noch bevor er bemerkt hat, dass jemand versucht ihn zu füttern.“

Reaktionen im Bekanntenkreis

Auch meine Situation wird hier wiedergegeben – denn die erste Reaktion im Verwandtenkreis war alles andere als wohlwollend “Ah, geh, auf einmal sollen alle hochbegabt sein … So ein Blödsinn!”

Der Druck der Umwelt auf Eltern ist teilweise so groß, dass die Begabung des Kindes eher negiert oder zumindest heruntergespielt wird. So geschieht es immer wieder, dass Eltern bei der Vorstellung ihres Kindes an der Beratungsstelle zunächst vorsichtshalber klarstellen, dass sie nicht glauben, dass ihr Kind zur Gruppe der Hochbegabten gehört. Und vor allem betonen sie, dass sie ihre Kinder nicht zu etwas machen wollen, was diese nicht sind, dass sie etwa ihren Kindern nicht das Lesen beigebracht haben, sondern lediglich auf die Fragen ihres Kindes eingegangen seien.

Frühzeitig lesen

Im Dokument steht außerdem, dass hochbegabte Kinder oft schon frühzeitig lesen können – teilweise ohne dass ihre Eltern davon wüssten. Darum habe ich die Probe auf’s Exempel gemacht und mein Kind eine Gute-Nacht-Geschichte lesen lassen. Anfangs beschwerte er sich über jeden Buchstaben, den er sehrwohl (er)kannte, den sie aber in der Schule noch nicht gelernt hatten: “Das kann ich noch nicht lesen, das ‘d’ haben wir noch nicht gelernt!” Auf meine Entgegnung, woher er denn wüsste, dass es sich bei dem “unbekannten” Buchstaben um ein “d” handle, gab er nach und las – richtig und flüssig – den Rest des Buches. Gott sei Dank war da auch der Vater anwesend – das hätte er mir sonst wohl nicht geglaubt!

Und die Situation ist auch im oben genannten Dokument so ähnlich darstellt:

Fragt man ein Kind, das vor Schuleintritt schon gut lesen kann, in den ersten Monaten der ersten Schulstufe, welche Buchstaben es denn schon gelernt habe, hört man oft folgende Antwort: „Ich kann schon alle Buchstaben, aber gelernt habe ich das A, das M, das I und das S.“

Auch interessant: Wie Eltern die Interessen und Stärken von Kindern fördern können



Hochbegabung: Austesten oder nicht?

Bei den Fragen und Antworten findet sich auch diese:

Wie sinnvoll ist es, Kinder, bei denen eine Hochbegabung vermutet wird, „austesten“ zu lassen?
Eine Vorstellung beim Schulpsychologen oder klinischen Psychologen ist immer dann angebracht, wenn Zweifel daran bestehen, ob für das Kind geplante Fördermaßnahmen tatsächlich sinnvoll seien. Bevor jeder Schritt in der Schullaufbahn des Kindes immer wieder in Frage gestellt wird, sollte man sich Klarheit verschaffen.
Eltern zögern immer wieder den Besuch beim Psychologen hinaus, weil sie ihre Kinder nicht den Belastungen einer psychologischen Testung aussetzen wollen. Dabei wird die Testsituation von den Kindern als eher angenehm und interessant empfunden, und Intelligenztests wirken für sie wie Rätselspiele.

Das oben erwähnte Dokument führt auch ein gute Checkliste, wie man Hochbegabung erkennen kann, sowie eine Liste von positiven und negativen Merkmalen solcher Kinder.

Auch interessant: Expertenmeinung zum Thema testen oder nicht testen?

Was und wie wird getestet?

Hochbegabung wird üblicherweise mit dem Hawik IV IQ-Test getestet. Dieser sehr umfangreiche und anscheinend sehr aussagekräftige IQ-Test teilt sich in vier Hauptbereiche: Sprachverständnis, wahrnehmungsgebundenes logisches Denken, Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit. Die einzelnen Fragen sind streng geheim. In welche Richtung die Fragen gehen, könnt ihr hier nachlesen.

Fazit: Empfehlungen für unser begabtes Kind

Die Empfehlung geht in zwei Richtungen, nämlich einerseits Ergotherapie und andererseits Begabtenförderung – letzteres sowohl in der Schule wie auch in der Freizeit. Die Förderung in der Freizeit betrifft die Teilnahme an unverbindlichen Übungen sowie an speziellen Angeboten von Museen und wissenschaftlichen Einrichtungen in der Umgebung. In der Schule wird “Enrichment” zum Einsatz kommen – d.h. das Kind bekommt beginnend mit Mathematik und Deutsch im Lehrplan fortgeschrittene Aufgaben.

Empfohlene Literatur dazu:

… lasset die Herausforderung beginnen …!

NACHTRAG: Bei unseren Kind wurde zwei Jahre danach zusätzlich die Diagnose Asperger gestellt. Auch das habe ich begleitet – alle Artikel zum Thema Asperger findet ihr hier.

Foto: CCO/Pixabay


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Muttis Nähkästchen

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter. Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. erinnert mich ganz stark an meine eigene kindheit, bei mir wurde es aber erst viel zu spät “anerkannt”.
    schön, dass ihr ihn bestmöglich fördern werdet!

  2. Kleines Update nach fast einem Jahr:
    Die Testung hat unser Sohn wirklich sehr genossen, das war ein besonderer Tag für ihn. Die Psychologin des Landesschulrats hat ihn super begleitet. Wir haben versucht, den Ball “flach zu halten”, damit er sich selbst nicht als etwas Besonderes sieht (was nur mäßig funktioniert hat, weil er natürlich die Situation abgecheckt hat).

    Die Ergotherapie haben wir mittlerweile hinter uns. Hat ihm sehr gefallen, vor allem die 1:1 Aufmerksamkeit. Damit er auch die soziale Integration lernt, war er außerdem in einer Turngruppe (Kleingruppe mit “speziellen” Kindern) – war deutlich mühsamer. Auf weitere Fördermaßnahmen – speziell intellektueller Natur – haben wir bis dato verzichtet.

    In der Schule geht’s meist besser, zwischendurch gibt es aber immer mal wieder Rückschläge. Er geht in eine ganz normale Volksschule im “Speckgürtel” einer österreichischen Landeshauptstadt. Die Lehrerinnen sind sehr engagiert, auch die Zusammenarbeit mit der Direktorin funktioniert hervorragend.

    Das Vorurteil, dass es für diese “besonderen” Kinder nur in großen Ballungszentren geeignete Einrichtungen gibt, kann ich daher nicht bestätigen.

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