Flugangst kann das Leben enorm einschränken. Auch wenn man umweltbewusst lebt und so oft es geht auf Flugreisen verzichtet – ab und zu hilft es eben einfach nichts. Was hilft um Flugangst zu lindern? Wie sicher ist Fliegen wirklich?
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Inhaltsverzeichnis

Flugangst – wie fühlt sich das an?
Leider bin ich selbst betroffen und weiß wovon ich spreche. Zehn Jahre lang hat mich jetzt kein Flugzeug gesehen. Davor habe ich Vieles versucht und mich immer wieder überwunden. Auch nach Transatlantik- und anderen Langstreckenflügen wurde das Gefühl nie besser. Die 10 Jahre Pause haben mir aber auch nicht gut getan – durch das Vermeiden um jeden Preis wird die Panik fast noch stärker.
Im Juli war es dann so weit. Monate vorher hatte ich schon immer ein flaues Gefühl im Magen, wenn ich ein Flugzeug gesehen oder gehört habe. Während dem Flug bzw. schon ab dem Einsteigen und dann wieder schlimm im Landeanflug durchlebe ich immer wieder Panikattacken – Herzrasen, Atemnot – einfach Angst. Ein kleiner Wackler und ich male mir die schlimmsten Szenarien aus. Dieses mal hat mich ein sehr netter Steward immer wieder beruhigt und meinen Mann dazu angehalten mich möglichst gut abzulenken. „Ask her more questions,“ wurde er immer wieder erinnert. ;-) Diese Ablenkung hat tatsächlich sehr gut getan.
Wie war der Flug?
Der Flug war absolut ruhig und ohne Turbulenzen – trotzdem war ich heilfroh als ich aussteigen konnte. (Nachhause ging es übrigens mit dem Zug – die Angst vor dem Rückflug hätte mir sonst die Reise versaut.) Bei der 15-stündigen Heimreise hat mich aber doch das schlechte Gewissen geplagt, was ich meiner Familie da statt einem 2-stündigen Flug antue – „nur“ wegen meiner Angst.
Aber ist diese Angst begründet? Natürlich nicht! (Siehe Statistiken unten) Ich möchte also unbedingt daran arbeiten. Vielleicht helfen diese Tipps ja auch anderen Betroffenen.
Flugangst statistisch betrachtet
Flugangst betrifft viele Menschen, obwohl das Flugzeug statistisch gesehen tatsächlich das sicherste Verkehrsmittel ist. Wie sehen die Statistiken also aus:
I. Fliegen ist statistisch viel sicherer als Autofahren
Unfallstatistik pro 100 Mio. Meilen:
Flugreisen verursachen nur ca. 0,003 Todesfälle pro 100 Millionen Passagier-Meilen, Autofahrten hingegen ca. 0,57 Todesfälle auf derselben Distanz. Fliegen ist somit etwa 190‑fach sicherer als Autofahren.
Quelle: LinkedIn – Beyond Intuition: Why Flying is Safer Than Driving
Lebenszeit-Risiko tödlicher Unfälle:
Flug: 1 zu 7–13 Millionen Flügen
Auto: 1 zu 83.000 Fahrten
Quelle: Fear of Flying Research
2. Verzerrte Wahrnehmung durch Medienberichte
Flugzeugabstürze sind extrem selten, aber jedes Ereignis wird dadurch natürlich weltweit medial ausgeschlachtet. Das führt zu einer völlig falschen Wahrnehmung dieser Gefahr.
Jährlich sterben über 1,1 Millionen Menschen im Straßenverkehr, während Flugzeugunfälle nur einige Hundert Todesopfer fordern.
Quelle: News.com.au – Plane Crash Cluster
3. Strenge Sicherheitsstandards & Pilotenausbildung
Piloten müssen mindestens 1.500 Flugstunden absolvieren. Vergleicht man das mit den Fahrstunden für einen Autoführerschein kann man sich denken, wie viel besser so ein Pilot ausgebildet ist.
Regelmäßige Notfall- & Simulatortrainings gehören zur Pflicht. (Schulungen bei Autofahrern sind hingegen äußerst selten vorgeschrieben!)
Wichtig: Internationale Behörden wie FAA, IATA & ICAO überwachen streng alle Sicherheitsrichtlinien.
Quelle: Travelpander – Airplanes Safest Way to Travel
Quelle: Wikipedia – Aviation Safety
4. Technologischer Fortschritt minimiert Risiken
Moderne Flugzeuge besitzen hochentwickelte Navigations- & Antikollisionssysteme. Viel moderner und effektiver als jegliches Hilfsmittel bei Autos.
Automatisierte Kontrollmechanismen greifen bei Fehlern der Piloten ein. Ein übermüdeter oder unaufmerksamer Pilot ist also noch lange kein Grund für einen Unfall.
Quelle: Wikipedia – Aviation Safety
5. Spezifische Risiken sind extrem selten
Zum Beispiel Bird Strikes: In den USA gibt es jährlich über 13.000 Vogelschläge, jedoch kommt es nur in einem von einer Milliarde Flugstunden zu tödlichen Vorfällen.
(Bird Strike ist der Zusammenprall von Vögeln mit Flugobjekten. Die Schäden am Hindernis sind aber meist gering. Flugzeugturbinen benötigen für ihre Zulassung einen Test mit der Hühnerkanone.)
Quelle: Wikipedia – Bird Strike
10 Tipps zur Bewältigung von Flugangst
1. Wissen beruhigt: Informiere dich über die Sicherheit
Immer wieder selbst klar machen: Flugzeug ist das sicherste Verkehrsmittel weltweit.
Statistiken lesen: Risiko 1 zu 7–13 Millionen Flügen.
Sich vorher schon klar machen: Turbulenzen sind völlig ungefährlich für die Maschine. Falls es dazu kommt, ist das kein Problem.
Am besten liest man einfach wieder diesen Blogbeitrag – in aller Kürze alle wichtigen Infos!
2. Vermeide Stress vor dem Flug
• Frühzeitig packen & anreisen.
• Online einchecken & Sitzplatz wählen (Gangplatz für mehr Bewegungsfreiheit). Meine Erfahrung bestätigt die Regel, dass Sitzplätze über den Tragflächen (ca. in der Mitte des Flugzeugs) am angenehmsten für Menschen mit Flugangst sind.
• Genügend schlafen – Schlafmangel verstärkt Angstgefühle.
3. Richtig atmen & den Körper beruhigen bei Flugangst
• Tiefes Bauchatmen (4 Sekunden ein – 6 Sekunden aus)
• Progressive Muskelentspannung (Techniken kann mich sich online selbst lernen)
• Bewusste Haltung: Füße fest am Boden, Schultern locker.
4. Ablenkung organisieren
• Lieblingsmusik / beruhigende Playlists. (Achtung: Wenn man auf jeden Wackler extrem reagiert lieber nicht mit Kopfhörern hören – man spürt dann jegliche Bewegung noch mehr.)
• Empfindet man die Bewegungen nicht als so schlimm können Serien, Hörbücher oder Podcasts als Ablenkung helfen. (Achtung: Unbedingt vorher downloaden!)
• Spiele oder Bücher für leichte Unterhaltung. (Ich lese und plane für das Urlaubsziel – so mache ich mir auch noch einmal bewusst wofür ich mir das gerade antue. Bei mir war es ein Reiseführer über Edinburgh – „Das mache ich jetzt dafür, dass ich in ein paar Stunden endlich dort stehe!“)
– Kinder an sich sind übrigens auch eine gute Ablenkung. Gerade kleinere Kinder brauchen ständig was, müssen auf die Toilette usw. – da hat man genug zu tun.
5. Gedanken stoppen & umleiten
• Negative Gedanken durch rationale Fakten ersetzen („Fliegen ist sicher“).
• Inneren Dialog positiv formulieren: „Ich bin entspannt & sicher.“
• Achtsamkeits-Übungen: Sich auf das Hier & Jetzt fokussieren (Geräusche, Berührungen).
6. Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen
• Seminare gegen Flugangst (z.B. Lufthansa Flying Without Fear-Kurse). Leider sehr teuer!
• Kognitive Verhaltenstherapie (CBT).
• Virtual Reality Exposure Therapy (VRET).
• Atem- oder Entspannungscoaching.
Es gibt einige Möglichkeiten. Man muss da eine leistbare und passende Möglichkeit für sich finden.
7. Medikamentöse Unterstützung (nur im Notfall)
• Kurzzeitige Einnahme von Beruhigungsmitteln nach Rücksprache mit dem Arzt.
• Alternative: Baldrian, Lavendel, Passionsblume (pflanzlich).
Dieses mal habe ich tatsächlich Psychopax in ganz leichter Dosierung genommen. Vor der vollen Menge hatte ich Angst, weil ich für meine Kinder da sein wollte. Ich wurde allerdings nur müde und nur geringfügig weniger panisch. Für die Zukunft möchte ich mir etwas anderes überlegen.
8. Begleitung suchen
• Mit vertrauten Personen reisen. (Wie gesagt: Kinder sind tolle Reisebegleiter – Ablenkung, Spaß, Freude daran wie sich freuen und wie spannend sie das Fliegen finden.)
• Flugbegleiter informieren: Sie helfen aktiv bei Angst. (Mein Steward war wirklich Gold wert bei meinem letzten Flug. Ohne ihn hätte ich das nie so geschafft.)
9. Wahl des Fluges
• Direktflüge bevorzugen. (Da die Angst bei Start und Landung am heftigsten ist, ist ein Direktflug wenn möglich immer vorzuziehen – auch wenn sie oft etwas teurer sind.)
• Flugzeuge mit modernem Standard (neuere Maschinen).
• Frühflüge: Morgens sind Wetterbedingungen meist ruhiger – es ist mit weniger Turbulenzen zu rechnen.
10. Langfristige Gewöhnung
• Häufigeres Fliegen in kleinen Schritten (Inlandsflüge, kurze Strecken).
• Erfolgserlebnisse festhalten (Tagebuch).
- Darauf hoffe ich persönlich sehr. 10 Jahre Nicht-Fliegen hat die Situation noch verschlimmert. So lange werde ich nicht mehr pausieren!
Exkurs: CO₂-Fußabdruck: Flugzeug vs. Auto, Zug & Schiff
CO₂-Ausstoß pro Personenkilometer:
| Verkehrsmittel | CO₂-Ausstoß (g CO₂/Pkm) |
| Flugzeug (Kurzstrecke) | ca. 255 g |
| Flugzeug (Langstrecke) | ca. 195 g |
| Auto (Einzelfahrt, Ø-Auslastung) | 150–200 g |
| Auto (volle Besetzung) | 100–130 g |
| Zug (Fernverkehr, ICE) | 35–50 g |
| Kreuzfahrtschiff | 300–400 g |
Man sieht – so ohne ist das Autofahren auch nicht und mit einem Kreuzfahrtschiff kann es Gott sei Dank so und so kein anderes Verkehrsmittel aufnehmen. Ein extrem schlechtes Gewissen muss man im Flugzeug also auch nicht haben. Klar – Zug wäre besser, aber immer geht das eben nicht.
Quellen:
• Umweltbundesamt – Emissionsdaten
• Deutsche Bahn Umweltvergleich
Fazit
Fliegen ist nach objektiven Maßstäben das sicherste Verkehrsmittel. Die Angst vor dem Fliegen basiert oft auf subjektiver Wahrnehmung, welche durch Medienberichte verstärkt wird. Wer seine Flugangst überwinden möchte, findet heute zahlreiche wirksame Therapieformen. Im Hinblick auf den CO₂-Ausstoß gibt es bei kürzeren Strecken klimafreundlichere Alternativen wie den Zug. Bei langen Distanzen bleibt das Flugzeug jedoch das effizienteste Verkehrsmittel hinsichtlich Zeit und globaler Anbindung.
Also: Einfach mal wieder trauen und so eventuell wieder zu mehr Lebensqualität gelangen!
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