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Rush-hour des Lebens: Zeitbelastung bei Familien

Rush-hour des Lebens: Zeitbelastung bei Familien

Hilfe! Ich bin Durchschnitt!
… zumindest was das Zeitbudget und die durchschnittliche Belastung in der Rush-hour des Lebens betrifft. So sieht sie aus, die Rushhour, in der es für viele Menschen eine exorbitante Arbeitsbeladung gibt. Plus: Was Eltern tun können, um diese Rushhour zu entzerren:

Die “Rushhour des Lebens” bezeichnet Zeitabschnitte in der mittleren Phase des Lebens, in denen mehrere und konkurrierende Aufgaben eine große Herausforderung darstellen. Der Klassiker: die Kombination von Beruf und Familie, aber auch Zeiten, in denen gehäuft zentrale Lebensentscheidungen getroffen werden müssen.

Die Rushhour im Familienzyklus

In der Phase mit kleinen Kindern ist die Belastung von Berufsarbeit und Familienarbeit besonders intensiv. Die gesamte Arbeitsbelastung ergibt sich aus den beruflichen Arbeitsstunden PLUS der Zeit für Hausarbeit und Kinderfürsorge. Denn Fürsorge ist eben nicht Freizeit – obwohl sie von Ökonomen gemeinhin vielfach so bezeichnet wird. Zeitbudgetstudien zeigen, dass diese Gesamtarbeitszeit pro Woche bei Müttern von Kindern unter drei Jahren sehr hoch ist. Paare mit Kindern im Haushalt arbeiten durchschnittlich zehn Stunden mehr als Paare ohne Kinder!

Die Rushhour bei Familien mit kleinen Kindern

Um die Rushhour im Familienzyklus im Kontext des gesamten Lebenslaufs zu zeigen, wurde die Zeitverwendung von erwerbstätigen Frauen und Männern für Erwerbs-, Fürsorge- und Hausarbeit in einem synthetischen Lebenslauf berechnet. Dabei werden Alter und Familienzyklus so kombiniert, dass eine idealtypische Frau (ein Mann) bis 28 Jahre keine Kinder hat, mit 29 Jahren das erste Kind bekommt, mit 32 Jahren das zweite Kind. Und im Alter ab 50 Jahren sind alle Kinder ausgezogen. So. Und an dieser Stelle verrate ich euch ein Geheimnis: Denn DAS ist GENAU mein Lebensverlauf – das Alter stimmt, Alter und Anzahl der Kinder stimmen, sogar das Ausmaß der Berufstätigkeit stimmt! Verdammt! Ich bin der leibhafte Durchschnitt!

Rushhour des Lebens: Synthetischer Lebensverlauf einer Mutter

4 Phasen im Lebensverlauf von Eltern

Dieser synthetische (und in meinem persönlichen Fall sehr authentische) Lebensverlauf besteht aus vier Phasen:

  1. 20-28 Jahre ohne Kinder im Haushalt (nach dem durchschnittlichen Alter der Frau dargestellt)
  2. Familienphase mit einem Kind unter drei Jahren
  3. Familienphase mit zwei Kindern im Haushalt (nach dem Alter des jüngsten Kindes dargestellt) und
  4. über 50 Jahre, ohne minderjährige Kinder im Haushalt.

Die Daten für den Familienzyklus (Phase 2-3) beziehen sich nur auf das Alter der Kinder, das Alter der Mütter und Väter kann hierbei also auch außerhalb der Spanne von 29-49 Jahren liegen.

Die Rushhour des Lebens beginnt mit der Geburt des ersten Kindes und erreicht ihren Höhepunkt in den ersten drei Lebensjahren des zweiten Kindes. Bei Frauen beträgt die Arbeitsbelastung in dieser Phase 65 Stunden und reduziert sich erst dann auf unter 60 Stunden, wenn das jüngste Kind im Grundschulalter ist (55-59 Stunden). Die Kinder können nun lesen, sich besser selbst beschäftigen und sich auch selbständig mit Freunden treffen. Eltern spüren dann geradezu, wie die Rushhour des Lebens nachlässt und sie altbekannte Freiheiten wiedergewinnen. Siehe auch: Entwarnung für frischgebackene Mütter: Die Freiheit kommt wieder!

Ohne Kinder liegt die Gesamtarbeitsbelastung in den untersuchten Altersgruppen deutlich niedriger, meist zwischen 40 und 50 Stunden, ab 62 Jahren darunter. Siehe auch:
Leben ohne Kinder: 28 Dinge, die sich Kinderlose ersparen.

Väter und Mütter in der Rushhour

Väter sind mit der ungleichen Aufteilung von Berufs- und Familienarbeit ähnlich unzufrieden wie Mütter, jedoch spiegelverkehrt: Viele Mütter, die viel Zeit mit Haus- und Fürsorgearbeit verbringen, möchten mehr beruflich arbeiten, zudem wird es gesellschaftlich zunehmend erwartet. Männer, die viel Zeit mit Berufsarbeit verbringen, möchten sich mehr in der Fürsorgearbeit beteiligen, was ebenfalls gesellschaftlich zunehmend erwartet wird.

Trotz der enormen Gesamtbelastung empfinden viele Mütter und Väter Druck oder sogar schlechtes Gewissen, da sie entweder für Beruf oder Familie nicht so viel Zeit verwenden können, wie sie es gerne würden. Paare, die vor der Kinderphase egalitär gelebt haben, tappen häufig in die Traditionalisierungsfalle. Siehe auch: 10 typische Fallen, in die junge Eltern treten. Sie planen nur temporär, während der Stillzeit, eine Aufteilung, bei der der Mann Vollzeit arbeitet. Diese Aufteilung verfestigt sich häufig, da der Mann oft besser verdient.

Freizeit in der Rushhour

Das Freizeitverhalten von Eltern unterscheidet sich völlig von jenem von Menschen ohne Kinder oder mit älteren Kindern. Die Grenzen zwischen Freizeit mit Kindern und „Fürsorgearbeit“ sind fließend. Eltern von Kindern im Alter von 0-9 Jahren nur knapp die Hälfte ihrer sowieso geringeren Freizeit als Erwachsenenfreizeit.

Optionen zur Entzerrung der Rushhour

Entzerrung der Rushhour bei Familien mit kleinen Kindern

Die Politik kann neben finanziellen Mitteln zur Entlastung von Eltern folgendermaßen beitragen: verlässliche Infrastruktur für Kleinkindbetreuung, Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen, Ausbau und Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen. Oft sind berufliche Auszeiten wie Elternzeit, temporäre Teilzeit oder Sabatticals mit Karrierenachteilen verbunden. Lebenszeitarbeitskonten könnten zu einer Entzerrung beitragen.

In der Arbeitswelt können folgende Maßnahmen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern: Gleitzeit, Telearbeit und individuelle flexible Arrangements für Eltern. Qualifizierte, vollzeitnahe Teilzeitarbeit ist eine von vielen Eltern gewünschte Erwerbsform. Hier ist jedoch die Nachfrage weitaus größer als das Angebot und viele Teilzeitstellen sind „Karrierefallen“. (Siehe auch: Teilzeit: Falle oder Chance?) Insgesamt braucht es eine familienfreundliche Unternehmenskultur. Denn solange abendliche Termine und lange Arbeitszeiten die betriebliche Realität prägen und als karriereförderlich gelten, sind Eltern mit Zielkonflikten konfrontiert. Zu kulturellen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt gehört auch die positive Anerkennung von familienbedingten Auszeiten, da Eltern hier wertvolle soziale Kompetenzen entwickeln.

Entzerrung der Arbeitsbelastung: das können Eltern tun

Eltern können selbst zu einer Entzerrung der Arbeitsbelastung in der Phase mit kleinen Kindern beitragen. Viele Väter unterschätzen die Möglichkeiten, ihre Berufstätigkeit zu unterbrechen oder zu reduzieren. Vorhandene Ansprüche an Arbeitgeber bleiben bei Männern oft ungenutzt. Bei der Kinderbetreuung können Nachbarn und Großeltern eingebunden werden. Gerade die räumliche Nähe von Großeltern ist eine enorm wichtige Ressource. Weiteres Potenzial für eine Entlastung könnte durch Delegation von Haushaltsdienstleistungen, gutes Zeitmanagement sowie das Überdenken des elterlichen Perfektionsanspruchs erreicht werden.
Siehe dazu auch: 14 Tipps für Working Moms: Strategien gegen die Vereinbarkeitsfalle

Fazit

Die Rushhour bei Familien mit kleinen Kindern zeigt sich deutlich an der Arbeitsbelastung. Diese enorme Arbeitsintensität, die kaum Zeit für Erholung und erwachsenentypische Freizeit lässt, beginnt mit der Geburt von Kindern und entspannt sich, sobald das jüngste Kind das Schulalter erreicht. Gründe dafür sind u.a.: dass die Ansprüche an (und von) Eltern gestiegen sind – sowohl hinsichtlich der Förderung der Kinder als auch vom Wunsch bzw. der Erwartungshaltung, wieder zu arbeiten. Hinzu kommen häufig mangelhafte Betreuungsinfrastruktur und familienfeindliche Arbeitsbedingungen. Die geschlechtsspezifische Ungleichheit von Erwerbs- und Fürsorgearbeit in der Realität den Wünschen der jungen Eltern häufig widerspricht. Dies kann fatale Folgen in Bezug auf Rentenanwartschaften und Karriereperspektiven bei Frauen haben, aber auch bei Männern die langfristige Bindungsintensität, gerade auch bei Scheidungen, beeinträchtigen.

Siehe dazu auch: Rente/Pension: Wer Kinder hat, ist selbst schuld! bzw. 10 typische Fallen, in die junge Eltern treten

Aber … irgendwie wird es nicht leichter …

Na gut, die Forschung sagt also, dass wir längst aus dem Schneider sind. Schließlich sind beide Kinder bereits im Gymnasium. Nur – es fühlt sich nicht so an. Gerade jetzt im Gymnasium scheint die Belastung für die gesamte Familie enorm zu wachsen. Lehrergespräche, Schularbeiten, Lernen, Tests – alle sitzen in einem Boot, alle fiebern mit. Es ist grausam! Ja, so deutlich will ich das ausdrücken. Denn wehe, wehe, wenn ein Kind kein “Selbstläufer” ist …

Wie empfindet ihr das?

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Quellen: Bevölkerungsforschung Aktuell 1 • 2016 Dossier Familienpolitik der BpB

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Muttis Nähkästchen

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter. Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. So ging es mir auch gerade….Eigendlich müsste es jetzt bergauf gehen…mehr Zeit…..aber irgendwo stimmt dies nicht…. der grosse ist auf dem Gymnasium…. da geht es mir wie dir…. Betreuung, Lernpläne, Lehrer Gespräche, Therapeuten Gespräche, Schulbegleitung ect…..und der kleine jetzt in der ersten Klasse….in den Kindergarten könnte er das letzte Jahr alleine gehen und alleine nach Hause am späten Nachmittag, da hatte der grosse die hausis fertig….. nun muss der jüngste morgens zur Schule begleitet werden mit der Bahn und nachmittags abgeholt…. jeden Termin müssen wir gemeinsam erledigen….manchmal habe ich das Gefühl von einem Termin zum anderen zu hetzen, die meiste Zeit in der Straßenbahn zu verbringen und irgendwie ist das Ende nicht in Sicht….
    zuerst hatte ich ja Hoffnung, als ich die Tabelle sah:) aber vielleicht wird es einfacher wenn das jüngste Kind über 12 ist….ich werde mal weiter hoffen…..

    Ich wünsche euch einen tolllen Start ins neue Jahr Silke

    1. Danke, ebenfalls, du Liebe! Ich schick dir Kraft. Und mir auch gleich mit. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Lg Birgit

  2. Witzig, bis auf die Arbeitszeit bin ich auch ziemlich durchschnittlich. Wir sind auch recht organisiert, was den Alltag angeht ,meistern es jedoch ohne Unterstützung der Familie ,weil sie einfach zu weit weg wohnt. Inzwischen nennen wir die Kinder einfach nur, wenn wir Eltern etwas spannendes machen möchten . Und wir finden ganz klar – große Kinder fetzen…

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