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Latein: Vokabel nachhaltig lernen, Lernstrategien und Hilfsmittel

Latein: Vokabel nachhaltig lernen, Lernstrategien und Hilfsmittel

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass man etwa die Hälfte aller neuen Wörter, die man gelernt hat, bereits innerhalb von 24 Stunden wieder vergisst, wenn man sie nicht wiederholt. Das ist die so genannte „Ebbinghaussche Vergessenskurve“. Umgekehrt steigt mit jedem Aufsagen innerhalb dieser 24 Stunden die Anzahl der Wörter, die man sich merken kann. …nur, wie bring ich das meinem lernfaulen Kind bei?
Meine sehr persönliche Latein-Historie, Tipps zum Vokabel-Lernen und zu verschiedenen Hilfsmittelchen hab ich hier für euch (und für mich) zusammengefasst:

Wie ich mit Latein kräftig baden ging

Meine sehr persönliche Latein-Geschichte geht so: Ich stand in der 4. Klasse Gym (8. Schulstufe) kurz vor dem Wechsel in eine Höhere berufsbildende Schule. Dafür musste ich eine Aufnahmeprüfung absolvieren. Und die fand just an dem Tag statt, an dem auch eine Latein-Schularbeit angesetzt war. Eine Schularbeit pro Semester durfte man versäumen, denn damals gab’s noch drei Schularbeiten pro Semester. Also lachte ich meine Schulkolleginnen und -kollegen schadenfroh aus und betonte hämisch, dass ich nicht lernen müsse. Tja, die Sache hatte einen Haken … Durch mein Nicht-Lernen hab ich leider eine enorme Wissenslücke produziert, die ich nicht mehr aufholen konnte. Die nächste Latein-Schularbeit hab ich daher grandios verpatzt.

Der Schock saß tief … Was ein Glück, dass meine Aufnahmeprüfung erfolgreich war und ich damit Latein den Rücken kehren konnte. (So ganz vorbei war’s dann auch wieder nicht, denn blöderweise musste ich Latein für das Studium mühsam nachholen … Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Krux mit dem Vergessen

Schülerinnen und Schüler haben in der Regel ein sehr gutes Kurzzeitgedächtnis und sind gewohnt, sich Inhalte kurzzeitig einzuprägen, das sie dann aber meist ebenso schnell wieder vergessen. Latein ist jedoch stark aufbauend. Lateinvokabeln sollten über Jahre hinweg im Gedächtnis bleiben. Daher ist eine Anpassung des gewohnten Lernverhaltens nötig. Mit diesen Tipps gelingt das besser:

Latein-Vokabel clever pauken: Tipps für nachhaltiges Lernen, Lernstrategien und Hilfsmittel

Latein Lernen:
Vokabel-Lerntipps und Lernstrategien für Latein

  • Richtige Lernvoraussetzungen:

    keine Ablenkung durch Handys o.ä.

  • Richtiger Zeitpunkt:

    Eine Tageszeit wählen, in der man noch konzentriert und aufnahmefähig ist.

  • Wenig, aber regelmäßig:

    In kleinen Portionen lernen: Lieber 3 x 10 Minuten satt 1 x 30 Minuten.

  • In beide Richtungen lernen:

    Latein > Deutsch UND Deutsch > Latein

  • Alle Sinne nutzen:

    optisch, akustisch und motorisch, d. h. die Vokabeln laut und leise lesen, aufschreiben, passenden Bewegungen machen, Aussprache anpassen, singen

  • Nachhaltig lernen:

    Vokabel in festgelegten, größer werdenden Abständen systematisch wiederholen, damit sie im Langzeitgedächtnis dauerhaft gespeichert werden. Sonst droht die Ebbinghaussche Vergessenskurve. Nachhaltiges Lernen geht so: Einzelne Wortschatzportionen am ersten Tag mehrmals wiederholen (etwa fünfmal), dann am zweiten Tag nochmal lernen, dann zwei Tage Pause, und dann am 5. Tag nochmals lernen. Dann 10 bis 14 Tage Pause und dann nochmal wiederholen.

  • Karteikarten oder Apps nutzen:

    Diese Lernintervalle lassen sich mit Karteikarten und Terminkarten abbilden. Beispiel: Neuer Wortschatz am 1.10., erste Wiederholung am 2.10., zweite Wiederholung am 5.10., dritte Wiederholung am 15.10. Mit Hilfe einer “Terminkarte” wird an diese Wiederholung erinnert. Die Terminkarte bleibt bei der Wortschatzportion (z. B. durch ein Gummiband). Die jeweils nicht absolut sicher beherrschten Vokabeln müssen aber aussortiert werden und den Wiederholungszyklus noch einmal ganz von vorne durchlaufen, indem sie zu den neu zu lernenden Wörtern dazugelegt werden.
    Tipp: Es gibt auch fix-fertige Vokabel-Lernboxen zu verschiedenen Schulbüchern.
    Zu kompliziert? Viele Apps nutzen dieses Intervall-Lernen. Siehe weiter unten.

  • Leerlauf nutzen:

    Wartezeiten und die Zeit im Zug oder im Auto für Wiederholungen nutzen – vorausgesetzt, man hat das Lernmaterial dabei. (Siehe dazu App-Tipp weiter unten).

  • Vokabellücken konsequent schließen:

    Worte, die Schwierigkeiten bereiten konsequent erfassen und immer wieder wiederholen. Dabei können folgende “Hilfsmittel” helfen:

  • Hilfe bei Vokabeln, die man sich schlecht einprägen kann:

    • Eselsbrücken, Wortbilder und Merksprüche:
      Beispiele aus unseren Eselsbrücken und Merksprüchen:
      tum (dann, damals): Altertum = das war damals;
      semper (immer): In der Semper-Oper werden immer Opern gespielt.
      quid (was): Was steht auf der Quittung?
      quis (wer): Wer wird Quizmaster?
      Zu Wortbildern gibt es ein prima Buch: Kaputt ist der Kopf: Mit Wortbildern hundert und mehr Lateinvokabeln pro Stunde lernen
    • Merkzettel:
      Vokabel auf Post-its schreiben und im Raum verteilen.
      Das geht übrigens auch mental: Bei uns liegt z.B. das Wort “itaque” (daher) virtuell am Schreibtisch des Kindes. Der Merksatz dazu lautet: “Das Kind ist Schüler, daher hat er einen Schreibtisch.”
    • Merkhilfen nutzen:
      Verwandte Fremdwörter (ambulo – Ambulanz) oder
      Wörter aus anderen Sprachen (certe – certainly) sowie
      Querverbindungen (ubi – ibi; etiam – iam) werden in vielen Lehrbüchern mit angegeben. Sie helfen, um sich Vokabel besser merken zu können.

Latein lernen: Tipps für Eltern

Speziell, wenn das Kind zur Gattung “Faultier” gehört, sind die Eltern gefordert – sonst wird Latein schnell zum Stolperstein. Aus gegebenem Anlass hab ich mir einige Strategien zugelegt. Vielleicht ist da ja auch was für euch dabei:



  • Holt euch die digitale Version des Buches auf euren Rechner. Viele Verlage bieten das kostenlos an. So ist ein Vergessen des Lehrbuchs keine Ausrede.
  • Vokabellisten an verschieden Orten deponieren: Ich hab online eine fix-fertige Vokabelliste zum gesamten Buch gefunden (Medias in Res! 3-4 hier [.doc als Download]). Einen Ausdruck hab ich daheim und im Auto deponiert. So ist die Liste immer zur Hand, kurze Autofahrten können zum Wiederholen genutzt werden.
  • Auch passives Lernen hilft. Wenn das Kind/der Jugendliche partout nicht antworten will, dann lese ich die Vokabel einfach laut vor und tue so, als würde ich sie laut lernen. Da bleibt auch was hängen. (Hoff ich zumindest …)
  • Apps und Online-Angebote nutzen! (Siehe unten.)

Latein Apps: Apps für das Vokabel lernen

Als mein Kind mit Latein begann, hab ich mir einige Vokabel-Lernapps genauer angeschaut. Mein Fazit:

Phase6

Professionelle App mit kapitelgenauen Vokabellisten zu gängigen Schulbüchern.

  • Vorteile: Maßgeschneiderte Vokabellisten passend zum jeweiligen Buch, kapitelgenau. Abfragen in beide Richtungen möglich.  Die Abfrageintervalle orientieren sich am optimalen Lernen (siehe oben). Die Lerninhalte kommen meist von den Verlagen direkt und sind damit korrekt. Es gibt eine Familien- + Erinnerungsfunktion.
  • Nachteile: Nicht alle Schulbuchverlage verfügbar – unser Englisch-Schulbuch ist z.B. nicht im Programm; das Lateinbuch schon. Der Preis summiert sich. Es gibt eine “Grundgebühr” für die App + eine Gebühr für jedes Buch, dessen Vokabel man lernen will. (Freilich kann man die Vokabel auch selbst eintippen – aber wer tut sich das schon an?) Das Lateinbuch kostet 9,99 Euro. Das wird unter’m Strich ganz schön viel. Und der Preis muss für jedes Kind extra entrichtet werden.

Quizlet

App zur kostenlosen Plattform quizlet.com

  • Vorteile: Kostenlose App mit kostenlosem Inhalt. Gut umgesetzt mit ansprechenden Gamification-Ansätzen zur Motivation. Man findet sehr, sehr viele Vokabellisten, die von der Community bereits eingegeben wurden. Virtuelle Karteikarten, bebildert. Erinnerungsfunktion.
  • Nachteile: Da die Inhalte manuell von irgendwelchen Personen eingetippt wurden, sind teilweise haarsträubende Rechtschreibfehler drinnen. Oder die Vokabellisten sind veraltet. Die kostenlose App zeigt Werbung; werbefreie App kostet einen kleinen Obulus.

Veritas-Vokabeltrainer

App des Verlages zum Buch Medias in Res.

  • Vorteile: 100%-ig passender Inhalt zum Buch direkt vom Verlag; gut schaffbare Tagestrainingseinheiten. Durch Selbsteinschätzung wird der optimale Zeitpunkt bestimmt, wann ein Vokabel wiederholt wird. Kostenlose App.
  • Nachteile: Der kaufbare Wortschatz kostet 4,99 Euro. Leider nur für das 4-jährige Latein verfügbar (Medias in Res! 5-6) – und dort fehlen zudem die letzten 10 Lektionen.

Fazit: Non scholae, sed filias filiosque discimus

Bleibt nur eines zu sagen: Non scholae, sed vitae discimus! Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir!
Wobei der gute Seneca da wohl verkehrt zitiert wird. Er kritisierte nämlich damals schon, dass sehr viel Unnötiges gelehrt wird. Er meinte also vielmehr: Non vitae, sed scholae discimus! Nicht für das Leben, sonder für die Schule lernen wir … (Steht sogar im Latein-Buch: Lektion 1: De Schola!)

Tja, ich kann dem noch eins draufsetzen: Non scholae, sed filias filiosque discimus. Nicht für die Schule, sondern für die Töchter und Söhne lernen wir. (Ich hoffe, das hab ich richtig hinbekommen …) Denn jetzt weiß ich ganz klar, dass wir damit sehrwohl für das Leben lernen – damit wir weiterhelfen, sobald die eigenen Kinder den gleichen Lernstoff lernen müssen. So schließt sich der Kreis … Und es wird klar, warum Bildung erblich ist. Weitere Interpretationen stelle ich gerne zur Diskussion!




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Buchempfehlungen:

Allgemeine Lernhilfen:

Begleitmaterial zu Medias in Res:

Comic für Latein-Einsteiger:

Quellen: focus.de, gym-icking.de, eduhi.at

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Muttis Nähkästchen

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter (aka. Rabenmutter). Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

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