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Homeshooling: Vor- und Nachteile von häuslichem Unterricht

writing-1000794-mVor nicht all zu langer Zeit habe ich mich mit Bekannten zum Thema Homeschooling unterhalten. Doch was spricht dafür? Und was dagegen? Wäre das eine geeignete Unterrichtsform für ein hochbegabtes Kind? Meine zusammengefassten Recherche-Ergebnisse: 



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Homeschooling, also der private Unterricht zu Hause (sprich: Eltern übernehmen die Ausbildung der allgemeinbildenden Schule), ist in Deutschland verboten. Detail am Rande: Dieses Verbot ist ein Relikt aus der Nazi-Zeit: Homeschooling wurde erst 1938 verboten, weil das Regime die Kontrolle über die unterrichteten Inhalte haben wollte. In Deutschland gibt es aber trotz Verbots – illegale – private Initiativen von Eltern, die oftmals auch von den zuständigen Behörden geduldet werden. Aber es gilt: keine Schule, kein Schulabschluss.

study-table-1275249-mIn Österreich ist Homeschooling hingegen erlaubt, ebenso in den meisten Kantonen der Schweiz, in Belgien, Luxemburg, Frankreich oder Großbritannien. Überall dort gibt es ein staatliches Examen – und damit auch einen Schulabschluss für Homeschooler.

Andere Bezeichnungen für Homeschooling sind: häuslicher Unterricht, Privatunterricht, Home Education, Hausunterricht, Domizilunterricht, Heimunterricht, Schule zu Hause, häusliches Lernen, Entschulung, home based learning, family based education.

Vorteile:

  • Individuelle Förderung: gezieltes, individuelles Eingehen auf das eigene Kind, entsprechend der jeweiligen Begabung, des Lerntyps und des eigenen Tempos
  • Unterrichtsschwerpunkte können selbst gewählt werden
  • der “Umgangston” wird selbst bestimmt, Mobbing ist quasi ausgeschlossen, kein negativer Gruppendruck
  • keine überfüllten Klassen
  • “ganzheitlicher” Unterricht, keine Trennung von Schule und Freizeit, denn: Alles ist lernen!
  • Kinder mit Lernbehinderungen und Verhaltensauffälligkeiten werden durch ihre mangelnde soziale Anpassungsfähigkeit nicht benachteiligt
  • Freiheiten in der Unterrichtsgestaltung, flexibler Zeitplan (sowohl was Tageszeiten und Ferienzeiten angeht)
  • Laut einer Studie sind Homeschool-Kinder glücklich, seltener krank, haben mehr Erfolg und können kritisch denken (Quelle: Jordi-Halter 2009 (pdf), S. 50)
  • Ungezwungenes Lernen, ohne unnötige Unterbrechungen und ohne Stress

Nachteile:

  • Unterrichtsschwerpunkte müssen selbst gewählt werden
  • Enormer Zeitaufwand: Suche nach geeignetem Material, Vorbereitung, Unterricht
  • Hoher finanzieller Aufwand: Verzicht auf ein (zweites) Einkommen, Kosten für Schulmaterial müssen entweder ganz oder zu einem großen Teil selbst getragen werden
  • fehlende soziale Kontakte, keine positive Gruppendynamik
  • fehlendes soziales Lernen, fehlende soziale Kompetenz; integrative Ansätze greifen beim Homeschooling ins Leere
  • mangelnde Vorbereitung auf das Leben außerhalb des geschützten, häuslichen Umfelds
  • “Sonderstatus”, wenig Akzeptanz in der Gesellschaft; Rechtfertigung oft notwendig
  • ev. wenig Akzeptanz eines entsprechenden “Abschlusses”

Mein Fazit:

Homeschooling kommt für mich – obwohl erlaubt – nicht in Frage. Für mich überwiegen die (persönlichen) Nachteile:

  • Ich hätte schlicht und einfach nicht die Geduld dazu. Mir reicht es schon manchmal, das Kind zum Hausaufgabe-machen zu überzeugen. Kinder reiben sich an den Eltern und testen in dieser geschützten Umgebung ihre Grenzen – das ist auch gut so. Aber ebenso gut ist meines Erachtens, dass jemand anderes die Lehrkraft ist. So sehr ich meine Kinder liebe, aber 24 Stunden, sieben Tage die Woche wäre mein persönlicher Untergang.
  • Homeschooling würde bedeuten, dass ein Elternteil seinen Job aufgeben muss. Ich arbeite viel zu gerne und genieße die Zusammenarbeit mit Erwachsenen.
  • In der Schule lernen Kinder mehr als nur das, was im Lehrplan steht. Es geht auch um das miteinander und voneinander lernen. Nicht umsonst werden Gleichaltrige mit zunehmendem Alter wichtigere Peers als die ollen Eltern.
  • Außerdem halte ich die Konzentrationsfähigkeit im eigenen Heim für fragwürdig. Die Ablenkung und Versuchung durch die gewohnte Umgebung und allgegenwärtiges Spielzeug stelle ich mir als große Herausforderung vor.
  • Zudem würde ich mir (trotz eines abgeschlossenen Hochschulstudiums) nicht zutrauen, mein Kind in vollem Umfang zu unterrichten – weder pädagogisch, noch fachlich. Allerhöchstens vielleicht noch den Stoff der Grundschule/Volksschule.

Möglicherweise wäre Homeshooling eine geeignete Alternative in Ausnahmesituationen, wie beispielsweise bei langer Krankheit oder Behinderungen. Aber für immer? Ich weiß nicht …

Was sind eure Erfahrungen?

Fotos: michael lorenzo, shho, beide sxc

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Dieser Beitrag hat 9 Kommentare

  1. das stimmt auch fur uns.. Zeit, Geduld… aber, ist super wenn man hat die Alternative, falls mann entscheidet sich fur ein sabatical Jahr, um Australien, Oder besser gesagt die Welt zu entdecken…hier glaube ich wurde gut funktinieren….

  2. Meine Jungs werden wegen ihre “spezielle Bedürfnisse” parallel in der Schule und zu Hause unterrichtet. Eigentlich unterrichte ich immer etwas Weiteres, was sie in der Schule noch nicht gemacht haben. Dadurch können sie mit den anderen Kindern Schritt halten. Ohne Homeschooling wäre es für beide Grossen äusserst fragwürdig gewesen, ob sie jemals überhaupt auf eine “normale” Schule gehen können. Wir machen aber nur die Grundlagen – Lesen und Rechtschreibung, Mathe bis Prozent (habe ich irgendwann vor, kommt in der Schule erst in der 5. oder 6. Klasse), und Aufgaben verstehen, also wie man lernt und was erwartet wird. Wir haben hier Rotz und Wasser geheult, geschimpft und uns wieder vertragen, aber Ergebnisse sind auch da – der Grösste (8J) hat im Sommer den “Hobbit” gelesen und es geht ihm überdurchschnittlich gut in der Schule, und die Einschulung des Mittleren (7J) lief auch ziemlich schön. Die beiden fühlen sich sicher in der Schule, denn sie wissen, dass sie vieles schon können. Und der Kleinste (4J6M)hat gestern angefangen, sein erstes Buch zu lesen. Mit richtig kurzen Wörter und viiiiielen Bilder.

    Wir machen Homeschooling an Samstagen und wenn Mama freie Tage hat, auch in den Ferien, wenn wir zu Hause sind. Dafür haben wir schon eine eigene Routine – ich nehme mir Bügeln oder Handarbeit dazu, die Jungs holen jeder seine Bücher und Hefte. Wir machen das in der Küche, wo es sowieso kein Spielzeug gibt. Dazwischen ein bisschen naschen ist erlaubt. Zuerst übe ich meistens mit dem Kleinen Lesen, die grossen Jungs rechnen, schreiben oder malen selbstständig. Dann ist der Kleine “ein freier Mann” und ich höre zu, wie der Mittlere mir vorliest. Dafür haben wir extra ein Buch gekauft, er durfte es selbst auswählen. Dann machen wir mit dem Ältesten Diktat oder er liest mir vor. Das Ganze dauert selten länger als anderthalb Stunden.
    Ich könnte es mir auch als nur-Homeschooling vorstellen, aber dann müssten die Kinder bestimmt zum Sport-, Kunst- und Musikunterricht. Das können wir zu Hause nicht anbieten. Einen Diplompädagogen haben wir ja auch in der Familie, aber bis Ende der neunten Klasse könnte ich fast alle Fächer selbst unterrichten. In meiner Arbeit mache ich oft Nachhilfe für manche Schüler, die Schulbücher sind so gut, dass jeder, der gut lesen kann, auch versteht, worum es geht. Und es ist ja nicht so, dass ich sofort Mathe der 8. Klasse unterrichten soll, ohne irgendwas aufzufrischen. Nur finanziell geht es im Moment leider gar nicht.

    Alle, die von “normalen” Schule auf Homeschooling umgesetzt haben, sagen, dass es wenigstens einen Monat dauert, bis man eine funktionierende Routine hat. Und natürlich muss man dann vorher vieles lesen und sich das ganze klarmachen, was die Unterrichtsschwerpunkte sein müssen, ob man nach einem Programm unterrichten will oder ganz frei (nennt man “unschooling” – kennst Du diese Idee?), ob man sich zu einer Homeschooling-Gruppe anschliesst etc.

    Entschuldigung, ich habe einen Roman geschrieben. Es ist aber eins meiner Lieblingsthemen …

  3. Ein Jahr Australien oder gleich die ganze Welt … Diana, du bringst mich auf Ideen! Dafür wär’s natürlich perfekt. Bloß: Wie verklickere ich das meinem Arbeitgeber??

    @Reet: Ich habe allergrößte Hochachtung vor eurem Einsatz für eure Kinder!

    Kleiner Nachsatz noch: Dass unser Schulsystem auch nicht ganz so unflexibel ist, konnte ich gerade heute wieder einmal am eigenen Leib erfahren. Es sind schließlich alles Menschen und beim Reden kommen die Leute zusammen. :-)

    1. … wieso? Bloggen kannst du doch auch von unterwegs, oder nicht?

  4. Wir sind homeschooling und die obig genannten Nachteile…(bis auf die persönlichen natürlich wie Geld,Zeit usw..) kann ich nicht bejahen!
    Soziale Kompetenz -was ein extrem großes Vorurteil ist- wird mit ausser schulischen Aktivitäten mhr und besser gefördert als in der Schule… Umd die Orientierung an Gleichaltrigen ist meiner Meinung nach mehr als kritisch zu sehen!
    Wir haben 4 Kinder und ein anderes Modell wäre für uns nicht denkbar!

    Sicher nicht für jeden.. Dennoch bin ich mittlerweile an einem Punkt an dem ich kein pro Argu FÜR Schule finde! (die persönlichen außer acht gelassen..)

    Glg

  5. Ja, soziales Lernen und integratives Lernen ist um einiges weiter in Homeschooling als in den Schulen. Da gibt es mittlerweile auch eine Menge Studien dazu ;)
    Kennst Du Sandra Martin-Chang? Die hat eine sehr gute Studie zu den akademischen Leistungen bei Schulfreien Kindern gemacht. Und dabei hat sie auch das soziale Leben der Kinder beobachtet. Die hatten viel mehr Zeit und damit auch mehr Zeit für Vereine, Clubs, Lernwerkstätten, alle möglichen sozialen Aktivitäten und damit auch mehr soziale Kontakte.

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