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Gesundes für Kinder: Die größten Irrtümer

Gesundes für Kinder: Die größten Irrtümer

Gesunde Ernährung für Kinder:
Ist Zucker immer schlecht? Und Fett ist doch ungesund – oder?
Dunkles Brot ist immer besser als Weißbrot. Zuckerfrei ist immer besser. Und Eistee ist gesünder als Cola. Außerdem brauche Kinder täglich Fleisch …
Stimmt das? Oder sind das weit verbreitete Irrtümer?
Ernährungsexpertin Sophie Waldmann räumt mit den gängigsten Irrtümer in Sachen gesunde Ernährung für Kinder auf:

Kinder gesund zu ernähren ist nicht immer leicht. Außerdem sind viele Mythen und Irrtümer zum Thema gesunde Ernährung für Kinder unterwegs.
Darum habe ich Ernährungsexpertin Sophie Waldmann von AVOS zum Interview gebeten:

Zucker ist immer schlecht?

Man sollte unbedingt beachten, dass Zucker nicht gleich Zucker ist. Unser Körper braucht unbedingt Zucker, damit er Energie bekommt. Der große Unterschied liegt in der Komplexität des aufgenommenen Zuckers. Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln enthalten lange Zuckerketten (Vielfachzucker), welche vom Körper gut verwertet werden können und sättigen. Dadurch steht uns Energie für den Tag zur Verfügung und wir haben nicht sofort wieder Hunger.

Süßigkeiten und zuckerhaltige Limonaden enthalten meist nicht so komplexe Zuckermoleküle, die vom Körper schnell verwertet werden und nicht sättigen. Zusätzlich schießt der Blutzuckerspiegel schnell in die Höhe, genau das sollten wir aber meiden, damit es nicht zu einem Leistungstief kommt.

Fett ist automatisch ungesund?

Fett ist keinesfalls automatisch ungesund. Es ist wichtig, dass auf die Fettqualität und Menge geachtet wird. Bevorzugt sollten pflanzliche Öle wie Raps-, Lein-, Oliven-, oder Walnussöl verwendet werden. Vor allem Rapsöl und Fisch wie Lachs, Saibling oder Forelle liefern wertvolle Fettsäuren, die vor allem für die Gehirnentwicklung und Denkfähigkeit von großer Bedeutung sind. Seltener sollten tierische Fette wie Butter, Schlagobers und fette Wurstwaren am Speiseplan vorhanden sein.

Eistee ist gesünder als Cola?

Sowohl Eistee als auch Cola sind stark gezuckerte Limonaden, welche weder gesund noch ideale Durstlöscher sind. Am besten ist es, solche Getränke zu meiden. Sollten diese doch einmal am Speiseplan stehen, so ist es sehr wichtig, dass diese Getränke genug verdünnt werden (mindestens im Verhältnis 1:3). Leider ist gerade die Kombination von Zucker und Koffein (eben genau wie in Eistee und Cola) für Kinder sehr gefährlich, da sie extrem aufputschen.



Probiotische Lebensmittel (z. B. Drinks) sind empfehlenswert?

Mit Vernunft, also mit Maß und Ziel, können z. B. probiotische Drinks in die Ernährung eingebaut werden. Probiotische Lebensmittel beinhalten gewisse Bakterienkulturen, die den Darm positiv beeinflussen sollten und das Immunsystem stärken. Fraglich ist allerdings, ob der meist hohe Preis dafür steht. Denn hier stellt sich die Frage, ob auch genügend Bakterien im Produkt enthalten sind, damit diese unversehrt im Darm ankommen und ihre positive Wirkung entfalten können? Wichtig ist immer ein Blick auf das Etikett, ein Zusatz von Zucker sollte nicht vorhanden sein, da wir ansonsten sicher mehr Zucker als nützliche Bakterien zuführen.

Gesunde Ernährung für Kinder – Zuckerfrei ist immer besser?

Dieser Aussage kann ich nicht zustimmen. Vielen zuckerfreien Produkten werden Lebensmittelzusätze bzw. Süßstoffe oder Zuckeraustauschstoffe/-alkohole hinzugefügt, um den süßen Geschmack (eben ohne natürlichen Zucker) zu erhalten. Süßstoffe sind zwar zahnfreundlich, besitzen aber eine extrem hohe Süßkraft. Dadurch wird die Geschmackswahrnehmung verändert und die Kinder gewöhnen sich schnell an diese extreme Süße. Mit der Zeit kann das Verlangen nach süßen Speisen steigen und die natürliche Süße, z. B. von einem Naturjoghurt mit Früchten, kann nicht mehr richtig wahrgenommen werden.

Zuckeraustauschstoffe haben eine geringere Süßkraft als Zucker, können aber in größeren Mengen abführend wirken. Grundsätzlich plädiere ich generell für einen maßvollen/ reduzierten Umgang mit Zucker und zuckerhältigen Speisen. Aufgrund dessen sehe ich keine Notwendigkeit für Zuckerersatzstoffe.

Gesunde Ernährung für Kinder: Die größten Irrtümer. Eine Ernährungsexpertin klärt auf.

Dunkle Weckerl sind immer gesünder als helle Brötchen?

Ein dunkles Weckerl oder Brot deutet nicht automatisch auf eine wertvolle Vollkornware hin. Beim Bäcker kann man direkt nachfragen, ob Vollkornmehl verwendet wurde. Im Lebensmittelgeschäft sollte man das Etikett lesen. Ein Kornweckerl bedeutet nicht automatisch Vollkorn. Nur wenn der Begriff Vollkorn explizit erwähnt wird, ist Vollkornmehl verwendet worden. Vollkorngetreide hat positive Eigenschaften für unsere Verdauung und unsere Gesundheit. Um Kinder an den Geschmack von vollem Korn zu gewöhnen, kann man zum Beispiel Auszugsmehl mit Vollkornmehl mischen.

Kinder brauchen täglich Fleisch?

Fleisch ist ein wertvolles Lebensmittel und hat einen hohen Nährwert. Täglich sollten allerdings keine Fleisch- und Wurstwaren verzehrt werden. Diese Lebensmittel sollten maximal dreimal in der Woche am Speiseplan stehen. Eiweiß kann auch aus pflanzlichen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchte und Getreide aufgenommen werden, durch eine Vielfalt an Produkten und einer geschickten Kombination von eiweißhaltigen pflanzlichen Lebensmitteln (Kartoffel + Ei, Getreide + Milchprodukt, Hülsenfrüchte + Getreide) steht einer fleischlosen Ernährung nichts im Wege.



Mein Kind trinkt genug?

Grundsätzlich gilt die Empfehlung mind. 6 Portionen Getränke (ein Glas passt in eine Kinderhand) zuzuführen. Ideale Durstlöscher sind Wasser, ungesüßte Tees oder stark verdünnte 100 % Frucht- oder Gemüsesäfte. Zuckerreiche Limonaden oder Fruchtsaftgetränke sind nicht empfehlenswert. Milch zählt aufgrund ihres Nährstoffgehaltes nicht zu den Getränken, sondern zu den Lebensmitteln.

Und nicht vergessen: Während bzw. nach intensiver Bewegung sollten die entstandenen Flüssigkeitsverluste wieder aufgefüllt werden.

Haben Sie Tipps für Getränke?

Wassertrinken kann für viele Kinder auf Dauer als „fad“ bezeichnet werden. Aufgrund dessen empfehle ich aromatisiertes Wasser. Einfach in einem Wasserkrug saisonale (bestenfalls auch regionale) Früchte ziehen lassen. Nach ca. 20-30 Minuten schmeckt das Wasser schon intensiv nach den zugesetzten Früchten. Im Anschluss können die Früchte auch noch verspeist werden.

Tipps:

  • Minzblätter mit Zitronen-/Orangenscheiben (hierbei auf Bio-Ware achten, ansonsten gehen die Pestizide von der Schale ins Wasser über)
  • Apfelspalten, Melonen- oder Erdbeerstücke, Fenchel- oder Anissaat, …
  • Basilikumblatt, kleine Obststücke oder selbst püriertes Fruchtpüree in Eiswürfelformen einfrieren. Diese besonderen Eiswürfel peppen jeden Wasserkrug optisch und geschmacklich auf.

Tipps für eine schlaue Jause

Eine ideale Schuljause besteht aus folgenden Komponenten:

  1. ein Getränk (am besten Wasser),
  2. Gemüsesticks oder ein kleines Stück Obst,
  3. Getreide und eiweißhaltige Lebensmittel wie zum Beispiel ein Joghurt mit Getreide/kleine Portion Nüsse oder Vollkornbrot/-weckerl mit Aufstrich/Käse/Schinken oder selbstgemachter Müsliriegel. Gerne kann auch mal ein Wrap mit Salat, Fleisch, Reis,…. als Jause mitgegeben werden. Ebenso kann man Hirse oder Couscous (süß oder pikant) z. B. in einem bruchsicheren Schraubglas in die Schule mitgeben. Bei der Jausenzusammensetzung sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Angebot für Schulen: Fokus Ernährung



Ein gesundes Verpflegungsangebot an der Schule ist das A und O. Um dieses sicherzustellen, gibt es das AVOS-Angebot „Fokus Ernährung“. Sein Inhalt ist die Optimierung des schulischen Angebots nach ernährungswissenschaftlichen Richtlinien (Ernährungs- bzw. Pausenverpflegungsangebot vor Ort optimieren, Getränkeautomaten-Check, etc.) – und das kostenlos! Mehr Informationen dazu: hier.


Weitere Linktipps:


Sophie WaldmannDie Expertin:

Sophie Waldmann ist Ernährungsexpertin bei AVOS (AVOS – Arbeitskreis Vorsorgemedizin Salzburg). In regelmäßigen Vorträgen an salzburger Schulen klärt sie Eltern über gesunde Jause und richtige Kinderernährung auf.

Sophie Waldmann absolvierte das Studium der Ernährungspädagogik in Graz und ist ausgebildete Adipositastrainerin für Kinder und Jugendliche.


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Bildmaterial: (c) AVOS


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Hier plaudert Birgit, alias Mutti, 40+, seit 2009 aus dem Nähkästchen: Authentizitäts-Freak, selbstbewusst grauhaarig, kreativ angehaucht, völlig unperfekte Mutter (aka. Rabenmutter). Familienblog aus dem Leben mit zwei Jungs - Mutter allein unter Männern. Mehr über Muttis Nähkästchen: About. Nix verpassen? Folgt mir via Social Media oder Newsletter.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Na nichts gegen die Expertin, kann aber nicht wirklich zustimmen.
    1. Zucker … unsere Lebensmittel vor allem alles was haltbar ist enthalten viel zu viel Zucker, so dass wir sowieso schon zu viel zu uns nehmen
    2 Fleisch, selbst au der offiziellen Seite der europ. Union steht mittlerweile in Kleingedruckt Richtlinien für einen “gesunden EU Bürger”, dem Konsum von rotem Fleisch zu vermeiden.
    Das Fleisch ist und kann nicht gut sein, zu viel Hormone ecc ecc

    Ich könnte noch weiter auflisten… Fakt ist jedoch das man anfangen muss umzudenken

    1. Nicht falsch verstehen! Sie meint mit Zucker nicht automatisch Haushaltszucker. Denn: Streng genommen sind alle Kohlenhydrate Zucker. Aber auf die Komplexität kommt es an. Haushaltszucker & Co sind Einfachzucker – heißt viele Kalorien, wenig Sättigung. Vollkornprodukte sind komplexe Kohlenhydrate – die sorgen für eine lange Sättigung. Und der Körper braucht sie!

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