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“Schwierige” Kinder begleiten: Tipps für Eltern und Pädagogen + Buchempfehlung

“Schwierige” Kinder begleiten: Tipps für Eltern und Pädagogen + Buchempfehlung

Wie geht man mit Kindern und jungen Menschen um, die freundlich, aber bestimmt selbst entscheiden, an welche Regeln sie sich halten wollen und an welche nicht; die gegenwärtig trotz ihrer Intelligenz als lernbehindert eingestuft und benachteiligt werden?
Rumms!
Dieser Klappentext hat eingeschlagen – und schon war das Buch gekauft. Im Buch kommen Pädagogen, Hochschullehrer und Unternehmensberater zu Wort – und sie alle beschreiben unser Kind, jede Menge Tipps und Anregungen inklusive. Eine ganz persönliche Zusammenfassung:

Im Buch schreiben Erzieher/-innen, Padagog/-innen aus der Praxis und aus der Forschung, Psycholog/-innen, Elternberater/-innen, Unternehmensberater/-innen sowie Personen aus Heilberufen. Sie alle sind sich einig, dass sich die Kinder und Jugendlichen in den letzten 20, 30 Jahren verändert haben: Sonderlinge und Lernbehinderte, Kinder mit ADS und ADHS bzw. einer oppositionellen Verhaltensstörung oder auch vielfach auch als kreativ begabt oder abwertend als verhaltenskreativ bezeichnete Kinder nehmen zu. Vielleicht kann man nicht mit allen Beiträgen was anfangen, aber an vielen ist eindeutig was dran:

“Schwieriges Kind”: Was hilft?

Folgende Punkte haben mich besonders angesprochen:

  1. Respekt

    ist wichtig in der Kommunikation – nicht von oben herab zu ihnen sprechen (belehren), sondern mit ihnen sprechen (sich austauschen); wie mit einem jüngeren Kollegen oder Kameraden. Fragt ruhig auch mal eure eigenen Kinder um Rat – z.B. was du heute anziehen sollst.
    Siehe auch: Richtiges Zuhören: Do’s und Dont’s in der Erziehung

  2. Diese Kinder streben nach Beziehung

    … und nicht nach Rollen. Wichtig – für Lehrpersonen, Eltern und andere Erwachsene, die mit dem Kind zu tun haben – ist die gegenseitige Achtung, der gegenseitige Respekt. Kommunikationsbrücken für eine derartige Beziehung könnten ganz einfache Sätze sein: “Wie geht es dir heute, Franz?” oder “Hast du einen guten Tag, Sabine?”

  3. Kinder können lernen, sich selbst ins Gleichgewicht zu bringen.

    Viele derartige Kinder sind hoch sensibel und von der Zusammenwirkung von Neonlicht, Lärm, Autoritäts- und Abgrenzungsproblemen überfordert. Helfen können “sensorische Anker“: Trampolin hüpfen, Kissenburg oder eine Kiste (oder etwas Höhlenartiges) zum Verstecken hilft beim Abgrenzen und “Abkühlen”. Auch gut: Gehalten werden, boxen, schaukeln, Rückenmassage mit einem Massageball … Manchen Kindern (kinästhetische Lernern) hilft kritzeln oder kneten oder mit etwas in den Fingern hantieren während sie zuhören (siehe Fidget Spinner);

  4. Raum für Entscheidungen

    Möglichst viel Raum für eigene Entscheidungen lassen, sonst sind Wut und Frustration vorprogrammiert.
    Siehe auch: Machtkämpfe vermeiden: Kindern eine Wahl lassen

  5. Kein Freibrief!

    Trotzdem ist Nein ein wichtiges Wort! Wenn man den eigenen Neins treu bleibt, lernen Kinder, die Grenzen der Erwachsenen zu respektieren.

  6. Selbst entspannt bleiben

    Das Kind fängt Stimmungen aus dem Umfeld auf! Gleichzeitig ehrlich sein und unbedingt authentisch bleiben, wenn Wut in einem selbst aufkommt – man kann dem Kind ohnehin kaum was vormachen.

  7. Über Gefühle sprechen

    “Hoch-Tief-Spiel” beim Abendessen – jeder erzählt, das Beste und das Schlimmste, was ihm/ihr heute widerfahren ist.

  8. Regelmäßig Familienkonferenzen abhalten

    Siehe auch: 11 gute Gründe für eine Familienkonferenz mit kleinen Kindern + Kurzanleitung

  9. Keine Unterstellungen

    Dem Kind keine negative Beweggründe für sein Verhalten unterstellen.

  10. Das Kind nicht für Fehler kritisieren.

    Kinder machen unausweichlich Fehler, Fehler sind ein natürlicher Bestandteil des Lernens.

  11. Auch Ernährung und Umweltgifte spielen eine große Rolle

    Farbstoffe, Konservierungsmittel, Geschmacksverstärker, haufenweise Zucker und Weißmehl, dazu synthetische Kosmetika sind eine “perfekte Mischung für eine Darm-Dysbiose”. Die Konsequenzen reichen von Allergien und Ekzemen über Lernstörungen (!) bis hin zu Schwierigkeiten bei der Verarbeitung von Emotionen und Verhaltensproblemen. Und erst wenn diese wichtige Basis passt, ist ein Kind empfänglich für Pädagogik.

  12. Oft spiegelt ein Kind das Verhalten der Eltern

    Ein Lösungsansatz sollte also bei diesen stattfinden, anstatt zu sehr am Kind “herumzudoktern”.
    Siehe auch: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Spieglein, Spieglein um mich herum!

  13. Das Wunschbild leben

    Statt ständig die eigene Opfergeschichte wiederzukäuen und immer wieder auf dem Problem herumzureiten, macht es Sinn, sich zu überlegen, wie es sein sollte. Und auf dieses Ziel sollte man sich dann konzentrieren (so herausfordernd das auch sein kann, wenn die Realität wieder mal zuschlägt!)

  14. Last but not least: Dankbarkeit

    Dankbarkeit für Erfolge empfinden und ausdrücken – auch wenn es noch so kleine Schritte sind.
    Siehe auch: Dankbarkeit

Ganz besonders hervorheben möchte ich folgendes Zitat:

Versuchen Sie nicht wie eine kaputte Schallplatte zu klingen, die den Kindern ständig das Gleiche sagt. Schreien bewirkt immer weniger, je häufiger man es anwendet. Nach einer Weile hören es die Kinder gar nicht mehr. Wenn Sie etwas zu ihrem Kind sagen, legen Sie ihm die Hand auf die Schulter, schauen Sie ihm in die Augen und bitten Sie es, zu wiederholen, was sie gerade gesagt haben. Und belassen Sie es dann dabei.

Fazit:

Diese und jede Menge anderer Tipps findet ihr in diesem Buch – eines der besten und handfestesten, das ich rund um das Thema “Problemkinder” gelesen habe: Indigos werden erwachsen: Experten berichten vom Umgang mit Indigo-Jugendlichen.
Doch Halt! Jetzt lasst erst mal den ersten Reflex beiseite, dass es sich hier um esoterisches Gewäsch handelt! “Indigo” ist vielleicht ein etwas unglücklicher Begriff, weil es das Buch in eine Ecke stellt. Doch auch die Soziologie hat einen Begriff für diese Menschen: Generation Y – mit erstaunlichen Parallelen in der Beschreibung.
Absolute Leseempfehlung, falls ihr mit einem derartig herausfordernden Kind konfrontiert seid!

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(Diesmal eine lange, lange Liste, weil ich zu Teilaspekten aus diesem Beitrag schon jede Menge Artikel geschrieben habe)

Schwierige Kinder begleiten und erziehen: 14 Tipps für Eltern und Pädagogen, Lehrer + Buchempfehlung

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Muttis Nähkästchen

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter. Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

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