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Weniger ist mehr: Bei Kinderwunschbehandlung das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften nicht unterschätzen!

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Weniger ist mehr: Bei Kinderwunschbehandlung das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften nicht unterschätzen!

Paare in der Kinderwunschbehandlung haben die Vorstellung, dass beim Transfer von zwei Embryonen die Chancen auf eine Schwangerschaft deutlich steigen. Sie unterschätzen dabei aber die Wahrscheinlichkeit von Mehrlingen und die damit verbundenen möglichen Komplikationen in der Schwangerschaft sowie bei und nach der Geburt. Expert:innen empfehlen deshalb den Single-Embryo-Transfer, also die Rückgabe von nur einem Embryo. Aus ihrer Sicht ist „Weniger mehr“. Ein Interview mit Prof. Dr. med. Jan-Steffen Krüssel, Vorstandsmitglied des Deutschen IVF-Registers:


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Voraussichtliche Lesedauer: 10 Minuten


Weniger ist mehr: Bei Kinderwunschbehandlung das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften nicht unterschätzen!


Interview zum Risiko von Mehrlingsschwangerschaften bei Kinderwunschbehandlungen mit Jan-Steffen Krüssel, Vorstandsmitglied des Deutschen IVF-Registers

Prof. Dr. med. Jan-Steffen Krüssel, Universitätsklinik Düsseldorf
Prof. Dr. med. Jan-Steffen Krüssel, Universitätsklinik Düsseldorf


Wie erleben Sie Paare in der Kinderwunschbehandlung?

Die Paare wollen natürlich gerne schwanger werden und sie wollen, wenn es irgendwie geht, sehr schnell schwanger werden. Das ist ja auch verständlich, und zwar nicht nur, weil sonst vielleicht benötigte mehrere Behandlungen aufwändig und teuer sind.


Ist es dann sinnvoll, sich direkt zwei befruchtete Eizellen einsetzen zu lassen?

Nein, mit Blick auf die nicht zu unterschätzenden Komplikationen und Risiken einer Mehrlingsschwangerschaft für Mutter und Kinder versuchen wir, die Paare zu beraten und zu überzeugen, sich nur einen Embryo einsetzen zu lassen.


Wie ist die aktuelle rechtliche Situation?

Wir dürfen in Deutschland aufgrund des Embryonenschutzgesetzes drei Embryonen zurückgeben. Das war früher Standard, weil damals die Erfolgsaussichten noch schlechter waren. Die haben sich aber deutlich verbessert, wir können heute im Labor viel mehr machen und die Schwangerschaftsraten sind deutlich besser geworden.


Was passiert beim Transfer von mehreren Embryonen?

Die Schwangerschaftsrate erhöht sich bei Rückgabe von mehreren Embryonen nicht so drastisch, wie man das vielleicht denkt. Was sich aber doch sehr stark erhöht ist das Risiko, dass Mehrlinge entstehen. Wenn ich also zwei Embryonen zurückgebe, kann es sogar auch sein, dass nicht nur Zwillinge, sondern gar Drillinge oder Vierlinge entstehen – und das kommt auch vor.

Bei Frauen, die nach IVF- oder ICSI-Behandlung am Tag des Frischtransfers zwei Embryonen nach 5-6 Tagen Kultur zur Verfügung haben und sich beide Embryonen zurückgeben lassen (DET = Double Embryo Transfer), entstehen fast zur Hälfte risikobehaftete Mehrlingsgeburten. Darunter sind nicht nur Zwillings-, sondern auch Drillingsund Vierlingsgeburten!

Bei Frauen, die nach IVF- oder ICSI-Behandlung am Tag des Frischtransfers zwei Embryonen nach 5-6 Tagen Kultur zur Verfügung haben und sich davon erst einmal einen Embryo zurückgeben lassen (SET = Single Embryo Transfer), entstehen fast nur Einlingsgeburten. Unter den wenigen Mehrlingsgeburten entstanden auf diesem Weg keine Drillings- und Vierlingsgeburten!

Fazit: Es erscheint zunächst nachvollziehbar, möglichst schnell schwanger zu werden und dabei im Zweifel auch Mehrlinge in Kauf zu nehmen. Aber: Zum Schutz der Mütter und Babys sollte man das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften und -geburten bei der Entscheidung, ob ein oder zwei Embryonen zurückgegegeben werden, auf keinen Fall vernachlässigen. Zumal die Babys aus Mehrlingsschwangerschaften zu rund 80 Prozent zu früh geboren werden.


Welches Vorgehen finden Sie sinnvoll?

Unsere Aufgabe ist es, den Paaren die Risken von Mehrlingsschwangerschaften und dabei den deutlich zu früh geborenen Kindern genau zu erklären. Bereits Zwillinge werden zu über 80 Prozent zu früh geboren. Letztendlich müssen aber die Paare entscheiden, wie viele Embryonen zurückgegeben werden sollen.


Wie stellt sich die Situation gerade dar?

Erfreulicherweise ist der Anteil der Zyklen, in denen gar drei Embryonen transferiert werden, in den letzten Jahren verschwindend klein geworden. Und auch der Anteil der Transfers von zwei Embryonen ist rückläufig – eben im Sinne eines Single-Embryo-Transfers, also der Rückgabe von nur einem Embryo.


Wirkt sich das auf die Schwangerschaftsraten aus?

Wir sehen in den Statistiken des Deutschen IVF-Registers: wenn ich nur einen idealen Embryo zurückgebe, dann ist die durchschnittliche Schwangerschaftswahrscheinlichkeit über alle Altersgruppen bei 31,5 Prozent. Wenn ich zwei ideale Embryos zurückgebe, dann ist sie höher, aber nur sechs bis sieben Prozentpunkte. Aber: das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft erhöht sich gleichzeitig um das mehr als 20-fache, also um mehr als 2.000 Prozent!

Kinderwunsch: Mehrlingsschwangerschaften bei DET und SET

Nach einer Rückgabe von 2 Embryonen entstanden fast zu einem Drittel Mehrlingsschwangerschaften, mit den entsprechenden Risiken für Mutter und Kinder! Oder: Für eine gut 6 Prozentpunkte höhere Prognose für eine Geburt erhöht man das Risiko für eine Mehrlingsschwangerschaft und -geburt und für Babys, die zudem dann zu über 80 Prozent zu früh geboren werden, auf das über 20-fache!


Was ist entscheidend für den Erfolg einer Kinderwunschbehandlung?

Das Alter der Frau ist für sich betrachtet der größte Einflussfaktor für die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit. Je älter die Frauen werden, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass eine Schwangerschaft entsteht.

Zahlen, Daten, Fakten zu Schwangerschaften nach Alter der Frau

Kinderwunsch: Schwangerschaftsraten nach Alter
Entwicklung der Schwangerschaftsrate in Abhängigkeit vom Alter. Schwangerschafts- und Geburtenrate
sind pro Embryotransfer berechnet.

Bis zum 32. Lebensjahr bleibt die Schwangerschaftsrate bei über 40 Prozent pro Embryotransfer und die Geburtenrate über 30 Prozent. Bereits ab dem 33. Lebensjahr fängt diese langsam an zu sinken. Während die Abortraten bis zum 35. Lebensjahr unter 20 Prozent liegen, steigen sie ab dem 36. Lebensjahr deutlich an und liegen bereits mit 38 Jahren höher als die Geburtenrate pro Embryotransfer in Prozent.

Demnach hat beispielsweise eine 40-jährige Frau eine Schwangerschaftsrate von 23,9 Prozent pro Embryotransfer bei einer Geburtenrate von knapp 15 Prozent. Allerdings sinken die Geburtenraten ab 41 weiter massiv ab und nach dem 45. Lebensjahr kam es 2022 bei 514 Transfers lediglich zu acht Geburten. Dies liegt zum einen an der niedrigen Schwangerschaftsrate, aber zu einem großen Teil auch an einer Abortrate von über 50 Prozent!

Für die Beratung ist es wichtig, dass die Kinderwunschbehandlung zeitnah stattfinden sollte, insbesondere in der Gruppe der 35- bis 39-Jährigen, in der sich die meisten unserer Patientinnen befinden.

Siehe dazu auch: Bei Kinderwunsch nicht zu lange warten! Aktuelle Daten und Fakten zu ungewollter Kinderlosigkeit


Was wünschen Sie sich von den Paaren in der Kinderwunschbehandlung?

Mein Wunsch wäre, dass sich jedes Paar nur einen Embryo zurückgeben lässt und wenn es einen zweiten gibt, den dann einfriert, für spätere mögliche Behandlungen. Das ist heute technisch gar kein Problem mehr.


Welche Fortschritte gibt es in der Kinderwunschbehandlung?

Wir geben nicht irgendeinen Embryo zurück, sondern einen, der sich gut entwickelt. Wir können die befruchteten Eizellen sehr verlässlich bis zum fünften Tag kultivieren und sehen dann, ob sie es geschafft haben. Die Qualität der Laborarbeit und Verfahren ist in den letzten Jahren immer besser geworden.


Was ist denn heute Standard in Bezug auf die Anzahl der transferierten Embryonen?

In vielen Ländern gibt man tatsächlich nur einen Embryo zurück. Schweden oder die Niederlande machen das nahezu nur noch und sind dabei sehr erfolgreich. Bei uns ist da noch Überzeugungsarbeit nötig. Viele Kinderwunschpaare unterschätzen das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft komplett – oder nehmen es leider und fälschlicherweise sogar bewusst in Kauf.


Paare, die sich entscheiden, müssen mit Kosten für den Prozess des Einfrierens, die Kyrokonservierung, rechnen, die sie selbst zahlen müssen.

Das ist leider so, denn die Krankenkassen übernehmen derzeit keine Kosten für das Einfrieren und die (sinnvollen!) Auftauzyklen. Trotzdem ist es mehr als sinnvoll, weil sich die Paare so noch eine weitere Möglichkeit eröffnen, ohne dass eine neue Hormonbehandlung nötig ist. Das spart unterm Strich Zeit und Geld.


Bietet das den Kinderwunschpaaren tatsächlich eine „zweite Chance“?

Wenn der erste Transfer zur Geburt führt, steht der kryokonservierte Embryo dem Paar auch Jahre später für ein Geschwisterkind zur Verfügung. Die Embryoqualität entspricht weiterhin dem Alter der Frau bei der Entnahme der Eizelle. Und wer nicht schwanger wurde, kann damit in einem nächsten Zyklus einen weiteren Versuch starten, ohne die sonst notwendigen Vorbehandlungen der Eizell-Entnahme.


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Ein besonderer Blick auf die Anzahl geborener Babys

Bei tausend Frauen, die nach IVF- oder ICSI-Behandlung am Tag des Frischtransfers zwei Embryonen nach 5-6 Tagen Kultur zur Verfügung haben und sich beide Embryonen zurückgeben lassen (DET = Double Embryo Transfer), werden 522 Kinder geboren.

Bei tausend Frauen, die nach IVF- oder ICSI-Behandlung am Tag des Frischtransfers zwei Embryonen nach 5-6 Tagen Kultur zur Verfügung haben und sich davon erst einmal einen Embryo zurückgeben lassen (SET = Single Embryo Transfer), werden 550 Kinder geboren.

Einbezogen ist hier, wenn notwendig, der zuvor kryokonservierte Embryo als zweite Chance, ohne dass die Frau noch einmal eine Hormontherapie durchlaufen muss.

Fazit: Obwohl einmal oder zweimal nur jeweils ein Embryo zurückgegeben wurde, werden über diesen Weg mehr Kinder geboren als bei einem einmaligen Double Embryo Transfer.

Copyright Infografiken: Deutsches IVF-Register e.V. (D·I·R)® 2023
Das Interview führte Simona Meier, freie Journalistin, Düsseldorf.

Weitere Informationen, Zahlen und Analysen bietet das Deutsche IVF-Register (D·I·R)® in seinem aktuellen Jahrbuch, das am 22.09.2023 erschienen ist: https://www.deutsches-ivf-register.de/jahrbuch.php


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Birgit

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter. Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

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