Muttis Nähkästchen | Familienblog seit 2009 | Impressum | Datenschutz
Wie Eltern die Interessen und Stärken von Kindern fördern können

Wie Eltern die Interessen und Stärken von Kindern fördern können

Das Erkennen und Fördern von Interessen und Stärken ist die Grundlage für ein erfülltes Leben. Wir Eltern sind daher gefordert, die Interessen und Stärken unserer Kinder zu fördern. Warum das wichtig ist, wie ein begabungsfreundliches Umfeld aussieht und wie Eltern Interessen und Stärken erkennen und fördern können, verrät Florian Schmid vom Österreichischen Zentrum für Begabtenförderung und Begabungsforschung (ÖZBF):

Warum sollten Eltern Stärken und Interessen fördern?

Jeder Mensch hat eine einzigartige Persönlichkeit, ist unverwechselbar und verfügt über ganz unterschiedliche Interessen und Fähigkeiten. Diese Vielfalt macht unser Leben nicht nur aufregend und abwechslungsreich, sondern sie ermöglicht auch jeder und jedem Einzelnen, ihren bzw. seinen ganz individuellen Weg im Leben zu finden. Wenn wir nach unseren eigenen Interessen, Vorstellungen und Fähigkeiten leben und arbeiten können, sind wir motiviert für die Aufgaben, die uns begegnen. Dann erleben wir Zufriedenheit.

Das Erkennen und Fördern von Interessen und Stärken ist also die Grundlage für ein erfülltes Leben. Kinder werden sich dadurch ihrer eigenen Person bewusst und können Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen aufbauen. Dann können Kinder ihr Potenzial voll entfalten und selbstbestimmt durchs Leben gehen. Wenn Stärken und Interessen ganzheitlich gefördert werden, können sich daraus Begabungen entwickeln.

Wie sieht ein begabungsfreundliches Umfeld aus?

Ein begabungsfreundliches Umfeld zeichnet sich durch ein breites Angebot an Möglichkeiten aus. Es umfasst die unterschiedlichsten Bereiche: z.B. Sprache, Motorik, Mathematik, Soziales etc. Alle Bereiche sollten gleichermaßen gefördert werden, damit sich Begabungen entwickeln und optimal entfalten können.

Es ist wichtig, Kindern eine Atmosphäre zu bieten, die motiviertes und kreatives Verhalten erlaubt und anregt. Kinder brauchen Freiräume und Zeiträume, in denen es möglich ist, sich ganz einer Sache zu widmen. Grundlegend sind dabei das Vertrauen und die Wertschätzung der wichtigen Bezugspersonen. So kann sich das Kind angenommen fühlen, so wie es ist. Es kann Fehler zulassen und Scheitern als ganz normalen Teil des Lernens akzeptieren. Strikte Vorgaben und die Forderung an die Kinder, alles nach einem Schema anzufertigen, unterdrücken auf Dauer die Kreativität und Individualität.

Man kann sich die Entwicklung eines Kindes wie den Aufbau eines Zuges vorstellen, dessen Lokomotive den Antrieb für die Waggons darstellt. In Bezug auf die Stärkenorientierung symbolisiert die Lokomotive die Stärken des Kindes und die Waggons die Schwächen. Wichtig ist zur Förderung einer positiven Entwicklung, dass man die Stärken fördert – diese mit Lob, Aufmerksamkeit und Zuwendung unterstützt, so als ob man die Lokomotive mit Kohlen zum Laufen bringt. Dies führt dazu, dass die Schwächen (die Waggons) einfach mitgezogen werden.



Interessierte Kinder fragen viel.
Muss ich auf jede Frage eine Antwort parat haben?

Kinder sind von Natur aus neugierig und wollen die Welt um sich herum mit allen Sinnen erleben und verstehen lernen. Dabei haben sie natürlich ungemein viele Fragen, die für Erwachsene manchmal irritierend, unbequem und vielleicht sogar unpassend sein können. „Was ist eigentlich das Leben? Wo kommen die Kinder her? Was passiert, wenn ich sterbe?“ Das sind nur einige Fragen, die Erwachsene an ihre Grenzen bringen können. Jedoch eröffnen diese Fragen die Möglichkeit für spannende Dialoge mit Kindern, in denen man sie zu eigenen Ideen und Überlegungen anregen kann.

Als Erwachsene/r ist man gewillt, sogleich Lösungen oder Antworten parat zu haben. Besser ist es, die Fragen an die Kinder zurückzuspielen und gemeinsam mit ihnen zu überlegen, wie die Antworten lauten könnten. Die Antworten werden überraschen.

Siehe auch: Aufklärung von Kindern: Antworten auf typische Kinderfragen

Wie können Eltern Interessen und Stärken der Kinder entdecken?

Logischerweise eignen sich Gespräche, um mehr über das Kind und dessen Fähigkeiten zu erfahren. Genaue Nachfragen sind dabei entscheidend. Aufgrund der Antworten können Rückschlüsse auf Interessen, Bedürfnisse und Stärken des eigenen Kindes gezogen werden.

Hinweise auf die Interessen Ihres Kindes können Eltern auch dadurch bekommen, indem sie beobachten zu welchem Spielzeug sich ihr Kind zuerst hinwendet, wenn es eine längere Zeit nicht zuhause war. Eltern sollten ihr Kind bewusst in Alltagssituationen beobachten – z.B. im Spiel, beim Einkaufen, beim Zu‐Bett‐Gehen. Fällt ein Verhalten oder eine Aussage besonders oft auf? Bei Aktivitäten oder Inhalten von Gesprächen, die bei Kindern immer wieder Thema sind, verstecken sich zumeist Interessen, Bedürfnisse und Stärken.

Beobachten ist wertvoll, denn: Beobachtung ist BE‐ACHTUNG! Aber bitte wertfrei beobachten. Eltern sollten ohne vorgefasste Meinung und Bewertung des Verhaltens die Einzigartigkeit des Kindes wahrnehmen. Kinder sollten nicht untereinander verglichen werden. Eltern sollten die individuellen Interessen, Stärken und Fähigkeiten sowie die wertvolle Persönlichkeit dahinter entdecken.



Tipps für Eltern: Begabungen, Stärken und Interessen von Kindern erkennen und fördern

Wie können Eltern Interessen, Stärken und Begabungen fördern?

Eltern können Kinder unterstützen, indem sie mit ihrem Kind vielfältige Bereiche und Umwelten gemeinsam erleben, sowie ihnen einen Zugang zu unterschiedlichen Materialien eröffnen. Kinder brauchen eine anregende Umwelt sowie Abwechslung, um ihre Interessen, Stärken und Begabungen entwickeln zu können. Mit bewusst gestalteten Freizeitaktivitäten sollten immer wieder die unterschiedlichen Fähigkeiten der Kinder angesprochen und herausgefordert werden.

Dabei jedoch bitte nicht darauf vergessen, den Kindern ausreichend Entspannungs‐ und Spielphasen zu gewähren! Denn Spielen ist die dominante Lernform des Kindes! Es ist daher immer auf ein gutes Maß an geplanten und ungeplanten Aktivitäten zu achten, um ein Gleichgewicht von Fördern und Fordern zu schaffen.

Begabungen fördern

Eltern können sehr viel tun – meist mit ganz wenig Aufwand und alltäglichen Dingen.
Ein paar Beispiele:

Sprache entdecken mit einer Bücherecke

Der ständige Zugang zu (Kinder‐)Büchern ist für Kinder ungemein wichtig, da sie mit ihrer Hilfe ihren Interessen nachgehen können, Probleme aufarbeiten und sich die Welt erfahrbar machen. Durch das Angebot an unterschiedlichen Büchern, die einen festen Platz haben und von den Kindern selbstständig erreicht werden können, wird ein positiver Zugang zu Büchern und allgemein zur Sprache gefördert.
Geschichten schaffen Zugang zu den eigenen Gefühlen. Über Geschichten kommen Eltern und Kinder ins Gespräch. Kinder kommen durch Bilderbuchbetrachtungen und Lesestunden zur Ruhe. Und sie erlernen spielerisch den Zugang zu Buchstaben und deren Bedeutung.
Und: Vorlesen schafft Geborgenheit. Es bedeutet Nähe und Zuwendung.

Brainstorming in der Familien



Lassen Sie Ihre Kinder im Familienalltag mitreden und teilhaben, z.B. bei der Wahl des Urlaubsortes oder bei der Umgestaltung des Kinderzimmers. Dies fördert das Gemeinschaftsgefühl und die Selbstständigkeit sowie Selbstverantwortung der Kinder. Gemeinsames Brainstorming bringt neue Ideen und fördert eine demokratische Gesprächskultur.

Sprachgefühl fördern: Geschichten erfinden

Die Phantasie der Kinder ist oft grenzenlos und manchmal entstehen daraus sogar spannende Geschichten. Warum sollte man diese Geschichten nicht aufschreiben, um ein persönliches Buch anzufertigen? Und nebenbei schult man noch die Schreib- und Lesekompetenz der Kinder (soweit sie es schon gelernt haben – ansonsten können Erwachsene die schöne Aufgabe übernehmen, die Geschichten schriftlich oder mit Audio‐Geräten aufzunehmen).

Sprachgefühl fördern: Interviews führen

Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Kinder Erwachsene interviewen und dies niederschreiben. Die Kinder könnten beispielsweise ihre Großeltern interviewen. Dies gibt den Kindern spannende Einblicke und fördert die sprachlichen Kompetenzen. Mögliche Fragen gibt es im Buchtipp am Ende dieser Seite.

Forschen mit Kindern

Kinder erforschen von Anfang an die Welt um sich herum. Sie sind neugierig, entdecken ständig Neues und versuchen, diese neuen Eindrücke in ihre bestehenden Erfahrungen zu integrieren. Diesen natürlichen Forscherdrang der Kinder gilt es zu unterstützen. Denn Kinder lernen aufgrund ihrer eigenen Erfahrung. Einfache Dinge aus unserer unmittelbaren Umgebung genauer unter die Lupe zu nehmen, ist die einfachste Art, den Forschergeist bei Kindern zu wecken. Egal ob Tiere, Pflanzen, Wassertropfen o.ä. Alles kann man sprichwörtlich unter die Lupe nehmen.

Gemeinsames Basteln

Basteln ist die Grundlage für den Aufbau jeglicher feinmotorischer Kompetenz. Für Kinder ist es darüber hinaus wichtig, dass das angefertigte Werkstück echte Verwendung und Wertschätzung findet. Kreativität wird vor allem durch Materialien gefördert, die keine eindeutige Lösung vorgeben. Stellen Sie deshalb Ihren Kindern ungewöhnliches Material in Form von Schachteln in verschiedenen Größen, Kisten, leeren Klopapierrollen, Steinen, Ästen usw. zur Verfügung und beobachten Sie, was Ihre Kinder daraus alles kreieren.
Last but not least: Finden Sie einen Platz, wo die gebastelten Dinge oder Bilder für eine Zeit lang ausgestellt werden können. Dies zeigt Wertschätzung gegenüber Ihrem Kind.

Für zahlreiche Anregungen siehe dazu z.B. Basteln mit Kindern

Bleibt die Frage: Kann jedes Kind alles lernen?

Nicht jede/r kann alles. Das kann und soll auch nicht das Ziel sein.
Doch alle Kinder sollten die Möglichkeit bekommen, zu entdecken, was sie gerne machen und gut können – was sie individuell und einzigartig macht.
Stärken entstehen und wachsen. Eltern können ihre Kinder dabei aktiv unterstützen.

Buchtipp:

Mehr Informationen und zahlreiche Anregungen findet ihr in diesem Praxis-Handbuch: Familie macht stark − Impulse setzen, Stärken entdecken. Ein Praxis‐Handbuch mit Anregungen von Carina Imser und Florian Schmid (ÖZBF – Österreichisches Zentrum für Begabtenförderung und Begabungsforschung). Online verfügbar: oezbf.at/publikationen


Das könnte dich auch interessieren:


Über den Interviewpartner:

Florian Schmid ÖZBF Mag. Florian Schmid

Österreichisches Zentrum für Begabtenförderung und Begabungsforschung (ÖZBF)

Florian Schmid ist seit 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Österreichischen Zentrum für Begabtenförderung und Begabungsforschung (ÖZBF). Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Pädagogische Diagnostik, Fachdidaktik und Begabtenförderung, Methoden der Begabungs- und Exzellenzförderung und Begabungsförderung in der Familie. Darüber hinaus unterrichtet er als Gymnasiallehrer und ist seit 10 Jahren in der Aus- Fort- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern tätig.

 


Like it? Bitte folge mir:


Datenschutzhinweis: Mit Klick auf den Link verlässt du diese Seite. Es gelten die Datenschutzerklärungen der jeweiligen Plattformen.



Muttis Nähkästchen

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter (aka. Rabenmutter). Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar.

Kommentar verfassen

Menü schließen