Alexander Tobias ist Computerfachmann, gelernter Programmierer und spielt selbst regelmäßig am heimischen Gaming-PC. Er zeigt in seinem Gastbeitrag, dass Computer-Spiele besser sind als ihr Ruf:
Schlechtes Image
Computerspiele haben nicht gerade den besten Ruf. Viele Leute denken bei dem Wort an Ballerspiele, die bei Jugendlichen ein erhöhtes Gewaltpotential auslösen können. Selbst Amokläufe werden häufig mit brutalen Computerspielen in Verbindung gebracht.
Tatsächlich haben die meisten gängigen Spiele für den Spiele-PC gewaltreiche oder zumindest actionreiche Elemente. Insbesondere Eltern zögern daher häufig, bevor sie ihren Sprösslingen den ersten Gaming PC erlauben. Das liegt neben der Gewaltthematik und der daraus möglicherweise resultierenden Abstumpfung auch an der Sorge, dass der Nachwuchs fortan seine gesamte Freizeit vor dem Bildschirm verbringen könnte, denn die Spiele bergen bekanntermaßen auch ein sehr hohes Suchtpotenzial.
Sucht als größtes Gefahrenpotenzial
Das Risiko einer Spielesucht ist bei Kindern und Jugendlichen besonders groß, da sie auf die Belohnungssysteme ihres Gehirns besonders stark reagieren. Im Gegensatz zum Anschauen von Fernsehserien ist das Spielen von PC Games nicht passiv, sondern aktiv. Erzielte Erfolge stimulieren zudem das Gehirn und Enthusiasmus macht sich breit. Diese beiden Eigenschaften haben für Jugendliche eine derart fesselnde Wirkung, dass sie immer mehr Zeit und Energie in das bei Erwachsenen nicht sehr wertgeschätzte Hobby investieren.
Der Vorwurf der älteren Generation beschränkt sich meist auf zwei Hauptargumente: Zum Einen machen Ballerspiele die Kinder aggressiv und hemmungslos, sodass sie wichtige Umgangsformen vergessen können. Dazu kommt, dass die investierte Zeit in ihren Augen viel sinnvoller genutzt werden könnte.
Die logische Folge aus diesen beiden Kritikpunkten: Eltern erwarten, dass ihre Kinder durch die Computerspiele dumm werden und ihre wesentlichen Pflichten wie Schulaufgaben oder Sport vernachlässigen.
Schulung von Koordination und Auffassungsgabe
Tatsächlich konnten neben allen zum Teil gerechtfertigten Kritikpunkten jedoch auch einige erhebliche Vorzüge der PC Spiele wissenschaftlich belegt werden. Diese Effekte können jedoch erst dann durchdrungen werden, wenn das Computerspiel neutral und objektiv betrachtet wird, wozu vielen Erwachsenen oft die Bereitschaft fehlt.
Die heutigen Spiele sind aufwendig designed und bieten mitunter fesselnde Stories. Diese sind vergleichbar mit einer geschriebenen Geschichte, denn auch auf diese muss sich der Spieler über eine lange Zeit konzentrieren. Ebenso müssen die Jugendlichen Zusammenhänge verstehen, Spielzüge strategisch planen sowie klassische Rätsel lösen. Dies erfordert häufig den Gebrauch der eigenen Kreativität und Phantasie. Des Weiteren wird an Intelligenz und Auffassungsgabe appelliert, denn unterschiedliche Spiele erfordern natürlich auch unterschiedliche Herangehensweisen.
Häufig recherchieren die Kids dafür im Internet und lernen dabei die Selektion und Bewertung der gefundenen Ergebnisse. Ganz nebenbei trainieren sie dabei ihre Fingerfertigkeit auf der Tastatur. Die Computerspiele selbst hingegen fördern das Geschick, bezogen auf die Augen-Hand-Koordination sowie die Kontrastempfindlichkeit der Augen, da häufig sich bewegende oder sehr kleine, unauffällige Ziele getroffen werden müssen.
Bei den Computerspielen müssen also stets mehrere Sachen auf einmal beherrscht werden, was die Multitasking-Fähigkeit der Jugendlichen verbessert. Was dabei auch nicht vergessen werden sollte: Letztendlich bereiten die Computerspiele den Heranwachsenden auch jede Menge Spaß, den man in diesem Alter unbedingt zulassen sollte.
Computerspiele besser als ihr Ruf
Auf den zweiten Blick fördern die Spiele also viele Teilbereiche der Intelligenz wie die Kreativität, die Konzentration, das strategische Denkvermögen und das Multitasking sowie soziale Kompetenzen und Fertigkeiten am Computer, die auch für das alltägliche Leben und die Berufswelt von großem Nutzen sein können.
Ein verantwortungsvoller, möglicherweise von den Eltern überwachter Umgang mit Computerspielen, insbesondere Ballerspielen, ist also durchaus wichtig, damit die Jugendlichen ihr Gewaltpotential und die Einhaltung ihrer Pflichten stets im Auge behalten. Grundsätzlich verteufelt werden sollten die Spiele aufgrund ihrer vielen positiven Lerneffekte jedoch nicht.
Gastautor: Alexander Tobias
Seite: www.aletoware.de
Foto: beigestellt
Beitragsbild: levelord, Pixabay
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Muttis Nähkästchen
14 Juni 2015Danke, Alexander, für deinen Gastbeitrag. Auch wir nutzen den Computer sehr konstruktiv – siehe dazu z.B.:
Belohnungssystem statt Dauerfrust
Außerdem können Computerspiele nicht pauschal als schlecht oder schädlich beurteilt werden – es digt dazu auch eine Broschüre mit pädagogischer Beurteilung: Spiel- und Lernsoftware pädagogisch beurteilt
Yvonne Kienberger
15 Juni 2015Ich bin selber begeisterte Gamerin und es hat mich immer gewundert, dass ausgerechnet jene Leute am meisten über Computerspiele und Computerspieler schimpfen, die selber eine recht einfallslose Freizeitgestaltung vorziehen: Abends mit einem alkoholischen Getränk vorm Fernseher. Ich sitze vorm PC, in virtueller oder echter Gesellschaft und versuche meine Spiel-Ziele zu erreichen. Nüchtern natürlich, denn ich will ja richtig gut sein in meinen Spielen ;-)
Danke für den objektiven Artikel!
Irene
6 Nov. 2016Hallo Alexander, der Artikel ist wirklich gut verfasst aber besonders spricht mich das Bild an! Nehm an das gehört dir oder :-) und mans nicht nutzen. oder gibts dafür nen link zum download?
Muttis Nähkästchen
6 Nov. 2016Liebe Irene!
Das Bild ist Public Domain und steht via Pixabay zur Verfügung: https://pixabay.com/de/users/levelord-757667/
Pingback: Eine Spielkonsole für alle Fälle: Nintendo Switch gewinnen | Muttis Nähkästchen
tao_282
2 Dez. 2021ich bin hier um ein wenig für einen Aufsatz zu recherchieren. Alexander, hast du gewusst, dass dieser Text in meinem Deutschbuch steht?
LG
Pingback: 14 untrügerische Anzeichen, dass kleine Jungs GROSS werden - Muttis Nähkästchen
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