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Systemisches Konsensieren in der Familie: Gemeinsam gute Entscheidungen treffen

Systemisches Konsensieren in der Familie: Gemeinsam gute Entscheidungen treffen

Eltern von mehreren Kindern kennen wahrscheinlich dieses Phänomen: Das eine Kind will genau das Gegenteil von dem, was das andere Kind will. Hier eine gute Entscheidung zu treffen, ist gar nicht leicht – vor allem wenn alle mit ihren individuellen Wünschen wahrgenommen und sich niemand „übervorteilt“ fühlen soll. Hier ist das gängige Mehrheitsprinzip nicht immer ganz ideal. Wir haben nun eine Methode kennengelernt, die deutlich besser als der Mehrheitsentscheid ist: Systemisches Konsensieren. Wie es funktioniert – ganz einfach! –, wer es einsetzen kann und wofür:

Entscheidungen werden heute meist mittels Mehrheitsprinzip getroffen. Das klingt demokratisch, aber das Mehrheitsprinzip hat ein großes Problem: das sprichwörtliche „Zünglein an der Waage“ hat eine überaus große Macht. Stehen sich zwei Personen oder Parteien mit ihren Meinungen diametral gegenüber, dann entsteht eine Pattsituation. Jeder tritt vehement für seinen Lösungsvorschlag ein – es gilt andere zu überzeugen. Meist gewinnt der, der am lautesten schreit, am redegewandtesten seine Sicht der Dinge verkaufen kann oder in der besseren Machtposition ist. Ob dann immer die beste Idee zum Zuge kommt, sei dahingestellt. Bei einfachen Mehrheiten gibt es mehr „Verlierer“ als „Gewinner“. Heißt: Eine Minderheit drückt der Mehrheit eine Lösung auf. Und oft formiert sich vehementer Widerstand bei den Verlierern. Nicht gerade zuträglich für die Tragfähigkeit der Lösung …

Das Systemische Konsensieren geht einen anderen Weg: Beim Systemischen Konsensieren nähern sich alle Beteiligten dem größtmöglichen Konsens. Machtspielen und Gruppenegoismen wird hier der Nährboden entzogen. Wie das gelingt, verrate ich euch hier:

Systemisches Konsensieren: Gemeinsam gute Entscheidungen treffen

Systemisches Konsensieren: So funktioniert‘s

Systemisches Konsensieren fragt nicht nach der Zustimmung, sondern nach den Widerständen. Es wird jene Lösung gewählt, die von allen Beteiligten die geringste Ablehnung erfährt. Geringster Widerstand bedeutet im Umkehrschluss größtmögliche Akzeptanz.

  1. Zuerst sucht die Gruppe realisierbare Lösungsvorschläge: Jeder darf hier eine Lösung einbringen.
  2. Dann stimmen alle Gruppenmitglieder ab: Welcher Lösungsvorschlag hat wieviel Widerstand? Jede Person in der Gruppe gibt an, wie sehr sie die jeweilige Lösung ablehnt oder ob sie der Lösung neutral gegenüber eingestellt ist.
  3. Ausgewählt wird nun jene Variante mit dem geringsten Widerstand.

Der Vorschlag mit dem geringsten Gruppenwiderstand erzeugt die geringste Unzufriedenheit in der Gruppe. Er wird von allen gemeinsam am leichtesten angenommen und erzeugt daher das geringste Konfliktpotenzial. Dieser konsensierte Lösungsvorschlag kommt dem Konsens am nächsten.
Je nach Situation eignen sich unterschiedliche Konsensierungsmethoden:

WIE konsensieren? Unterschiedliche Methoden

#1 Schnell-Konsensieren 1-2-x

Diese Version eignet sich ganz hervorragend in der Familie bei sehr schnellen Entscheidungen – auch unterwegs. Beispiel Familienspaziergang: Gehen wir über die Felder oder gehen wir durch den Wald? Alle Familienmitglieder äußern nun ihre Ablehnung:

  • Hände vor der Brust verkreuzt = Es ist mir egal.
  • Eine Hand in der Höhe = Ich lehne diese Version ab
  • Zwei Hände in der Höhe = Ich lehne diese Version SEHR STARK ab

Das geht erfahrungsgemäß sehr schnell und die getroffene Entscheidung wird erstaunlich gut akzeptiert.

#2 Normales Konsensieren 0-10

Im Normalfall werden beim normalen Konsensieren Widerstandswerte zwischen Null (= kein Widerstand) und 10 (= totaler Widerstand) vergeben. Die Werte 1-9 werden je nach individuellem Gefühl vergeben. Das ist zulässig, weil auch Konflikte aus Gefühlen entstehen. Die Werte können entweder auf kleinen Zettelchen vermerkt, abgegeben und ausgewertet werden. In kleineren Gruppen kann der Wert auch hochgehalten und gezählt werden. Alle Werte werden zusammengezählt und der Lösungsweg mit dem geringsten Widerstand gewählt.

In dieser Version wird meist auch eine Nulllösung bzw. Passivlösung hinzugefügt: Was passiert, wenn wir uns heute auf nichts einigen können? Das kann einerseits eine Würdigung des Status quo sein. Andererseits kann es verdeutlichen, dass man unbedingt eine Einigung braucht, wenn auch diese Nulllösung einen hohen Widerstand erfährt. Auch beim Auswählen aus einer Liste von sehr vielen Vorschlägen kann die Nulllösung ein wertvoller Hinweis sein: dann repräsentiert sie die Grenze der Zumutbarkeit. Denn wenn einzelne Lösungen mehr Widerstand bekommen als die Nulllösung, dann können sie wahrscheinlich ganz aus der Betrachtung entfernt werden, denn dann dies diese Lösung noch schlechter als der Status quo.



Widerstände hinterfragen: Warum bist du so dagegen?

Ernten einzelne Lösungsvorschläge sehr starken Widerstand, sollten diese unbedingt hinterfragt werden. Hier kommen wichtige Einschränkungen oder Vorbehalte zutage, die bisher eventuell noch nicht gesehen wurden. Warum bist du so sehr dagegen? Gibt es gute Gründe dafür, die andere Team-, Gruppen-, Familienmitglieder nicht wahrnehmen? Dieses Hinterfragen bietet eine enorme Chance, blinde Flecken zu entdecken, die aber bei der Lösungsfindung unbedingt berücksichtigt werden sollten. Mit diesem neuen Wissen müssen die Lösungsvorschläge gegebenenfalls noch einmal überdacht und möglicherweise noch einmal erneut abgestimmt werden.

Systemisches Konsensieren: WER kann konsensieren?

Systemisches Konsensieren kann in allen möglichen Entscheidungsprozessen eingesetzt werden – von Familienentscheidungen, über Schule, Vereine, Unternehmen bis hin zur Politik. Die Methode ist geeignet für:

  • Kindergarten:B. für die Auswahl von Spielen.
  • Schule:B. Planung von Ausflügen, Klassensprecherwahl („Wer soll uns als Klasse vertreten?“)
  • Familien:B. Planungen für den nächsten Urlaub, Wochenendgestaltung, Arbeitsaufteilung in der Familie, bei Familienkonferenzen
  • Vereine:B. Wahl von Funktionären, Prioritätensetzung
  • Firmen:B. Entscheidungen zu Personal oder Produkten
  • Parteien:B. interner Konsens
  • Staaten:B. Wahlen, Volksabstimmung
  • Europäische Union:B. Entscheidung zur Zeitumstellung

In Unternehmen ist die Methode bisher am weitesten verbreitet. Aber die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese Methode auch schon mit Kindern sehr gut eingesetzt werden kann und auch den Weg in die Politik finden sollte.

Systemisches Konsensieren: WAS kann konsensiert werden?

Diese geniale Methode zur Entscheidungsfindung kann in folgenden Anwendungbereichen eingesetzt werden:

  • Auswählen: Personen, Termine …
  • Reihen: Dringlichkeit, Bedeutsamkeit …
  • Kreative Lösung suchen: Ausflug, Konzept …
  • KEE – Konsensierte Entscheidungsempfehlung geben: für alle, die nicht selbst entscheiden können, aber ein Stimmungsbild einholen wollen. Z.B. in Arbeitsgruppen oder Interessengruppen.

Systemisches Konsensieren: Ein Beispiel aus dem Familienalltag

Ein Beispiel aus dem Familienalltag ist die Einigung auf ein gemeinsames Essen – was soll gekocht werden? Gerade im Urlaub kann so eine Frage zum Knackpunkt für den Familienfrieden werden.

Ausgangssituation: Alle vier Familienmitglieder wollen natürlich etwas anderes. Jeder tritt vehement für seinen Essenswunsch ein. Würden sich die Eltern auf ein Essen einigen, wäre das Geschrei der Kinder groß. Würde ein Elternteil zugunsten der Essenswahl eines Kindes entscheiden, wäre das zweite Kind schwerst enttäuscht. Also wird konsensiert. Und plötzlich kommt die Familie zu einer tragfähigen Lösung.

Das Beispiel stammt aus dem Buch Systemisches KONSENSIEREN: Der Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg. Dort könnt ihr euch auch selbst davon überzeugen, dass sich die Kinder nix Gutes tun, wenn sie alle Vorschläge (außer den eigenen Vorschlag) mit 10 blockieren zu versuchen. Dann überlassen sie nämlich die Entscheidung den Eltern. Denn:

Konsensieren ist ein Entscheidungsinstrument, ohne ein Machtinstrument zu sein!

Die Autoren des Buches Systemisches KONSENSIEREN: Der Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg schreiben:


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Junge Menschen, die mit Konsensieren aufwachsen, sind unsere Hoffnung für eine friedvollere Zukunft! Dieses einfache Entscheidungsprinzip wird dazu beitragen, dass wir einen Wandel in der Gesellschaft erleben, der zu mehr Gemeinschaft, mehr Entgegenkommen, mehr sozialer Kompetenz und weniger Streit und Kampf führt.

Vorteile des systemischen Konsensierens

Das Systemische Konsensieren hat folgende Vorteile:

  • Die Interessen von möglichst allen werden gesehen statt nur die Interessen einiger weniger.
  • Schutz vor egoistischen Einzelinteressen: JEDER bewertet JEDE Lösungsvariante.
  • Es wird die Lösungsvariante mit dem geringsten Widerstand gewählt. Im Umkehrschluss hat diese Variante die höchste Zustimmung in der Gruppe – und damit die besten Erfolgsaussichten, dass diese Lösung von der Gruppe mitgetragen wird.
  • Die Entscheidungsmacht bleibt bei der Gruppe und geht nicht an eine Splittergruppe.
  • Lösungsfindung ohne Kampf, Sieg und Niederlage: Während bei Mehrheitsentscheidungen oft Verletzungen, Entmutigungen und ein bitteres Gegeneinander entsteht, wird beim Systemischen Konsensieren jeder gleichwertig gehört.
  • Die Methode eignet sich insbesondere bei Pattstellungen, bei der Splittergruppen (das sprichwörtliche Zünglein an der Waage) übermäßig große Macht besitzen.

Mehr über das Systemische Konsensieren: sk-prinzip.eu

Buchtipps zum Systemischen Konsensieren:

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Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter. Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

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