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HPV-Impfung: Experteninterview speziell für Eltern

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HPV-Impfung: Experteninterview speziell für Eltern

Im Grundschulalter werden Eltern mit einem neuen Thema konfrontiert: Die HPV-Impfung wird empfohlen. Viel zu wenige wissen was wirklich dahinter steckt und wogegen diese Impfung schützt. Wer soll sich impfen lassen? Und ist diese HPV-Impfung nicht nur für Mädchen? Fragen über Fragen. Ein Experte hat die wichtigsten Fragen kurz und verständlich für uns beantwortet und kann so viele Unsicherheiten beseitigen.

Voraussichtliche Lesedauer: 9 Minuten



Bis vor kurzem dachte ich selbst, dass die HPV-Impfung nur für Mädchen sei bzw. hatte ich keine Ahnung, was das überhaupt sein soll. Wogegen wirkt diese Impfung eigentlich? Liest man sich etwas in das Thema ein, wird einem schnell bewusst, wie wichtig diese Impfung ist und zwar für Jungs und Mädchen. Trotzdem bleiben bei so einem emotional behafteten Thema wie einer Impfung immer Fragen offen und man hadert. Hier gibts alle Infos aus Expertenhand.


HPV-Impfung


Die HPV-Impfung

In diesem Beitrag werden die Themen HPV und die HPV-Impfung kurz umrissen und er soll jenen Eltern eine Hilfestellung sein, die entweder keine Zeit haben sich genauer damit zu befassen oder einfach noch unsicher sind. Natürlich ist jede Impfung eine höchstpersönliche Entscheidung und alle Eltern müssen selbstständig und frei entscheiden, welche Impfungen sie für ihr Kind möchten oder auch nicht.


Was ist HPV überhaupt?

HPV ist weltweit verbreitet und mindestens 80 % aller Frauen und Männer werden im Laufe ihres Lebens infiziert! Die mehr als 200 HPV Subtypen werden vorwiegend sexuell übertragen – 14 Subtypen weisen onkogenes karzinogenes Potenzial auf und das macht diese Viren so gefährlich. Sie führen zu abnormem Zellwachstum und können Krebsvorstufen, Krebs und Genitalwarzen verursachen.

Ansteckungen mit krebsverursachenden HPV-Typen sind für über 70 % aller bösartigen Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich! Länger bestehende Infektionen führen zu Krebsvorstufen und Krebs des Gebärmutterhalses, der Scheide, Vulva, Penis, Anus, Rachen und Kehlkopf. In Österreich sterben jährlich etwa 130-180 Frauen an Gebärmutterhalskrebs und jede 10. Person leidet im Laufe ihres Lebens an Genitalwarzen, die teilweise operativ entfernt werden müssen.


Was bringt die HPV-Impfung?

Die Impfung senkt das Risiko für Genitalwarzen und Gebärmutterhalskrebs um bis zu 90 % und auch das Risiko für Krebs an Rachen, Kehlkopf, Scheide, Anus und Penis wird deutlich gesenkt!


Wer soll sich impfen lassen?

Die Impfung gegen HPV ist prophylaktisch wirksam und sollte vorrangig vor Eintritt in das sexuell aktive Alter erfolgen. 

Wichtig: Frauen UND MÄNNER erkranken – die Impfung beider Geschlechter ist also unbedingt zu empfehlen um die Infektionskette zu unterbrechen und einen Herdenschutz zu erreichen. Auch nach bereits erfolgter Infektion oder einer durchgemachten Erkrankung wird die Impfung empfohlen, weil dadurch die neuerliche Infektion mit demselben, aber auch eine Infektion mit einem anderen Subtyp verhindert werden kann. Grundsätzlich wird empfohlen die HPV-Impfung bis zum 30. Geburtstag durchzuführen.


Wieviele Impfungen braucht man?

Die HPV-Impfung wird für Mädchen und Buben unter 12 Jahren gratis angeboten! Der Impfstoff ist gut verträglich und wird ab dem vollendeten 9. Lebensjahr bis zum vollendeten 12. Lebensjahr verabreicht. Erfolgt die Impfung vor dem 18. Geburtstag sind 2 Teilimpfungen mit einem Abstand von mindestens 6 Monaten erforderlich. Über 18 Jahren benötigt man 3 Teilimpfungen.


Experteninterview zur HPV-Impfung mit Dr. Elmar Joura

Elmar Joura

Ao.Univ.Prof. Dr. Elmar Joura

Dr. Joura ist Leiter der Cervix- und Vulvapathologie am AKH Wien.

Er beschäftigt sich intensiv mit der HPV-Impfung und wurde für seine Forschungsarbeit schon mehrfach ausgezeichnet. Hier beantwortet er einfach und verständlich die Fragen, die Eltern wirklich interessieren.

Vielen Dank für die Bemühungen und die nette Zusammenarbeit.


Experteninterview


#1 Was ist der HP-Virus? Wie kann man sich damit infizieren?

Humane Papillomaviren sind sehr alte Viren, die uns schon lange begleiten und vor allem sexuell, aber auch durch intensiven Hautkontakt übertragen werden.


#2 Empfehlen Sie die HPV-Impfung uneingeschränkt allen Personen oder gibt es Vorerkrankungen oä. durch die die Impfung nicht möglich ist?

Da nahezu alle Menschen mit HPV in Kontakt kommen, empfehlen wir allen ab 9 Jahren die Impfung. Erkrankungen gehen meist mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher, daher ist diesen Menschen die Impfung besonders zu empfehlen- es gibt hier keine Ausnahmen.


#3 Wogegen schützt die HPV-Impfung? Als Laie denkt man dabei „nur“ an Gebärmutterhalskrebs – warum ist die Impfung dann auch für Buben bzw. junge Männer empfohlen?

Die HPV Impfung schützt potentiell vor sechs Krebsarten. Neben dem Gebärmutterhalskrebs auch vor dem Vulva- und Scheidenkrebs bei Frauen, vor Anal- und Rachenkrebs bei allen Menschen, bei Männern vor dem Peniskarzinom. Und natürlich vor den häufigen Genitalwarzen, die alle betreffen können. Und gerade bei Männern nehmen die Rachenkarzinome dramatisch zu, und für diese gibt es keine Vorsorge.


#4 Welche „Erfolgsquote“ gibt es bei den verschiedenen Krebsarten?

Die Erfolgsrate ist bei den Karzinomen ,die tatsächlich durch HPV verursacht werden, über 90%. Dieser Anteil variiert zwischen 40 und 99%.


#5 Gibt es Risiken bei der Impfung? Welche Nebenwirkungen bzw. Impfreaktionen sind zu erwarten?

Die Nebenwirkungen sind mit anderen Impfungen vergleichbar, z.B. der Zeckenimpfung.


#6 Warum sollten sich genau 9 – 12-Jährige impfen lassen? Ist in diesem Alter etwas ganz besonders? Früher hieß es die Impfung MUSS vor dem ersten sexuellen Kontakt erfolgen – gilt das nicht mehr?

Die Impfung ist ab 9 zugelassen, in diesem Alter kommt man den ersten sexuellen Kontakten zuvor und die Immunantwort ist besonders stark. Die Impfung verhindert auch bei sexuell Aktiven neue Infektionen, behandelt aber nicht bestehende Infektionen, daraus resultiert eine geringere Wirksamkeit. Deshalb sollte so früh wie möglich geimpft werden, am besten in der 4. Klasse Volksschule.


#7 Bis zu welchem Alter macht die Impfung Sinn und warum danach nicht mehr? (z.B. bei Frauen über 40!)

Es gibt keine obere Altersgrenze mehr, gute Wirksamkeitsdaten liegen bis 45 Jahren vor.


#8 Wo kann man sich bzw. seine Kinder impfen lassen?

In der Schule, bei Kinderärztinnen, Frauenärztinnen, praktischen Ärztinnen und in den öffentlichen Gesundheitsämtern.


#9 Was ist mit „HPV Catch-Up“ gemeint?

Für alle, die es nicht geschafft haben bis zum 12. Geburtstag kostenlos geimpft zu werden – und das sind leider mehr als die Hälfte – steht bis zum 18. Geburtstag das Catch-up Programm zur Verfügung. Hier werden die Impfungen (bis 18 sind lediglich 2 Impfungen im Abstand von 6-12 Monaten notwendig), zum deutlich vergünstigten Selbstkostenpreis angeboten. Dies ist in öffentlichen Gesundheitsämtern und bei niedergelassenen Ärzten möglich.


#10 Vor der Corona-Pandemie gab es Impfaktionen in den Schulen – ist das bald wieder geplant?

Geplant ja, die Durchführung ist aber nicht perfekt, die Durchimpfungsrate liegt unter 50%.


#11 Möchten Sie den Eltern, die diesen Beitrag lesen noch einen Rat bezüglich HPV bzw. Krebsvorsorge mit auf den Weg geben?

Schützen Sie ihre Kinder vor sechs Krebsarten, je früher desto besser funktioniert es. Und Mütter sollen sich ab 30 alle drei Jahre auf HPV testen lassen – das schützt die Mütter am effektivsten vor Gebärmutterhalskrebs. Und natürlich macht die HPV-Impfung auch für alle Mütter und Väter Sinn.


Kosten und Impfaktionen

Wie bereits erwähnt, ist die Impfung für Kinder unter 12 Jahren kostenlos. Danach war das bisher eine teure Angelegenheit. Jetzt gibt es aber eine ganz besondere Aktion:

Impfaktion: HPV Catch-Up (12 – 18 Jahre)

Die Impfaktion „HPV Catch-Up“ soll sicherstellen, dass Kinder und Jugendliche, welche die Gratis-HPV-Impfung bis zu ihrem vollendeten 12. Lebensjahr versäumt haben, zum vergünstigten Selbstkostenpreis nachholen können. Alle Infos dazu findet man direkt bei der Ärztekammer.

Diese besondere Aktion ist vom 01.03.22 bis zum 30.06.23 gültig. Die Impfung kann in öffentlichen Impfstellen und bei niedergelassenen Ärzten (das ist jetzt neu!!!) in Anspruch genommen werden. Im Alter zwischen dem vollendeten 9. und dem vollendeten 15. Lebensjahr benötigt ein Kind zwei Teilimpfungen im Abstand von 6-12 Monaten. Ab dem vollendeten 15. Lebensjahr bereits drei Dosen im Abstand von 2 bzw. 6-8 Monaten. Für die vollständige Immunisierung belaufen sich die Kosten inkl. Impfhonorar bei zwei Teilimpfungen auf ca. 180,00 Euro und bei drei Teilimpfungen auf ca. 270,00 Euro.


Neben kostengünstigen Impfaktionen setzt die WHO hauptsächlich auf Aufklärungsarbeit. Die Durchimpfungsrate ist noch nicht zufriedenstellend und kaum jemand weiß überhaupt, was die HPV-Impfung bewirkt:

Aufklärung über Humane Papillomaviren

Die WHO hat sich zum Ziel gesetzt Krebserkrankungen, die durch HPV-Infektionen verursacht werden, bis 2030 weltweit zu eliminieren. Neben regelmäßigem Screening und rascher Behandlung steht dabei eine Durchimpfungsrate von 90 % im Mittelpunkt der Aktivitäten. (Aktuell beträgt die Durchimpfungsrate bei der HPV-Impfung in Österreich geschätzt unter 50 Prozent, was im internationalen Vergleich ein äußerst schlechter Wert ist.)

Alle Infos zu diesem wichtigen Thema und zum „Förderpreis zur Aufklärung über Humane Papillomaviren“ mit einer Dotierung von € 20.000 (Einreichen bis Ende September 2022 möglich) findet ihr hier:

Gemeinsam gegen HPV


Ich hoffe dieser Beitrag konnte viele offene Fragen bezüglich der HPV-Impfung beantworten und die Entscheidung für oder gegen eine Impfung erleichtern.


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HPV-Impfung

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der FINE FACTS Health Communication GmbH und der freundlichen Unterstützung von Dr. Elmar Joura!


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Christine, chaotische Mama von 4 Kids berichtet hier als Co-Bloggerin vom Leben zwischen Babybrei und Vorpubertät! Der Social-Media Name "Die lauten Nachbarn" ist hier täglich Programm. Folgt uns gerne auch auf Instagram und Facebook!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

    1. Gott sei Dank leben wir in einem Land, in dem das jeder für sich entscheiden kann!

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