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Diagnose Asperger – was dann? Tipps für Eltern
(c) iStock/Sewcream

Diagnose Asperger – was dann? Tipps für Eltern

Betroffene Eltern werden oft mit der Asperger-Diagnose für ihr Kind ziemlich alleine gelassen. Viele Fragen stehen unbeantwortet im Raum: richtige Schulwahl, Beantragung eines Behindertenpasses, hilfreiche Therapien und Unterstützung.
Frequently asked Questions von Eltern von Asperger-Kindern und meine Einschätzung dazu:


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Birgit und Christine von Muttis Nähkästchen

Für alle, die uns noch nicht kennen: Hier plaudern Birgit und Christine aus dem Nähkästchen und schreiben über das (Über-)Leben mit Kindern.

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Voraussichtliche Lesedauer: 10 Minuten

Immer wieder schreiben mich Eltern an, die gerade eine Autismus-Diagnose (z.B. Asperger) für ihr Kind erhalten haben. Denn als Elternteil wird man oft mit einer Diagnose sehr alleine gelassen – das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Hier fasse ich die mir gestellten Fragen samt meiner Antworten zusammen.

Solltet ihr auch noch Fragen haben, dann gerne in den Kommentaren schreiben. Ich bemühe mich um zeitnahe Beantwortung!


Diagnose Asperger - was dann? Tipps für betroffene Eltern


Tipps für Eltern: Unsere Erfahrungen zum Thema Asperger nach der Diagnose:

Sollen wir für unser Asperger-Kind um einen Status mit Behinderungsgrad ansuchen?

Gute Frage – schwere Frage. Wir haben es letztendlich gemacht. Weil es die einzige Möglichkeit war, mittels der damit verbundenen erhöhten Familienbeihilfe + Absetzbetrag finanzielle Unterstützung zu bekommen. Alle unsere Therapien haben wir nämlich aus eigener Tasche bezahlt (bezahlen müssen). Im Nachhinein war es außerdem gut, weil es so manche Konfliktsituation im Gymnasium verkürzt hat. Denn wenn ein*e Lehrer*in so gar kein Einsehen hatte, haben wir den Behindertenausweis auf den Tisch gelegt. Damit war die Einschränkung „offiziell“ und jeglicher (wenn auch ev. nicht direkt geäußerter) Verdacht auf „überschießend reagierende Eltern“ entschärft.
Mehr zum Thema Behindertenpass für Autistinnen und Autisten siehe hier: Ist ein Asperger-Autist behindert?


Wie wird ein Behindertenstatus für Asperger beurteilt? Ist das ein „schwarzer Fleck“ in den Akten?

Ich seh das wie einen „Mitgliedsausweis“, den man entweder zeigt oder eben nicht. Er ist sicher kein schwarzer Fleck. Gegebenenfalls wird der Behindertenstatus sogar ein Türöffner: z.B. für die vier zusätzlichen Bundesstunden, die eine Schule für einen Asperger beantragen kann (für zusätzlich vier Stunden pro Woche 1:1-Betreuung durch eine Lehrperson der Schule)! Davon wusste ich auch lange nichts … Achtung Deadline! Muss bis Mitte Oktober beantragt werden – sonst gibt’s nix mehr. Der Amtsschimmel lässt grüßen und ist hier unbeugsam …


Welche Schule ist die richtige für ein Asperger-Kind?

Oft sind Asperger intellektuell für ein Gymnasium geeignet, denn hohe Ansprüche fordern und fördern das Asperger-Kind. Hinzu kommt, dass gegebenenfalls soziale Themen in einem Gymnasium weniger Stellenwert haben.

Wir waren und sind im Gymnasium. Leicht ist es nicht – wir hangeln uns von Jahr zu Jahr. Und lassen uns mit zweifelnden Aussichten auf Zentralmatura & Co. nicht bange machen. Auf den Wunsch meines Sohnes wechselte er nach der 8. Schulstufe von der AHS ans BORG (Bundesoberstufenrealgymnasium) – weil der Schulweg dann nur mehr vier Minuten zu Fuß vs. davor 40 Minuten mit der S-Bahn war. Autist*innen sind eben „Anstrengungsvermeider*innen“.

Es ist viel Kommunikation nötig. Wichtig ist, dass der/die Direktor*in im Boot ist. Ich kann nur empfehlen, von Anfang an mit offenen Karten zu spielen. Hab vor Anmeldung an den Direktor der AHS geschrieben, dass unser Sohn ein Asperger ist. Er solle ehrlich sagen, ob sie sich das zutrauen würden – sonst bewerben wir uns gar nicht. Unterstufe war eine Privatschule – hat vielleicht geholfen. Denn der Direktor meinte: Ja, wir sind auch für solche Kinder da. Die Unterstufe ging natürlich nicht ohne Krisen (auch Oberstufe nicht …); ich glaub auch, sie wussten nicht, worauf sie sich wirklich einlassen.
Siehe auch: Asperger im Gymnasium: Tipps zur Unterstützung autistischer Kinder


Hat ein Asperger Anspruch auf einen Nachteilsausgleich in der Schule?

Das Thema Leistungsbeurteilung ist ein großes Thema, um auch für Asperger Chancengleichheit zu erreichen. Einen Nachteilsausgleich per so gibt es in Österreich leider nicht. Aber ein Ausgleich von Nachteilen kann aus dem Schulunterrichtsgesetz und der Leistungsbeurteilungsverordnung abgeleitet werden. Hier ist auch der Behindertenausweis ein Türöffner.
Mehr zum Thema Nachteilsausgleich: Inklusion: der Nachteilsausgleich in Österreich


Wie stark müssen die Einschränkungen sein, um einen Nachteilsausgleich geltend zu machen?

Asperger sind oft sehr intelligent – oft sogar annähernd hochbegabt – und nicht selten in einigen Bereichen Klassenbeste. Aber in einigen Fächern fallen sie oft ab – zum Beispiel in Deutsch. Die schlechteren Noten sind auf die besonderheit der autistischen Kinder zurückzuführen: Schriftbild, Schwierigkeiten mit der Interpretation und Beschreibung von Gefühlen und Personen und dergleichen. Oder auch alle Fremdsprachen (mit der Ausnahme von Latein, weil da keine Freunde beschrieben werden müssen und dergleichen).

Stellt euch darauf ein, dass ihr in den Sprachen immer wieder bei den Lehrern vorsprechen müsst. Diagnose Asperger reicht – wie die Einschränkungen geartet sind, ist m.E. Nebensache. Die Besonderheit wird sich zeigen!
Mehr zum Thema: Bei welchen Themen Asperger-Kinder in der Schule scheitern


Wer sollte in der Schule über die Besonderheit des Kindes informiert werden?

Am besten alle. Ich würde in puncto Schule so transparent sein, wie nur irgendwie möglich. Denn die Besonderheit des Kindes wird mit Sicherheit auffallen und potenziell für Unverständnis sorgen – beim Lehrpersonal genauso wie bei den Mitschüler*innen bzw. den Eltern der Mitschüler*innen.

Lehrpersonal informieren

Mein Tipp für Gespräche mit dem Lehrpersonal: Zieht eine*n Autismus-Expert*in bei! Denn, wenn ein*e Expert*in etwas rät, dann hat das wesentlich mehr Gewicht, als wenn die Mutter erzählt … Am besten gleich zu Beginn einen Termin organisieren mit ALLEN Lehrer*innen. Wirklich ALLE, denn es könnten ja auch Klassen-Externe zum Supplieren kommen.
In der AHS-Unterstufe wurde das nicht für nötig erachtet. Das Resultat war, dass wir viele Einzelkrisengespräche mit einzelnen Lehrer*innen führen mussten. Da haben wir dann auch unsere Expertin oft mitgenommen (und aus eigener Tasche bezahlt). Im BORG haben wir das mit dem Anfangstermin geschafft: da hat die Expertin ins Thema eingeführt und ich hab unsere heftigsten Herausforderungen aus der Unterstufe erzählt. Da hatten dann bereits viele Lehrer*innen große Aha-Momente, denn freilich hat sich die Besonderheit bereits gezeigt – z.B. friends beschreiben in Englisch oder Italienisch gleich in der ersten Lektion.

Mitschüler*innen informieren

Je nach Alter solltet ihr die Mitschülerinnen informieren – das hat bei uns die Expertin gemacht, so war es „neutral“. Unser Kind hatte die Wahl, ob er bei diesem Termin dabei sein will oder nicht (er wollte nicht).

Eltern der Mitschüler*innen informieren

Die Eltern habe ich selbst beim Elternabend informiert, damit sie Dinge, die ihre Kinder über unser Kind erzählen, besser einordnen können. Diese Info an Mitschüler*innen + Eltern haben wir in der AHS-Unterstufe leider fast zu spät gemacht; da gab es bereits Interventionen und ungute Anfragen von anderen Eltern beim Klassenvorstand. Im BORG dann gleich proaktiv am Beginn. War gut!
Siehe auch: Mein Kind hat das Asperger-Syndrom: Information beim Elternabend

Tipp: Mittlerweile bezahlt die Bildungsdirektion (zumindest bei uns in Salzburg) diese Supervision von Schulen/Lehrer*innen! Was wir in der AHS noch aus eigener Tasche berappt haben, hat im BORG die Bildungsdirektion übernommen.


Wie können Eltern ein Asperger-Kind erziehen?

Dazu empfehle ich diesen Beitrag – denn es geht weniger um Erziehung sondern vielmehr um eine wertschätzende Begleitung, die die Besonderheit des Kindes berücksichtigt: Ein Asperger-Kind erziehen und begleiten.


Welche Therapien helfen bei Asperger?

Eltern haben nicht selten den Eindruck, die Ergotherapien, die zu Beginn verordnet werden, bringen kaum Fortschritt.

Ach ja … Ergotherapie. Das ist der typische „Einstieg“.
Aber wichtig, bei der Beantragung des Behindertenstatus! Wir haben die erhöhte Familienbeihilfe rückwirkend nur ab dem Zeitpunkt, ab dem wir Therapien vorweisen konnten, zugestanden bekommen.
Wir haben autismusspezifische behaviorale Behandlung und Förderung in Einzel- und Gruppensettings – siehe: https://via-autismus.at/behandlung-und-forderung/
2 Jahre lang. Unser Kind hat’s gehasst – speziell die Gruppe. Bei der Einzeltherapie hat er teilweise eine ganze Stunde eisern geschwiegen. Mit dem Umstieg aufs Gymnasium haben wir die Therapien dann ausgesetzt. Ich weiß nicht, ob es wirklich viel gebracht hat. Gut war, dass ihn die Therapeutin dadurch sehr gut kannte, denn sie war und ist es, die nun auch der Schule/uns weiterhin zur Seite steht.

Kürzlich war ich bei einem Vortrag eines Schweizer Experten. Er meinte, Autismus sei nicht therapierbar – brauche es auch gar nicht zu sein, weil es eben ein alternatives „So-sein“ und keine Krankheit ist. Schöne Sichtweise, der ich viel abgewinnen kann! Er meinte, dass statt der Autist*innen selbst besser die Eltern und Pädagog*innen entsprechend geschult und begleitet werden sollten.


Welche Beratungsstellen gibt es für Eltern von Asperger-Kindern?

Oft werden Eltern mit der Diagnose nach Hause geschickt, ohne konkrete nächste Schritte erklärt zu bekommen. Wir Eltern werden da gern alleine gelassen und teilweise auch gehörig im Kreis herumgeschickt. In Wien ist Mag. Muchitsch eine gute Anlaufstelle: https://www.autismus.at/

Eine „Selbsthilfegruppe“ ist immer gut, um sich mit anderen Eltern austauschen zu können – z.B. hier in Salzburg der Verein VIA. Auch der Verein AHA – Angehörige helfen Angehörigen bietet sich als Anlaufstelle an.

Oder schaut um ein Elterntraining – das hat uns immer viel geholfen! Wir haben das zum Beispiel im Rahmen dieses Therapiecamps gemacht: http://www.mf-mft.com/angebot_foerder_therapiecamp.htm (aufgrund von Corona hat da in den letzten Jahren kaum was stattgefunden …)

Wir haben bei der Lebenshilfe eine Geschwister-Gruppe für den Bruder (er hat’s gehasst …) und individuelle psychologische Beratung für uns Eltern in Anspruch genommen. Beides gut und auf freiwillige Spende.

Gerade wir Eltern müssen nämlich auch gut auf uns schauen. Holt euch zumindest gute Lektüre, z.B. das da: Gut leben mit einem autistischen Kind


Gibt es einen Zeitpunkt, an dem „das Gröbste“ überstanden ist?

Die generelle Empfehlung der uns betreuenden Expertinnen war und ist: Das Asperger-Kind so lange wie möglich in der Ausbildung zu halten.

Ich will euch nicht gruseln, aber die Pubertät macht’s leider nicht leichter … Was unserem Kind bis dahin „am Allerwertesten vorbeigegangen ist“, wird ihm dann nämlich bewusst. Damit kommen Asperger nicht immer gut zurecht. Dann kommen ganz neue Herausforderungen daher, wie zum Beispiel das Thema Schulverweigerung oder sogar dieses schwere Thema hier.

Aber ich kann euch auch einen Lichtblick bieten: Mit Ende der Schulpflicht, wenn der Schulbesuch also tatsächlich die eigene Entscheidung des Kindes ist, wurde bei uns alles besser! Ich habe mich zu diesem Zeitpunkt auch sehr stark aus Diskussionen und häuslichem Lerndruck zurückgezogen. Ich gab ihm die Selbstverantwortung selbst in die Hand. Und das war der Game Changer!


Wir sind Betroffene.
Vielleicht können andere Betroffene von unseren Erfahrungen profitieren:

Ein paar Hilfsmittel und Lösungsstrategien, die wir uns mit der Zeit zusammengesucht und ausprobiert haben:


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Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter. Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Hallo,
    1. Empfehlenswert sind die Bücher und Vorträge von Christine Preißmann.
    2. Ja, Asperger-Autismus ist keine Krankheit, nur ein Anderssein.
    3. Jeder Mensch ist anders, jedes Kind ist anders, jeder Autist ist anders.Daher gibt es kein Patentrezept für alle.
    4. Oft werden Autisten von ihren Mitschülern gemobbt oder ausgegrenzt, weil sie sich teilweise sonderbar oder ablehnend verhalten. Das hinterläßt tiefe Wunden, die viele Jahre später noch nachwirken.
    5. Ich würde nie einem Menschen ins Gesicht sagen, dass er behindert ist.
    Manche empfinden den Behindertenausweis als Belastung, aber sie brauchen ihn, um ihre Rechte geltend zu machen.

    Danke, dass ihr eure Erfahrungen mit uns teilt.

    Viele Grüße

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