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#fragmama: Stillen in der Öffentlichkeit: ein No-go?

#fragmama: Stillen in der Öffentlichkeit: ein No-go?

Immer wieder tauchen Berichte auf, wo stillende Mütter barsch zurechtgewiesen werden und ins hinterste Kämmerlein – oder gar ins Klo! – verbannt werden. 2012 kochte die Volksseele hoch, als das Time Magazin eine Mutter am Titelblatt zeigte, die ihr sechsjähriges Kind stillte. Darf sowas sein? Wie sieht das bei uns aus? #fragmama: Ich habe mich bei den hiesigen Bloggerinnen umgehört und bin auf ganz unterschiedliche Einstellungen und Erfahrungen gestoßen:

Ich habe mich unter den österreichischen Mama-Bloggerinnen umgehört und mit Freude festgestellt, dass die meisten Mütter recht entspannt mit dem Thema umgehen. Aber es gibt auch negative Erfahrungen. Und die, die – so wie ich – nicht (oder zu wenig) stillen konnten.

Als Illustration habe ich Bilder der “Madonna lactans” gewählt, eine speziell im Mittelalter und der Renaissance sehr beliebte Darstellungsform – sogar an Kirchenwänden. Nach der Renaissance ist dieses Motiv dann verschwunden. Warum nur …?

Stillen in der Öffentlichkeit - ein No-Go?

Die natürlichste Sache der Welt …

Tamara von erziehungskiste sagt:

Ich hab meine beiden Kinder jeweils ca. ein Jahr lang gestillt und zwar immer und überall, wo sie danach verlangten. Ich hab eigentlich nur positive Erfahrungen damit gemacht. Mein erster Sohn kam in Belgien zur Welt, da hatte ich den Eindruck, dass das Stillen noch eher “beäugt” wurde als hier in Österreich, zumal Mütter dort in der Regel schon nach ein paar Wochen wieder arbeiten gehen und das Stillen daher – wenn überhaupt – nur kurzzeitig möglich ist. Ich verstehe generell den Tumult um das Thema nicht, denn mir ist es unbegreiflich, wie sich jemand in seinen Persönlichkeitsrechten angegriffen fühlen kann, wenn ein Säugling gestillt wird. Das ist die natürlichste Sache der Welt. Sonst sind die Österreicher und Deutschen ja auch nicht unbedingt prüde, also was soll der ganze Aufruhr wegen des bisschen Busens, der den Säugling nährt und ihm Geborgenheit vermittelt?

 

Verena von MamaWahnsinnHochDrei:

Ich war irgendwie voll krass drauf beim ersten Kind – mir war das Stillen unangenehm, bin heimgerannt – und das mit dem schreienden Kind! Ehrlich jetzt! Beim 2. war es mir dann plötzlich mehr oder weniger egal – bei der dritten Maus sowieso und überhaupt. Da wurde immer und überall gestillt.

 

Daniela von welovefamily:

Ich habe mich noch nie daran gestört, wenn jemand sein Kind in der Öffentlichkeit stillt. Warum auch? In den meisten Fällen sieht man genau nichts. Und wenn doch einmal: Jo mei. Ich schaue niemandem etwas weg. :-) So saß ich selbst auf Obststeigen im Supermarkt, auf Stiegen, Urban-Gardening-Beeträndern und anderen Locations, wenn mein Kind gestillt werden wollte. Meist machten sie das ohnehin diskret im Tragetuch. Nur ein einziges Mal wurde ich in einem Lokal gebeten, auf der Toilette zu stillen. War zwar nicht schön, doch ich habe das Lokal dann verlassen und ging nicht wieder hin.

 



Michaela von littlebee:

Ich habe eigentlich auch keine negativen Erfahrungen gemacht, hab die beiden Großen überall gestillt, und auch beim Jüngsten mache ich es nicht anders; wenn es möglich ist, suche ich mir natürlich ein ruhiges Platzerl, weils für ihn einfach angenehmer ist. Ich stille aber auch sonst überall, wenn’s notwendig ist, im Bus oder auf der nächsten freien Parkbank, im Restaurant, oder erst vor kurzem im Ikea in der Halle auf einer Palette mit Malm Kommoden. Ich bin schon lang nicht mehr so extrem viel angelächelt worden :-)

 

Eva von D-Day mal anders:

Ich hatte anfangs gar keine Hemmungen, öffentlich zu stillen – auch wenn ich mir während der Schwangerschaft oft Gedanken darüber gemacht habe. Ich dachte, es wäre mir peinlich oder so. Aber im Endeffekt hatten meine Mama und meine Stiefmama recht, als sie mir damals schon sagten, dass es die natürlichste Sache der Welt ist. So war das dann auch, ich habe das Stillen als das Schönste empfunden, dass ich meiner Tochter geben konnte, und ich habe es immer genossen mich auch meiner Maus so nahe zu fühlen. Meine Stiefmama hat immer im Spaß gesagt, wir wären fast schon “zusammengewachsen” :-)

 



Verena von mamirocks:

Ich habe meinen ersten Sohn in München gestillt, wo es mir gerade passte, im Café, im Biergarten oder auf einer Parkbank und wurde auch dort nie komisch angeschaut. Meine Zwillinge habe ich allerdings fast nie in der Öffentlichkeit gestillt, weil ich eh dauernd daheim war – da habe ich schon auf dem Land gewohnt – und mir es viel zu stressig war, mit drei Minis irgendwohin zu fahren.

 

Irene von Wien mit Kind:

Hätte mir jemand vor ein paar Jahren erklärt, dass ich einmal in der vollen U6 stillen würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Aber was soll man machen, wenn das Mini-Freudenbündel (Kind Nummer 2) gerade dann beschließt, lautstark nach Essen zu brüllen? Besonders angenehm war es mir nicht und bei Kind Nummer 1 hätte ich es vermutlich nicht gemacht. Aber damals ist mir aufgefallen, dass man eher schief angesehen oder mit Kommentaren bedacht wird, wenn das Baby schreit als wenn man es stillt.

 

Ist der Ruf mal ruiniert … Anneliese von einerschreitimmer sieht das ganze pragmatisch und meint, dass einem nach einer Geburt nichts mehr peinlich sein kann. Sie hat ihr Schamgefühl irgendwo zwischen Organscreening und Kreißsaal verloren. Alles nachzulesen auf ihrem Blog: Ohne Schamgefühl lebt es sich leichter….

Aber bitte diskret …

Es gibt einen Mittelweg zwischen Still-Amazonen und verschämtem Versteckspiel am Klo. Nadine von buntraum.at meint:

Ich bin sehr dafür und unterstütze es, jedoch mag ich das vehemente “Ich stille überall, findet Euch damit ab” nicht. Ich kann es dezent machen und dennoch die Bedürfnisse aller befriedigen. Das fällt für mich unter Rücksichtnahme der Menschen um mich herum, nicht nur meiner Familie. Ich verstehe, dass es womöglich Nichteltern und Fremden einfach zu viel ist, wenn Frauen in Restaurants freizügig auspacken. Und für mich war und ist Stillen immer mehr als Nahrungsmittelzufuhr, weshalb ich sowieso lieber Ruhe hatte dabei.

 

Julia von immerlauter sagt:

Mir war das Stillen an manchen Orten eher unangenehm, weshalb ich mir ein Stilltuch von Zellmops besorgt habe. Damit habe ich das Baby dann sehr gerne und sehr lange öffentlich und überall gestillt. Mittlerweile stille ich das 10 Monate alte Baby nur mehr morgens, abends und in der Nacht – da fällt die Öffentlichkeit von selber weg.

 

Daniela von die kleine botin:

Ich habe Frl. Tochter 9 Monate gestillt, da kann ich mich nicht daran erinnern, dass jemals ein “komischer” Kommentar gekommen wäre – war halt echt noch Baby. Die “ganz kleine Botin” ist nun schon fast 24 Monate und will immer noch oft gestillt werden, auch tagsüber. Irgendwie “warte” ich ja fast auf einen Blick oder einen Spruch, bisher kam aber nichts dergleichen. Ganz im Gegenteil: mir ist es sicher schon dreimal passiert, dass ich im öffentlichen Raum stillen musste und dann haben mich ältere Damen angelächelt und angesprochen, wie schön sie das finden. Dass auch ein so großes Baby noch Muttermilch bekommt und dass es damals für sie leider nicht möglich war. Es war so ehrlich und herzerwärmend, wunderschön. Zu meiner generellen Haltung muss ich aber sagen, dass ich sehr diskret stille: ich trage immer ein Shirt darunter bzw. einen großen Schal, damit ich nicht “im Freien” sitze. Das ist mir auch wichtig, weil ich echt niemandem zu nahe rücken mag und mir aber auch nicht dreinreden lassen will, wie lange ich meinem Kind Muttermilch gebe.

 

Judith von Stadtmama:

Ich glaube, Österreich ist ein relativ stillfreundliches Land. Ich kenne niemanden, der wirklich negativ darauf angesprochen wurde in der Öffentlichkeit. Ich habe beide Kinder auch immer und überall gestillt. In der U-Bahn, im Cafe, im Restaurant, im Zoo, Museum oder sonstwo. Ich bin ja eigentlich nur öffentlich unterwegs. Wann sie eben Hunger hatten. Wie Daniela habe ich aber aus Rücksicht auf meine Mitmenschen diskret gestillt, auch in den Öffis, mit Schal oder Weste ein wenig abdecken. Das war auch für die Kinder angenehmer, da sie da mehr Ruhe hatten, hatte ich das Gefühl. Geschockt war ich, als ich einmal eine Mama mit wirklich kleinen Baby im Arriola am Klo am Boden sitzend stillen gesehen habe. Das war für mich eher befremdlich, als wenn es jemand in der Auslage eines Geschäfts machen würde…

Negative Erfahrungen

Aber es gibt sie doch, die unangenehmen Erlebnisse: Anja von Gänseblümchen & Sonnenschein hat nicht so prickelnde Erfahrungen gemacht – ausgerechnet in einer Baby-Boutique, in der sie auch etwas kaufen wollte:

Ich musste leider gleich ganz am Anfang eine schreckliche Erfahrung machen, die es mir nachwirkend eigentlich sehr schwer machte in der Öffentlichkeit zu stillen: Das kleine Fräulein war gerade eine Woche alt und wir machten bei einer renommierten BABY-BOUTIQUE halt, um (endlich) etwas rosarotes zu kaufen. Die Verkäuferin sagte, es sei ok, ich kann mich in die Umkleidekabine setzen. Erst dachte ich, weil da ein bequemer Sessel stand – aber nein. Als mein Mann ein passendes rosarotes Jackerl aussuchte und mich um Rat bat, habe ich es gewagt stillend (sehr dezent) und Baby schützend, bedeckend aus der Kabine zu kommen. Woraufhin mich die Verkäuferin streng darauf hinwies, mich bitte wieder zu ‘zurückzuziehen’, da ja ein männlicher Kunde kommen könnte und das könnte ihn ja unangenehm berühren – oder gar schockieren. Schockiert war nun aber ich. Beinahe wäre ich in Tränen ausgebrochen. Dieses Erlebnis hat mich wirklich mitgenommen und ich hab mich immer unwohl gefühlt, wenn es notwendig war, meine kleine Tochter in der Öffentlichkeit zu stillen. In dem Laden in Salzburg war ich NIE MEHR.

 

Stephanie von 3fach-jungsmami musste sich blöde Kommentare anhören:

Stillen in der Öffentlichkeit war mir, ehrlich gesagt, eher immer unangenehm. Ich mochte die Blicke – meist von fremden Männern – überhaupt nicht. Manchmal hab ich auch Sprüche gehört die mich einfach verunsichert haben. Einmal zum Beispiel meinte ein älterer Herr: “Na, der kleine weiß wohl jetzt schon, dass es am Busen schön ist.” Ich habe danach eher ungern in der Öffentlichkeit gestillt und wenn dann nur mehr mit einem großen Tuch gut versteckt, sodass es die meisten Leute dann gar nicht bemerkt haben.

 

Eva von D-Day mal anders berichtet nach anfänglicher Unbeschwertheit über zunehmende Ablehnung:

Alles änderte sich, als Haylie älter wurde. Ich habe sie fast 2 Jahre lang gestillt, auch öffentlich. Nach dem wir nach 8 Monaten feststellen mussten, dass etwas mit ihr nicht stimmt, dass sie krank ist, wollte ich ihr einfach so lange wie irgendwie möglich diese Nähe und diese natürliche Nahrung geben und gleichzeitig damit ihre Mundmotorik – Schlucken usw. trainieren. Als Langzeitstillende erntet man wirklich keine netten Blicke mehr. Auf dem Spielplatz oder im Cafe fühle sich das Stillen unangenehm an. Und ganz ehrlich, hätte Haylie noch länger Lust gehabt gestillt zu werden, hätte ich sie mit Freuden noch länger weitergestillt. Leider verließ Sie dann der Saugreflex und die Brust wurde ihr zu “anstrengend”. Aber ich würde es immer wieder so machen. Stillen ist nichts Abartiges, sondern das Schönste auf der Welt für Mama und Kind. Alles Liebe <3

Stillen – leider nein …

Ich selbst konnte leider nie stillen … ich hab es verzweifelt versucht und bin zweimal gescheiert. Ich hatte oft das Gefühl, dass vorwurfsvolle Blicke auf mir lasten, wenn ich dem Baby das Fläschchen statt die Brust gebe. Aber wahrscheinlich war das nur das eigene Gefühl des Versagens. Meine Nicht-Still-Geschichte könnt ihr hier nachlesen: Stillen – wie geht das?

Kornelia von Wurzelinchen ist es recht ähnlich ergangen:

Ich finde Stillen ist was ganz Natürliches und ich hätte meine Maus gerne länger und voll gestillt – leider hat das mit der Milchproduktion nicht so ganz geklappt (war zu wenig). Wir waren oft in einer kleinen Runde unterwegs und haben in Kaffeehäusern Pause gemacht und die Kinder gefüttert. Ich muss zugeben, ich war oft ein bisschen neidisch auf die Mütter, die einfach ihren Busen ausgepackt haben – ich hatte immer soviel Zeug dabei – Milchpulver im Portionierer, Thermosflasche mit warmem, Flasche mit kühlem Wasser, Fläschchen, … Und ich dachte mir immer, die anderen glauben womöglich, ich möchte mein Kind nicht stillen und gebe ihr deshalb das Flascherl – das war mir auch unangenehm. Ich finde, jede soll stillen oder Fläschchen füttern wie es für sie passt. Und ich finde echt, die Gesellschaft soll da nicht so prüde tun – von allen möglichen Plakatwänden hüpfen dir Brüste in Dessous entgegen und das eigene Kind sollte man nicht öffentlich stillen dürfen? Weil es jemanden stören könnte? *kopfschüttel*

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Titelbild: Pixabay CC0
Abbildungen der Madonna lactans: Public Domain/Creative Commons – jeweilige Lizenz in der Bildunterschrift angegeben.

 


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Muttis Nähkästchen

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter. Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. Liebe Birgit, das ist ein ganz wunderbarer, informativer Artikel geworden! Bravo, eine tolle Idee, die sehr schön umgesetzt wurde. Ich freu mich schon auf mehr! :)

  2. Ich hatte ein Erlebnis das mir viel Kraft geschenkt hat und mir die Bestätigung gab dass ich so lange es für uns beide passt weiter stillen werde, was mittlerweile über 30 Monate sind, wobei die ersten mehr als 3 ein mega Kampf waren um überhaupt voll stillen zu können.

    Ich war, als mein Würmchen Ca 6 Monate war, in der Mall(Wien Mitte) und hab mich im Eingangsbereich neben der Rolltreppe auf eine Bank gesetzt und angefangen zu stillen, als plötzlich eine burgeressende junge Frau(geschätzt 20-25) sich genötigt fühlt laut zu sagen:”Geh, geht das nicht auch am Klo? Das will ja keiner sehen!” Als ich gerade zu einem Konter ansetzen wollte dass sie das überhaupt nichts angeht wo ich stille und sie ja nicht hinschauen braucht (wo man eh nichts gesehen hat), sagt auf einmal eine ältere Dame(65+) die neben mir saß:”Dein grausliches gemampfe will kana sehn, also geh gefälligst du aufs Klo! Diese junge Mami macht alles richtig und wird das auch wegen so einem Trampel wie dir sicher nicht ändern!”(bestärkend legte sie dazu noch ihre Hand auf meine Schulter) Ich war wegen dieser fremden Frau die mich so selbstverständlich verteidigte so gerührt dass ich fast ein paar Tränen vergossen hätte. Seither wird gestillt wo und wann es verlangt wird und das mit Überzeugung.

    1. Liebes Kuschelwürmchen!
      Vielen, vielen herzlichen Dank für diesen herzerwärmenden Beitrag! Ein Hoch auf die Dame und ihre Schlagfertigkeit. Leute wie sie braucht diese Welt!

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