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Kinder, Krampus und Perchten – oder besser doch nicht?

Kinder und Krampus – passt das zusammen oder nicht?
Im Kindergarten war in den letzten Tagen zu lesen: “Bitte ersparen Sie Ihren Kindern die Konfrontation mit dem Krampus!” Andererseits ist da das Argument: “Nur die Konfrontation hilft, Angst abzubauen.” Was also tun? Pro und contra Krampus: 

Zunächst kurz zur Begriffserklärung: Der Krampus ist im ostalpenländischen Adventsbrauchtum sowie in Ungarn, Slowenien, Tschechien, Teilen des außeralpinen Norditalien und Teilen Kroatiens eine Schreckgestalt in Begleitung des Heiligen Nikolaus (Quelle: wikipedia). Krampusse haben geschnitzte und bemalte Holzmasken mit Ziegen- und Steinbockhörnern, handgefertigte Kostümen aus Fell und Pelz sowie um die Hüfte hängende großen Schellen.
Alles in allem recht Angst einflößende Gesellen, die man Kindern jedenfalls nicht unkommentiert vorsetzen sollte.

Ansonsten scheiden sich zum Umgang mit dem Krampus die Geister – ich hab mal einige Argumente gesammelt:

Kinder und Krampus: PRO-Argumente:

  • Es gibt quasi kein Entrinnen: Schon seit Wochen sind sie in diversen Schaufenstern dekoriert. Nur die Konfrontation hilft, (unbegründete) Angst abzubauen. Alle Angst erübrigt sich, wenn das Kind begreift, dass sich da nur Menschen verkleiden, und sie am eigenen Leib erfahren, dass die “böse Horde” einem im Grunde nichts tun darf. Analog: Ein Kind fürchtet sich nur so lange vor Hunden (wenn überhaupt), bis es selbst einen Hund hat.
  • Ich finde ein wenig Angst und das Böse gehören immer dazu. Die Frage ist nur wie man damit umgeht.
    (Quelle: kindergarten-workshop.de)
  • Es verschwinden immer mehr Bräuche bei uns und das finde ich sehr schade.
    (Quelle: kindergarten-workshop.de)
  • Ich finde Kinder sollten auch lernen mit Angst umzugehen. Und ein schlechtes Gewissen in Bezug auf eigene Schandtaten ist meines Erachtens auch nicht so schädlich. Diese heile Welt und Heidideipädagogik finde ich grauenhaft.
    (Quelle: kindergarten-workshop.de)
  • als ich kind war war der “schwatte” wie alle den ruprecht nannten auch immer dabei – hatte auch immer schiß vor ihm. aber der nikolaus hat ihn immer in schach gehabt…das gute den bösen – wie bei märchen…es gehört zur gewissensbildung einfach dazu!
    (Quelle: kindergarten-workshop.de)

Kinder und Krampus: CONTRA-Argumente:

  • Kinder verarbeiten die Erlebnissen in Albträumen und werden durch aggressives Spiel auffällig. (Begründung unseres Kindergartens)
  • Krampusse, die beim Nikolaus dabei sind um den Kindern Angst zu machen und den Eltern die Erziehung zu “erleichtern” find ich fürchterlich!
    (Quelle: kindergarten-workshop.de)
  • Gerade jüngere Kinder können Wahrheit und Fiktion nicht unterscheiden und sehen in den herumlaufenden Perchten die reale Personifizierung des Bösen.
    (Quelle: jungschar.at)
  • Drohungen wie “Wenn du nicht brav bist, dann wird der Nikolo eben nicht zu dir kommen” sollten vermieden werden. “Aus diesem Grund bin ich auch gegen diese Angstmacherei mithilfe des Krampus”
    (Quelle: kurier.at)

Krampus oder nicht – was tun?

Ganz klar hat der Krampus bei uns Hausverbot, denn bei uns wohnen nur brave Kinder. Das war schon so, als ich noch ein Kind war -wie könnte es anders sein?
Aber sollen wir mit den Kindern den Krampuslauf besuchen? Ehrlich gesagt: ich weiß es noch nicht. In der Event-Kultur von heute wird mir das alles etwas übertrieben (auch wenn die Eintrittsgelder einem guten Zweck zugute kommen) – da wird die Tradition etwas über-strapaziert.
Eines ist fix – und sollte den Kindern meiner Meinung nach auch ganz klar gesagt werden: Der Krampus gebärdet sich zwar wild, muss jedoch dem Nikolaus gehorchen!

Wie wär’s mit folgendem Krampus-Gedicht:

Krimperle, Krumperle, Krampus, sei ehrlich:
Glaubst du im Ernst, du wärst wild und gefährlich?
Rute und Maske und Zottelkleid,
das fürchtet doch niemand in unserer Zeit.
Krimperle, Krumperle, Krampus, sieh‘ s ein:
Auch dein lautes Gebrüll muss doch sicher nicht sein!
Dein Gesicht hast du hinter der Maske versteckt,
du glaubst doch nicht wirklich, dass uns das erschreckt!
Krimperle, Krumperle, Krampus hör zu:
Schluss mit dem Unsinn und gib endlich Ruh!
(Quelle: kigaportal.com)

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Foto: Matthias Kabel, wikimedia commons

Muttis Nähkästchen

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter. Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Als wir letztes Jahr Weihnachten in einer Ferienwohnung in Tschechien verbrachten, durfte ich den Brauch auch erstmals bei unseren Nachbarn beobachten, und ich muß sagen, diese Verkleidung finde ich dann doch etwas zu horrormäßig für Kinder. Komischerweise hatten die Tchechen damit überhaupt keine Probleme und auch die Kinder scheinen da keine große Angst zu haben. Scheint alles irgendwie Gewohnheitssache zu sein bzw. eine Frage, wie man es vermittelt.

  2. Ich selbst bin Krampus, und Mutter. Ich habe die Erfahrung gemacht, das nur jene kinder regelrecht hysterisch auf den Krampus reagieren, denen von Eltern, Verwandten, Nahestehenen eingetrichtert wird, “wartet nur bis der Krampus kommt, der nimmt euch mit, der schlägt euch” usw. Und ich habe, sowohl innerhalb meiner Pass, wie auch mit anderen Passen (als zuschauer) nur gutes erlebt. Krampuse bücken sich zu den Kindern auf Augenhöhe, schütteln Hände, streicheln über den Kopf, ziehen die Mütze ins Gesicht. Wir sind alles Menschen, und keine Kinderschläger!!!
    Ich selbst habe vielen Freunden meines Kindes die Angst komplett genommen, indem ich sie zu Krampusläufen mitgenommen habe, sie als Engerl dann mitgehen durften, oder aber sie meinen Schädel (Maske) mal aufsetzen durften. Für Kinder ist ausschlaggebend, wie die Eltern damit umgehen. Angst überträgt sich ja auch.
    Also, geht ruhigen Gewissens zu einem organisierten Krampuslauf, ruft einen der Krampusse nah heran und geht locker damit um, freut euch über das Spektakel, und ihr werdet sehen, das alles weit weniger schlimm ist, als gedacht.

    1. Liebe t., danke für deinen Kommentar!

      Heuer hat unser Kindergarten (der gleiche wie letztes Jahr!) interessanterweise NICHT vor dem Besuch des Krampuslaufs gewarnt :-)

      Auch bei den ersten Christkindlmärkten waren – natürlich – Krampusse zugegen. Meine Kinder haben interessiert festgestellt, dass diese nur kreischenden Mädels im jugendlichen Alter sowie kleinen Jungs, die die Krampusse vorsätzlich ärgern, hinterher laufen.

      Und eines unserer Kinder hat beim Besuch des Nikolaus und seinen wilden Gesellen beim Weihnachtsmarkt sein Geschenk sogar vom Krampus bekommen, weil der Nikolaus grad alle Hände voll zu tun hatte.

      Ergo: Den Krampus muss man nicht fürchten – überhaupt nicht!

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