Jugendliche lassen sich heute mehr Zeit mit dem ersten Kuss und dem ersten Sex. Sie sprechen offener über Verhütung und schützen sich zuverlässiger als frühere Generationen. Eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit zeigt, wie sehr sich Einstellungen und Verhalten verändert haben und warum das für Familien, Eltern und Bezugspersonen eine wichtige Botschaft ist.
Inhaltsverzeichnis
- In welchem Alter haben Jugendliche zu ersten Mal Sex?
- Der erste Sex findet geplant und in Beziehung statt
- Warum viele Jugendliche noch warten
- Verhütung als Selbstverständlichkeit: Damit verhüten Jugendliche
- Gespräche über Schutz gehören dazu
- Aufklärung wirkt, auch im Familienalltag
- Internet, soziale Medien und Vertrauen bei der Aufklärung
- Was Familien aus der Studie mitnehmen können
- Ein Blick auf die Studie
- Fazit: Gute Nachrichten für Familien
- Weiterführende Materialien
- Mehr zum Thema Sexualität

In welchem Alter haben Jugendliche zu ersten Mal Sex?
Sexualität ist für viele Familien ein sensibles Thema. Oft schwingen Sorgen mit: Sind Jugendliche zu früh dran. Sind sie gut informiert. Treffen sie sichere Entscheidungen. Die aktuelle Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit gibt auf diese Fragen eine klare und für viele Eltern beruhigende Antwort. Jugendliche werden heute später sexuell aktiv als noch vor einigen Jahren und gehen dabei verantwortungsbewusst vor.
Während bei der letzten Erhebung im Jahr 2019 die Mehrheit der Jugendlichen mit 17 Jahren erste sexuelle Erfahrungen gemacht hatte, liegt dieser Zeitpunkt inzwischen meist bei 19 Jahren.

Auch erste romantische Erfahrungen wie Küssen finden später statt. Diese Entwicklung zeigt sich deutlich in allen Altersgruppen, besonders stark bei den 14- bis 17-Jährigen.

Für Familien bedeutet das: Der oft empfundene Druck, Jugendliche würden immer früher sexuelle Erfahrungen machen, bestätigt sich in den aktuellen Daten nicht. Im Gegenteil, junge Menschen nehmen sich Zeit und orientieren sich stärker an ihrem eigenen Gefühl für den richtigen Moment.
Der erste Sex findet geplant und in Beziehung statt
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass der erste Sex für die meisten Jugendlichen kein spontanes oder zufälliges Ereignis ist. Die Mehrheit erlebt ihn in einer festen Beziehung oder mit einer gut bekannten Person. Viele Befragte geben an, dass sich der Zeitpunkt für sie richtig angefühlt habe, und dieser Wert ist im Vergleich zu 2019 unverändert hoch.

Gerade für Eltern ist diese Information wichtig. Sie zeigt, dass Jugendliche Sexualität häufig mit Vertrauen, Nähe und Beziehung verbinden. Die Vorstellung, der erste Sex passiere unvorbereitet oder unter Gruppendruck, trifft auf die Mehrheit der jungen Menschen nicht zu.
Warum viele Jugendliche noch warten
Die Studie hat auch Jugendliche befragt, die noch keine sexuellen Erfahrungen gemacht haben. Die Gründe dafür sind vielschichtig, aber wenig überraschend. Rund die Hälfte sagt, dass bislang die passende Partnerperson gefehlt habe. Viele fühlen sich noch zu jung oder beschreiben sich selbst als schüchtern.

Diese Aussagen machen deutlich, dass Zurückhaltung kein Zeichen von Unwissen oder Angst ist, sondern oft Ausdruck von Selbstwahrnehmung und Abwägung. Jugendliche setzen eigene Grenzen und nehmen sich ernst. Für Familien kann das ein Anlass sein, Gelassenheit zu entwickeln und Vertrauen in die Entscheidungen der Kinder zu haben.
Verhütung als Selbstverständlichkeit: Damit verhüten Jugendliche
Besonders deutlich wird der positive Wandel beim Thema Verhütung. Nur ein sehr kleiner Teil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen gibt an, beim ersten Sex nicht verhütet zu haben. Die große Mehrheit schützt sich von Anfang an, vor allem mit dem Kondom.


Das Kondom ist nach wie vor das am häufigsten genutzte Verhütungsmittel beim ersten Sex. Die Pille spielt eine geringere Rolle als früher, gewinnt aber mit zunehmender sexueller Erfahrung an Bedeutung. Auch andere Methoden wie die Spirale werden genutzt, wenn auch in geringerem Umfang.
Für Familien zeigt sich hier ein klares Bild: Jugendliche sind informiert, planen voraus und übernehmen Verantwortung für sich und ihre Partnerperson. Unsicheres Verhalten ist eher die Ausnahme als die Regel.
Gespräche über Schutz gehören dazu
Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Studie betrifft die Kommunikation. In den meisten Beziehungen sprechen Jugendliche selbstverständlich über Verhütung. Viele thematisieren auch den Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen. Diese Offenheit ist ein zentraler Baustein für sichere Sexualität.

Dass solche Gespräche stattfinden, ist kein Zufall. Sie sind das Ergebnis von Aufklärung, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Sprachfähigkeit fördert. Jugendliche lernen, ihre Bedürfnisse zu benennen, Fragen zu stellen und Verantwortung zu teilen.
Aufklärung wirkt, auch im Familienalltag
Die Studie macht deutlich, wie wichtig kontinuierliche und faktenbasierte Sexualaufklärung ist. Der Schulunterricht ist nach wie vor die wichtigste Informationsquelle für Jugendliche. Gleichzeitig gewinnen Eltern als Ansprechpersonen weiter an Bedeutung. Immer mehr Jugendliche geben an, dass sie mit ihren Eltern über Sexualität und Verhütung sprechen.

Für Familien ist das eine zentrale Botschaft. Gespräche müssen nicht perfekt sein. Entscheidend ist, dass sie stattfinden, offen sind und Raum für Fragen lassen. Jugendliche nehmen sehr genau wahr, ob sie ernst genommen werden. Vertrauen entsteht dort, wo Informationen nicht tabuisiert werden.
Internet, soziale Medien und Vertrauen bei der Aufklärung
Auch das Internet spielt eine Rolle bei der Sexualaufklärung, wenn auch etwas weniger als noch 2019. Jugendliche nutzen vor allem Suchmaschinen, informieren sich aber auch auf speziellen Aufklärungs- und Beratungsseiten. Diese werden von vielen als besonders vertrauenswürdig eingeschätzt.

Soziale Medien wie YouTube, TikTok oder Instagram werden ebenfalls genutzt, genießen aber deutlich weniger Vertrauen. Besonders kritisch sehen Jugendliche KI-generierte Inhalte.
Für Familien ergibt sich daraus eine wichtige Aufgabe: Jugendliche dabei zu unterstützen, Informationen einzuordnen und verlässliche Quellen zu erkennen.


Was Familien aus der Studie mitnehmen können
Die Ergebnisse der Jugendsexualitätsstudie zeichnen ein differenziertes und ermutigendes Bild. Jugendliche sind nicht leichtsinnig oder uninformiert. Sie lassen sich Zeit, treffen bewusste Entscheidungen und nutzen Schutzmöglichkeiten. Aufklärung in Schule, Familie und Gesellschaft zeigt Wirkung.
Für Eltern und andere Bezugspersonen bedeutet das vor allem eines: Vertrauen ist gerechtfertigt. Gleichzeitig bleibt es wichtig, ansprechbar zu sein, zuzuhören und Informationen anzubieten, ohne zu drängen. Sexualität ist ein Teil des Erwachsenwerdens, der Zeit braucht und individuell verläuft.
Ein Blick auf die Studie
Die Jugendsexualitätsstudie wird regelmäßig vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit durchgeführt und gehört zu den wichtigsten Untersuchungen zu diesem Thema in Deutschland. Die aktuelle Erhebung basiert auf bundesweit geführten Interviews mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 25 Jahren. Sie knüpft methodisch an frühere Befragungen an und erlaubt so einen langfristigen Vergleich.
In den kommenden Monaten werden weitere vertiefende Auswertungen folgen, etwa zu Gewalterfahrungen, sexueller Orientierung oder der Nutzung von Beratungsangeboten. Auch diese Ergebnisse werden wichtige Impulse für Familien, Fachkräfte und die öffentliche Diskussion liefern.
Fazit: Gute Nachrichten für Familien
Die aktuelle Jugendsexualitätsstudie zeigt eine Generation, die reflektiert, informiert und verantwortungsbewusst mit Sexualität umgeht. Für Familien ist das eine gute Nachricht. Sie bestätigt, dass Aufklärung wirkt und dass offene Gespräche einen echten Unterschied machen. Wer Jugendlichen zuhört, sie ernst nimmt und begleitet, schafft die Grundlage dafür, dass sie ihren eigenen Weg sicher und selbstbestimmt gehen können.
Quelle: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit https://idw-online.de/de/news864760
Weiterführende Materialien
Weitere Informationen zum Thema:
Über Themen der sexuellen Bildung informieren diese Portale:
Bestellung von kostenlosen Materialien des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit unter: shop.bioeg.de
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