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Die Stadt riecht anders in der Nacht. Eine Liebeserklärung

Die Stadt riecht anders in der Nacht. Eine Liebeserklärung

Als Mutter kommt man nicht mehr so leicht raus.
Aber wenn Mutter dann mal Ausgang hat, dann ist das die Chance, ihre Umgebung neu zu atmen.
Eine Liebeserklärung.
An die Auszeit ohne Kind.
An die Stadt.
An den Ehemann.
An das Leben.

Manchmal möchte ich rennen …

Davonrennen.
Dann wird mir alles zu viel.
Kinder, Elternsprechtage, Hiobsbotschaften, Schule hier, Schule da, Stress im Job, noch mehr Stress im Job.
Mutti will flüchten.
Aber Mutti bleibt.
Die Vernunft, die Vernunft, sie behält die Oberhand.

… Mutti braucht Auszeit.
Denn ich habe keine Kraft mehr.

Auszeit ohne Kind – das geht auch daheim

Warum immer in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?
Essen gehen, ins Museum gehen, nicht alles verstehen. Der Film, die Fliege, Yoko Ono & Co. Durch die Stadt spazieren, nochmal Essen gehen, dann ins Kino, einen wunderbar schrägen Film anschauen. Koreanisch OmU. Anstrengend, aber gut. Nochmal durch die Stadt flanieren. Leute beobachten, riechen, entdecken.
Einatmen, ausatmen.
Es ist wahr: die Stadt riecht anders in der Nacht.

Schon lange hab ich das nicht mehr gerochen.
Ich komm ja kaum raus.

Und heute als Draufgabe dann noch ein Tag im Day Spa.
Geschwitzt, gepeelt, gedöst, gelesen. Und eine traumhafte Massage.
Herrlich!
Jetzt hab ich wieder Kraft.

Ach, du schöne Stadt!

Ich hasse dich, ich liebe dich.
Als ich 19 war, zog ich in diese Stadt. Ich bin gekommen, um zu gehen. Denn diese Stadt ist eng und klein, verbohrt und verkrustet. Und ich lernte dich neu lieben – aus der Ferne. Denn in der Ferne ist nichts so selbstverständlich. Ich war Ausländerin für ein Jahr, musste mich erklären. Die andere Stadt im anderen Land tickte überraschend anders – das war aufregend. Anfangs zumindest. Irgendwann, nach etwa einem Dreivierteljahr, ging mir alles auf den Keks. Ich wollte heim – nach Hause. Und plötzlich verstehen wir uns wie nie zuvor. Du tickst im Grunde so wie ich.

Ich hab dich schon lange nicht mehr gerochen.
Ich komm ja kaum raus.

Ich arbeite zwar in dieser Stadt, aber ich seh dich kaum.
Nach der Arbeit rufen Kinder, Küche, Keller … da steht die Waschmaschine ;-)
Draußen im Speckgürtel der Stadt.

Aber gestern war ich da.
Mein lieber Mann und ich. Nur wir zwei.
Vieles ist wie damals, vieles ist ganz anders.
Du veränderst dich.
Ich verändere mich.
Und es stimmt: Nachts riechst du anders, Stadt.
Heimelig und fremd, interessant und eklig, an jeder Ecke anders.
Und ganz anders als am Tag.



Jetzt hab ich wieder Kraft!

Danke, Salzburg! Für deine Gerüche, für deine Buntheit. Für das Schöne, das Widerliche, das Schräge, das Alte, das Neue.
Danke, lieber Ehemann! Das war ein perfektes Geburtstagsgeschenk – verspätet, weil mir die Arbeit kaum Luft zum Atmen ließ. Aber zum goldrichtigen Zeitpunkt.
Danke, liebe Schwiegereltern, dass ihr die Jungs übernommen habt!
Danke, Jungs, dass ihr mitgespielt habt.

Danke für zwei wunderschöne Tage – draußen und doch daheim.
Es ist so wichtig.
Ich brauche das.

Jetzt hab ich wieder Kraft.

:-)

DANKE!



Fotos: Zenofotok/werdepate/PublicDomainPictures via Pixabay – CC0
Denn ich hatte keine Zeit, Fotos zu machen.
Ich war mit RIECHEN beschäftigt.
Und Händchen halten mit meinem Mann.
Bussi!


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Muttis Nähkästchen

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter (aka. Rabenmutter). Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Buah, liebe Birgit, ich hab die nächtliche Stadt grad auch gerochen… Dank dir. Verrückt, wie man, wie ein kleines Kind, mit allen Sinnen wieder beginnt, die Welt zu „ersinnen“. Hand, in Hand, mit dem Liebsten. Und vieles, was früher alltäglich war, kommt plötzlich mit Schlagobers daher.
    Habs fein.
    Herzlich, Sandra von der lieblingsbande

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