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Elternfolter Gymnasium: Unbequeme Wahrheiten über weiterführende Schulen

Elternfolter Gymnasium: Unbequeme Wahrheiten über weiterführende Schulen

In der vierten Klasse steht mit dem Halbjahreszeugnis eine wichtige Entscheidung an: der Übertritt in die weiterführende Schule.
Was kommt da auf Eltern und Schüler*innen zu?
Und muss es immer um jeden Preis das Gymnasium sein?
Und wie können wir Eltern unsere Kinder beim Übertritt in die weiterführende Schule unterstützen?

In der vierten Klasse stellt sich die Frage aller Fragen: Neue Mittelschule oder Gymnasium? Hauptschule, Realschule oder Gymnasium? Und viele Eltern würden das ohne große Umschweife sofort mit Gymnasium beantworten. Schließlich soll der Nachwuchs die bestmögliche Bildung genießen, alle Wege sollen offenstehen.

Aber im Wörtchen „genießen“ steckt bereits die Krux! Denn ein Genuss wird das auf keinen Fall!


Weiterführende Schule: Was kommt auf uns zu?

Ich spreche (leider) aus Erfahrung: Die Volksschule/Grundschule war noch „Kuschelprogramm“ im Vergleich zum Gymnasium. Die Schonfrist ist mit Start der weiterführenden Schule beendet. Der wahre Ernst des Lebens beginnt mit der weiterführenden Schule.

Unbequeme Wahrheiten über die weiterführende Schule

Von allem gibt es mehr:

  • mehr Fächer
  • mehr Lehrerinnen und Lehrer
  • schwerere Schulranzen
  • neuerdings Nachmittagsunterricht
  • mehr Hausaufgaben
  • mehr Anspruch und
  • VIEL mehr Leistungsdruck

Oft kommt auch ein deutlich längerer Schulweg hinzu. Damit verbunden: deutlich frühere Tagwache, selbstverständlich für die ganze Familie.

Und obwohl meine Kids immer helle Köpfchen waren und sind: Wir mussten uns mit einem völlig neuen Notenspektrum anfreunden. Heißt: Die Noten werden schlechter! Wir mussten erkennen, dass eine Vier ausreichend bzw. genügend – und damit immer noch eine positive Note ist. Aber auch die Fünf kam schon bald einmal ins Haus.

Auch so manche Träne und Verzweiflungsgeschrei gesellen sich immer wieder dazu. Und wenn sich dann auch noch pubertätsbedingte Faulheitssymptome breit machen, dann ist endgültig Schluss mit Lustig.

Der Grundtenor heißt PAUKEN!
Und das geht so:

  1. Reinhämmern von allerlei Details und Fachausdrücken ins Kurzzeitgedächtnis,
  2. hoffentlich bestmöglich beim Test wieder abrufen
    und dann
  3. getrost alles wieder vergessen. Weil kein Hahn mehr danach kräht!

Sorry für diese harten Worte. Freilich gibt es auch diese Ausnahmesprösslinge, die von selbst gerne und gut lernen. Aber sie sind und bleiben leider die Ausnahme. Zumindest in meiner Familie. Für den Rest bedeutet die weiterführende Schule Stress. Und zwar für Schüler*innen UND Eltern. Denn letztere lernen entweder mit dem Kind oder sind ständig hinter dem Kind hinterher, damit es lernt.

Gerade die Corona-Krise hat außerdem gezeigt: Der Lehrplan ist teilweise vollgestopft mit hochtrabenden intellektuellen Inhalten. Meine Erkenntnis war und ist: JETZT erst weiß ich, WARUM ich das alles damals lernen musste! Damit ich meinen eigenen Kindern weiterhelfen kann. Denn anderweitig war viel vom eingepaukten Wissen bisher gänzlich ohne Anwendung … JUST SAYING …


Buchtipp: Elternfolter Gymnasium

Für alle, die Eltern eines Kindes am Gymnasium sind (oder es noch werden wollen), empfehle ich dieses Buch: Früher hatte ich ein Leben, jetzt habe ich schulpflichtige Kinder. Elternfolter Gymnasium – eine Mutter packt aus. Denn: Der Wahnsinn trägt einen Namen – Gymnasium.

Und es ist tröstlich zu lesen, dass es uns allen sehr ähnlich geht. Auf unterhaltsame Weise erzählt die Autorin von großen und kleinen Katastrophen im Schulzirkus und von Erziehungsberechtigten, die bei der Karriereplanung ihres Nachwuchses keinen Spaß verstehen. Ein Buch mit Galgenhumor – denn nur mit Humor lässt sich der Wahnsinn Schulalltag meistern!


Matura/Abitur um jeden Preis?

Das Abitur bzw. die Matura gelten in vielen Familien als Mindestanspruch. Hauptschule ist in vielen Bereichen ein Stigma! Ein enormer Druck für alle! Für die Schülerinnen und Schüler und auch für uns Eltern. Denn wir sind es, die dann zu Elternsprechtagen oder in die Sprechstunden der Lehrer*innen gebeten werden.

Das Arbeitstempo und die Leistungsanforderungen werden von vielen unterschätzt. Auch wir selbst sind ein Akademikerhaushalt und pfeifen in Sachen Schule und Lernen oft aus dem letzten Loch. Ich möchte sogar so weit gehen und behaupten, dass die eigene Schulzeit ein Klacks im Vergleich zur Schulzeit in der Rolle der Mutter oder des Vaters ist.

Fazit: Druck rausnehmen!

Nein, nicht jeder muss im Gymnasium bestehen! Ein Schritt zurück tut manchmal wahre Wunder. Und: Das österreichische – und ja, auch das deutsche! – Bildungssystem sind durchlässiger als vielfach gedacht! Es ist keine Richtungsentscheidung für das gesamte Leben, wenn ein Kind mit 10 Jahren nicht auf’s Gymnasium geht. Ganze 45 Prozent der Studierenden kommen über einen alternativen Bildungsweg zum Hochschulabschluss!

Siehe dazu auch:

Wie Eltern beim Wechsel in die weiterführende Schule unterstützen können:

  • Den Wunsch der Kinder respektieren und das Kindeswohl beachten:
    Wir Eltern sollten nicht die Karriereplanung der Kinder übernehmen. Jeder, der schon mal händeringend einen Installateur/Klempner gesucht hat, weiß wie wichtig gute Handwerker sind. Und so mancher Facharbeiter verdient mehr Geld als ein unterbezahlter/überqualifizierter Akademiker.
  • Freundschaften erhalten:
     Freundschaften aus der Grundschule/Volksschule sollten nach Möglichkeit weiterhin gepflegt werden. Und zwar auch dann, wenn einer auf’s Gymnasium geht und ein anderer in eine andere Schule. Freunde sind wichtig für das seelische Wohlbefinden! Und der Wechsel in eine neue Schule bringt meist soziale Herausforderungen und Schwierigkeiten mit sich. Das Einleben in der neuen Schule und das Finden neuer Freunde sind nicht leicht! Da ist ein guter Freund Goldes wert!
  • Neue Freundschaften fördern:
    Damit das Kind gut in der neuen Schule „ankommt“ sind neue Freundschaften wichtig. Sollte ein Kind nicht ins Klassegefüge finden, hilft ein Gespräch mit dem Klassenvorstand. Denn Lehrer*innen haben gute Einblicke in das soziale Miteinander und können es auch gezielt fördern.
  • Fünfe gerade sein lassen:
    Es müssen nicht immer Spitzenzensuren sein! Darum sollten wir unsere Mithilfe auf ein Minimum reduzieren. Anerkennung und Zuspruch helfen mehr als zusätzlicher Druck!
  • Vertrauen haben:
    Habt Vertrauen in die Urteilsfähigkeit des Kindes. Wenn es meint, dass alles gelernt ist, dann vertraut darauf. Auch wenn das Kind dabei auch einmal auf die Nase fällt. Auch daraus lernt es!
  • Scheiter heiter!
    Auch Scheitern will gelernt sein! Eine schlechte Note ist eine schlechte Note, aber kein Weltuntergang! Der Direktor unseres Gymnasiums hat dezidiert gefordert: Feiert das erste Nicht genügend! Wir haben ihn beim Wort genommen und das selbstverständlich auch getan! Siehe auch: Schulnoten: Eine Vier ist eine positive Note!
  • Und zur Not: Die Notbremse ziehen!
    Und wenn das Kind partout nicht in der neuen Schule zurechtkommt und an der Leistungsanforderung scheitert, dann solltet ihr euch gemeinsam mit dem Kind wertfrei Gedanken um Alternativen machen. Denn es ist noch niemandem eine Zacke aus der Krone gebrochen, wenn er vom Gymnasium in eine andere Schule wechselt. Aber Vorsicht bei der Wortwahl! Der pubertäre Querkopf versteht manches auch mal falsch und dann lautet die Conclusio: „Du glaubst sowieso, dass ich es nicht schaffe!“

Wie sind eure Erfahrungen mit der weiterführenden Schule – egal ob Gymnasium oder nicht.
Ich bin gespannt auf eure Kommentare!


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