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3 fatale Fehler in der Erziehung: #1 Begründung

3 fatale Fehler in der Erziehung: #1 Begründung

Modernes Erziehungsverhalten ist von drei besonderen Kennzeichen geprägt – alle drei sind ebenso weit verbreitet, wie auch fatal. Denn wir untergraben damit subtil und ungewollt den Selbstwert und die Selbstwirksamkeit unserer Kinder.
Was Eltern unbedingt vermeiden sollten – diesmal #1 Begründung:

Ich bin auf das Buch der Innsbrucker Psychologin Robin Menges gestoßen: Selbst.Wert.Gefühl. Ein Handbuch zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen (Ennsthaler Verlag). Das Buch behandelt grundlegende Fragen zum Selbstwert und Selbstgefühl. Und es liefert mit deiner „Tool-Box“ ganz konkrete Möglichkeiten, das Selbst unserer Kinder zu stärken – für Fachleute und Eltern! Sehr praktisch, übersichtlich und hilfreich!

Dabei macht Robin Mendes auch darauf aufmerksam, wie wir meist ganz subtil und ungewollt, den Selbstwert und die Selbstwirksamkeit unserer Kinder untergraben – ganz einfach, weil wir sie nach bestem Wissen und Gewissen erziehen wollen. Die Autorin identifiziert in diesem Zusammenhang drei Kennzeichen des typischen Erziehungsverhaltens unserer Zeit. Mendes nennt sie »Diktate«, weil sie wie unumstößliche Annahmen zur gängigen Erziehung dazugehören.

3 fatale Fehler in der Erziehung: #1 Begründung

Diese Diktate sind:

  • Begründung
  • Konsequenzen
  • Funktionieren

Leseprobe mit freundlicher Genehmigung des Verlages:Im Gegensatz zu früheren Generationen geht es weder Eltern noch Fachleuten heute darum, dass Kinder einfach lernen müssten zu gehorchen oder Grenzen der Grenzen willen zu akzeptieren. Heute sollen sie lernen, dass es Gründe gibt, warum sie sich so oder so verhalten müssen. Und dass diese Gründe wichtig genug sind, sie zu akzeptieren. Sie sollen wissen, dass ihr Verhalten Konsequenzen hat. Und es wird erwartet, dass Kinder funktionieren.

Begründungen, Konsequenzen und das Funktionieren sind nicht per se ein Problem. Sie sind Aspekte unserer Realität, aber sie werden hier missbraucht und nach wie vor rigid, starr und willkürlich eingesetzt. Der Ton macht die Musik. Oft fehlen der gemeinsame Tanz, das Lernen aneinander und die Flexibilität, die gesunde Beziehungen und gesunde Menschen auszeichnen.

#1 Das Diktat der Begründung

Das Diktat der Begründung schaut im Alltag so aus: Wir erwarten, dass kleine Kinder nicht mehr quengeln und schreien, wenn unsere Begründungen gut sind. Sie sollen verstehen, warum es zum Beispiel an der Kassa keine Süßigkeit gibt. Erwachsene erklären und rechtfertigen sich um die Wette, um zu verhindern, dass das Kind unzufrieden ist und laut protestiert. Genauso werden Teenager mit Begründungen zugetextet, wenn sie eigentlich nur eine klare Aussage – Ja oder Nein – erhoffen.

Die versteckte Annahme ist: Wenn meine Begründung gut genug ist und das Kind sie versteht, müsste das allein schon ausreichen, dass es »Ruhe gibt« oder »die Klappe hält«, also einsieht, was der Erwachsene will, und zustimmt.

Man erkennt schnell, dass das nicht funktionieren kann. Überlege dir vielleicht das nächste Mal selbst, wenn du anfängst, jemandem (ja, wir machen das auch mit Erwachsenen) etwas zu erklären: Geht es nicht einfach darum, die Verantwortung für deinen Wunsch, dein Anliegen oder deine Grenze zu formulieren? Oder darum, klar Ja oder Nein zu sagen und mit der realen Reaktion des anderen klarzukommen, egal ob es eine Zustimmung oder Ablehnung ist?



»Lerne deine Anliegen, Wünsche und Bedürfnisse hinter guten Begründungen zu verstecken. Begründungen sind wichtiger als dein Empfinden …«, lautet die verkehrte Botschaft an das Kind, sie betont die Orientierung und Abhängigkeit am Außen.

© Robin Menges: Selbst.Wert.Gefühl. Ein Handbuch zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen, Ennsthaler Verlag.

Muttis Fazit zum Thema Begründung

Hand auf’s Herz – es stimmt: Wir texten unsere Kinder meist zu. Irgendwann gehen dann einfach die Klappen zu – oder andersrum: Die Kinder schalten auf Durchzug. Speziell in Krisensituationen, wenn die Kinder aufgebracht und aufgewühlt sind, sind sie alles andere als empfänglich für Erklärungen und anderes erzieherisches Bla-bla. Dann produzieren wir tatsächlich nur heiße Luft! Und gießen sogar noch Öl ins Feuer: Denn Erklärungen tragen nie zu emotionaler Beruhigung in einer aktuellen Erregung bei.

So geht’s besser:

Verantwortung für den eigenen Wunsch, das eigene Anliegen oder die eigene Grenze übernehmen – ein Ja oder ein Nein klar kommunizieren. Und dann natürlich auch die – möglicherweise unerfreuliche – Reaktion des Kindes aushalten. Dabei können wir die Emotion des Kindes spiegeln und damit verdeutlichen, dass wir seine Enttäuschung, Entrüstung, what ever sehen und verstehen.

Wir verschießen viel zu viel Pulver und verlieren an Authenizität, wenn wir Kinder mit Erklärungen, nach denen sie nicht gefragt haben, zutexten.
Robin Menges

  • Mut haben, Entscheidungen zu treffen.
  • Dinge, die einem wichtig sind, in ruhigen Momenten besprechen, wenn man dem Kind entspannt in die Augen sehen kann.
  • Worte weise wählen, klar und kurz sprechen.
  • Bewusst sehen und hören: Die angeschaute Person spürt, ob ihr das Gegenüber offen und interessiert begegnet.
  • Dahinterliegende Bedürfnisse wahrnehmen: Mit viel Mitgefühl sich in die Situation des Kindes einfühlen, empathisch mitschwingen und wertschätzend reagieren.
  • Benennen: Stimmige Worte finden.
  • Das Kind spiegeln: “Ich sehe, dass du traurig bist, ich weiß aber nicht, warum” – das lädt zu Innenschau und Selbstreflexion ein.
  • Tempo rausnehmen: Verlangsamung ist ein sehr wirksames Mittel – speziell wenn der Druck steigt. Damit beruhigen sich die Eltern automatisch – und das wirkt auch auf das Kind.
  • Berühren: Emotionale und körperliche Berührung ist notwending und notwendend! (Siehe dazu auch: Berührt euch! Das Geheimnis, warum ihr euch in der Familie mehr berühren solltet)

Weiterlesen:
Hier geht es zu den anderen Erziehungsfehlern:

  • #1 Begründung (you are here!)
  • #2 Konsequenzen (coming soon)
  • #3 Funktionieren (coming soon)

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