Erziehung ist zum Leistungssport geworden, meint Jesper Juul. Kinder würden überall in Europa übererzogen – in der Folge fühlen sich die Eltern überfordert. Und auch die Kinder leiden unter zu viel Pädagogik. Ein paar wahre Zitate vom Familientherapeuten und Autor Juul:
- Das dritte Kind hat es leichter, weil die Eltern nicht mehr so viel Zeit haben und es mehr nach seinem eigenen Tempo wachsen konnte.
- Eltern sollen wie Leuchttürme sein: Wenige, aber ganz klare Signale geben – also: Autorität ja, aber nicht ständig Regeln, Regeln, Regeln.
- Statt „Ich muss es als Mutter/Vater gut machen“ besser: „Ich und wir, ich und mein Kind, wir gemeinsam wollen es gut machen.
- Erstmalig in der Weltgeschichte gibt es keinen allgemein anerkannten Erziehungsstil – die Eltern müssen ihren inneren Vater/ihre innere Mutter selbst finden. Das ist schwierig, weil wir dazu nicht erzogen wurden – wir wurden zur Konformität erzogen, aber das funktioniert nicht mehr.
- Das Selbstwertgefühl der Kinder zu stärken ist essentiell. Aber Eltern können ihren Kindern kein Selbstwertgefühl geben – das entwickelt sich von selbst. Die Eltern müssen nur dafür sorgen, dass wir nicht im Wege stehen! Das heißt vor allem: Die Kinder nicht täglich kränken.
- Kinder gehen nicht immer den Weg, den die Eltern wollen – das ist so. Die Eltern müssen trotzdem immer klar sein: „Hier bin ich, so meine ich es.“
- „Ich will“ ist eines der wichtigsten Phrasen für Eltern – anstatt zu signalisieren, dass ihr ganzes Leben daraus bestehe, die Wünsche der Kinder zu erfüllen. Dann können die Kinder antworten: Ich will aber nicht. Freilich können dann die Eltern sagen, dass es trotzdem gemacht wird – oder eben einen gangbaren Kompromiss finden.
(Quelle: SN vom 5. Juli 2011; Zitate und Aussagen sinngemäß zusammengefasst)
Mir persönlich hat Juuls Vergleich mit dem Leuchtturm besonders gut gefallen – daher habe ich es auch als Artikelbild gewählt. Aber auch den anderen Aussagen kann ich viel abgewinnen.
Foto: Lighthouse on Amrun, Chris Sho
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