Muttis Nähkästchen | Familienblog seit 2009 | Impressum | Datenschutz
Dänemark: 18 überraschende Erkenntnisse einer Haustausch-Familie

Dänemark: 18 überraschende Erkenntnisse einer Haustausch-Familie

Wir haben es wieder getan: Haustausch – unsere bevorzugte Art des Familienurlaubs. Bereits zum achten Mal sind wir von daheim ausgezogen und haben unser Haus einer fremden Familie überlassen. Dafür residierten wir zeitgleich zwei Wochen lang in deren Haus – und haben wieder jede Menge Neues gelernt. Diesmal über Dänemark, das sich für uns als überraschend anders dargestellt hat.

18 Fakten über Dänemark:

  1. Dänen fahren gechillt.

    Der erste Eindruck von Dänemark? Mit 170 Sachen zur Grenze, Gesichtskontrolle (aufgrund der überzeugenden Menge an Blondschöpfen im österreichischen Vehikel eine Sache von Sekunden), und dann ist man plötzlich mit 130 km/t (das t ist kein Tippfehler – siehe Punkt 2) das schnellste Gefährt auf der dänischen Autobahn. Und dieses Tempo-Limit gilt es auch gründlich einzuhalten, denn es drohen saftige Strafen.

  2. Dänisch – (k)ein Kinderspiel.

    Kartoffel sind kartofler. Möbel sind møbler. Salat salater.
    Eines Tages fragte ich im Supermarkt scherzhaft, ob wir zum Abendessen auch “Radiser” möchten … Und war mehr als erstaunt, als diese Bezeichnung auf der Radieschen-Verpackung wirklich so lautete.
    Aber dann ist es auch schon wieder vorbei mit einfach …
    Butter heißt smør, Käse ost und Stunde time – daher auch km/t
    Alt heißt gammel (!), Fassbier fadøl …
    Bei Lesen lässt sich manches erraten. Aber wenn die Dänen dänisch reden, dann ist’s vorbei mit verstehen …

  3. Man spricht Deutsch

    Wir sind jetzt nicht die Art von Touristen, die immer und überall Deutsch voraussetzen – garnicht. Mir persönlich ist es sogar peinlich, wenn jemand meine Sprache spricht – ich aber seine nicht kann. Generell kommt man in Dänemark mit Englisch wunderbar durch. In vielen Museen gibt es Beschreibungen in Dänisch, Englisch und auch Deutsch – das ist natürlich speziell für die Kinder praktisch. Dieses Service haben wir so bisher noch in keinem Land erlebt – nichtmal in Belgien, wo es immerhin eine Deutsch-sprechende Minderheit gäbe. An der Nordsee schaut die Situation freilich nochmal anders aus: dort gibt es teilweise sogar deutsche Radiowerbung und deutsche Gottesdienste in der Kirche … naja, muss man mögen … Wir mögen das jedenfalls nicht so … Mehr als die Hälfte aller Fahrzeuge haben dort ein deutsches Kennzeichen. Wie gesagt: muss man mögen … oder eben auch nicht.

  4. Shopping bis der Arzt kommt

    In Dänemark findet man an jedem Tag der Woche ein offenes Geschäft – und zwar bis 22:00 Uhr. Auch sonntags. Verrückt! Es gibt kein Ladenschlussgesetz – jedes Geschäft kann öffnen und schließen, wann es will. Oder wann der Geschäftsführer will.
    Das ist zwar praktisch, aber auch völlig überdimensioniert. Ein bisschen Vorausplanung ist den Leuten doch durchaus zuzumuten. Ich bin für geschlossene Geschäfte am Sonntag – irgendwann muss doch auch mal Ruhe sein.

    Quasi als Kontrastprogramm werden in so manchem lauschigen dänischen Örtchen schon um 17:00 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt … Hmmm … da standen wir dann vor verschlossenen Türen. Also doch nix mit Shoppen bis zum Umfallen. Da soll sich noch wer auskennen …

  5. Dänen haben Geschmack!

    Dänisches Design ist wunderschon – auch viele Häuser sind wirklich sehr “designy”, auch die Vorgärten und sogar die Industriegebiete sind überwiegend sehr gepflegt. Schöne Haushaltswaren gibt es an fast jeder Häuserecke zu erstehen – falls man vor 17:00 Uhr kommt, kann man sogar reingehen :-)

  6. Wer hat die Emojis erfunden?

    Steckdose in DänemarkDie Japaner? Werft doch mal einen Blick auf die Steckdosen in Dänemark …
    Ja, Steckdosen gibt’s auch in niedlich. Diese süßen Dinger haben uns im gesamten Haus zugelächelt. Es muss eben nicht immer nur technisch sein. Wie gesagt: Dänen haben Geschmack!

  7. Flagge zeigen verboten!

    Dänen sind tolerant. Nicht jedoch, wenn es um Flaggen geht. Wer in Dänemark als Privatperson eine andere Flagge als den Dannebrog hissen will, braucht eine Ausnahmegenehmigung der Polizei. Darum haben wir uns schleunigst angepasst und eine dänische Flagge besorgt. Denn den Dannebrog dürfen auch Touristen hissen. AAAber: Die Flagge muss zu Sonnenuntergang wieder eingeholt werden. Eine Ausnahme bilden die dreieckigen Wimpel, die gefühlt bei jedem dritten Haus am Mast baumeln. Sie dürfen auch nachts draußen bleiben.

  8. Ach, wir brauchen doch keine Kronen …

    Als Euro-Land sind wir in Sachen Währung sehr verwöhnt. Der Haustausch in Belgien, Finnland, Frankreich und Deutschland klappte ganz ohne Geldwechsel. Großbritannien ist freilich eine andere Geschichte … Aber die Skandinavier sind doch berühmt für ihre Fortschrittlichkeit. Darum werden wir wohl überall mit Kreditkarte zahlen können … oder? Die Realität hat uns schon am allerersten Tag am Parkscheinautomat eingeholt. Also: Her mit den Kronen!
    1 Dänische Krone besteht aus 100 Øre – von letzteren haben wir aber kaum welche gesehen. Preise werden normalerweise auf- oder abgerundet.

    Apropos Kreditkarte:

  9. Aber bitte mit PIN!

    Kreditkarte ohne PIN? Wie zahlen Sie dann, bitte?
    Mit Unterschrift?
    Da schütteln die Dänen nur amüsiert den Kopf … (wahrscheinlich, weil wir aus der Steinzeit kommen und unterschreiben sowas von gestern ist …)
    Aber es geht trotzdem :-)

    Und weil wir schon beim Geld sind:

  10. Die Preise sind so gesalzen wie das Meer

    Aber im Vergleich zu Finnland dann doch wieder moderat. Essen gehen kann man sich hier also durchaus leisten. Außerdem hat es jedes Mal auch tatsächlich vorzüglich gemundet. Was man von Finnland nicht behaupten kann … Und Großbritannien ist freilich eine ganz andere Geschichte …

  11. Dänemark ist cool zum Rad fahren

    Kein Wunder – die höchste Erhebung auf diesem flachen Land ist der Møllehøj mit gerade mal 170,86 m über NN. Damit ist Dänemark offiziell flacher als die Niederlande.
    An vielen Straßen gibt es breit ausgebaute, teilweise zweispurige Fahrradwege und viele Fahrradtunnel.
    Es gibt auch ausgewiesene Mountain-Bike-Strecken. Wobei wir uns schon fragen, wo die Dänen auf die Schnelle die Berge herbekommen?!?

  12. Die Wikinger sind ausgestorben? Von wegen …

    Wir waren bei einem Wikingertreffen in Moesgard – und sofort zurückversetzt in eine fremde Vergangenheit. Angeblich waren auch “Wikinger” aus Österreich bei diesem Treffen dabei – von den Dänen werden sie liebevoll als “Teilzeit-Wickinger” bezeichnet. Wobei – ganz so anders als bei Mittelaltertreffen in unseren Breiten ist das dann auch wieder nicht. So sind “Teilzeit-Wikinger” eben im wahren Leben “Vollzeit-Ritter”!

    Außerdem:

  13. Wikinger haben keine Hörner!

    Pfui, pfui, pfui!
    Wickie & Co. haben uns da kräftig an der Nase herum geführt!
    ECHTE Wikinger haben nämlich gar keine Hörner auf dem Helm. Das ist alles nur erstunken und erlogen. Vonwegen Bildungsauftrag im öffentlich-rechtlichen TV …

    Apropos Bildungsauftrag:

  14. Dänemark ist absolut kinderfreundlich

    Dänemark ist ausgesprochen kinderfreundlich – und sie können Kultur hautnah erfahren. Wir waren echt erstaunt, wie zugänglich und angreifbar das Kulturerbe dargestellt wird. Egal ob auf der Fregatten Jylland (einer wunderbar erhaltenen Fregatte), im Kvinde Museum (Frauen-Museum in Aarhus) oder in Den Gamle By (Die alte Stadt – ein wunderbares Freilichtmuseum in Aarhus) – nur ganz wenige Stellen sind abgesperrt oder hinter Glas geschützt. Der Rest darf angegriffen und ausprobiert werden. Sehr cool!

  15. Bitte keine Sandburgen!

    Dänen bauen keine Sandburgen.
    Punkt.
    Eine Sandburg gilt als Erkennungszeichen für Touristen aus Tyskland. Burgen bauen vermittelt territorialen Anspruch – und das ist in Dänemark nunmal verpönt. Das ist fast so arg wie eine fremde Flagge hissen :-)

  16. Unisex-Toiletten

    Haustausch in Dänemark: Unisex-ToilettenGeschlechtertrennung am stillen Örtchen? Nicht in Dänemark. Finde ich echt cool – damit sind die ewig langen Schlangen vor den prinzipiell viel zu klein dimensionierten Damen-Toiletten Schnee von gestern. Ich frag mich sowieso immer wieder, ob denn in den heimischen Breiten alle Architekten Männer mit wenig Feingefühl und/oder Weitblick sind. Aber bei uns kann man ja sogar klagen, wenn es keine Geschlechtertrennung in der Toilette gibt. Verrückt …

  17. Gescheitert: Haus zusperren

    Selbst als geeichte Haustauscher ist man vor Überraschungen nicht gefeit. So sind wir dieses Jahr kläglich daran gescheitert, die Haustür zuzusperren. Ein Hilferuf an die Tauschfamilie brachte Aufklärung: Hierzulande muss man erst die Klinke nach OBEN drücken, ehe sich der Schlüssel umdrehen lässt. Good to know …

  18. Der öffentliche Verkehr ist peinlich.

    Zum Schluss darf es auch noch ein wenig Kritik sein. Meine Jungs finden es peinlich, dass Aarhus als zweitgrößte Stadt in Dänemark keine Straßenbahn hat. OK, sie sind Schienen-Freaks – das ist ihre persönliche Sicht. Aber auch das städtische Bussystem lässt zu wünschen übrig. Da darf man zur normalen Tageszeit schon mal eine halbe oder gar ganze Stunde auf den Stadtbus warten … Da haben wir in Belgien ein ganz anderes System kennengelernt. Kein Wunder, dass in Dänemark alle mit dem Auto fahren. Und das, obwohl es eine Co2-Steuer gibt …
    Aber vielleicht ändert sich ja noch was, wenn Aarhus 2017 europäische Kulturhauptstadt wird. Baustellen gibt es jedenfalls genug!

Unser Programm in Dänemark:

Wir waren in Mitteljüttland unterwegs – und da hauptsächlich im Osten:

  • Silkeborg: walking around and getting wet … Schleuse, Regen, AQUA Aquarium & Zoo.
  • Ebeltoft: Pittoreskes Städtchen! Fregatte Jylland + Zehen in den Sand. Das Glasmuseum hatte leider schon geschlossen;
  • Aarhus: Kvinde Museum (Frauen- und Kindermuseum – mit wirklich nachhaltigen Eindrücken für Mutter und Kinder!), ARoS Museum für Moderne Kunst mit dem grenzgenialen Rainbow-Panorama von Olafur Eliasson, Den Gamle By – die alte Stadt (sehr lebendig, sehr anschaulich – sehr cooles Freilichtmuseum mit jeder Menge zu entdecken, da kann man einen ganzen Tag drin verbringen), Wikinger Museum, Tivoli
  • Randers: sehr feines Städtchen mit Flair! Shopping-Alarm. Allerdings: um 17:00 ist größtenteils Schluss!
  • Moesgard: Wikinger-Treffen – authentisches Handwerk, “echte Wikinger-Schlacht”, nachdem die Toten wieder auferstanden sind, ging’s mit lautem “wash!”-Gebrüll zur Reinigung ins Meer. Sehenswert!
  • Hobro: Wikinger-Center Fyrkat – authentische und wenig überlaufene Überbleibsel aus der Wikinger-Zeit: Brot backen, in Wikinger-Kleidung schlüpfen, mit Schwert und Schild kämpfen.
  • Hadsten: Modelbane Europa – für unseren Schienenfreak! Freilich kann es nicht mit der Miniaturwunderland in Hamburg mithalten. Dafür ist es aber wesentlich weniger überlaufen – und man kann selbst Hand anlegen: Züge steuern, selbst eine Modelleisenbahn zusammenbauen usw.
  • Ringkøbing Fjord: sehr windig, sehr touristisch, sehr deutsch – muss man mögen … da gibt’s schon mal Radiowerbung auf Deutsch und sonntags eine deutsche Messe in der Kirche. Viele, viele Ferienhäuschen. Wie gesagt – muss man mögen.
  • Rodelund: Labyrinthia
  • Billund: Legoland – ein Muss – siehe auch: LEGOLAND – ein paar Tipps von Mutti
  • Und dann musste natürlich auch noch die Wii im Tauschhaus ausgiebig getestet werden ;-)

Unser Familien-Fazit zum Haustausch in Dänemark:

Uns gefällt eindeutig der Osten Jüttlands besser – er ist authentischer, nicht ganz so flach und nicht so windig. Vor allem ist er weit nicht so touristisch und da Meer ist ruhiger.
Dänemark hat uns wirklich gut gefallen – da müssen wir unbedingt mal wieder herkommen. Es ist überraschender anders als gedacht!
Und die Anreise mit dem Autoreisezug war die beste Idee überhaupt – so haben wir so manchen Stau auf der deutschen Autobahn einfach verschlafen :-)

Kleingedrucktes: Wir haben uns unser Ausflugs- und Reiseprogramm mit Hilfe der Insider-Tipps der Tauschfamilie zusammengestellt. Vielen Dank dafür! Auf meine Anfrage an Visit Denmark in Hamburg hab hingegen lediglich eine Out-of-Office-Reply erhalten. Tja …

Auch Lust auf einen Haustausch bekommen?

Hier gibt’s Erfahrungsberichte zum Haustausch mit Familie. Unsere Tausch-Plattform: intervac-homeexchange.com

Dänemark mit Kind: Tipps und überraschende Einsichten einer Haustausch-Familie

Like it? Bitte folge mir:


Datenschutzhinweis: Mit Klick auf den Link verlässt du diese Seite. Es gelten die Datenschutzerklärungen der jeweiligen Plattformen.



Muttis Nähkästchen

Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter (aka. Rabenmutter). Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Wunderbar amüsant und interessant zu lesen. Danke!

  2. Hej. Tak for denne gang. Sehr schön zu lesen. Vielen Dank.

    Gruß Steffen

  3. Liebe Birgit!
    Ich bin gestern Abend zufällig auf deinen Blog gestoßen, als ich meinem jüngsten Sohn eine echte dänische Sandburg zeigen wollte, damit er sich schon ein bisschen vorfreuen kann, was ihn bei unserem Haustausch im Sommer erwartet…..tja vielleicht lieber doch keine Sandburg?
    Und dann hab ich natürlich gleich reingestöbert in deinen tollen Blog… und als ich dann auch gleich noch über „meinen“ lieben Haylie Schatz gestolpert bin, die ich seit nun fast 5 Jahren ein kleines Stück weit durchs beschwerliche Leben begleiten darf, da hab ich mir schon gedacht: wie klein die Welt doch ist…..Vor allem Dank der Digitalisierung.
    Ich bin ja grundsätzlich eher zurückhaltend was Facebook, Instagram und Co angeht, aber in deinem Blog find ich mich tatsächlich sehr stark wieder.
    Mal abgesehen davon, dass uns unser erster Haustausch auch nach Gent geführt hat und unsere Haustausch- Partner auf unser Dorf und Oberösterreich allgemein sehr ähnlich reagiert haben.( Nur dass in unserem Fall ich die jenigen war die wochenlang das Haus geputzt hat um letztendlich festzustellen, dass es nie perfekt werden würde)
    Also Mal abgesehen von den Haustausch Erlebnissen, gibt es auch sonst recht viele Parallelen, weshalb ich deinen Blog mittlerweile komplett durchgelesen habe ☺️.
    Das Leben als berufstätige und bekennend schreiende Mutter von Söhnen (ich hab drei an der Zahl und einer von ihnen ist getestet hochbegabt) kommt mir teilweise sehr vertraut vor. Und auch deine Sicht der Dinge… ich könnte sie nur nicht so wunderbar treffend formulieren…
    Es ist eine Freude zu lesen und es tut unendlich gut wieder mal von jemandem außerhalb der eigenen Ehe das Gefühl zu bekommen, dass es wohl schon so halbwegs passen wird, wie „man“ lebt und erzieht.
    Ganz liebe Grüße
    Claudia

    P.S. Ich glaub wir waren auch im selben Geburtsvorbereitungskurs 🤣: Von daher kenn ich den Ausspruch mit der Knackwurst – den hab ich weder davor noch danach je wieder gehört. Und ganz bestimmt auch nicht so erlebt 😉

    1. Danke, liebe Claudia, für dieses tolle Feedback! Ich hab ja schon so manches vom Stapel gelassen …

Kommentar verfassen

Menü schließen